11. Tag
"Step by Step"
(New Kids on the Block)
24.09.2013
Weidener Hütte - Innerst - Hausstatt - Pill - Schwaz - Vomb - Lamsenjochhütte
46 km, 1500 (?) hm, 4,75 h, 22 € Ü
Höhenprofil Tag 11
Endspurt...
Das aus-dem-Bett-kriechen gelingt langsam wieder.
Es ist wolkig bis klar und ziemlich warm. Wenn ich bedenke, dass wir die ersten Tage bei 4°C gefahren sind, haben wir wohl doch so ziemlich alles richtig gemacht, als wir die Tour spontan änderten.
Das Glück ist eben mit die Doofen
Na dann brechen wir mal, gestärkt durch unser Frühstück, auf und machen Mete(r)...
Ich glaub, ich hab 'nen Hubbelbauch. 11 € für ein Frühstücksbuffet sind schuld. ^^ Bei meinem Verdauungsspaziergang vor der Hütte plaudert der Familienpapa vom Nebentisch auf englisch (ich glaub, die Familie kommt aus Israel) mit mir: er hätte ein Cannondale mit Carbon-Lefty und XTR-Ausstattung. Die Marken unserer Räder (Zoulou und Paduano) kenne er nicht (da dürfte er nicht allein sein). Dafür ist er voller Begeisterung für unsere Leistung hier im Gelände.
Weidener Hütte mit unbekannten Fahrrädern und einer israelischen Familie
Wo soll es eigentlich lang gehen?
Runter nach Innerst:
Schnecke hängt schon wieder an der Flasche^^
Unterwegs treffen wir auf diesen "kleinen" Arbeiter-und-Bauern-Staat, in dem unten ordentlich geackert wird und oben die High-Society es sich wohl ergehen lässt.
Ameisen sind halt auch nur Menschen.
Und wir rollern weiter, talwärts. Schnecke fällt inzwischen siedeheiß ein, dass sie Postkarten benötigt um von unseren Abenteuern zu erzählen. Nun, das ist hier ja genauuuu die richtige Gegend, um so etwas zu suchen.

Obwohl, kennt hier jemand die Folge von "Verstehen sie Spaß", wo sie einen Kiosk mitten in eine Bergwand pflanzen, von der sie wissen, dass Reinhold Messner sie nächsten Tag mit einer Bekannten besteigen wird?
Köstlich, wie verständnisvoll und humorig der Herr Messner auf diesen Kiosk, der ihm eine Zeitschrift mit den berühmtesten Bergsteigern (Jaa, auch mit einem gewissen Reinhold Messner^^) verkaufen will, reagiert.
Aber ich schweife ab...
So, hier, Berge...
Das Karwendelgebirge zieht unsere Blicke beständig auf sich. Woooooowwwwww. Auf dem Bild kommt das nicht so rüber. Aber hier in echt: Wwwwooowww!
Und iiirgendwo dort drüben ist unsere Unterkunft für die nächste Nacht.
Im Tal besuchen wir die Stadt Schwaz. Hm, joar, sieht ganz schön teuer gehoben hier aus.
Zwei Mal erfreulich: Wir finden die Touriinfo schnell. Und erhalten die Auskunft, dass die Lamsenjochhütte offen hat.
Wir besorgen uns die lukulischen Kalorien traditionsgemäß aus der Kaufhalle: Schartnerbombe und Brezel. ^^
Hinter der Autobahn geht's in den letzten Anstieg für heute. Zum Glück wissen wir jetzt noch nicht, dass das Höhenprofil recht behalten wird: Schwarz steht nämlich für "schieben"! Und wie Ihr oben seht, ist das schwarz markierte Stück nicht kurz.
Man kann ja bekanntlich alt werden wie eine Kuh und lernt trotzdem noch dazu, gell?
So kommt es, dass ich Schnecke beim Schuhzubinden beobachte (jaa, das kann sie schon) und sie darauf aufmerksam mache, dass ihre
Shimano-Schuhe eine extra Laschenvorrichtungsdingens für das Verstecken der Schnürsenkel haben.
Misstrauisch ob der Wahrscheinlichkeit eines Ulks durch meinereiner, werde ich beäugt, doch dann besieht sie sich die Schuhe genauer.
Nun, man merkt, dass wir uns diesen Tag mehr Zeit lassen, da wir gemütlich versuchen, die Schnürsenkelverstecktaktik zu optimieren.
Renn.Schnecke: Schnürsenkel verstecken, ja ja. Pffff...
Wenn mir jemand erklären kann, wozu der Schuh zwei Zungen/Laschen hat, ich bin ganz Ohr.
Ruuhig... nächsten Alpen-X vielleicht...
Und wenn wir schon hier sind, können wir auch gleich was essen und von dem vor uns befindlichen Brunnen Wasser entnehmen.
Och, schau mal, ne Schautafel... Mal lesen, was drauf steht:
Also, wenn ich das richtig verstehe, wird Wasser, dass durch die Hände der Menschen entnommen und bearbeitet wird, wieder durch Menschen bearbeitet, damit es so wird, wie es ursprünglich war?
Das nannte man früher eine ABM

Wenn es nicht so traurig wäre...
Nun gut, verlassen wir diesen lehrreichen Ort und fahren weiter.
Ohhh, Multikulti-Kühe:
Langsam wachsen mir diese Viecher echt ans Herz. Kühe sind irgendwie lustige Geschöpfe.
Weiter durch das Tal gelangen wir in eine eher feinschottrige (ich werde langsam Spezialist in Schotter-Unterarten) Gegend. Nach einer Weile einem Feinschotterweg folgend, kreuzt eine abgegangene Gerölllawine unseren Weg.
Naja, so 1 1/2 Meter Höhe hat sie schon und schneidet sich durch die Baumhänge ins Tal.
Nööö, da mag ich mich nicht entgegen stellen, wenn die in Bewegung ist.
Hach, so herbstlich. Endlich.
Apropos Erdbewegung:
Anscheinend ist hier öfter mal Bewegung in der Gegend, was die Anwohner wohl dazu veranlasste, diese fast unscheinbare, sich lieblich in die Umgebung einbettende, künstliche Wasserführung anzulegen:
Mag schon seine Richtigkeit haben. Mögen muss ich es trotzdem nicht.
Nun, wir sind in der Sackgasse dieses Tals angekommen, was bedeutet, dass es wieder hoch geht.
Und das tut es...
Wir haben inzwischen feinen Schotter, gepaart mit groben Schotter, durchmischt mit eher kieselsteinartigem Schotter. Ein Traum für Schottis, wie man uns Schotterliebhaber nennt.

Uuund es wird steil.
Beide kommen wir am Ende des Tages zu dem Entschluss, dass wir hier die längsten Schiebepassagen haben er"tragen" müssen. Natürlich inklusive der einen oder anderen verkehrt genommene Abzweigung.
Aber nichts kann uns mehr aufhalten. Das grausame Pfitscherjoch hat mich nicht getötet, es hat mich hart gemacht.*räusper*

Schnecke ist eh aus einem Stoff, der Adamantium wie weiches Aluminium aussehen lässt.
Schritt für Schritt hämmern wir Meter um Meter in den Fahrradcomputer, nähern wir uns unserem Ziel.
Am Nord- oder Südpol wird man schneeblind, wenn man nicht aufpasst.
Werd ich schotterblind?
Fun, anyone?
Hätte ich nicht erwartet, dass wir hier schieben müsse. Zum Glück Dank meiner hervorragend taktischen Planung haben wir zumindest eines: Zeit.
Doch dann
(nach der ein oder anderen Stunde) sichten wir unser Refugium. Kräfte, die noch seit Urzeiten in uns schlummern, werden aktiviert und Unmenschliches vollbracht.
Aber im Ernst, es ist anstrengend und eher nervig, da man nie wirklich einen festen Tritt unter den Schuhen oder Gripp unter den
Reifen hat. Manchmal wirkt es, als könnte man endlich fahren, nur um nach ca. 50m wieder absteigen zu dürfen.
Aber die Hütte ist dafür wirklich noch urig. So, wie ich mir Hütten vorgestellt habe. Die anderen Hütten hatten zum Teil eine Badausstattung, die ich mir zu Hause wünschen würde
Die Badausstattung "besteht" hier aus demontierten Duschen.
Auf der Hütte angekommen, merken wir, dass Selbstverpfleger hier nicht gern gesehen sind. Strenge Regularien verbieten praktisch jede Nahrungsaufnahme, sofern sie nicht durch die Hütte gesponsert werden.
Mmh, auf der anderen Seite ist im "Badezimmer" eine Schautafel, die anzeigt, wie viel unendliche Mühe und Ressourcen das Verbringen von Nahrungsmittel zur Hütte benötigt.
Okay, dann lasst es doch und fördert... Selbstverpfleger
Angebracht im WC. Da hat man schließlich Zeit zum Lesen. ^^
Naja, wie dem auch sei...
Dann schnappen wir unsere Sachen eben und essen
Keeeekse unter freiem Himmel. Ist eh viel schöner. Also suchen wir uns ein lauschiges Plätzchen und schauen hinab in dieses Tal hier:
Nach dem Essen kehrt Ruhe ein: In der Umgebung und in uns. Ich habe mal eine Tonaufnahme hier eingebettet:
Ton
Und? Nix? Richtig!

Es ist ABSOLUT STILL da draußen!!! Unglaublich. Kein Wind, kein Vogel, nix.
Nur das Blut rauscht in unseren Ohren und unsere Herzen schlagen gemeinsam im Takt in der Brust.
Sonst nix!
Das kann man dann auch nicht mehr steigern. Also geht es in die Koje, die wir dieses Mal mit einer größeren Anzahl junger Bergsportler teilen, was aber im Großen und Ganzen kein Problem darstellt.
So, jetzt ist aber Schluss. Morgen ist der letzte... ach, ich will gar nicht darüber nachdenken.

Schlaft schön.