Hier mal ein kleiner ErFAHRungsbericht. Nachdem ich zwei Tage lang in steinigem, mit Blättern übersähtem Gelände unterwegs war und folgende Elemente testen konnte: gleichmäßiger Uphill auf Forstweg, steiler Uphill auf Trails mit Wurzeln und Felsen, steile und technische Downhills, Treppen, schnelle Downhills, Sprünge, Rollen auf Teer.
Das erste, was man denkt, wenn man sich auf das Bike setzt ist: Hääää? Ist das noch ein Fatbike? Häää? Sind da wirklich vorne und hinten die dicken schweren Lou
Reifen montiert? Das Teil lenkt so agil wie ein All Mountain Bike mit schmalen
Reifen! Das mag am relativ steilen Lenkwinkel liegen und am kurzen 40mm-Vorbau, aber sich auch am geringen Gewicht.
Ich bin vorher einmal das Test-Bike des Borealis-Importeurs gefahren. Das lag bei 11,7 Kilo und fuhr wie eine Rennfeile. Hatte aber auch die noch leichteren Borealis-Carbon-
Felgen drauf mit 4,0er 45NRTH
Reifen. Außerdem war das Größe S und damit noch leichter und quirliger.
Doch auch meine 13 Kilo-Ausgabe fühlt sich an wie ein Racebike. Jetzt weiss ich was Borealis meint, wenn sie "performance-oriented" sagen, hört sich ja schwammig und nach Werbespruch an. Performance kann ja auch so ziemlich alles sein...
Schon bergauf kommt eine Begeisterung auf, kein Wunder, denn es müssen plötzlich 2 Kilo weniger geschleppt werden. Und der Tretlagerbereich ist so dick dimensioniert, dass man da bestimmt auch einen E-Motor drin verstecken könnte. Also keine Steifigkeitsprobleme zu erwarten.
Doch das ist nicht alles. Das Vorderrad klebt am Boden, keine Tendenz zum Aufsteigen. Flaches Cockpit ohne Spacer und kurzes 120er Steuerrohr zahlen sich hier aus, aber auch der relativ lange Hinterbau mit 460mm Kettenstreben. Das Beste: bei kniffligen, wurzeligen oder steinigen Uphill-Stücken spielt der Lou am Hinterrad seine Vorteile aus. Brutale Traktion unterstützt die eigene Fahrtechnik. Hier ist einiges möglich. Läuft das Vorderrad in der Hitze des Gefechtes mal aus der Spur, kann man das Steuer noch rumreißen, denn auch vorne sitzt Bruder Lou und denkt gar nicht ans Wegrutschen.
Oben angekommen hat man durch das geringe Gewicht mehr Puste für den Downhill, ein kurzer Druck am Remote-Hebel, und der
Sattel wandert 150mm nach unten. Plötzlich sieht das Echo aus wie ein besonders dickbereiftes Trialbike, bereit für alle Schandtaten. Mal gleich ein bisschen üben oben an der Turmtreppe... Oh, klappt gut, Hüpfen auf der Stelle, sehr leichtfüßig. Treppe runter mit angezogener Bremse... wow was für ein Grip. Vorderrad lupfen... easy. OK es wird Zeit für die Abfahrt.
Die erste Spitzkehre... Huch, so leicht habe ich das Hinterrad ja noch nie versetzen können. War das jetzt nur Glück? Mal sehen, nein, bei der nächsten Kehre klappt es wieder gut, komischerweise bei mir nur in Linkskehren, ich muss mehr Rechtskehren üben. Mal eine Kehre ohne Umsetzen versuchen. Super, der Vorderreifen klebt am Untergrund, keine Überschlagsgefühle, eine runde Sache...
Jetzt wird der Trail schneller. Ich muss mich an das agile Handling gewöhnen. Sobald ich die Bremse aufmache, wird die Kiste superschnell, ich muss aufpassen. Alles voller Laub und niemand weiss was sich darunter versteckt. Durch den steileren Lenkwinkel fährt sich dieses Bike sehr viel agiler als mein bisheriges. Das Mukluk war am Ende eher ein Panzer, der über alles drübergebolzt ist, aber gleichzeitig war es auch träge. Jeder Richtungswechsel musste mit Nachdruck eingeleitet werden. Nicht so das Echo: Leichtfüßig zirkelt es selbst bei Highspeed um die Felsbrocken, überrollt Wurzelfelder und Felsstufen mit gewohnter Fatbike-Souveränität. Der 760mm-Lenker hilft, die neu gewonnene Agilität im Zaum zu halten. Eines muss auch angemerkt werden: Der Fahrer ist bei schnellen Abfahrten mehr gefordert, die Kombination aus 40mm-Vorbau und steilem Lenkwinkel ergeben nicht nur ein sehr agiles und fahraktives Bike, sondern auch ein weniger laufruhiges Bike. Die dicken
Reifen mit dem sehr großen Abrollumfang sowie das immer noch sehr hohe absolute Laufradgewicht stabilisieren die Fuhre und kompensieren diesen Effekt ein Stück weit wieder. Man hat also das Beste aus zwei Welten: Agilität und Souveränität.
@aju meinte, dass die Kombination aus steilem Lenkwinkel und kurzem Vorbau überhaupt nur am Fatbike funktioniert. Ich denke er hat Recht. Ich mag dieses Fahrverhalten jedenfalls, auch wenn ich auf meinem 601 einen Lenkwinkel von 64 Grad fahre.
Wir bewegen uns jetzt auf steiles Gelände zu. Steilstufen... Aber auch hier: kein Problem. Der kurze 40mm Vorbau zahlt sich aus. Keine Überschlagsgefühle. Eine lange, steile und leicht ungleichmäßige Treppe: das gleiche, das Bike rollt kontrolliert bis zum Ende.
Jetzt Fahren quer zum Hang, Wurzeln und Steine versuchen, einen nach rechts abzudrängen. Doch die Gebrüder Lou haben andere Pläne und halten das Echo auf Kurs. Ich mag Seitenstollen!
Es gab auf der Tour auch drei Fehlversuche, bei denen ich nicht in der Lage war, das Hindernis zu bewältigen, aber das lag dann eher an mangelndem fahrerischen Können und Selbstüberschätzung bzw. an zu viel Respekt vor dem Abgrund

und nicht am Bike.
Jetzt der Rückweg auf Teer: die großen Hohlräume (Tubeless-Lou auf großvolumiger Felge) in Verbindung mit den Lou-Stollen sorgen für ein Konzert erster Güte, naja zumindest isses laut. Der Hope-Freilauf gibt sich auch Mühe, gegen den Lärm der
Reifen anzustinken. Rollen tut die Kiste gut. Ich denke sie wird noch besser rollen, wenn ich ein wenig mehr Luft auf die
Reifen mache.
@Bumble meint es wären nur 0,35 Bar gewesen... Dummerweise sind die Ventile so kurz, dass mein toller neuer Analog-Luftdruckmesser nicht direkt aufgesetzt werden kann...
Fazit: Das Bike liefert ab! Die Erwartungen sind hoch beim Aufbau eines solchen Bikes. Nachdem ich schon in der Aufbau-Phase vom Finish und den Details des Bikes begeistert war, gilt das jetzt auch für das aktive Fahren mit dem Kohlefaserdickmann.
Ein paar Störfaktoren gab es jedoch auch: Die Sattelstütze scheint einen Tick zu lang zu sein und lässt sich wegen der Flaschenhalterschrauben nicht weiter versenken. Ich hoffe der neue
Sattel baut weniger hoch und beseitigt damit das Problem. Das 32er Kettenblatt ist definitiv nix für mich. Zwar kam ich fast alle Anstiege hoch, aber ich vermisse die Gemütlichkeit des langsamen Hochkurbelns. Auch in Grenzsituationen, wo es wirklich sehr sehr steil wird und wo man von der Mörder-Traktion des Lous profitieren würde, setzt das 32Z-KB die Grenze. Aber das 28Z wird kommen, damit ist auch dieses Problem behoben. Die Nextie-
Felgen liessen sich nicht besonders gut zentrieren. Dadurch, dass sie schon ohne Speichen relativ steif sind, war ein hundertprozentiger Rundlauf nicht hinzubekommen. Mal sehen ob das noch besser geht. Beim Fahren merkt man davon zum Glück nix.
Was noch? Durch die grünen
Felgen geht man im Wald nicht verloren. Die Farbe rockt! Selbst im nebligen Wald leuchten die
Felgen, als ob ein Akku drin steckt. In der Stadt hört man verwirrte Rufe und sieht wirre Blicke. Au Backe, ich glaub das wird noch schlimmer als beim weiß-grünen Mukluk... Aber ich hab´s ja nicht anders gewollt...