Benötigte Handkraft reduzieren

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Moin zusammen,

aus gesundheitlichen Gründen habe ich mit verminderter Handkraft zu tun und will die Vorderradbremse in der Richtung optimieren.

Ausgangslage ist eine Formula Cura 2Kolben mit 160 mm Scheibe. Bisher war das einwandfrei, bin eher kleiner und leichter und habe keine langen Abfahrten hier. Es geht nicht um Standfestigkeit oder schiere Bremspower, da war bisher alles gut - ich will einfach nur möglichst die gewohnte Bremsleistung mit weniger Handkrafteinsatz erreichen.

Mein erster Ansatz wäre eine größere Disc - das scheint mir erst mal der einfachste und effizienteste Weg.

Oder sollte ich eher über einen Bremssattel mit 4 Kolben nachdenken? Wie sind denn die Erfahrungen?
 
Hilfreichster Beitrag geschrieben von Geisterfahrer

Hilfreich
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Hi @Schmal ,

Größerer Scheibendurchmesser = längerer Hebelarm, somit eine gute Möglichkeit. Allerdings: auch der Rahmen wird an den Aufnahmepunkten durch den Hebelarm dann stärker belastet. Nicht in jedem Fall sinnvoll (zumindest nicht, es zu übertreiben).

Bremsgeber mit Untersetzung durch zweistufigen Kolbenaufbau (sitzen bei einigen der Highendmodelle allerdings beim Bremssattel, somit nicht unbedingt über den Geber zu erreichen) sind eine andere Option. Zuerst schnelles Anlegen der Beläge, dann langsamer, kraftvoller Druck, sobald der Gegendruck intern ansteigt.

Oder eine Hybridkombination aus einem Bremszylinder eines Herstellers und Bremsgriffeinheit eines anderen Herstellers (oder anderer Modellreihe). Wird im Spezialradbau häufig derart gehandhabt, auch bzgl. zwei Bremsen mittels eines Gebers. Wenn sich die Kolbendurchmesser unterscheiden, lässt sich somit auch eine Erhöhung der Bremskraft bei gleicher Brems(griff)kraft erwirken.

Längerer Bremsgriff ist evtl. auch eine Option, falls Dein genutztes Modell mit verschiedenen Grifflängen existiert.

Ansonsten sind noch kurze Bremsleitungswege und kleinere Laufräder eine Option, allerdings bei gegebenem Gesamtsystem auch schlecht zu tauschen.

Tausch einer Zwei-Kolben-Bremse gegen eine verzögerungsstarke Vier-Kolben-Bremse ist natürlich auch möglich, technisch recht schnell zu bewerkstelligen und - sofern Du die geeignete Bremsgrifflänge nutzt - führt es zum gewünschten Resultat (stärkere Verzögerung bei geringerem Druck am Hebel).


Erfahrung aus der Praxis: mit sehr schwerem (Anhänger plus Zuladung) "e"MTB steile Berge heruntergefahren mit Zwei-Kolben-System - war durchaus von beherztem Handdruck begleitet.

Mit günstigem, zuverlässigen Vier-Kolben-System (MT5) blieb die Ermüdung deutlich geringer bei längeren Abfahrten. Der Weg, welchen die Bremsgriffe zurücklegen mussten, war dabei vergleichbar.
 
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Die langen Hebel von @RGTec dran bauen.

Ich fahre die Cura 2 mit kürzeren Hebeln von @RGTec und finde die Handkraft eher sehr niedrig.

Die MT5 / MT7 wäre ein denkbar schlechter Tausch, da die Kolbenfläche mit der Cura 2 identisch ist.
 
ich will einfach nur möglichst die gewohnte Bremsleistung mit weniger Handkrafteinsatz erreichen.
Du meinst sicherlich Bremskraft, nicht Leistung. Ist aber auch egal.

Deine Hand-/Fingerkraft wird mittels mechanischer/hydraulischer Übersetzung in eine Bremskraft umgesetzt.
Primär also durch:
1. Länge des Bremshebels (hauptsächlich)
2. Verhältnis der Flächen von Geberkolben zu Nehmerkolben
3. Größe der Bremsscheibe

Mit anderen Worten, es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Handkraft und Bremskraft. Wenn du also gleiche Bremskraft mit weniger Handkraft realisieren willst, ändere Pt. 1.-3. Das ist mit deiner 2-Kolben-Bremse nur bedingt möglich. Die wird nicht einfach so die gleiche Bremskraft mit weniger Handkraft produzieren. Kannst du natürlich trotzdem alles versuchen. :ka:

Einfacher: nimm die stärkste Bremse die du kriegen kannst. Mach ich so, aber weil ich keinen Bock habe wie bescheuert am Bremshebel zu ziehen, wenn es Bremsen gibt, bei denen das für die gleiche Bremskraft ganz leicht geht.

Hier gbit es eine Tabelle mit Grundinformationen zu Bremskraft verschiedener Bremsen, als Anhalt und gleich mit passender Reihenfolge.
 
Zuletzt bearbeitet:
Dominion und fertig. Niedrigere Bedienkräfte bietet keine (bezahlbare).

Die Tabelle oben ist missweisend/nur ein grober Ansatz. Gerade die dort an erster Stelle aufgeführte Maven z.B. mussten sie gerade erst überarbeiten, weil im relevanten Bereich die Bedienkräfte viel zu hoch waren.
 
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Die MT5 / MT7 wäre ein denkbar schlechter Tausch, da die Kolbenfläche mit der Cura 2 identisch ist.

Es war ein Beispiel bzgl. 2 vs. 4 Kolben gemessen an vorheriger Bremse bei einem meiner Räder - keine spezifische Empfehlung.

Sofern die montierte Bremse bereits effektiv konstruiert ist, bleiben noch die weiteren Möglichkeiten bzgl. der wirkenden Hebelarme, Beläge oder ein Kompletttausch gegen eine noch leistungsstärkere Bremse.

(Wobei ich die MT5 und einige Shimanomodelle durchweg gut finde. Wie es halt so ist mit anekdotischer Evidenz..)
 
Größerer Scheibendurchmesser = längerer Hebelarm, somit eine gute Möglichkeit. Allerdings: auch der Rahmen wird an den Aufnahmepunkten durch den Hebelarm dann stärker belastet. Nicht in jedem Fall sinnvoll (zumindest nicht, es zu übertreiben).
Da ich das immer wieder lese, das ist so ja nicht immer und absolut richtig. Gerade am Aufnahmepunkt der Bremse wird bei größerer Scheibe und gleicher Bremskraft eher weniger belastet, da der Hebel ja größer ist. Worst Case Felgenbremse.

Die Konstruktion der Bremssattelaufnahme macht aber wohl nicht alle Scheibendurchmesser/Adapter mit.
 
Da ich das immer wieder lese, das ist so ja nicht immer und absolut richtig. Gerade am Aufnahmepunkt der Bremse wird bei größerer Scheibe und gleicher Bremskraft eher weniger belastet, da der Hebel ja größer ist. Worst Case Felgenbremse.

Hmm? Die Scheibe dreht sich. Durch Spacer zur Gewinnung von Abstand zum Rahmen (oder der Gabel) längt sich der Hebelarm naturgemäß, um Bremssattel auf größeren ScheibenDM zu adaptieren.

Natürlich bedingt der größere Scheibendurchmesser im Gegenzug einen geringeren Bremsbelag-Anpressdruck für die gleiche Verzögerung. Somit geringere Handkraft.

Doch die üblicherweise mit zwei Schrauben montierten Bremssättel schützen bzgl. der Reduktion der "für gleiche Verzögerung notwendigen" Handkraft nicht davor, dass der Fahrer dennoch mal ordentlich zulangt, wie gehabt. Was als Resultat die Belastung auf den Aufnahmepunkten an Rahmen, Schwinge oder Gabel erhöht.

Wenn nur exakt die altbewährte Verzögerung mit nunmehr geringerer Handkraft eingesetzt wird, heben sich beide Hebelarme (mehr oder minder, ist positionsabhängig) auf. Doch sobald wie gehabt einmal fest gedrückt wird.. nun ja.
Nichts davon muss direkt zum Ausfall führen, das ist klar.

Zudem besteht der Effekt natürlich auch an der Bremsscheibe, ergo deren Centerlockvielzahn (dem macht das sicherlich wenig aus) oder eben den sechs M5 Schräubchen (hoffentlich nicht aus Alu).
 
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Doch die üblicherweise mit zwei Schrauben montierten Bremssättel schützen bzgl. der Reduktion der "für gleiche Verzögerung notwendigen" Handkraft nicht davor, dass der Fahrer dennoch mal ordentlich zulangt, wie gehabt. Was als Resultat die Belastung auf den Aufnahmepunkten an Rahmen & Schwinge erhöht.
Ach so. Du meinst die Maximalkraft, die vorher durch die Handkraft begrenz war, würde sich erhöhen. Da gehe ich mit. Wobei die Maximalkraft bei Scheibenbremsen eh meist in "Abflug über den Lenker", oder blockiertem Rad endet.
 
Die langen Hebel von @RGTec dran bauen.

Ich fahre die Cura 2 mit kürzeren Hebeln von @RGTec und finde die Handkraft eher sehr niedrig.

Die MT5 / MT7 wäre ein denkbar schlechter Tausch, da die Kolbenfläche mit der Cura 2 identisch ist.

Du meinst sicherlich Bremskraft, nicht Leistung. Ist aber auch egal.

Deine Hand-/Fingerkraft wird mittels mechanischer/hydraulischer Übersetzung in eine Bremskraft umgesetzt.
Primär also durch:
1. Länge des Bremshebels (hauptsächlich)
2. Verhältnis der Flächen von Geberkolben zu Nehmerkolben
3. Größe der Bremsscheibe

Mit anderen Worten, es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Handkraft und Bremskraft. Wenn du also gleiche Bremskraft mit weniger Handkraft realisieren willst, ändere Pt. 1.-3. Das ist mit deiner 2-Kolben-Bremse nur bedingt möglich. Die wird nicht einfach so die gleiche Bremskraft mit weniger Handkraft produzieren. Kannst du natürlich trotzdem alles versuchen. :ka:

Einfacher: nimm die stärkste Bremse die du kriegen kannst. Mach ich so, aber weil ich keinen Bock habe wie bescheuert am Bremshebel zu ziehen, wenn es Bremsen gibt, bei denen das für die gleiche Bremskraft ganz leicht geht.

Hier gbit es eine Tabelle mit Grundinformationen zu Bremskraft verschiedener Bremsen, als Anhalt und gleich mit passender Reihenfolge.

Erst mal Scheibendurchmesser, evtl Beläge, und dann evtl noch Griffe testen


Dominion und fertig. Niedrigere Bedienkräfte bietet keine (bezahlbare).

Die Tabelle oben ist missweisend/nur ein grober Ansatz. Gerade die dort an erster Stelle aufgeführte Maven z.B. mussten sie gerade erst überarbeiten, weil im relevanten Bereich die Bedienkräfte viel zu hoch waren.
Ist natürlich die schönste Lösung. Aber Scheiben auch hier. Von dem kann man schon mal mit der Cura anfangen
 
Erst mal Scheibendurchmesser, evtl Beläge, und dann evtl noch Griffe testen



Ist natürlich die schönste Lösung. Aber Scheiben auch hier. Von dem kann man schon mal mit der Cura anfangen
Klar, die günstigste Lösung wäre auch aus meiner Sicht:
1) Sinter Green-Beläge
2) Größere Discs
3) Lupicus-Hebel in lang.

Damit bekommt die Cura eine sehr hohe Bremskraft.
Einzig die wohl der Bauweise des Hebels geschuldete, manchmal bemängelte Schwergängigkeit desselben, lässt sich damit nicht ändern. Oder allenfalls marginal durch die Kugellagerung.
 
Bis hier her mal Danke an alle. 👍🏻 Ich werde nun erst mal eine größere Disc testen, dann sehe ich weiter.

Grundsätzlich mag ich die Cura sehr und habe wie schon erwähnt rein funktional keinen Anlass für einen kompletten Austausch. Geht erst mal nur drum dem Handicap zu begegnen; da ist die Scheibe zunächst der einfachste Weg. Hebel und 4Kolben-Version werden die nächsten Schritte wenn weiterhin Bedarf da ist.

Ich muss eh auch in der nächsten Zeit schauen in wie weit ich noch so unterwegs sein kann wie bisher gewohnt...
 
Einfacher: nimm die stärkste Bremse die du kriegen kannst. Mach ich so, aber weil ich keinen Bock habe wie bescheuert am Bremshebel zu ziehen, wenn es Bremsen gibt, bei denen das für die gleiche Bremskraft ganz leicht geht.

Hier gbit es eine Tabelle mit Grundinformationen zu Bremskraft verschiedener Bremsen, als Anhalt und gleich mit passender Reihenfolge.
In meiner Tabelle sind keinerlei Reibwerte berücksichtigt.
Die Tabelle oben ist missweisend/nur ein grober Ansatz. Gerade die dort an erster Stelle aufgeführte Maven z.B. mussten sie gerade erst überarbeiten, weil im relevanten Bereich die Bedienkräfte viel zu hoch waren.
Genau! Mehr war und ist die Tabelle nicht, es werden nur hydraulischer und mechanischer Hebel in Relation gesetzt.
Die Maven funktioniert nicht für jeden und erfordert hohe Bedienkräfte.
Die Cura 2 ist top!
und dann evtl noch Griffe testen
absoluter Gamechanger! wenn die so gut passen, dass man sich eigentlich kaum mehr festhalten muss fällt nämlich auch das Bremsen leichter.

Bin auch dafür: vorne eine 180er Bremsscheibe verbauen. Hoffentlich kriegst du dann trotzdem noch Beläge und Scheiben auf Betriebstemperatur. Bissige Beläge noch und evtl. ein kugelgelagerter Hebel wie empfohlen helfen dann noch die initialen Bedienkräfte bzw. die Verluste zu minimieren.

Vielleicht ist die 160er Scheibe für dich (weil sehr leicht) sogar optimal, weil du die Beläge schneller auf Temperatur bekommst.
 
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Vielleicht ist die 160er Scheibe für dich (weil sehr leicht) sogar optimal, weil du die Beläge schneller auf Temperatur bekommst.
Ich teste 180 mal - der Invest ist ja wirklich überschaubar.

Griffe sind schon gut passend; das Thema Handschuhe ist noch so ein riesiges Fass das man öffnen kann. Steht auch bereits auf dem Zettel 😎
 
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