Hi Leute,
da hier im Forum recht wenig zur chronischen Form der AC-Gelenksprengung steht, wollte ich mal meine Geschichte aufschreiben, damit möglicherweise manch einer durch meine Erfahrungen davon profitiert:
Anfang Juni 2022 Abgang über den Lenker nach Abkommen von der Strecke (im Anschluss an einen Sprung) auf der Halde Haniel in Bottrop. Schmerzen in der rechten Schulter, aber nicht übermäßig stark. Die Schwellung sehr schnell eingetreten, sodass der "Höcker" zunächst nicht zu sehen war. Deswegen habe ich auch zunächst nichts weiter unternommen. Ich hatte nicht gedacht, dass etwas Schlimmeres passiert sei. Nach einer Woche, nachdem die Schwellung zurückgegangen war, wurde dann der "Höcker" auf der Schulter sichtbar. Fiel mir an einem Sonntag auf, weshalb ich dann in die Ambulanz das nächstgelegenen Krankenhausen gefahren bin. Dort: Röntgen mit Belastung von 10 kg. Diagnose: Rockwood II. Therapieempfehlung: 4-5 Wochen schonen, danach wieder langsam aufbelasten. Als passionierter Hobbyboxer und MTBler bin ich natürlich schon nach 4 Wochen wieder eingestiegen. Warum auch nicht, dachte ich mir. Schmerzen waren nicht mehr so wirklich vorhanden. Außer leicht bei manchen Bewegungen. Bestimmte Dinge habe ich daher im Boxtraning vermieden. Im Nachhinein betrachtet war der Wiedereinstieg in den Sport viel zu früh. Aber schon die verordnete Schonzeit von 4-5 Wochen war seitens der Klinik viel zu kurz angesetzt. 8 Wochen hätten es schon sein müssen, damit die Bänder sich wieder einigermaßen festigen. Hinterher ist man immer schlauer. Dementsprechend hat sich der Zustand der Schulter immer mehr verschlechtert. Ich habe irgendwann bei einigen Bewegungen deutlich gemerkt wie das Schlüsselbein an das Schulterdach anstößt. Sehr schmerzhaft. Sport war damit gegessen. Nicht mal Joggen ging mehr.
Dann Vorstellung beim Orthopäden, Überweisung zum MRT. Diagnose: Rockwood IIIb (mit horizontaler Instabilität). Ich habe mir also durch meinen Übereifer und die von vor herein zu gering angesetzte Schonzeit seitens der Klinik dann alle Bänder zerstört. Versuche es konservativ in den Griff zu bekommen scheiterten.
Im Spätsommer Vorstellung in einer Klinik, die aufgrund ihrer orthopädischen Abteilung einen sehr guten Ruf genießt. Ich erfragte, ob man da noch etwas machen könne. Mir wurde gesagt, dass es die Möglichkeit gäbe die Verletzung mit einem Sehnentransplantat (Gracilissehne) aus dem Bein zu versorgen. Man würde dies aber nicht mehr anbieten, da man mit der Methode schlechte Erfahrungen gemacht habe. Wenn ich es dennoch operieren lassen wolle, sollte ich recherchieren, wer dies durchführt.
Nach einiger Recherche habe ich dann einen (vermeintlichen) Schulterspezialisten in Düsseldorf ausfindig gemacht, der wohl auch Spitzensportler behandelt. Bei meiner Vorstellung dort wurde mir gesagt, die OP sei kein Problem und ich könne danach wieder alles machen wie vorher auch.
OP-Termin war am 25.10.22. Schmerzen im Anschluss hielten sich in Grenzen. Zur Entnahme der Sehne aus dem Bein wurde mir zuvor gesagt, dass ich davon gar nichts merken würde und keine Einschränkungen dadurch zu erwarten sein. Belastungs-/ Bewegungseinschränkungen habe ich auch nur für die Schulter auferlegt bekommen, nicht für das Bein. Mit den Beinen sportlich betätigen, solange die Schulter nicht beeinträchtig würde, durfte ich also. Demensprechend habe ich nach dem Ziehen der Fäden begonnen auf dem Ergometer zu trainieren und die Beine mit Kräftigungsübungen zu versorgen. Kurz darauf: Heftiges Hämatom am Unterschenkel. Anruf in der Praxis des Operateurs: Man könne mir keinen zeitnahen Termin anbieten um das zu untersuchen. Ich solle Schmerzmittel nehmen und Heparinsalbe darauf schmieren. Falls es zu schmerzhaft würde solle ich ins Krankenhaus fahren. Es war auszuhalten, weshalb ich kein Krankenhaus aufsuchte und nach ca. 10 Tagen Behandlung mit Heparinsalbe bildete sich das Hämatom zurück. Was bliebt war ein komisches, instabiles Gefühl im Knie.
Laut OP-Bericht sollte ich postoperativ erst nach 12 Wochen wieder beim Operateur zwecks Kontrolle vorstellig werden. Das empfand ich als viel zu spät und bestand auf einen Termin nach ca. 3 Wochen, da ich noch viele Fragen hatte, z.B. welche (sportlichen) Betätigungen man konkret ab welchem Zeitpunkt wieder durchführen darf (Fahrrad fahren, Joggen, Schwimmen usw.). Per Telefon oder E-Mail wurden mir diese zuvor leider nicht beantwortet. Der Chef habe dafür keine Zeit. Was sehr ärgerlich ist, wenn man einen längeren Anfahrtsweg hat. Einen konkreten Rehabilitationsplan gab es nach der OP nämlich nicht, nur grobe Vorgaben: 6 Wochen tragen einer Armschlinge, dürfe darf der Arm wieder im Alltag eingesetzt werden (was heißt das konkret?), nach 12 Wochen könne die Gewichtsbelastung des Arms wieder erfolgen (ohne Einschränkungen?). In den ersten 3 Wochen darf/ soll der Arm in bestimmten Winkeln passiv mobilisiert werden, die Physiotherapie aber erst ab Woche 4 nach der OP beginnen. Wer soll das dann bitte in den ersten 3 Wochen durchführen, wenn man alleinstehend ist?
Meine Fragen wurden mir auch leide nur recht oberflächlich beantwortet. Ich musste dem Operatuer Vieles "aus der Nase ziehen". Z.B.: Gibt es bei der sportlichen Betätigung Dinge/ Bewegungen, die es zu beachten/ vermeiden gilt? Z.B. Überkopfbewegungen/ -beanspruchungen des Arms? Eigentlich sollten solche Dinge unmittelbar nach der OP in einem Nachbehandlungsplan seitens des Arztes vorgegeben werden, wie es z.B. in den USA überwiegend üblich ist ("Rehab Protocol"). Besonders als (ambitionierter Hobby-)Sportler möchte man natürlich gerne schnell wieder auf die Beine kommen um seiner Leidenschaft nachgehen zu können, aber natürlich gleichzeitig auch nicht Gefahr laufen das Operationsergebnis zu gefährden. Vorgaben welche sportlichen Aktivitäten (außer bezüglich Kontaktsport/ High-Impact-Sport) mit welchen (Gewichts-)Belastungsgrenzen ab wann wieder erlaubt sind und welche Übungen es in bestimmten Phasen der Rehabilitation (insbesondere ab Woche 12 post OP) noch zu unterlassen gilt, gibt es nicht automatisch, sondern eben nur auf hartnäckiges Nachfragen. Und nicht immer Fallen einem "alle" Fragen ein, die es eigentlich zu klären gilt, sodass man immer wieder im Alltag oder beim Sport in Situationen kommt, in denen man unsicher ist, wie man sich verhalten soll. Die Angabe deutlich umfangreicherer und konkreterer Verhaltensrichtlinien im Rehabilitationsprozess wären m. E. unbedingt notwendig. Die OP-Nachversorgung war insgesamt sehr schlecht, sodass ich unwissentlich bestimmt gewisse Dinge "falsch" gemacht habe und das Operationsergebnis darunter gelitten hat. Aber dazu später mehr.
Bei meiner Vorstellung nach 3 Wochen hieß es dann spontan, ich dürfe jetzt ja die Armschlinge zuhause tagsüber weglassen und den Arm aktiv im vorgegebenen Ausmaß bewegen. Ich wies darauf hin, dass es aber im OP-Bericht anders vermerkt worden sei: 6 Wochen Armschlinge! Der Operateur meinte zunächst, dass ich mich irren würde bis er sich dann selbst noch einmal davon überzeugte und meine, dass er das sehr passiv formuliert hätte, ich jetzt aber tatsächlich die Armschlinge tagsüber zuhause weglassen und aktiv bewegen dürfe. Das ist bezüglich der Heilung vermutlich keine förderliche Vorgabe gewesen. Denn wie bereits erwähnt ist das Ergebnis der OP nicht zufriedenstellend.
Joggen und sogar Seilchenspringen (als Boxer üblich) durfte ich nach Aussage des Operateurs nach 6 Wochen wieder. Ebenso wie Brustschwimmen und Fahrradfahren. Auch dürfte ich die Muskulatur mit leichten Gewichten (bis 1,5 kg) locker "trainieren" (alles natürlich nur durch Erfragen in Erfahrung zu bringen). Auch das empfinde ich im Nachhinein für zu früh. Es haben sich so viele Muskeln abgebaut und der gesamte Körper ist (bei mir jedenfalls) komplett aus dem Gleichgewicht geraten. Zudem habe ich selbst auch noch den Fehler gemacht in den ersten 3 Wochen sehr viel gesessen zu haben, da ich so den Arm auch mal ohne Bandage in meinem Schoß ruhen lassen konnte ohne ihn ständig vor mir her tragen zu müssen. Das geht nämlich irgendwann schon sehr auf dem Rücken.
Nachdem ich wieder mit dem Joggen und weiterer die Schulter nicht belastenden konditionellen sportlichen Betätigung begonnen hatte, bildete sich mit der Zeit (zwischen der 6. und 8. postoperativen Woche) eine Blase an der größten Narbe. Diagnose: Wundheilungsstörung, möglicherweise Fadengranulom. Revisions-OP sofort am nächsten Tag (15.12.22) mit Entfernung von einigem innenliegenden Fadenmaterial und "Spülung" der Wunde. Nachbehandlung: Eine Woche erneute Schonung des Arms/ der Schulter ohne Armschlinge, zwei Wochen keinen Sport.
Nachdem die äußeren Fäden der Revisions-OP gezogen wurden bildete sich die Blase nach kurzer Zeit erneut. Am 16.01.23 erneute Vorstellung beim Operateur. Diesmal hieß es: Erstmal abwarten (warum nicht beim ersten Mal auch?).
Es waren nun 12 Wochen nach der ursprünglichen OP vergangen und ich fragte, ob ich denn jetzt mit dem Krafttraining starten könnte, da es ja laut OP-Bericht nach 12 Wochen keine Belastungseinschränkungen mehr gibt. Dass könne ich nun tun, wurde mir gesagt. Auf meine Frage, ob es für mich dabei bestimmte Dinge zu beachten gilt wurde mir gesagt, ich würde schon merken was geht und wann es zu viel ist. Ab wann ich wieder Liegestütze machen dürfe, erfragt ich auch. Ich könne mit "Frauenliegestütze" beginnen und mich dann steigern.
Kurz darauf eröffnete sich die Blase und es kam eine weiße Flüssigkeit heraus. Erneute Vorstellung beim Operateur: Sofortige erneute Wundrevision. Und dieses Mal Entfernung des Tight Rope und ggf. auch der Sehne. Anschließend stationärer Aufenthalt von einer Woche mit Antibiotikuminfusion und weitere 6 Wochen orale Antibiotikumtherapie. OP sollte 3 Tage später stattfinden.
Am nächsten Tag bei meinem Orthopäden gewesen zwecks Zweitmeinung. Er sah sich die Wunde an und stellte einen herausstehenden Faden fest, der sich als ganzen Knäul entpuppen sollte, nachdem er diesen entfernte. Therapie: Antibiotische Salbe und abwarten. Bereits am nächsten Tag sah die Wunde deutlich besser aus und schien zu schließen beginnen.
Einen Tag später: Erneute Vorstellung beim Operateur, um die neue Lage mit ihm zu besprechen. Er sah sich die Wunde gar nicht erst an und meinte, er wisse, dass die Wunde nicht zugehen würde und man alles entfernen müsste. Ich winkte ab, da ich bei einer erneuten längeren Ausfallzeit die Gefahr bestanden hätte, dass ich meinen Job verloren hätte. Er entließ mich beleidigt auf eigene Verantwortung aus seiner Praxis. Unter wiederholter Kontrolle des CRP-Werts (Entzündungswert) durch meinen Hausarzt schloss sich die Wunde dann tatsächlich gänzlich innerhalb von ca. 10 Tagen.
Endergebnis: Erneuter leichter Hochstand des Schlusselbeins und horizontale Instabilität belegt durch Röntgenaufnahme ("Alexander-Aufnahme") durch meinen Orthopäden. By the way: Eine Röntgenkontrolle seitens des Operateurs während des Rehabilitationsprozesses wurde nur einmal auf mein Verlangen hin durchgeführt.
Die Sehne scheint zumindest zwischen Schulterdach und Schlüsselbein nicht mehr intakt zu sein. Ob sie zum Rabenschnabelfortsatz noch intakt ist, oder ob nur das Tight Rope das Ganze noch etwas weiter unten hält, ist nicht zu sagen. Ein MRT, welches mein Orthopäde verordnete, konnte dies aufgrund des implantierten Metall (Dog Bone) nicht eindeutig zum Vorschein bringen.
Persönliches Fazit: Die Nachbehandlung war sehr schlecht. Nach der Wundrevision hätte ich nicht 12 Wochen nach der ursprünglichen OP schon mit dem Kraftaufbau beginnen dürfen. Aber ich habe dem Arzt vertraut. Auch das Joggen und trainieren mit wenig Gewicht (1,5 kg) nach 6 Wochen würde ich mit meinem heutigen Wissen nicht mehr machen.
Tipps: Versucht mit Nachdruck auf einen detaillierten Rehabilitationsplan nach der OP zu bestehen. Detaillierte Angaben ab wann was konkret wieder erlaubt ist, mit welcher Belastung und welche Einschränkungen es zu welchem Zeitpunkt noch gibt. Welche Übungen ihr machen solltet usw. Sollte es den nicht geben, einfach mal nach "AC Joint Reconstruction Rehab Protocol" googlen. Bei den Amis findet man sehr detaillierte Pläne, die sich zwar auch unterscheiden, aber insgesamt defensiver und viel detaillierter gestaltet sind. Darauf bin ich leider erst zu spät gestoßen. Einen m.E. guten Rehabilitationsplan findet ihr hier:
https://www.massgeneral.org/assets/...tion-protocol-for-ac-joint-reconstruction.pdf