Der Morgen dämmerte bereits als ich meine Augen aufschlage. Ich kämpfe mit mir und überlege... aufstehen? liegenbleiben?
Ich spüre meine Beine inzwischen deutlich und merke was wir die letzten beiden Tage getan haben. Im Bett ist es gemütlich warm und vor der Baude ist es sicher deutlich unter -20°C warm. AuÃer der Schneekoppe, die sich gleich im ersten Tageslicht bestimmt reizvoll zum Fotografieren anbieten wird spricht maximal noch unsere schnaufende Klimabox "Alaska" dafür das gemütliche Bett zu verlassen.
Also, aufstehen oder liegenbleiben? Ich überlege noch gefühlte 7 Sekunden bevor ich mich dafür entscheide liegen zu bleiben und weiterzuschlummmern.
Es gibt eigentlich keinen Grund warum ich jemandem empfehlen würde unbedingt in der Wiesenbaude zu übernachten. Allerdings habe ich am Morgen dann doch noch einen gefunden. Es ist das Frühstück! Selbstgebackene, noch warme Hörnchen und das sogar "all you can eat" dazu ein gut gefülltes Buffet. Was will man mehr? Mit einem guten Frühstück welches schmeckt und auch satt macht kann man bei mir richtig punkten.
Kurz nach 9 Uhr stehen wir wieder auf den Skiern. Ich spüre meine FüÃe bei jedem Schritt aber unerbittlich geht es weiter ostwärts. Nur noch die letzten 4 Kilometer bis zur Schneekoppe und von da aus gehtâs ja auch schon wieder zurück. Wir erreichen den Aufstieg recht schnell und lassen die Skier nach wenigen Metern einfach am Weg liegen um zu Fuà den Aufstieg fortzusetzen. Der Winteraufstieg auf die Schneekoppe erinnert mich ein wenig an Himalaya Expeditionen nur dass wir wahrscheinlich nicht ansatzweise nachvollziehen können wie viel härter es im richtigen Hochgebirge ist. Um kurz nach 10 Uhr stehen wir jedenfalls auf dem Gipfel und genieÃen das Panorama.
Gleich wirds schattig und das in jeder Beziehung
Nur noch 100 HM dann haben wir es geschafft
Runterrauf auf den letzten Metern
Links Piroggenland, Rechts Knödelparadies
Ziemlich mittig ganz hinten am Horizont kann man den Jeschken sehen bzw. mehr erahnen (live war das besser zu sehen)
Nach wenigen Minuten verziehen wir uns allerdings in das Gipfelrestaurant was auch von innen ein Erlebnis ist. Da wir heute noch ca. 15-18km vor uns haben steigen wir zügig wieder ab. Dank Rückenwind und guter Bedingungen dauert es nicht lange bis wir wieder an der Wiesenbaude stehen. Für den weiteren Rückweg haben wir uns einen Weg unterhalb des Kammweges rausgesucht.
Runterrauf im Runterrausch
Da es weder Schilder noch Spuren im Schnee gibt setzen wir unseren Weg im festen Glauben an die Karte querfeldein fort. Am Horizont steht einzig ein Baum welcher sich später als Wegweiser herausstellt. Wir befinden uns mitten im nichts und nur hier und da lassen sich gelegentlich Spuren erahnen. Durch eine traumhafte Tiefschneeabfahrt, welche mit Langlaufski gar nicht so einfach zu bewältigen ist, fahren bzw. stürzen wir uns in das Tal hinein.
RR flowt talwärts
Freeride auf Langlaufski, es fuhr sich übrigens genauso bescheiden wie es aussieht 
Foto: RR
Für die folgenden 3 Kilometer haben wir dann letztendlich nur eine geschlagene Stunde gebraucht bevor wir endlich die WeiÃwasserbaude erreichten. Ich möchte nur am Rande darauf eingehen, dass wir uns mehr oder weniger permanent in irgendwelchen Steilhängen und wenn vorhanden dann maximal Skibreiten Pfaden bewegt haben auf denen man permanenter Absturzgefahr ausgesetzt war.
Noch glauben wir daran, dass wir in wenigen Minuten an der Baude sind...
Damit natürlich noch nicht genug, irgendwann stand Runterrauf fluchend mit einem Dreiteiligen Skistockset vor mir und er konnte die Fahrt nur noch mit einem Skistock fortsetzen. Es war ein wirklich spannender Weg und wir waren heilfroh, als wir nach 1,5h Fahrzeit für die 4 Kilometer von der Wiesenbaude zur WeiÃwasserbaude ins warme treten konnten. Zur Belohnung gab es Knödel mit Heidelbeerfüllung

und dazu natürlich noch nen Apfelstrudel... kulinarisch Reisen mit Runterrauf wie es im Buche steht.
Dann endlich die Rettung: Wärmespender, Gaumenschmeichler und Ersatzteillager in einem - die WeiÃwasserbaude
Zu unserem Glück hat in der Gegend anscheinend jeder Wirt noch einen alten Skistock in der Garage stehen und hilft auch gerne und unkompliziert aus. So konnte RR die weitere Fahrt wieder mit kompletter Ausrüstung fortsetzen.
Da unser Zeitpolster durch unsere etwas experimentelle Abfahrt wieder dahin war mussten wir relativ schnell weiter. Dabei wäre ich so gerne noch länger sitzen geblieben.... Nächstes Ziel war jedenfalls der Schlepplift an der Davydova Baude. Wir schafften es pünktlich kurz vor 16 Uhr vor Ort zu sein und kauften uns ein Ticket für die Auffahrt.
RR beim einbrennen einer frischen Loipe in die Landschaft
Wer jemals Bekanntschaft mit den tschechischen Schleppliften gemacht hat weià was nun folgte. Mann schnappt sich den Bügel und keine Zehntelsekunde später wird man von der Gewalt der Technik den Berg hochgerissen

Mein Start verlief reibungslos und ich sauste bequem den Berg hinauf.
Ungefähr 500m vor dem Ende des Lifts beging ich einen Fehler, den man auf einem Schlepplift niemals begehen sollte. Ich hörte damit auf, mich auf die Auffahrt zu konzentrieren und schaute in der Gegend umher, überlegte, ob und wie ich oben von RR nen Foto machen könnte (bin ja gleich da) und wo RR eigentlich ist ... (hinter mir war weit und breit niemand zu sehen) .... und während ich so vor mich hinträumte, kam es wie es kommen musste und es riss mich auch schon aus dem Gleichgewicht...
Während ich also den Rest laufend zurücklegte sauste nur kurze Zeit später RR an mir vorbei. Der Weg wurde irgendwie immer länger und ich fühlte mich irgendwie wie in der tschechischen Version von Jackass. Irgendwann kam ich auch oben an und RR berichtete mir, dass unser geplanter Weg nicht existiert und wir über die Moravska Baude fahren müssten. Da die Sonne bereits tief am Horizont stand und der Tag schon eine Menge Kraft gekostet hatte, hatte ich eigentlich keine Lust mehr auf weitere Umwege. Letztendlich lieà ich mich aber überzeugen und wir setzten unseren Weg fort.
Was für ne Schei$e
darauf brauch ich erstmal nen Schluck heiÃen Tee
Foto: RR
An der Moravska Baude wurde es aber nicht besser, im Gegenteil, wir mussten einen unverspurten Tiefschnee-Steilhang mit ca. 150hm rauf und jeder der das nach einem oder mehreren langen Skitagen noch nicht ausprobiert hat sollte das unbedingt mal ausprobieren.
Ich glaube es war das erste und letzte Mal auf der Tour, dass ich mich laut schimpfend durch die Gegend grummelte.
So langsam ist es Zeit anzukommen
Schön zu sehen, links hinter dem Haus der Anstieg zur kleinen Sturmhaube, mittig hinter dem Haus (nicht sichtbar) die Schneekoppe und rechts neben dem Haus das Tal des Grauens bzw. der WeiÃen Elbe
Irgendwann waren wir jedenfalls oben, die Sonne war bereits untergegangen und im Prinzip sollten es auch nur noch 4 oder 5 Kilometer bis zur Baude sein. Es sprach einiges dafür, dass wir endlich mal dazu kommen würden, dass sinnlos mitgeschleppte Licht zum Einsatz zu bringen.
Huch, die Sonne ist ja bereits untergegangen
Unterwegs im Zauberwald
Letztendlich hatten wir aber Glück und dank einiger spannender Abfahrten, nur noch weniger Höhenmeter und einer überraschend entdeckten Abkürzung erreichten wir gerade zur einsetzenden Dunkelheit die Martinovska Baude.
Ein Glück, endlich haben wir es geschafft!!!
Foto: RR
Da unsere Glückssträhne weiterhin anhielt war sogar noch ein Zimmer für uns frei und es dauerte nicht lange bis wir es uns schlemmend am mollig warmen Ofen gemütlich gemacht haben. Grinsend lieÃen wir den Tag noch einmal Revue passieren...
So siehts also bei Navratilovas unterm Dach aus
@S-Punkt: Muskelkater war bei mir glücklicherweise nicht wirklich nen Thema, genau wie kalte Finger, die GoreTex Bikehandschuhe waren echt Klasse