Heraklix - von Kreta zum Gardasee

27.06. 20:30 Skidorf "Popova Sapka", Berghütte "Smerka", 1820m


Von Tetovo radle ich auf Teer wieder hinauf in die Berge. Schon bald kehrt der Regen kehrt zurück.


Die Schauer und damit die Pausen unter den Bäumen werden immer länger.

Hab zwar schon knapp tausend Hömes geschaftt (ein paar davon mit dem rechten Arm), aber das elende Dorf ist noch immer ein ganzes Stück über mir. Auf Wolkenbruchbiking hab ich aber wirklich keine Lust, also wink ich mir den nächsten Lieferwagen ran und lasse mich die letzten Kilometer auf den Berg chauffieren. Schwein gehabt könnte man sagen, war das erste Auto seit einer Stunde.

In Popopva Sapka regnets noch immer heftig, camping kommt nicht in Frage. Statt dessen checke ich im "Smerka Mountain Home" ein, scheinbar die mazedonisch Version einer Berghütte... sehr rudimentär aber gemütlich. Ein Haufen Wanderer feiert hier grad eine große Party mit mazedonischem Volkstanz. Binnen weniger Minuten bin ich mit Raki und Gravce Tavce abgefüllt und hopse auch schon um die Tische. Prost.
 

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Re: Heraklix - von Kreta zum Gardasee
28.06. 12:00 Tito Vrv, 2730m

Trotz des langen und feuchten Abends mit einem ganzen Haufen trink- und esswütiger Mazedonier bin ich um sieben schon wieder auf den Beinen. "Labi" aus Tetovo wollte heut mit mir den Tito Vrv besteigen.


Er kommt auch pünktlich zur Hütte, allerdings in Begleitung seiner kompletten Familie und deren Freunde.

Ich nehme Specki natürlich mit, obwohl fast der gesamte Uphill von tausend Höhenmetern zu schieben ist. Immerhin ist der Trail recht vielversprechend, ich glaube bergab könnt das richtig gut werden.


Gipfel des Tito Vrv (2730m)

Auf dem zweithöchsten Berg Mazedoniens spielen die Wolken mit uns. Ausblick gibts keinen, ab und zu tröpfelt es auch ein bisserl. Das tut der Laune der Truppe jedoch keinen Abbruch, alle marschieren fröhlich über die nassen Wiesen. Über vier Stunden mit diversen Pausen brauchen wir insgesamt bis oben, einige der "Wandersleut" sind nicht gerade schnellen Fußes. Für mich ist das ganze ein bisserl ungewohnt, komme mir vor wie auf einem geführten Touristenausflug.


Oben am Gipfel will dann jeder mal mit Specki posieren. Das dauert...
 
28.06. 13:40 Skidorf "Popova Sapka", Berghütte "Smerka", 1820m


Packen wir's an... Tausend Höhenmeter Singletrail warten.


Bergab macht's durchaus mehr Spaß als bergauf.


Zunächst über einen felsigen Grat, ...


..dann größtenteils auf einem erdigen Wiesenweglein talwärts.


Bald umschlingt mich der Nebel vollständig und ...

.. dreihundert Höhenmeter vor der rettenden Hütte erwischt's mich dann doch. Ein respektables Unwetter vergnügt sich direkt über mir, Starkregen wechselt sich mit Hagelschauern und freundlichen Windböen ab. Bin zwar binnen Minuten nass und verschlammt, aber besonders kalt ist's zum Glück nicht. Und bei dem wahnsinnigen Flow dieses 1000hm-S1-Trails macht das eigentlich auch schon nix mehr aus, ich heize einfach weiter. Nur um die Fußgänger tut´s mir ein bisserl leid. Während ich nach kaum einer Stunde im trockenen sitze, trotten die Armen bestimmt noch lange, sehr lange Zeit durch die nasse Bergwelt.

Zurück in der Hütte bin ich mittlerweile der einzige Gast. Scheinbar seh ich wie ein begossener Pudel aus, jedenfalls steckt mich das Wirtspaar sofort unter die heiße Dusche. Dann bekomme ich zwei selbstgestrickte Wollpullis übergestülpt, heißen Zitronentee in die Hand gedrückt und in der Kücher brutzelt schon ein leckeres Lunch.


Na dann Mahlzeit!
 
28.06. 17:30 Popova Satka, Berghütte

Draussen immer noch Wolkenbruch, da ist so ein Hüttensofa schon was feines. Hier grübelt sich's doch viel gemütlicher als in irgendeiner Bar. Zum Beispiel darüber, ob ich mich morgen über die grüne Grenze in den Kosovo schmuggeln soll. Auf Satellitenbildern hab ich eine ziemlich gangbare Route ausgemacht (siehe unten). So wie ich das beurteile, ist da überall bis auf einen Kilometer eine gut fahrbare Piste. Kommentare willkommen.

Die Alternative bestünde in hundert Kilometer Umweg mit viel Verkehr über den offiziellen Grenzübergang. Klingt furchtbar. Sicher, aber furchtbar.

Was kann im schlimmsten Fall passieren beim illegalen Grenzübertritt? Irgendeine Polizeistreife findet mich und schickt mich wieder zurück? Na gut, dann war's eben nix. Aber probieren könnt man's ja schon mal...

Zum Thema Anhalter fahren... Bezahlen? Seid ihr noch zu retten? Das ist doch kein Taxi. Ansonsten hier ein paar Tips:

Wer am Strassenrand nebem dem Bike sitzt und den Daumen raushält, braucht schon einen extremen Gutmenschen am Steuer. Leichter wird es, wenn man das Rad auf den Kopf stellt oder ein Vorderrad abmontiert oder sowas. Das ist ein bisserl gemein, man hat ja gar keinen Defekt. Aber was solls, Hauptsache einer hält an.

Die schnellste Methode ist immer noch, die Autos abzuwinken statt auf den Daumen zu hoffen. Dabei hält eigentlich jeder an. Dann fragt man ihn ganz nett nach seinem Sicherheitsgurt, oder fummelt das Teil bei Sprachproblemen einfach aus dem Fenster. Noch ein kurzes Handzeichen und "GO", die meisten Fahrer sind so verdattert, dass sie gar nicht anders können als euch schleppen. Je nach Power in der Hand schafft man so schon mal drei- bis vierhundert Höhenmeter. Dann lässt man der Gurt sausen, schüttelt ein wenig den Arm aus und schnappt sich ein paar Minuten später das nächste Auto. Klappt meistens prima.
 

Anhänge

@regenvorhersager, so schlimm ists hier wirklich nicht....
stuntzi schrieb:
28.06. 17:30 Popova Satka, Berghütte
Draussen immer noch Wolkenbruch,...
:D Tja, nächstes mal den Wettergott nicht verhöhnen sondern für jeden Sonnenstrahl dankbar sein ;)
Petrus ist eine launische Diva und kann sich gar bitter rächen.

Der Tag ist wohl gelaufen, hoffe du hast morgen mehr Glück.
Die Bilder von der Abfahrt sahen trotzdem gut aus :daumen:

Zur Wetterentwicklung hat ja Virtualsky alles gesagt. Ich bin gespannt wenn es sich endlich zum positiven ändert.


Für deine nächste Reise hätte ich eine Empfehlung:
Neoguard, siehe http://www.rapidracerproducts.com/NeoGuard.htm
Wiegt gerademal 20 g und ist fast so effektiv wie ein Frontschutzblech.
Das teil wird hier auch von einen Versender verkauft.
Hinten hast du ja deinen Rucksack am Träger als Schutz.

Ray
 
Gibt es für den Grenzübertritt ins Kosovo einen Stempel? Wenn ja solltest du dir mal überlegen wie du das dem Beamte bei der Ausreise erklärst, es sei dem du fährst wieder über nen Pass :)

bzgl Strafen kann ich aber leider nichts beitragen
 
Das schreibt das Auswärtige Amt zur Einreise:

Einreisebestimmungen für deutsche Staatsangehörige
Reisedokumente / Visum

Für die Einreise nach Kosovo besteht für deutsche Staatsangehörige Passpflicht. Der Reisepass muss mindestens für die geplante Aufenthaltsdauer gültig sein. Da ein visumsfreier Aufenthalt bis zu 90 Tagen zulässig ist, gehen die hiesigen Grenzbehörden erfahrungsgemäß davon aus, dass auch die Gültigkeitsdauer des Reisepasses mindestens 90 Tage betragen muss.

Für Kinder wird für die Einreise nach Kosovo unabhängig vom Alter des Kindes empfohlen, vor Reiseantritt einen neuen Kinderpass ausstellen zu lassen, sofern der bisherige Kinderausweis kein Lichtbild enthält.

Die Einreise nach Kosovo ist nur bis zu einem Aufenthalt von max. 90 Tagen visumsfrei. Bei einem Aufenthalt von mehr als 90 Tagen muss eine Verlängerung der erlaubten Aufenthaltsdauer beantragt werden. Anträge auf Verlängerung der Aufenthaltsdauer sind 15 Tage vor Ablauf der 90-Tage-Frist beim Polizeihauptquartier in Pristina zu stellen.

Ein- bzw. Ausreise über SerbienDa an der Grenze zwischen Kosovo und Serbien von den serbischen Behörden keine Einreisestempel erteilt werden, ist eine Ausreise aus Kosovo über Serbien nur dann möglich, wenn vorher auch die Einreise auf dem Landweg über Serbien erfolgt ist und die Gesamtreisedauer 3 Monate nicht übersteigt. Der Aufenthalt in bzw. Transit durch Serbien ohne regulären Einreisestempel stellt einen Verstoß gegen das serbische Ausländerrecht dar und kann zur Festnahme führen. Nach wie vor kann man auf dem Landweg von Kosovo nach Serbien nur dann einreisen, wenn man einen gültigen serbischen Einreisestempel im Reisepass besitzt (der z.B. durch eine Fahrt über eine offizielle Grenzstelle an der mazedonisch-serbischen Grenze erworben werden kann). Kosovarische Stempel werden nicht anerkannt und zumeist von den serbischen Behörden unkenntlich gemacht. Da dies den kosovarischen Grenzbehörden bekannt ist, wird oftmals – auf Wunsch – kein kosovarischer Einreisestempel in den deutschen Reisepass gestempelt.
<-Ende

Danach braucht man nicht unbedingt einen Kosovanischen Einreisestempel im Pass zu haben!
 
29.06. 06:40 Popova Satka, Berghütte, 1850m

Zur Abwechslung scheint heute mal wieder die Sonne, besonders lange dürfte dieser Zustand allerdings nicht anhalten. Ich brauch trotzdem erst mal Frühstück, der Kaffeeduft zieht schon durch die Hütte. Dann gibts einen Downhill hinunter ins Tal im Norden, dort sind noch ein paar letzte kleine Ortschaften. Drüben dann wieder in die Berge hinauf, irgendwo dort endet Mazedonien und der Kosovo beginnt. Auf meinen Karten sind da keine Wege oder gar Strassen, aber nach den Satellitenbildern zu urteilen könnte man schon irgendwie durchkommen. Bin gespannt ob's klappt...
 
@grenzübertreter, strafen? stempel? einreisebestimmungen? wie seid ihr denn drauf... sind wir hier beim mountainbiken oder in einer amtsstube? bei "kommentare willkommen" dachte ich eigentlich an eine beurteilung der machbarkeit des geplanten tracks, nicht an irgendwelchen behördenkram :).
 
Vom Satellitenbild her siehts ja alles ziemlich steil aus, aber sowohl von den Höhenlinien, als auch von den Panoramio-Bildern her zu beurteilen, müsste es machbar sein.
Ich sehe nur ein Stück mit 200Hm und vielleicht nem halben Kilometer Luftlinie ohne Weg.

Hau rein! Wird schon schiefgehen...
(wahrscheinlich bist Du eh schon drüben, bis Du das hier wieder liest... :rolleyes:)
 
Morgen Stuntzi
Hier noch ein Artikel von der Ride Homepage, in dem es um deinen alten Hinteradsponsor geht

Katz startet Serienfertigung
Bikes mit gekapseltem Antrieb endlich erhältlich

Nach dreieinhalb Jahren Entwicklungszeit ist es endlich soweit: Holger und Carsten Katz starten die Serienfertigung ihrer Bikes mit gekapseltem Antrieb. Am letzten Juni-Wochenende öffnen die beiden Brüder die Tore ihrer Firma in Altdorf und laden jeden interessierten Biker zu Testfahrten ein. Gleichzeitig feiert ein drittes Modell für den Marathon-Einsatz seine Premiere.

Neben den beiden bereits vorgestellten Modellen «Alp» für den All Mountain Einsatz und dem Alltags- und Reisevelo «Reif» präsentieren die Gebrüder Katz am Ausstellungswochenende ein drittes Modell names «Moos» dieses vollgefederte Mountainbike ist für den Marathoneinsatz gedacht und baut wie die beiden andern Bikes auf einem Antrieb, der komplett in die Kettenstrebe eingepackt wird. Auch hier wird Katz auf die bewährte 14-Gang Nabenschaltung von Rohloff setzen.

Am 27. und 28. Juni wollen die Gebrüder Katz erstmals Preise für ihre Bikes nennen und erste Bestellungen entgegennehmen. Ab Anfang Juli läuft dann die Rahmenproduktion beim Konstruktionsspezialisten Futec in Selzach. Voraussichtlich Ende August sollen dann die ersten kompletten Bikes ausgeliefert werden. Angeboten werden die Bikes bei ausgewählten Fachhändlern und im eigenen Factory-Store in Altdorf.

Wer den Tag der offenen Tür bei Katz verpasst hat, kann Katz vertrösten. Die Bikekonstrukteure versprechen, dass ab Montag, dem 29. Juni das neue Modell «Moos» und die Preislisten auf der Firmenhomepage aufgeschaltet sind.
 
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