Federgabel macht bei Kälte schlapp

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30. Dezember 2019
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Bei meiner neuen Federgabel Fox 32 Float Performance 130mm ist mir folgendes Verhalten aufgefallen:
Während Bike-Touren unter 10°C sinkt der SAG beträchtlich (mehrere Zentimeter) ab und bleibt auch dort nach Aufwärmen des Rades auf Zimmertemperatur. Den ursprünglich eingestellten SAG bekommt man erst wieder, wenn man die Gabel manuel an den ausgefahrenen Anschlag zieht. Da man hierbei stark gegen die Luftfederung arbeiten muss, ist es nötig das Vorderrad auf dem Boden zu fixieren, und kräftig am Lenker zu ziehen. Dann hört man ein Zischen, und der Druckausgleich zwischen positiver und negativer Kammer ist erfolgt. Dieser Druckausgleich findet bei dem abgesenken SAG nicht mehr selbständig statt - da der Bypass am ausgefahrenen Ende der Gabel ist. Nun meine Frage: ist es üblich, das die Dichtung zwischen positiver und negativer Kammer bei Kälte nicht mehr zuverlässig dichtet, und deshalb während Gewichtsbelastung Luft von der positiven in die negative Kammer übertritt? Eigentlich hätte ich erwartet, dass Federgabeln auch für kühlere Jahreszeiten ausgelegt sind. Das Absacken der Gabel während einer Tour ist lästig. So muss man unterwegs mehrmals anhalten und die Gabel wieder an den ausgefahrenen Anschlag ziehen. Kennt jemand das Problem?
 
Kennen tue ich das Problem "glücklicherweise" nicht, finde aber deine Diagnose sehr schlüssig.

Da außer dem Luftkolben dann aber nix in Betracht kommt -> wird wohl defekt sein.

Je nach Mut und Bastellaune bzw. der Bereitschaft den Gewährleistungsanspruch durchzusetzen würde ich evtl. erst mal testweise ein paar ml Öl auf den Luftkolben geben - wenn du die Topcap wegen Garantie auf keinem Fall aufschrauben willst geht das auch über das Ventil mit heraus geschraubten Ventileinsatz.
 
... Nun meine Frage: ist es üblich, das die Dichtung zwischen positiver und negativer Kammer bei Kälte nicht mehr zuverlässig dichtet, und deshalb während Gewichtsbelastung Luft von der positiven in die negative Kammer übertritt? ...
Nein. Dämpfung und Federung ändern sich (Dämpfung stark, Federung weniger) bei starken Temperaturunterschieden, aber so etwas sollte nicht vorkommen.

... Da außer dem Luftkolben dann aber nix in Betracht kommt -> wird wohl defekt sein. ...
Jupp.
 
Zuletzt bearbeitet:
Vielen Dank für eure prompten Antworten! Ich habe darauf hin die Federgabel ausgebaut und zum Fox Service gegeben - zusammen mit meiner obigen Fehlerbeschreibung. Leider habe ich von Fox keine direkte Antwort darauf erhalten. Anstatt dessen wurden die üblichen Tests durchgeführt (Luftkammer, Kartusche, Krone, Unterteil und Lackschäden). Ausser Normale Gebrauchsspuren am Lack und geweitete Bushings im Lower Leg wurden keine Mängel festgestellt. Der Dust wiper (2x Seals Lower Leg und 2xRings) wurden erneuert (Garantie).
Nach Retour der gewarteten Gabel habe ich vor Einbau einen Vortest gemacht: bei Fülldruck 5bar habe ich die Gabel ca. 3cm zusammengedrückt, fixiert und über Nacht gelagert. Als ich am nächsten Morgen die Fixierung gelöst habe, ist die Gabel wie befürchtet nur teilweise ausgefahren. Diesmal konnte ich selbst mit aller Kraft gegen die Luftfederung nicht in den ausgefahrenen Endanschlag der Gabel gelangen. Deshalb erhöhte ich den Kammerdruck von ursprünglich 5 auf 6, 7 und 8 bar. Erst bei 8 bar reichte meine händische Kraft um die Kabel komplett in den ausgefahrenen Anschlag zu ziehen. Dort höhrte ich das bekannte Zischen (vermutlich Druckausgleich zwischen den beiden Kammern), und die Gabel blieb im komplett ausgefahrenen Zustand (Urpsrungszustand).
Fazit: selbst nach der Wartung bei Fox sehe ich das gleiche Verhalten der Gabel: bei stetiger Belastung strömt vermutlich Luft der positiven Kammer in die negative Kammer. Die vollere negative Kammer wirkt dann einem selbständigen Ausfahren der Gabel entgegen und verhindert damit den Druckausgleich über den Bypass. Um voll funktionsfähig zu bleiben müsste die Gabel somit regelmässig in die Bypass-Position fahren, anstonsten füllt sich bei Dauerbelastung die negativ-Kammer stetig und ein Druckausgleich wird immer schwerer möglich.
Natürlich könnte ich nun zum Beispiel 8 bar oder mehr anstatt den für mein Gewicht (70kg) empfohlenen 5-6bar reinknallen, dann sollte sich die Gabel in der Regel im ausgefahrenen Endanschlag befinden, und der Bypass wäre somit generell aktiv. Aber ich denke nicht, dass ein Federelement im Gleichgewichtszustand bereits am Endanschlag sein sollte, bzw. nach jeder kompressiven Belastung in den ausgefahrenen Endanschlag knallen sollte. Aber vielleicht ist das bei FOX-Gabeln ja nicht anders möglich?
 
Natürlich könnte ich nun zum Beispiel 8 bar oder mehr anstatt den für mein Gewicht (70kg) empfohlenen 5-6bar reinknallen
Du solltest vor allem soviel reinpumpen das der gwünschte Sag erreicht wird. Wenn deine Pumpe irgendeinen Schmarrn anzeigt und du einfach stur 6bar reinmachst hast du in Wirklichkeit vielleicht viel weniger. Bei Kälte zieht sich die Luft dann noch zusammen und du bekommst Probleme mit dem Druckausgleich.

bei stetiger Belastung strömt vermutlich Luft der positiven Kammer in die negative Kammer.
Ja. Kann aber auch sein das die Positivkammer woanders den Druck verliert. Zum Beispiel über einen lockeren Ventileinsatz.


wie soll bitte in der negativkammer mehr druck drinnen sein, als in der positiv kammer..?
Nennt sich "stuck down".
 
Du solltest vor allem soviel reinpumpen das der gwünschte Sag erreicht wird. Wenn deine Pumpe irgendeinen Schmarrn anzeigt und du einfach stur 6bar reinmachst hast du in Wirklichkeit vielleicht viel weniger. Bei Kälte zieht sich die Luft dann noch zusammen und du bekommst Probleme mit dem Druckausgleich.

Ja. Kann aber auch sein das die Positivkammer woanders den Druck verliert. Zum Beispiel über einen lockeren Ventileinsatz.

Nennt sich "stuck down".

Die Eintauchtiefe war bei Fülldruck 5bar etwa 20 bis 25mm, was dem empfohlenen Wert entspicht. Aber gerade mit solch einer Einstellung hatte ich am Ende der Tour ein deutlich tieferes Eintauchen. Zuerst dachte ich auch, dass Luft entwichen ist, oder das das Zusammenziehen der Luft bei kühlen Aussentemperaturen der Grund ist. Jedoch ist die Komprimierung der Luft bei der Temperaturdifferenz von 10°C nicht wesentlich.
Bei Zimmertemperatur war der Fülldruck wieder 5bar, also auch kein Entweichen der Luft. Das tiefere Eintauchen der Gabel blieb jedoch bestehen, und konnte erst wieder durch kräftiges Ziehen an der Gabel mit hörbarem Zischen (vermutlich der Bypass zwischen den beiden Kammern) in den Ursprungszustand zurückversetzt werden.
 
Deine Gabel ist kaputt. Ich würde mich mal mit Fox direkt in Kontakt setzen bzw.Gewährleistung.

Nur in außerordentlichen Fällenwürde man beschriebenes Verhalten wollen, Also ist die Fox dafür nicht gemachtund afaher kaputt.
 
Die Dichtung des trennkolben lässt im eingefederten Zustand Luft von der positiv- in die negativkammer. Dadurch hat die neg.kammer im entlasten Zustand einen Überdruck, mehr Volumen und kann nicht mehr bis zum bypass ausfedern, so dass sie den hohen Druck und das hohe Volumen behält. Dies führt zum Versinken im Federweg. Nsch einem Tausch der Dichtung oder des luftkolben muss das behoben sein. Wenn nicht auf jeden Fall noch einmal reklamieren
 
Genau das Phänomen hatte ich neulich, nachdem ich meine 34er von 120 auf 140mm umgebaut habe. Der Sag wurde immer größer, die Gabel kam kaum noch raus. Ich dachte erst, die Gabel würde Luft verlieren, aber laut Pumpe war das nicht der Fall. Ich habe die Gabel daraufhin nochmal zerlegt und etwas von dem (vorher von mir gewohnt üppig) aufgetragenen Fett entfernt - seitdem ist das Problem weg. Vermutlich hat das Fett den Bypass behindert.
 
ein verstopfter bypass verhindert den druckausgleich zwischen den kammern. das sollte bei der erstbefüllung problematisch sein. aber die luft wandert ja beim einfedern in die negativkammer weil die kolbendichtung nicht mehr dichtet. in der position, in der das passiert, wirkt der bypass ja eh nicht. sprich, dort, wo das problem entsteht, also irgendwo im federweg jenseits des sag. da wandert die luft und verhindert, dass die gabel überhaupt bis zum bypass kommt
 
Da hast Du natürlich Recht, der Bypass ist auch in meinem Fall wahrscheinlich nur ein Teil des Problems gewesen. So oder so: nach erneuter Montage mit weniger Fett war das Problem weg. Ich hatte einen neuen Airshaft mit neuen Dichtungen verbaut, an dem lag es nicht.
 
Vielen Dank für's Mitdenken! Ich habe das Gefühl wir sind auf dem richtigen Weg. Gerade gestern habe ich die weiter oben von mir beschriebene Testprozedur (Gabel über Nacht komprimiert fixiert) an der Suntour-Gabel meiner Frau ausprobiert: diese luftgefederte Gabel hielt den erhöhten Druck über Nacht und lenkte am Morgen nach dem Entschnüren problemlos in die Ausgangslage aus. Das tut meine von Fox unter Garantie gewartete Gabel ist leider nicht, also immer noch defekt! Ich werde das Teil nochmals an Fox einsenden (2.Chance ;-).
 
Lass dann mal hören wie es ausgegangen ist. Bestand das Problem von Anfang an? Wenn ja wäre auch möglich dass die standrohre innen Übermaß haben
 
Nun ist die Gabel von der zweiten Fox-Reparatur zurück. Laut Reparaturbericht wurde diesmal der Air Shaft erneuert. Jetzt scheint das Ganze zu funktionieren! Die Gabel lenkt im unbelasteten Zustand stets voll aus, und auch nach einer längeren Tour ist dies noch so. Zur Erinnerung: vor der Reparatur sacket die Gabel während der Tour langsam immer tiefer und musste danach unter kräftigem Zug wieder an den Endanschlag (Druckausgleich) gebracht werden. Ja, das Problem bestand schon am Anfang an. Die Root Cause kenne ich zwar nicht, bin aber froh, dass ich nun eine funktionstüchtige Gabel habe. Da kann das Frühjahr kommen :-)
 
Meiner Erfahrung nach ja....verschiedene Viskositäten des Dämpferöls und Verhärtung von Gummiteilen bei niedrigen Temperaturen verändert die Eigenschaften def Gabel und des Dämpfers,ganz schlimm war das früher mit Elastomerdämpfung, gibt's hoffentlich nicht mehr.....
 
Meiner Erfahrung nach ja....verschiedene Viskositäten des Dämpferöls und Verhärtung von Gummiteilen bei niedrigen Temperaturen verändert die Eigenschaften def Gabel und des Dämpfers,ganz schlimm war das früher mit Elastomerdämpfung, gibt's hoffentlich nicht mehr.....
Okay und ab welchen Temperaturen macht sich das eurer Meinung nach bemerkbar?
 
Je nachdem, bei einer Viskosität des Gabelöls von 10, 7,5 reichen ca <10 ° ,5 bzw 2,5 bei ca < 0°.
Ich verwende einen Kompromiss und fahre mit 5 ganzjährig, da ausgiebige Winterausritte für mich eh vorbei sind...
 
Je nachdem, bei einer Viskosität des Gabelöls von 10, 7,5 reichen ca <10 ° ,5 bzw 2,5 bei ca < 0°.
Ich verwende einen Kompromiss und fahre mit 5 ganzjährig, da ausgiebige Winterausritte für mich eh vorbei sind...
Vielen Dank für deine Infos.Ich werde mal drauf achten und erfrage mal, was bei einer 34er Fox für ein Gabelöl verwendet wird.
 
Auch wenn von den Herstellern der Forken eine Viskosität vorgeschrieben wird schadet eine abweichende Viskosität den Gabeln nicht,du kannst verschiedene Viskositäten sogar untereinander mischen,aber das führt jetzt zu weit.
Mit verschiedenen Viskositäten kannst du die Performance deiner Gabel etwas beeinflussen.
 
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