III) der VPP-Hinterbau:
Auch der VPP-Hinterbau ist ein Viergelenkerhinterbau, der Unterschied zu diesem ist aber folgender: der vordere Drehpunkt des unteren Hebels (Lenker) kann auch an anderer Stelle als in unmittelbarer Nähe des Tretlagers liegen, muss dies aber nicht. Der obere Lenker ist meist genausolang oder etwas länger als der untere Lenker.
VPP bedeutet vituell pivot point, d.h., wie beim Viergelenker, ist der Drehpunkt des Hinterbaus virtuell und kann sich beim Einfedern ändern.
VPP-Hinterbauten können aufgrund der meist relativ kurzen Lenker und der großzügig dimensionierten Lager sehr verwindungssteif sein.
Wie beim Viergelenker lassen sich viele verschiedene REKs verwirklichen, je nach Anordnung der Lenker. Deshalb werde ich hier exemplarisch zwei VPPS behandeln:
a) Santa Cruz Blur (CC-Fully):
Die REK verläuft leicht S-förmig zunächst nach oben...hinten/oben...oben...oben/vorn. Die maximale Bewegung nach hinten beträgt jedoch nur 4mm (aufgrund eigener Berechnungen), deshalb kann, bei einem Federweg von ca. 100mm, von einer nahezu linearen REK nach oben ausgegangen werden. Nach Betrachtung der Änderung der oberen Kettenlinie ist ein leichter Pedalrückschlag in den kleinen Gängen und ein leichtes Wippen in den großen Gängen anzunehmen. Insbesondere das Wippen in großen Gängen dürfte jedoch sehr gering sein, zumal das Blur relativ wenig Federweg hat und der Dämpfer recht straff abgestimmt ist. Santa Cruz Werbeaussage, dass man das Blur durch den Kettenzug in den sag-Punkt ziehen würde, kann ich nicht nachvollziehen...
b) Canfield Brothers Formula One (DH-Fully):
Die REK verläuft über einen Federweg von > 200mm bogenförmig nach hinten/oben. Dies führt dazu, dass der Hinterbau Stöße vom Hinterbau sehr gut verarbeiten kann, der Radstand verlängert sich beim Einfedern des Hinterbaus. Der sehr hohe virtuelle Drehpunkt an diesem Bike würde zu einem enormen Pedalrückschlag führen, jedoch wird die Kette hier, ähnlich wie bei einigen Eingelenkern mit hohem Schwingendrehpunkt, über eine Umlenkrolle in Nähe des Zentrums der Raderhebungskurve geführt. Da das Zentrum der Raderhebungskurve jedoch beim Einfedern seine Lage verändert, die Position der Umlenkrolle jedoch fix ist, kann das Formula One nicht über den gesamten Pederweg 100%ig antriebsneutral sein.