Da die Hexe hier mehr oder weniger mit Pentagramm-Zirkel herbeigerufen wurde, würde sie gern ein paar Zeilen zu dem Thema da lassen:
Viele vor allem indiviuelle Laufradheinis sind nicht so sehr davon begeistert mit bereits vorgekauftem Material aufbauen zu müssen, da sie 1. am Entscheidungsprozess für´s Material nicht beteiligt waren, es ihnen also auch relativ unklar ist, ob es denn gut zur Anwendung passt (gut, das lässt sich ja noch klären im Gespräch) und 2. dieses Gewerbe eben auch stark darüber finanziert werden muss, das man eben an den verkauften Materialien etwas mitverdient.
Es gibt auch noch Punkt 3, der sich in gewisser Weise mit Punkt 1 verknüpfen lässt: Sollte dem Fahrer unterwegs was passieren, kann es im krassesten Fall zu einem Unfallgutachten kommen. Wenn dort dann eine Ursache in fehlerhaftem Material gesehen wird und dieses Material die Laufräder sind, dann kann derjenige verantwortlich gemacht werden, der für die Laufräder zuständig war. Deshalb ist es auch der Hexe immer wichtig zu erfahren, wofür die Räder genutzt werden sollen. Nur dann lässt sich wirklich ein Aufbau mit "gutem Gewissen" auch umsetzen, wenn denn Material und Anwendung gut zueinander passen. Ich habe häufig den Eindruck dass meine Nachfragen "wofür willst du das denn nutzen" dazu führen, dass Abstand von meinen Diensten genommen wird, da sich die Leute nicht "vor mir erklären wollen", vermutlich weil sie schon die Ahnung haben, dass meine Beurteilung nicht mit ihren Wünschen übereinstimmen.
Ich persönlich bin erstmal nicht dagegen mit bereits vorhandenem Material zu bauen. Allerdings unterscheide ich hier auch noch zwischen :
"Das habe ich schon genutzt, das ist noch gut, das wäre zu schade zum wegwerfen, also wäre es doch toll und vor allem nachhaltig, wenn man das noch mal neu aufbaut"
und
"Das habe ich total günstig bekommen und brauche jetzt jemanden, der mir dieses Schnäppchen zu einem wertigen Gesamtkonstrukt vergoldet... aber bitte billig!"
Variante 1 davon gefällt mir deutlich mehr als Variante 2. Bzw. ist Variante 1 auch mit meiner Grundeinstellung gut vereinbar, da ich es sehr vernünftig finde Material, was noch nutzbar ist, auch zu nutzen. Bei Variante 2 fühlt man sich eher missbraucht.
Ihr könnt hier aber gern auch mal eure Sicht der Dinge äußern, ob denn diese Einstellung, die ich zum Beispiel habe, in euren Augen nachvollziehbar oder eher unsinnig ist.
Vg
Hexe
Sehr schöner Beitrag.
Kann ich (fast) allem zustimmen.
Nur wahrscheinlich ist er zu lang für die Fraktion „Geiz UND keine Ahnung“.
Ich selber baue keine Laufräder auf (weil ich es nicht kann).
Wohl auch, weil ich persönlich Händler kenne, die es sehr gut können, und die dürfen das bei Bedarf für mich tun. Da weiß ich, was ich bekomme.
Der einzige Punkt, bei dem ich regelmäßig die Krätze bekomme ist jener:
„… dieses Gewerbe eben auch stark darüber finanziert werden muss, das man eben an den verkauften Materialien etwas mitverdient.“
Hallo? Geht‘s noch? Ölwechsel in der KfZ-Werkstatt: 5 Liter Motoröl kosten den Endverbraucher 50 Euro, die Werkstatt wahrscheinlich wegen größerer Abnahmemengen weniger. Berechnet wird aber das Doppelte. Plus Arbeitsleistung. Bei sowas fühl ich mich verarscht. Worin besteht die Leistung, der Mehrwert? Die gemachte Arbeit, ok, die Erfahrung, ok, die Zuverlässigkeit in der Ausführung, ok! Für all das zahle ich gerne. Aber das Material?? Das ist für mich wie für die Werkstatt dasselbe. Null Mehrwert. Dafür einen höheren Preis abzurechnen finde ich nicht nur frech, sondern auch unmoralisch.
Das Beispiel kannst du auf alle Dienstleistungsbereiche übertragen, also auch auf Fahrradwerkstätten. Es begegnet einem immer wieder. Schlauchwechsel am Trekkingrad der alten Frau: Arbeitsleistung 20 Euro,
Schlauch 10 Euro! Dabei kostet der
Schlauch den Händler keine 5 Euro. SSD am Notebook tauschen? Arbeitsleistung für Öffnen, Tauschen und wieder Schließen plus doppelter Marktpreis für den Speicher. Passiert jeden Tag. Sowas finde ich einfach nur unseriös.
Es ist doch schon auch so: viele Händler und Werkstättenbetreiber leben von der Unwissenheit ihrer Kunden. Sie berechnen diesen neben ihrer Arbeitsleistung Preise für Materialien, von denen sie annehmen können, dass die Kunden die wirklichen Preise und vor allem die Preisvergleiche nicht kennen. Diese Unwissenheit bzw. „Dummheit“ der Verbraucher ist sozusagen Konzept der wirtschaftlichen Kalkulation und „eingepreist“ bzw. wird zum eigenen Vorteil ausgenutzt. Und da beginnt es für mich, unseriös zu werden.
Da ich mich aber ungern von jemandem für blöd verkaufen lassen möchte, der von meinem Geld auch seine Miete oder Angestellten bezahlt, halte ich es so: ich sage meinen guten Händlern vorab, dass ich sie gerne für ihre Erfahrung und Arbeitsleistung bezahle, nicht aber für „Aufpreise“ beim Material.
Es gibt nun Händler, die akzeptieren das und andere, die reagieren angepisst.
Du darfst nun raten, welche Händler mein Geld bekommen.