...Der Reiz an Marken wie RM in Europa ist doch, ein überteuertes Luxusprodukt mit mäßiger Ausstattung zu kaufen und dann noch mal richtig was in die Individualisierung zu stecken...
(...)
... SXC-Fahrer bleiben Exoten: sie fahren ein liebgewonnenes, trotzdem mit konzeptionellen und qualitativen Mängeln versehenes Rad das erst durch viel Arbeit ein richtig gutes Rad wird.
Wunderbar zusammengefasst!
Sorry, aber dafür habe ich kein Verständnis.
Und ich ebensowenig.
Was gibt's denn gegen "Stangenware" einzuwenden, wenn sie funktioniert? Es mag zutreffen, dass viele Rocky-Fans erst duch das Pimpen ihres mittelmässigen Produkts das Gefühl bekommen, ein "individuelles" Bike zu fahren (und auch ich habe nochmals Unsummen in Fox Talas, funktionierende
Shimano-Lager, absenkbare Sattelstütze, vernünftige Laufräder, etc. investiert), aber ich gehöre eher zu der Gruppe Konsumenten, die das zwangsweise tun müssen und nicht weil sie's wollen. Ich erwarte eigentlich, dass der Hersteller bei den Preisen schon von Haus aus ein serienreifes Produkt "von der Stange" anbietet. Insofern kann ich auch die hier häufig vorgetragene Schelte an den sogenannten "herzlosen" Produkten von Scott, Specialized oder Giant nicht nachvollziehen. Um das Beurteilen zu können, müsstet ihr deren Bikes schon mal fahren. Dann würdet ihr feststellen, dass sie erstaunlich gut funktionieren und extrem wenig Wünsche offen lassen.
Ich bin letzte Woche in Südfrankreich auf dem Bikefestival Roc d'Azur leihweise vier Tage lang ein Lapierre Zesty 714 in carbon "von der Stange" gefahren (zuvor noch nie drauf gesessen!) und war begeistert, wie problemlos sich das Teil fährt. Das ist: draufsitzen und sich wohlfühlen. Und genau so sollte es sein. Klar findet man da auch was zu mäkeln: Sattelstütze und Gabel sind nicht absenkbar, einen
Flaschenhalter kann man nirgends anbringen. Aber wie das Ding vom Draufsitzen weg bergauf und bergab fährt, das muss man mit einem Slayer erstmal mühevoll mit einigen Testfahrten und individuellen Frisierlösungen rausfinden (Roco Air, Abfeilen, Dämpfervolumen mit Coladosen verkleinern und ähnliche Späße...).
Und hat man das endlich geschafft, dann wähnt man sich zugehörig zu einer kleinen, feinen, elitären Individualistengruppe, die ach Gott so gar nichts zu tun haben will mit dem Mainstream, den zu bemitleidenden, geistig armen Canyon-, Cube- oder Scott-Fahrern. (Achtung: Sarkasmus)