Hallo zusammen, ich hab eure Beiträge mit großen Interesse während meiner „Auszeit“ gelesen. Als Betroffener ist man immer etwas verunsichert und vielleicht auch ängstlich, was da noch auf einem zukommt. Da tut es gut zu lesen, dass es bei vielen von euch ein Happy End gab, wenn es auch vielleicht unterschiedlich lange gedauert hat und mit mehr oder weniger Beschwerden verbunden war. In diesem Sinne möchte ich gerne auch meine Erfahrungen einbringen.
Ich bin 67 Jahre, normalgewichtig und mäßig sportlich (hatte mal einen schweren Hinterwandinfarkt und muss mich da etwas zurückhalten). Ich fahre gerne Rad, auch mal längere Touren über 70, 80 km. Am 6.3.23 stieg ich auf mein Rad, genauer ich stieß mich kräftig mit dem rechten Fuß ab. Plötzlich hörte ich einen Knall und dachte, das Rad hat einen Rahmenbruch. Das Rad war o.k., mein Fuß aber nicht. Das Ganze passierte ironischerweise vor einer Arztpraxis und Apotheke. Ich weiß nicht, warum das passieren konnte, vielleicht die Inaktivität der Wintermonate, die Aussentemperaur von 0 Grad oder keine vorangegangene Aufwärmphase. Und das ausgerechnet der rechte Fuß mit Automatic-Autos nicht so richtig zusammengeht, wusste ich damals noch nicht, sonst hätte ich mich mit dem linken abgestoßen.
Also ab in die Notaufnahme. Die gaben mir Krücken und eine Orthese und wünschten mir für die erfolgreiche Suche nach einem Operateur und MRT-Termin alles Gute. Dass ich ab sofort täglich Heparin spritzen sollte, fand man nicht der Erwähnung wert. Dieses Krankenhaus ist laut Zeitung seit Jahren extrem defizitär unterwegs, ich kann mir jetzt denken, warum. Als Privatpatient hätten die gut an mir verdient. Auf eine stationäre Aufnahme habe ich darauf hin nicht mehr bestanden.
Aber jetzt zum Eingemachten:
Ich habe am Tag danach mehr aus Zufall einen sehr emphatischen und erfahrenen Orthopäden gefunden, der mir zeitnah ein MRT organisierte und mich in seinen schon ziemlich vollen OP-Plan noch reingeschoben hat. Leider waren da die Sehnenenden schon mehr als 5 cm auseinander.
Die Woche drauf also Laborwerte Hauarzt, MRT und Vorgespräch Anästhesist.
Am 17.3.23 lag ich dann eine Stunde mit Vollnarkose auf dem Op-Tisch. Der Schnitt war schon unerwartet lang und Naht sah sehr „rustikal“ aus. Nach einer Stunde im Aufwachraum durfte ich dann nach Hause „gehen“.
Am nächsten Tag Verbandswechsel und ziehen der Drainage, weiterhin anpassen der Orthese (Vacoped) mit 30 Grad Spitzfuß und Teilbelastung 20 kg. Das sollte die nächsten 4 Wochen so bleiben. Anschließend jede Woche um 5 Grad reduzieren und 10 kg Mehrbelastung. Als ich bei 15 Grad war, hatte ich die erste Physio mit Lymphdrainage. Eigentlich sollte das schon nach der vierten Post-Op-Woche sein, aber auch die Therapeuten sind überlaufen. Bei 15 Grad habe ich bei kurzen Strecken gerne mal die Krücken weggelassen und bekam keine Probleme damit. Überhaupt hatte ich keine Schmerzen oder übermäßige Schwellungen. Die Naht verheilte Gott sei Dank problemlos. Ich hatte am meisten Bedenken wegen einer Wundinfektion. Kleinere Radtouren mit der Orthese funktionierten ganz gut. Endlich etwas Mobilität!
Bei 10 Grad bekam ich bereits die erste Krankengymnastik mit Mobilisierung des Fußgelenks. Kurz vor der 5 Grad-Marke bzw. in der 8. Woche post Op schaute sich der Orthopäde das Ganze an und meinte, ich könne ab sofort Normalschuh mit 8 mm Keileinlage tragen. Krücken nur, falls Gangunsicherheiten auftreten. Die Narbe war schon fast nicht mehr zu sehen, die Sehne ungefähr doppelt so dick wie ihre Schwester.
Das war mir jetzt doch etwas zu schnell. Ich konnte barfuß zwar schon schmerzfrei stehen, aber keinesfalls normale Schritte machen. Also ließ ich die Orthese noch ein paar Tage auf 0 Grad und flache Sohle zum Umgewöhnen. Das ging ganz gut, auch wenn ich die ersten zwei Tage das Gefühl hatte, dass meine Wade irgendwie gestorben sein musste.
Da die meisten meiner Rentnerlatschen mit einer Keileinlage nicht funktionierten, fuhr mich meine Frau in den nächsten Schuladen. Dort suchte ich mir einen Laufschuh mit großer Sohle, stabilen hohen Flanken und vor allem mit einem sehr dämpfenden Fersenteil inkl. einer Erhöhung von 7 mm. Als ich dann das Preisschild gelesen habe, dachte ich mir, dafür hätte ich früher umgerechnet in DM fast ein neues Rad bekommen.
So, ich bin jetzt in der neunten Woche und vom hinken hin zu einem normalen Gangbild im wahrsten Sinn des Wortes auf einem guten Wege. Der teure Schuh macht sich hier wirklich bezahlt. Ich bewege mich relativ viel, aber übertreibe auch nicht. Ich achte drauf, wo ich hintrete und meide Überbelastungen wie z.B. starke Steigungen oder Gefälle. In den ersten drei Monaten ist die Gefahr einer erneuten Ruptur angeblich am höchsten. Rad fahren - wenn auch sehr vorsichtig und ohne großen Kraftaufwand - geht auch ganz gut (nur mit dem Mittelfuß, nicht wie gewohnt mit den Zehenballen), Treppen steigen ebenfalls. Am Abend ist der Knöchelbereich meist etwas geschwollen, mit Kältepads und hochlegen wieder schnell normal. In der Früh habe ich seit kurzen immer wieder mal leichte Schmerzen um den Knöchelbereich oder entlang der Sehne. Das gibt sich aber schnell wieder. Der Physio meint, der Fuß baut sich gerade um und das sei normal. Was man nicht unterschätzen darf, ist die Psyche, die einem ständig sagt, du musst noch humpeln und hinken, ist für dich besser so. Der Verstand will dagegen möglichst schnell wieder einen runden Gang. Ich hab mit den beiden einen Deal gemacht, bei dem ich mehrmals täglich bewusst kurz normal gehe, auch wenn es noch zieht und zwackt. Dann darf die Psyche wieder sein hinken leben, aber jeden Tag etwas weniger.
Heute ist der 17.5. und somit in der neunten Woche post Op. Nächste Woche darf ich wahrscheinlich auch wieder Auto fahren, sofern Kraft und Schnelligkeit für das Bremspedal dann vorhanden sind. Das muss jeder für sich verantworten. Natürlich ist auch bei mir die Wade heftig geschrumpft.
Ich möchte jeden Mut machen, der grade am Anfang seiner Verletzung steht. Es besteht wenig Veranlassung, Angstszenarien aufzubauen. Klar, schlechter geht immer, besser aber auch. Ich denke, Bewegung im Rahmen des vom Arzt Erlaubten ist das A und O. Der Fuß sagt einem dann schon, wenn’s genug ist. Und ein paar Wochen nach Ablegen der Orthese dürfte dann bei den meisten wieder „Normalbetrieb“ angesagt sein, wenn man nicht gerade Leistungssport betreiben will.
Ich wünsche allen Verletzten und Genesenen eine gute Zeit.