Hinterbau Lagertechnik

iNSANE!

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Hallo.

Ich würde hier gerne ein Topic über Lagerungen von Fully hinterbauten einrichten. Ich denke für viele sind Probleme mit den Lagern ein Thema und viele werden im Winter Lager tauschen / warten.

Der Thread soll also folgendes umfassen:

- Welche Lagertypen / arten können was leisten?

- Welche Technike gibt es überhaupt den Hinterbau zu lagern (nichts über Fully Systeme!)

- Welche Erfahrungen habt ihr mit euren Lagerungen?

- Wie habt ihr sie verbessert?

- Was gibt es bei Wartung und Aus / Einbau zu beachten?

- Welche Bikes verwenden welche Lager (Größen, Art, Qualität)

Über fundierte Kentnisse speziell aus dem Bereich der MaschBauer würde ich mich freuen.
 
Hi,

Da mach ich doch gleich mal den Anfang:
Lagertechnik wird ja am Bike verschiedentlich verwendet:
  • Bohrung und Schraube: billig und oft verwendet, zum Teil zusätzlich Buchse aus Kunststoff oder Alu und Unterlegscheiben aus Stahl. Oft an den einfacheren Lagern von Mehrgelenkern. Billigste Variante verzichtet selbst auf Passschrauben, was sehr hohe Lagerreibung ergibt (Gewinde in Bohrung). Sehr beliebt zum Einbau des Dämpfers selbst. Wartungsarm und kann von jedermann gewechselt werden. Überlastung kann am Rahmen (Dämpferaufnahme) irreparable Schäden verursachen (ausgedrückte Bohrung, Spiel, ungenügende Tolernazen). Lange Schrauben auf Biegung belastet tendieren zu Ermüdungsbrüchen, begünstigt durch die Kerbwirkung der Gewindegänge. Geschicktere Konstruktionen verbauen deshalb Stahlhülsen zur Entlastung Schraube oder Alubuchsen dickeren Durchmessers zur Aufnahme der Biegelasten. Viele solche Konstruktionen neigen im Alter zu Klappern durch Spiel infolge Lochleibung.
  • Gleitlager: Gleitlager sind sehr unterschiedlich. Einfache Varianten sind Polyurethanbuchsen o.ä. Teurer und schwerer sind Sinterbronze oder andere spezielle Sinterwerkstoffe. Daneben gibt es einige Spezialwerkstoffe wie Nylon z.B. Diese Lager werden meist eingepresst, können also nicht ohne Werkzeug entfernt werden. Als Lagerbolzen verwenden die einfachen Leute leider oft Schrauben - intelligente Konstruktionen bauen da etwas sinnvolles mit kleineren Toleranzen ein (Stahl Stifte und Bolzen mit Sicherung). Die Pflege ist entsprechend Lagertyp sehr unterschiedlich: Einige Kunststoffe reagieren sehr schlecht auf Schmierung, einige metallische Werkstoffe verschleissen ohne Schmierung extrem schnell, spezielle Gleitlagerbronzen sind graphit-versetzt, was selbst unter Wasser und ohne Schmiermittel hervorragende "Laufeigenschaften" ergibt. Die Laufeigenschaften von Gleitlagern sind sonst sehr unterschiedlich. Hochwertige Lager laufen vergleichbar leicht zu Wälzlagern, kosten aber u.U. ein Vielfaches derselben. Gleitlager verkraften i.d.R. schlagartige Belastungen bei geringen Verstellwinkeln sehr gut. Je nach Werkstoff kann ihnen Schmutz mehr oder weniger auf die Pelle rücken - eine entsprechende Dichtung ist nicht verkehrt, diese erhöht aber u.U. die Reibung. Gleitlager können an praktisch allen Lagerstellen am Bike eingesetzt werden. Sie sind leider zu unrecht in Verruf geraten (insbesondere in den Hochglanzmagazinen), als billige, schwergängige Lager, was so generell überhaupt nicht. In der Konstruktion und Fertigung spielt bei hochwertigen Lagern die Passung der Nabe und der Achse eine grosse Rolle: Viele Lagerbuchsen werden erst durch eine genaue Passung auf dem Aussendurchmesser genügend komprimiert für einen spielfreien Lagerbetrieb.
  • Wälzlager: Als Wälzlager werden oft einreihige Rillenkugellager eingesetzt. Diese sind beliebt für Hauptschwingenlager. Dort werden sie je links und rechts eingebaut, leider meist ohne Berücksichtung der nötigen Lagerungskonstruktion: Eine gute Konstruktion sieht für Rillenkugellager je ein Los- und ein Festlager vor. Dabei können auch zwei unterschiedliche Lagertypen zum Einsatz kommen (z.B. Rillenkugellager und Tonnenlager). Das Loslager muss sich durch seine Fixierung in Welle und Nabe axial verschieben können (oder wie z.B. ein Zylinderrollenlager mit losem Innenring die axiale Freiheit bewahren). Damit ist sichergestellt, dass die zwei Lager keine unbekannten Axialkräfte (z.B. durch Montage) aufnehmen, sondern genau diejenigen, nach welchen sie ausgelegt wurden. Aufwändigere Konstuktionen verwenden Schrägkugellager oder Pendelrollenlager, leider ist mir das im Bikerahmen aber noch nie begegnet. Die oft verwendeten Rillenkugellager reagieren empfindlich auf axiale Kräfte. Sie sind verhältnismässig leicht. Von all den beschriebenen Lagerarten verkraften sie eine Verschmutzung am schlechtesten - oft werden deshalb Lager mit Abdeckscheibe verwendet. Rillenkugellager sind sehr leichtläufig und eigentlich für viel grössere Drehgeschwindigkeiten vorgesehen, als sie am Bike vorkommen. Sie verkraften schlagartige Belastungen sehr schlecht, weshalb am Bike Lagerdimensionen eingesetzt werden müssen, die auf vielfaches der statischen Lasten am Bike ausgelegt sind. Der meist sehr kleine Drehwinkel führt zu einer ungünstigen (weil ungleichmässigen) Abnutzung der Lagerlaufflächen und Wälzkörper. Die meisten der verwendeten Rillenkugellager können nicht nachgeschmiert werden, sind also insofern wartungsfrei. Sie müssen ebenfalls ein- oder aufgepresst werden und sind deshalb nur mit Abziehwerkzeug zu demontieren. Rillenkugellager sind relativ teuer. Auch hier muss auf den Montageflächen sehr genau gearbeitet werden, da sonst das Lager bereits bei der Montage beschädigt werden kann.
Gruss
Excalibur
 
@Excalibur
Deine Ausführungen stimmen grundsätzlich. Viel kann man nicht mehr hinzufügen. Ein Problem bleibt aber. Das Grundsatzwissen über Lagertechnik sollten nicht in erster Linie die Anwender (Biker) haben, sondern die Bike-Konstrukteure. Oder die Leute die sich Bike-Konstrukteure nennen!!! Die Bikewelt würde mit deutlich weniger Fehlkonstruktionen belästigt. Solange die Branche aber von Marketingleuten dominiert ist, bleit wohl weiterhin nur verständnisloses Kopfschütteln.
 
Hi,

danke für die Lorbeeren. :cool: Über die etwas merkwürdigen Zustände in der Bikebranche habe ich mich andernorts schon ausgelassen :D
Etwas habe ich noch weggelassen:
Es gibt auch Lager, die eigentlich keine Lager sind. Es handelt sich um Biegeelemente im Rahmen (eingesetzt z.B. bei Canondale oder Morati). Dabei wird im Bereich der Kettenstreben eine Struktur eingebaut, die elastisch die benötigten Verschiebungen erlaubt. Bisweilen wurde auch schon das Horstlink von Viergelenkhinterbauten durch Flexende Sitzstreben weggelassen. Als Material wird Faserverbundwerkstoff oder eine Titanlegierung verwendet. Dieses Konzept kommt an dieser Stelle ohne spezielle Lager aus, was das Schadensrisiko minimiert bei gleichzeitig sehr tiefem Gewicht. Solche Elemente haben naturgemäss ein in erster Näherung lineares Kraft-Weg-Verhalten, was zusammen mit dem Verhalten des eigentlichen Federelementes einen strafferen Hinterbau als mit konventioneller Lagerung ergibt (Federwirkung ist auch bei ausgebautem Federelemnt vorhanden). Sie eignen sich nur für Hinterbauten mit relativ kleinem Federweg (sog. Softtails), zu grosse Verschiebungen führen zu Beschädigung (plastische Deformation, Faserbrüche, Faseraustritte auf Druckseite). Kostspielig an solchen Elementen ist die seriöse Entwicklung, die eigentliche Realisierung ist vergleichsweise günstig.

Zu diesem Konzept kommt auch noch ein ganz ähnlicher Effekt, der leider bei den aktuellen Trends im Rahmenbau völlig ausser acht gelassen wird: Bei Hinterbaukonstruktionen und Gabeln spielt nicht nur der Federweg in vertikaler Richtung eine wichtige Rolle. Fast ebenso wichtig ist die Torsionssteiffigkeit des gesammten Chassis. Bei Kurvenfahrten wird jedes Zweirad gegen innen geneigt, damit nehmen die Federelemente nur noch einen Teil der Fahrbahnschläge auf, ein Teil muss vom Rahmen aufgenommen werden. Je stärker die Neigung, umso mehr muss der Rahmen arbeiten können. Dies wurde im Motorradbau schon lange erkannt. Entsprechend ist die Torsionssteiffigkeit des Chassis dort ein wichtiger Bestandteil bei der Auslegung des Fahrwerks - dies bei Motocrossmaschinen ebenso wie bei Strassenmaschinen für den MotoGP. Die Bikebranche hingegen schreit nach immer steifferen Chassis. Es werden Untergrenzen für die Torsionssteiffigkeit festgelegt, aber über eine maximale Torsionssteiffigkeit macht sich niemand Gedanken. Eine zu steiffe Auslegung ist kontraproduktiv, weil die Räder in Kurven dann weniger Bodenkontakt haben, als der nominelle Federweg vermuten lassen würde. Die durch Rahmenflexibilität verlorene Tretarbeit ist verhältnismässig gering und wird von einem gutmütigen Fahrverhalten mehr als wett gemacht.

Gruss
Excalibur
 
moin,

ich finde die die erläuterungen von excalibur sehr gut und auch wichtig, weil nur wer versteht wie die lager belastet werden kann auch korrekt sein bike warten und pflegen.....

meine erfahrungen zum thema lager am bike:

-die klassischen einreihigen rillenkugellager sind gewiss nicht die optimale lösung im bereich des hinterbaus (geringer drehwinkel, schmutzanfälligkeit, axiale belastungen....). trotzdem bleiben sie die wohl sinnigste lösung aufgrund von fertigungsverfahren und preis.

- sehr schön fand ich bei meinem Grossman MS-01 die nadellager in kombination mit axialgleitlager-scheiben. leider waren sie nicht besonders gut gegen schmutz geschützt.

- bei meinem Cdale SuperV haben die schwingenlager erstaunlicherweise mehrere jahre gehalten, vielleicht weil die schwinge selbst nicht übermässig steif war.

- bei meinem neuen norco 4gelenker musste ich 6 von 8 lager nach 6 monate wechseln :confused: die schwingenhauptlager waren sogar nahezu undrehbar.

- ich habe den eindruck, dass als erst lager austattung oftmals minderwertige eingesetzt werden. vom norco hinterbau hatten die lager keine hersteller bezeichnung und meine marzocchi vordere steckachsnabe ebenfalls nicht (diese haben auch nur ca. 8 monate gehalten). beim überholen mit markenlager (SKF, FAG, KOYO, etc.) halten diese meist wesentlich länger! der preis für standard 6000er serie rillenkugellager hält sich gottseidank in grenzen.

- ich zerlege regelmässig (2-3 x im jahr) mein hinterbau und kontrolliere alles. warum 500 euro fürn hightech dämpfer ausgeben wenn die schwingenlager alle im sack sind? jedenfalls kann ich so sicherstellen, dass nicht irgendwas anderes kaputt geht weil die lager schon hinüber waren.

- bei regelmäßigen kontrollen, kann man von gedichteten lagern die dichtscheibe vorsichtig raus hebeln (dünne nadel, feinmechaniker schraubenzieher...) und sie reinigen und neu fetten. besonders bei steuerkopfllager zu empfehlen!

- ein und ausbau von rillenkugellagern ist eigentlich kein hexenwerk. man kann sie mit einer rohr/schrauben konstruktion in aller regel problemlos raus und rein ziehen. oftmals passen stücke von abgesägten steuerrohre, sattelstützen, lenker etc. eine nuss aus dem ratschen kasten findet sich fast immer zum wieder rein drücken wenn sie sauber auf den aussenring passt.

- beim festziehen von achsen am hinterbau, gucke ich immer, dass der hinterbau (bei ausgebautem federbein) immer schön leichtgängig bleibt. loctite auf die schrauben, dann kann ich auch mit geringen anzugsmomenten arbeiten und vermeide unnötige axialkräfte die schwergängigkeit und frühzeitigen verschleiss zur folge haben.

- vermeintlich fertige steuersätze können rausgepresst werden und um 90 grad gedreht nochmal eingesetzt werden und verrichten nochmal solange einen guten dienst. diese technik kann natürlich nur dann funzen wo die lager ohne axiale belastung rausgeholt werden können, sprich nicht über den innenring rausgedroschen wurden!

- schließlich sind auch die achsen eine potentielle fehlerquelle. hübsche aber minderwertige schrauben mit linsenkopf inbus habe ich schon zuhauf verbogen, da müssen dann halt "hässliche" maschinenschrauben her, zur not in 12.10 festigkeit.

- axiale passungenauigkeiten können mit 0.10 mm scheibchen ausgegelichen werden (schwer zu kriegen, teils aus dem motorrad e-teile bereich).



okok erstma genug

grüsse
ra
 
Hallo,
welche Lagerart wird bei Scott MC-30, 2004 eingesetzt?
Müssen die Lager gewartet werden, dürfen sie aufgeschraubt werden?
Gruß
miles1
 
Die Sachkundigkeit ist echt beindruckend - danke auch für eure Erfahrungen.


Nun eine Frage: Wäre am konkreten Beispiel meines SWITCH es sinnvoll die axial nicht sehr haltbare Rillenkugellager gegen z.B. Pendellager zu tauschen?
Oder gegen eine andere, bessere art von Lagern?
Habe unter http://www.skf.com/portal/skf/home/products?paf_dm=shared&maincatalogue=1&lang=de&newlink=1_0_1

Die sog Kombi Lager gesehen die Nadel und Kugel kombinieren - wäre sowas evtl besser, oder ist letztlich das Standard "Rocky" Lager der wohl beste Kompromis?
 
Hi,

es gibt zwei Dinge, die dagegen sprechen:
  1. Rillenkugellager gehören zu den schmalsten erhältlichen Lagern, hochwertigere Lager benötigen meist mehr Platz. Ein Einbau ist schon deshalb meist unmöglich.
  2. Rillenkugellager nehmen keine Biegemomente auf. Zylinderrollenlager oder mehrrillige Kugellager etc. nehmen Biegemomente auf und führen deshalb zu einer anderen Beanspruchung der Lagersitze in der Nabe und der Achse. Da diese dafür in der Regel nicht ausgelegt sind, kann das zu Defekten oder höherem Verschleiss an anderer Stelle führen.
Gruss
Excalibur
 
Gut, du meisnt also es ist am besten bei dem zu bleiben was ab Werk drin ist?

P.S: Woher hast Du Dein WIssen über Lagertechnik?

Gruß, Felix
 
Excalibur schrieb:
...
  • Rillenkugellager nehmen keine Biegemomente auf. Zylinderrollenlager oder mehrrillige Kugellager etc. nehmen Biegemomente auf und führen deshalb zu einer anderen Beanspruchung der Lagersitze in der Nabe und der Achse. Da diese dafür in der Regel nicht ausgelegt sind, kann das zu Defekten oder höherem Verschleiss an anderer Stelle führen.
Das leuchtet ein.
Spricht was gegen die Montage von 2 schmalen Rillenkugellagern direkt nebeneinander?

Danke
Gruß
Tjard
 
Hi

Im allgemeinen spricht nichts dagegen zwei Rillenkugellager nebeneinander zu verbauen. Man verwendet aber lieber gleich entsprechende zweirillige Kugellager, die i.d.R. mittig ein Schmierstoffreservoir haben und in hochwertiger Ausführung auch eine Schmierbohrung.
Im speziellen bezüglich Hinterbau ist die Problematik bei doppelten Rillenkugellagern (gleichgültig ob ein zweirilliges Lager oder zwei einrillige nebeneinander) die selbe: Solche Lager nehmen Momente auf, für die die Lagerstelle bei ursprünglichem einrilligem Lager nicht unbedingt ausgelegt ist.

Gruss
Excalibur
 
Merida-cc-17 schrieb:
...das würde mich jetzt auch mal interresieren ... also schiess los ! :)

Gruß

Matthias
nun, eigentlich streng geheim und ich will hier nicht arrogant von der Kanzel herunter predigen, aber trotzdem :cool: : Es gibt Heerscharen von klugen Köpfen (hat auch einige weniger kluge drunter) abseits der Bikebranche, die sich täglich selbigen zerbrechen, damit Flugzeuge fliegen, damit Autos praktisch ohne Emissionen und Brennstoffverbrauch von A nach B fahren, damit Satelliten um die Erde kreisen, damit Formel-1-Boliden nicht abheben, damit Eisenbahnwagen sanft dahingleiten ... schlicht, damit sich die Welt wacker dreht. Da schadet es nicht, sein Metier zu kennen ;)
 
Excalibur schrieb:
nun, eigentlich streng geheim und ich will hier nicht arrogant von der Kanzel herunter predigen, aber trotzdem :cool: : Es gibt Heerscharen von klugen Köpfen (hat auch einige weniger kluge drunter) abseits der Bikebranche, die sich täglich selbigen zerbrechen, damit Flugzeuge fliegen, damit Autos praktisch ohne Emissionen und Brennstoffverbrauch von A nach B fahren, damit Satelliten um die Erde kreisen, damit Formel-1-Boliden nicht abheben, damit Eisenbahnwagen sanft dahingleiten ... schlicht, damit sich die Welt wacker dreht. Da schadet es nicht, sein Metier zu kennen ;)

...und was ist dein Beitrag zu alledem :D ? ...ich will wissen : Was bist du von Beruf ???

Gruß

Matthias
 
Merida-cc-17 schrieb:
...und was ist dein Beitrag zu alledem :D ?
Ich suche nach Verbesserungsmethoden (z.B. Methoden zur systematischen Gewichtsersparnis, Kostenersparnis, zum Erreichen von Steifigkeitszielen u.ä.) zur Anwendung auf mechanische Bauteile und Baugruppen.
...ich will wissen : Was bist du von Beruf ???
Studierter Maschineningenieur mit Fachgebiet Leichtbau, zur Zeit Forschungsmitarbeiter bei einem staatlichen Institut.
Damit hab ich schon mehr verraten, als ich eigentlich wollte :p . Weshalb willst Du das denn eigentlich wissen? Glaubst Du mir sonst nichts :confused:
Gruss Excalibur
 
doch doch, ich ätte dir sonst auch geglaubt.

Aber mit der Zeit sollte man angsam keine Gelegenheit zur Berufsorientierung auslassen ;)


Gruß,


Matthias *DerVielleichtauchMalMaschinenbauStudierenWill* :D

(aber nur vielleicht :lol: )
 
Excalibur schrieb:
Hi,

Da mach ich doch gleich mal den Anfang:
Lagertechnik wird ja am Bike verschiedentlich verwendet:
  • Bohrung und Schraube: billig und oft verwendet, zum Teil zusätzlich Buchse aus Kunststoff oder Alu und Unterlegscheiben aus Stahl. Oft an den einfacheren Lagern von Mehrgelenkern. Billigste Variante verzichtet selbst auf Passschrauben, was sehr hohe Lagerreibung ergibt (Gewinde in Bohrung). Sehr beliebt zum Einbau des Dämpfers selbst. Wartungsarm und kann von jedermann gewechselt werden. Überlastung kann am Rahmen (Dämpferaufnahme) irreparable Schäden verursachen (ausgedrückte Bohrung, Spiel, ungenügende Tolernazen). Lange Schrauben auf Biegung belastet tendieren zu Ermüdungsbrüchen, begünstigt durch die Kerbwirkung der Gewindegänge. Geschicktere Konstruktionen verbauen deshalb Stahlhülsen zur Entlastung Schraube oder Alubuchsen dickeren Durchmessers zur Aufnahme der Biegelasten. Viele solche Konstruktionen neigen im Alter zu Klappern durch Spiel infolge Lochleibung.
  • Gleitlager: Gleitlager sind sehr unterschiedlich. Einfache Varianten sind Polyurethanbuchsen o.ä. Teurer und schwerer sind Sinterbronze oder andere spezielle Sinterwerkstoffe. Daneben gibt es einige Spezialwerkstoffe wie Nylon z.B. Diese Lager werden meist eingepresst, können also nicht ohne Werkzeug entfernt werden. Als Lagerbolzen verwenden die einfachen Leute leider oft Schrauben - intelligente Konstruktionen bauen da etwas sinnvolles mit kleineren Toleranzen ein (Stahl Stifte und Bolzen mit Sicherung). Die Pflege ist entsprechend Lagertyp sehr unterschiedlich: Einige Kunststoffe reagieren sehr schlecht auf Schmierung, einige metallische Werkstoffe verschleissen ohne Schmierung extrem schnell, spezielle Gleitlagerbronzen sind graphit-versetzt, was selbst unter Wasser und ohne Schmiermittel hervorragende "Laufeigenschaften" ergibt. Die Laufeigenschaften von Gleitlagern sind sonst sehr unterschiedlich. Hochwertige Lager laufen vergleichbar leicht zu Wälzlagern, kosten aber u.U. ein Vielfaches derselben. Gleitlager verkraften i.d.R. schlagartige Belastungen bei geringen Verstellwinkeln sehr gut. Je nach Werkstoff kann ihnen Schmutz mehr oder weniger auf die Pelle rücken - eine entsprechende Dichtung ist nicht verkehrt, diese erhöht aber u.U. die Reibung. Gleitlager können an praktisch allen Lagerstellen am Bike eingesetzt werden. Sie sind leider zu unrecht in Verruf geraten (insbesondere in den Hochglanzmagazinen), als billige, schwergängige Lager, was so generell überhaupt nicht. In der Konstruktion und Fertigung spielt bei hochwertigen Lagern die Passung der Nabe und der Achse eine grosse Rolle: Viele Lagerbuchsen werden erst durch eine genaue Passung auf dem Aussendurchmesser genügend komprimiert für einen spielfreien Lagerbetrieb.
  • Wälzlager: Als Wälzlager werden oft einreihige Rillenkugellager eingesetzt. Diese sind beliebt für Hauptschwingenlager. Dort werden sie je links und rechts eingebaut, leider meist ohne Berücksichtung der nötigen Lagerungskonstruktion: Eine gute Konstruktion sieht für Rillenkugellager je ein Los- und ein Festlager vor. Dabei können auch zwei unterschiedliche Lagertypen zum Einsatz kommen (z.B. Rillenkugellager und Tonnenlager). Das Loslager muss sich durch seine Fixierung in Welle und Nabe axial verschieben können (oder wie z.B. ein Zylinderrollenlager mit losem Innenring die axiale Freiheit bewahren). Damit ist sichergestellt, dass die zwei Lager keine unbekannten Axialkräfte (z.B. durch Montage) aufnehmen, sondern genau diejenigen, nach welchen sie ausgelegt wurden. Aufwändigere Konstuktionen verwenden Schrägkugellager oder Pendelrollenlager, leider ist mir das im Bikerahmen aber noch nie begegnet. Die oft verwendeten Rillenkugellager reagieren empfindlich auf axiale Kräfte. Sie sind verhältnismässig leicht. Von all den beschriebenen Lagerarten verkraften sie eine Verschmutzung am schlechtesten - oft werden deshalb Lager mit Abdeckscheibe verwendet. Rillenkugellager sind sehr leichtläufig und eigentlich für viel grössere Drehgeschwindigkeiten vorgesehen, als sie am Bike vorkommen. Sie verkraften schlagartige Belastungen sehr schlecht, weshalb am Bike Lagerdimensionen eingesetzt werden müssen, die auf vielfaches der statischen Lasten am Bike ausgelegt sind. Der meist sehr kleine Drehwinkel führt zu einer ungünstigen (weil ungleichmässigen) Abnutzung der Lagerlaufflächen und Wälzkörper. Die meisten der verwendeten Rillenkugellager können nicht nachgeschmiert werden, sind also insofern wartungsfrei. Sie müssen ebenfalls ein- oder aufgepresst werden und sind deshalb nur mit Abziehwerkzeug zu demontieren. Rillenkugellager sind relativ teuer. Auch hier muss auf den Montageflächen sehr genau gearbeitet werden, da sonst das Lager bereits bei der Montage beschädigt werden kann.
Gruss
Excalibur
Habe diesen Beitrag mit grossem Interesse gelesen. Wäre es möglich die einzelnen Lagertypen mit einem Foto zwecks Identifizierung zu versehen? Zur Zeit beschäftige ich mich mit der Frage, welcher Lagertyp denn bei meinem Teil verbaut ist.

Gruss
Peter
 
Hallo!Mich würde doch nun brennend Interessieren welche Lager an Rockys aller Art verbaut wurden!Und damit meine ich ,sowohl den orig.Hersteller(Typ.Bezeichnung),wie auch bessere Alternativen(FSA,INA,...)die in unserem Ländle zu beordern sind.Habe mir zum Beispiel im Web die Finger wundgesucht um für mein RM Switch 04 R.S. die passenden Lager zu finden!Nix.........aber auch garnix!Weiss jetzt aber zumindest das alles ganz einfach ist!lol!!!Denke mal eine Tabelle mit Modellen(RMX,Switch),Bj, Lagergrössen,Hersteller,usw z.B von Rocky als Support für Ihre doch edlen aber auch teuren Bikes----zuvielverlangt!!?Oder auch zuuuu einfach...
P.S:Woher bekomme ich denn jetzt meine Lager INA 3903 2RS,oder waren es HK 1620 2RS2 für den DogBone??Würde gleich mal ein Sortiment von 200Stck.bestellen...Vorsorge ist alles
 
Danke Excalibur! Besonders wichtig finde ich den Hinweis auf die Verwindungssteifigkeit der Rahmen. Besonders, weil die ja auch immer ein Kriterium in diesen Bilderheftchen ist. Mein Trance hat sehr wahrscheinlich einen Rillenkugellager-Hinterbau. Er ist unheimlich sensibel, bin mal gespannt, wie lange ich ihn ohne Probleme fahren kann. Solange ich Garantie habe, werde ich das Ding erstens richtig rannehmen, zweitens gut pflegen und drittens mich hüten, an dem Hinterbau rumzuschrauben. Giant ist immerhin der größte Fahrradhersteller der Welt. Ich werde mich mal auf die Konstruktion verlassen. Eine Frage: Der erste Impuls in das Lager kommt natürlich punktuell. Wenn ich jetzt meinen Dämpfer auf wenig Hub einstelle, wird der Drehbereich der Lager auch kürzer. Schläge üben ein größere Belastung auf Lager und Dämpfer aus. Der Fahrer kann, meiner Meinung nach, die Haltbarkeit seines Hinterbaues beeinflussen, indem er seinen Dämpfer dem Gelände anpasst. Wie denkt die Gemeinde darüber?
 
Wünsche allen Frohe Weihnacht gehabt zu haben und einen gesunden Rutsch ins "Neue Jahr"!!

So,habe mich mal etwas schlau gemacht und einen Händler in Bayern gefunden der schonmal den originalen Lagersatz von Rocky bestellen kann!Preise bekomme ich noch telefonisch mitgeteilt.Achso,habe auch zur Sicherheit 2 x ein wechselbares Schaltauge mitbestellt.Kosten zusammen 30Euros +Portohttp://www.schindele.griesthal.de/index.htm
Allerdings war ich ja auf der Suche nach möglichen Alternativen!!Leider konnte mir bis auf ein Händler noch keiner weiterhelfen .28 Euro/Stck. und die Originalen von INA 3903 2RS!Stefan Müller <[email protected]> ca.1-2Wo Lieferzeit!!!

Aber,habe hier gelesen das die Lager von FKS haltbarer seien sollen!
Weis jemand darüber genaueres??
 
Es gibt solche tollen Tabellenbücher wo die ganze Lager drin aufgeführt sind.
Solltest mal rumfragen ob ein Industriemechaniker in deiner Nähe ist und der sowas auf der Arbeit hat.

Dort werden auch alternativen mit angegeben.
Es kann ja sein da nur ein anderer Stift eingesetzt werden muss und das Lager dadurch wesendlich billiger wird.
 
Dankeschön erstmal für die schnelle Antwort!Werde gleichmal rumgooglen ob ich vielleicht eines im Netz direkt kaufen kann.Mein Intense könnte auch ein Paar Ersatzlager gebrauchen!!!
Gibt es eigentlich Lagereinpresswerkzeuge,die bezahlbar sind?Denke da an eine Art Kettennieter!Oder bleibt nur die herkömmliche Art übrig,das vorsichtige arbeiten mit der Nuss??
Und noch zwei Fragen brenenn mir auf dem Herzen:
Kann man an einem Rocky Switch 04 die Kettenführung von Race Face mit 2 Kettenblättern (Kurbel Diabolus;32/22Zähne)schleiffrei fahren?Bessere Vorschläge!!
Würde gerne meine Einfachbrückengabel gegen eine Andere mit Doppelbrücke tauschen!Treten vielleicht irgendwelche Probleme mit dem oberen Gabeldreieck und dem Rahmen auf??Kollidiren Sie miteinander?
:confused:
weiter so...................
 
Also, Werkzeug gibs da für nicht wirklich.

Es gibt Lagerabziehern und das wars auch schon.
Lager schläg man einfach mit den Hammer ein.
Zuvor wird meins das Lager, oder Bauteil erhitzt und dann fällt das Lager schon rein!

Dann man auch wunderbar zuhause machen Bauteil einfach auf den Herd legen und ordentlich erhitzen lassen :D

Ob das bei ein Rocky alles passt keine Ahnung, hab den Rahmen noch nie in vor mir gesehn
 
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