Aber klar doch. Ich bin gerade doppelt so alt geworden wie du. Angefangen habe ich mit 68 mit einem Fahrtechnik-Nachmittag. Das machte so Spaß, dass ich mir ein neuer Bike gekauft habe. Vorher hatte ich auch schon eins. Das brauchte ich aber nur dazu, um meinen Hund bei seinen Ausflügen begleiten zu können.
Rad gefahren bin ich allerdings all die Jahre zuvor auch relativ viel.
Es kommt bei der Bikerei darauf an, Spaß an Bewegung und Koordinationsproblemen zu haben. Und da sind die fahrtechnischen Übungen gerade recht. Tempo ist nicht mehr so der Reißer. Dazu gab es im Leben schon zu viele Stürze der verschiedensten Art.
Die Fortschritte beim Lernen sind nicht proportional zur Übungsintensität oder Häufigkeit. Es geht tatsächlich schrittweise mit Aha-Erlebnissen ("Quantensprüngen"). Eine ganze Weile verkämpft man sich an einer Bewegung. Es geht nicht vorwärts. Nach einer Pause kann es dann passieren, dass man schlagartig die Bewegung stark verbessert ausführt. Ich halte auch das intensive Visualisieren der geplanten Bewegung im Kopfkino für sehr förderlich.
Auch ein Trainingstagebuch hat sich sehr gut ausgewirkt. Das Lerntempo ist aber sehr deutlich langsamer als in der Jugend, z.B. beim Turnen.
Ich habe mit 64 aus Interesse an den Lernvorgängen angefangen, auf einem Einrad zu üben. Nach einem viertel Jahr konnte ich akzeptabel darauf fahren. Das Nachbarmädchen, vielleicht acht Jahre alt, hat dieselbe Fertigkeit in zwei Stunden gelernt. Damit muss man sich abfinden.
Krafttraining ist ausgesprochen hilfreich. Man muss aber sehr darauf achten, das sich Sehnen und Bänder langsamer und Gelenke deutlich langsamer an die Belastungen anpassen. Der Vorteil bei Biken ist aber gerade die geringe Belastung der Gelenke und der Bänder. Auch sind die Bewegungen nicht hektisch und ausladend. Das Gegenbeispiel wäre der Schlagballweitwurf o.ä.. Da kann man sich gut selbst verletzen. Probleme gibt es deswegen beim Bunny-Hop. Da ist die Rückwärtsbewegung schon belastend. Der Rest ist fast immer Kopfsache, z.B. den sweet spot beim Wheelie bewusst zu überschreiten.
Mit machen vor allem Trails Spaß. Inzwischen beginne ich mit dem Versetzen des Hinterrades. Es sind die kleinen Fortschritte, über die man sich freuen kann. Und die kommen bestimmt. Und sie summieren sich!
Hier z.B. eine kleine Übungseinheit vom letzten Jahr. (PW ist mein alias)
Vor vier Wochen bin in in Osternohe die Blue Line auf Anhieb ohne zu stoppen hinunter gefahren. Hat saumäßig Spaß gemacht.
Natürlich geht es immer schneller abwärts, aber mit 35 hat man noch mächtig viel vor sich. Ride on!