Was machst du überhaupt? Und wie kam es dazu?
Ich glaube eine der schönsten Aspekte der Selbstständigkeit ist, dass ich meinen Tag mehr oder weniger so gestalten kann, wie ich es möchte. Was mache ich heute? :
Hauptsächlich Neuaufbauten abarbeiten? Reparatur und Serviceaufträge? Anfragen beantworten? Lagerbestände kontrollieren und auffüllen (
Felgen, Naben, Speichen, Nippel, Washer, Wälzlager, Tubelessventile, Ersatzteile/Kleinteile für Naben etc.)? Anzeigen schalten? Umsatzsteuervorauszahlung für´s Finanzamt erstellen? Experimente überlegen á la Test - LRS mit neuen Komponenten zusammenstellen und jemanden finden, der diesen auch Materialgerecht ausführt? Hersteller anschreiben, sich um Distributeure kümmern, Problembehandlung/Garantieansprüche oder sonstige Nickligkeiten klären? Lager aufräumen, Müll entsorgen, Versandprobleme lösen? (Versand-)Material im Auge behalten (habe ich noch genügend Kartons/Klebeband/Tubelessband/Versandetiketten/Wachsspray/Leinöl/Cuttermesser/Süßkram/Freilauffett etc.) oder Bilder von fertigen LRS knippsen? Stammkunden ob ihrer Elfenhaftigkeit lobpreisen oder sich mal wieder über im Äther verschwundene Mails ärgern? Die traurigst vor sich hin darbende Homepage auch weiterhin ignorieren? Das Füllhorn der Möglichkeiten steht überquellend vor mir!
Und natürlich, selbstverständlich, ist eine der unangenehmsten Aspekte der Selbstständigkeit, dass man das alles selbst machen muss. Und zwar sofort!
Es ist ja absolut kein Geheimnis, dass Selbstständigkeit sehr gern als ständige Selbstarbeit bezeichnet wird. Ich hatte es auch schon an anderer Stelle hier geschrieben: da muss man rein wachsen und zusehen, dass man ein für sich angenehmes Pensum findet. Vor allem zu Beginn fällt das sehr schwer, da man ja mehr oder weniger vor einem großen, formbaren, aber nur schwer zu greifendem Nichts steht.
Ok, ich habe mich jetzt also mit einem Gewerbe angemeldet und möchte da jetzt darin arbeiten. Aber wer weiß denn, dass es mich gibt?
Also hängt man sich voll rein und versucht mehr als
100% des Notwendigen zu geben, damit Zufriedenheit für mehr Nachfrage sorgen kann. Aber ohne Aufträge kann´s auch keine Zufriedenheit geben, ergo: wie kommt man an Kunden?
Auf Kleinanzeigen und im Bikemarkt inserieren hilft enorm, aber natürlich auch ein guter Bekanntenkreis in der Sparte, in welcher man sich ansiedelt.
Mein Sprungbrett war definitiv die Tätigkeit bei VPace, bzw. eigentlich schon früher,als ich mit den Jungs der „legendären Radmarathonösen“ in Dresden in die Pedale trat. Dort finden sich erstaunlich viele Radbegeisterte, und einer von ihnen wies mir dann schlussendlich auch den Weg zu VPace. Man könnte also sagen: Weil ich mich seit 2009 für die Elbspitze interessierte, anfing mit denen rum zu kurbeln und 2010 dann auch selbst teilnahm, weil ich dort „Knusperhexe“ getauft wurde und diesen Namen stets als Aushängeschild in Radforen nutzte, musste ich unweigerlich irgendwann da enden, wo ich jetzt bin. Ich mag diese Verkettung von der Initiation in den Kreis der Langstreckenbändiger bis hin zur kauzigen Speichenflechtlerin im eigenen Hexenhaus. Sozusagen das Hexen 1x1 für Laufradbauer? Fahr Fahrrad, aber nicht allein!

So, aber zurück zu „Was machst du?“
Was man recht stark herausarbeiten sollte, ist der Aspekt, dass der Aufbau von Laufrädern im gesamten Zeitvolumen meiner Tätigkeit gar nicht mal so viel Raum einnimmt. Klar variiert das auch, es gibt mal Tage/Wochen, da ist es sehr intensiv, aber im großen und ganzen kann ich wohl einen Durchschnitt von vielleicht 1,5 LRS pro Tag als globalen Wert anlegen. Also ca. 2 Stunden.
Aber wie viel Zeithabe ich mit e-Mails tippen verbracht? Oder mit Telefonieren? Puh, gar nicht so einfach das nachzuvollziehen. Was ich aber statistisch herausholen kann, ist folgendes:
Seit ich mein Gewerbe angefangen habe (Oktober 2018, noch in Teilzeit, ab 09/2019 in Vollzeit) bis heute, 09.12.2025, habe ich 23.473 Mails getippt. Das umfasst natürlich alles. Sowohl Antworten auf Kundenanfragen, als auch Austausch mit Herstellern, als auch Statusupdates etc. Da ssind also nicht alles komplett ausführliche Texte. Aber ich bin durchaus nicht zimperlich im Tippen von langen Antworten. Wenn ich es könnte, dann würde ich gern versuchen herauszufinden, wie viele Zeichen diese 23.473 Mails beinhalten, aber ich glaube nicht, dass dies so einfach herauszuholen ist.
Mails sind ja bei weitem nicht das einzige Medium, in welchem ich Anfragen erhalte und antworte. Es gibt daneben ja auch noch Instagram, Whatts-App,Kleinanzeigen, den Bikemarkt – und natürlich auch die PN´s hier im Forum. Wie viele Antworten ich also wirklich schon geschrieben habe? Absolut keinen blassen Schimmer! Ich kann nur aus dem Gefühl heraus sagen, dass die meisten Nachrichten per Mail reinkommen, danach vermutlich PN´s und Bikemarkt Käufe, WhattsApp und Instagram dann auf den hinteren Plätzen, was jetzt aber nicht heißt, dass dort nix los ist. Auf 10 Mails kommt 1 Anruf (ungefähr). Meine Telefonate versuche ich nun mittlerweile auf max. 30Minuten beim ersten Beratungsgespräch zu beschränken, dann bleibt genug Zeit für ausführliche Erklärungen, aber reicht dann auch und wird nicht zu erschlagend bzw. zu Zeitraubend.
Diese Fülle an Wegen der eigenen Erreichbarkeit ist zwar durchaus zuträglich, um die Hemmschwelle von Interessierten zu überwinden – manchmal fällt es mir dann aber doch schwer alle Konversation zurück zu verfolgen, vor allem dann, wenn wir auf unterschiedlichen Wegen über das gleiche Thema geschrieben haben, sich aber Aspekte an den LR verändern. Es ist nicht unüblich, dass eine Beratung amTelefon/Instagram/Kleinanzeigen beginnt, per Mail fortgesetzt wird, Nachfragen dazu per WhattsApp eingehen und das ganze dann auch mal ein paar Monate ruhen gelassen wird, bis sich der interessierte Kunde plötzlich wieder bei mir meldet, und zwar gern mit den Worten „Also gern wie besprochen, können wir so machen, nur das HR in 27,5“ und die Nippel aber wie angesagt!“ Oder, auch sehr beliebt: Anruf, Wortmeldung: „Joa ich bin´s, können wir so machen!“
Tjoa, und die Hexe liest/hört dann diese Nachricht und denkt: Whä? Wer bist du?
Denn der letzte Kontakt hat vielleicht 3-9 Monate vorher statt gefunden und ich habe in der Zwischenzeit hunderte andere Anfragen bearbeitet und muss erst Mal komplett nachlesen, worum es hier überhaupt ging oder wer der Scherzkeks ist. Ich bin immer wieder fasziniert von der Tatsache, dass Anfragende bei mir, genau wie meine Kinder, gern davon ausgehen, dass jeder ihrer Gedanken auch mir bekannt wären. Auch noch nach Monaten und ich sofort weiß, was los ist.
Ich bin ´ne Hexe, aber keine sonderlich begabte Telepathin!
Ich brauche mehr Hinweise. Bitte!
[to be continued]