Wenn man die Sitze ausspindelt, anstatt sie zirkular zu fräsen, dann sind sie - ordentliche Einspannung des Steuerkopfes vorausgesetzt - hinterher auch rund. Beim Zirkularfräsen und den höllischen Vorschüben, die heutzutage in Alu gefahren werden, gibt's immer ein Problem bei den Quadrantenübergängen, wenn also eine Achse die Richtung umkehren muß. Produktionsmaschinen haben häufig auch keine direkten Wegmeßsysteme, sondern gucken auf die Kugelrollspindel (Drehgeber) und schließen daraus auf die Achsposition. Das Umkehrspiel im Antrieb kriegen die also garnicht mit. Man kann das freilich vorab ermitteln und in der Steuerung zu kompensieren versuchen. Das wird auch stets gemacht, aber das Ergebnis ist immer unbefriedigend, da von der "Tagesform" der Maschine (Temperatur), der Geschwindigkeit/Beschleunigung/Ruck und den aktuellen Massen abhängig. Es ist also keine Regelung mehr, sondern ein Stochern im Nebel. Aber auch bei direkten Meßsystemen kann man durch Messung der Rundheit immer rausfinden, wie das Teil aufgespannt war und in welcher Richtung die Achsen orientiert waren. Die Abweichung ist aber i.d.R. tolerabel, wenn die Maschine halbwegs in Schuß war.
Mit Spindeln vermeidet man all dies, weil die Achsen in der XY-Ebene dabei stillstehen. Der Sitz kann dann nur rund werden. Unrund wird er dann wieder, wenn man die Lagerschalen einpreßt, weil das Lenkkopfrohr wegen der angeschweißten Rahmenrohre keine radial einheitliche Steifigkeit besitzt. Deshalb war's früher(tm) bei Motorradrahmen aus Stahlrohr gute Sitte, das Lenkkopfrohr nach oben und unten ein Stück weit überstehen zu lassen, damit der Bereich des Lagersitzes sich allseitig frei dehnen kann. Im Zeitalter von Alurahmen mit ihren voluminösen Querschnitten und der Feilscherei beim Fahrrad um jedes Gramm ist das aber wohl nicht mehr drin.
Winkelsteuersätze sehe ich aus dem gleichen Grund übrigens kritisch. In eingebautem Zustand können die aufgrund der radial ungleichen Wandstärke und Steifigkeit m.E. nicht mehr rund sein. Wahrscheinlich spielt sich das in irgendwelchen tolerierbaren Bereichen ab, aber ideal ist es ganz sicher nicht.
Gruß,
Clemens
PS: Wenn gewünscht, gehört Ausspindeln beim Einholen der Angebote ins Pflichtenheft. Für den Fertiger bedeutet dies zwei zusätzliche Werkzeugwechsel und eben das Vorhandensein dieser Werkzeuge.