Fahrbericht "Diamant Beryll Plus""

epson54

alter ego
Dabei seit
26. Dezember 2008
Punkte Reaktionen
6.749
Ort
Sydney, Northern Beaches/Hedwig-Holzbein
Hersteller: Diamant Fahrradwerke, Typ „Beryll Plus“
Rahmen: Damen (Tiefeinsteiger) Gr. M (50cm)
Gabel: Suntour CR8
Antrieb: BOSCH Tretlagermotor, BOSCH Akku 400 Ah
Fahrstufen: Eco, Tour, Sport, Turbo
Reichweite: 170 km bei Fahrstufe „Eco“
Bremsen: MAGURA HS 11
Schaltung: Shimano Nexus 8Gang
Bereifung: Schwalbe Marathon Tour Reflex Plus
Beleuchtung: Noname
Gewicht: k.A. (ca. 25 kg)

Es geht in diesem Unterforum zwar mehr um MTBs, aber das Wirkungsprinzip eines Pedelec-Motors bleibt immer das selbe. Daher dieser Bericht.
Da sich meine Eheliebste vor kurzem ein Touren-Pedelec zugelegt hat, bekam ich als eingefleischter MTB-Fahrer die Gelegenheit, erstmals so ein Elektrorad ausgiebig zu testen. Ich entschied mich für die Strecke Lübeck-Wittenburg (Mecklenburg), ca. 60 km. Außer meiner Person (76 kg) wurde das Rad noch mit einer 26-l-Packtasche mit ca. 8 kg Inhalt beladen.
Abfahrt 7:15 bei Dunkelheit. Die Beleuchtung ist ausreichend, ein paar Lumen mehr könnten aber nicht schaden. Das Fahren mit Motorunterstützung erweist sich als gewöhnungsbedürftig, denn als gut trainierter Mountainbiker bin ich es gewohnt, kräftig in die Pedale zu treten. Das versteht der Motorsensor aber so, als müsse er eigentlich gar nicht helfen, was wiederum zur Folge hat, dass man das ganze sauschwere (ca. 25 kg) Rad vorwiegend mit der eigenen Muskelkraft pedalieren muss. Es heißt also umdenken: wenn ich Hilfe brauche – und die bekomme ich nur zwischen 0 und 25 km/h -, muss ich die geeignete Fahrstufe schalten und den Druck aufs Pedal etwas zurücknehmen, dann erfolgt ein mehr oder weniger kräftiger Schub vom Motor.
Die gewählte Strecke bietet reichlich Gelegenheit, mit dem Antrieb zu spielen: lange, flache Steigungen, kurze, aber knackige Anstiege, Gefälle, ebene Passagen und vor allem jede Menge Gegenwind mit 4-5 Beaufort. Gerade letzterer ist ein Problem bei relativ aufrechter Sitzposition, so dass ich die Hilfe des Bosch-Motors gerne in Anspruch nehme.
Das mittige Display ist sehr gut abzulesen, der Wahlschalter für Fahrstufen und Info liegt ergonomisch günstig nahe am linken Daumen. Verwirrend ist anfangs der ständig wechselnde Anzeigewert für die Restreichweite; schon wenige hundert Meter nach dem Start sinkt er von 170 auf 130 (!) km. Erst allmählich „erholt“ sich der Wert wieder. Nach Fahrstufenwechsel, z.B. von „Tour“ auf „Eco“, dauert es ebenfalls einige Minuten, bis der ursprüngliche Wert wieder erscheint. Manchmal zeigt er sogar Werte an, die höher liegen als vorher, was eigentlich unlogisch ist. So ganz verlässlich-präzise scheint mir diese Infofunktion nicht zu sein.
Die Reichweitenangabe ist ohnehin ein eher theoretischer Wert und hängt stark von der Fahrweise, dem befahrenen Terrain und dem Wetter (Wind!) ab. Die Reichweite lässt sich erheblich vergrößern, wenn man so oft es geht den Motor ganz ausschaltet. Das „Diamant“ fährt sich dann wie ein gewöhnliches Hollandrad. Anders als dieses hat es allerdings ein paar Kilo mehr auf den Rippen, und das merkt man spätestens an der nächsten leichten Steigung...
Das Fahrverhalten weist aufgrund der ungünstigen Rahmenkonstruktion die bekannten Schwächen auf: bei schnellen Lenkbewegungen sind deutliche Verwindungen spürbar, besonders, wenn zusätzliches Gepäck auf dem Hinterrad lastet. Für ein „Einkaufsrad“ mag das ausreichen, aber für ein Tourenrad sollte der Hersteller eine steifere Konstruktion anbieten.

Fazit: Ein Pedelec ist kein Mofa, sondern verlangt durchaus einige Mitarbeit beim Pedalieren. Ein Pedelec erleichtert die körperliche Arbeit, aber es ersetzt sie nicht. Wenig oder gar nicht trainierte Menschen werden auch auf einem Pedelec gehörig ins Schwitzen kommen. Es ist weder ein „Rentner“- noch ein Behinderten-Fahrrad, denn dafür ist es viel zu schwer. Schon die 4 Stufen aus unserem Keller sind eine Herausforderung.
Trotz allem Spaß, den ich mit dem Elektroradl meiner Frau hatte: Ich bleibe beim „natürlichen“ Antrieb so lange es irgend geht.

Zum Schluss eine Zusammenfassung der Vor- und Nachteile des „Diamant“:

Vorteile:
- solide Verarbeitung
- kräftiger Motor
- hohe Reichweite (bei 400er Akku)
- gut aufeinander abgestimmte Fahrstufen
- großes, gut ablesbares Display

Nachteile:
- hohes Gewicht (ca. 25 kg)
- ungenügende Rahmensteifigkeit in der Damen-Version
- hydraulische Felgenbremse (für derart massereiches Rad ungeeignet)
- verwirrende Restreichweite-Anzeige
- Akkuwechsel erfordert hohen Kaftaufwand
- hakeliges Speichenschloss
- keine Energie-Rückgewinnung bei Leerlauf (Bauart bedingt)
 
Zuletzt bearbeitet:

Edged

Ab dafür!
Dabei seit
28. September 2009
Punkte Reaktionen
412
Ort
Mitten im Land.
Kann bitte mal jemand der Mods den Titel des Unterforums um "MTB" ergänzen? Das wird sonst zu unübersichtlich mit Tiefeinsteigern etc. :rolleyes: ...

DANKE!
 
Dabei seit
15. Mai 2008
Punkte Reaktionen
396
Ort
Hameln
Danke für deinen Bericht - interessant zu lesen, wie ein "motorloser MTBler" ein Pedelec bewertet, auch wenn es in diesem Fall kein Pedelec-MTB war.;)

Fazit: Ein Pedelec ist kein Mofa, sondern verlangt durchaus einige Mitarbeit beim Pedalieren. Ein Pedelec erleichtert die körperliche Arbeit, aber es ersetzt sie nicht. Wenig oder gar nicht trainierte Menschen werden auch auf einem Pedelec gehörig ins Schwitzen kommen.
Ich glaube, gerade dieser Punkt wird oft unterschätzt und falsch bewertet.
Nicht von ungefähr werden viele Pedelecs mit geringerer Kilometerleistung gebraucht wieder verkauft.
(Bei uns in der Nachbarschaft stehen allein 3 so herum.)

Trotz allem Spaß, den ich mit dem Elektroradl meiner Frau hatte: Ich bleibe beim „natürlichen“ Antrieb so lange es irgend geht.
:daumen:
 
Dabei seit
18. Januar 2013
Punkte Reaktionen
0
Ort
Euskirchen
@ Wolff
das ist ein interessanter und wichtiger Hinweis. In der sehr ausführlichen Beschreibung von epson54 wird dieser grundsätzliche Unterschied bei Antrieben mit Kraftmesssensoren, zu denen der Bosch-Antrieb zählt, sehr schön beschrieben. Dies trifft auch auf das E-MTB von Haibike zu, das diesen Motor besitzt. Die Unterstützungsstufen sind aber zwischen Tourenräder und MTB in der Leistung unterschiedlich abgestimmt. Eine ausführliche Probefahrt ist daher immer sinnvoll. Zur täglichen Fahrt zum Bahnhof nutzt mein Sohn ein "ETK 500" für 800 Euro. Dies hat keinen Kräftesensor - der Vorderradmotor setzt gemäß der gewählten Leistungsstufe sich dann in Bewegung, sobald sich die Kurbel leicht dreht. Somit gibt es für meinen Sohn nur die Stufe 5 und bloß nicht zu viel treten. Die verschiedenen Antriebskonzepte sprechen unter Umständen auch unterschiedliche Käufer-Klientel an.
Mein Sohn will mit dem Haibike gar nicht fahren... .

Gruss
uvix
 
Zuletzt bearbeitet:
Dabei seit
15. Mai 2008
Punkte Reaktionen
396
Ort
Hameln
Kann bitte mal jemand der Mods den Titel des Unterforums um "MTB" ergänzen? Das wird sonst zu unübersichtlich mit Tiefeinsteigern etc. :rolleyes: ...

DANKE!


Für meine Übertretung des MTB-Reinheitsgebotes bitte ich um Entschuldigung. Es wird nicht wieder vorkommen.

Ich frage mich nur, warum Edged dies nicht bei den übrigen Rädern unter "Spezielle Bikes" z. B. bei Rennrädern fordert.....:D:lol:

Scheuklappen können eben manchmal den Blick über den Tellerrand hinaus verhindern.........
 
Zuletzt bearbeitet:

Edged

Ab dafür!
Dabei seit
28. September 2009
Punkte Reaktionen
412
Ort
Mitten im Land.
Ich frage mich nur, warum Edged dies nicht bei den übrigen Rädern unter "Spezielle Bikes" z. B. bei Rennrädern fordert.....:D:lol:

Scheuklappen können eben manchmal den Blick über den Tellerrand hinaus verhindern.........
Hör mal Du Knalltüte:
Im weitesten Sinne geht es hier im Forum um Sportfahrräder. Da gehören auch Rennräder für mich dazu. Aber bitte keine Rentnerräder.
Ich selber trage mich mit dem Gedanken ein E-Pedelec-MTB anzuschaffen.
Da möchte ich mich mit Insidern über taugliche Antriebskonzepte austauschen und mich nicht durch den Wust von Tiefeinsteigern quälen.
So einfach ist das.
Wollte ich was über Tiefeinsteiger wissen, ginge ich zum ADFC, ADAC oder zur Stiftung Warentest. :o
 
Dabei seit
15. Mai 2008
Punkte Reaktionen
396
Ort
Hameln
siehe Beitrag #8 :daumen:

Übrigens:
Im weitesten Sinne geht es hier im Forum um Sportfahrräder. Da gehören auch Rennräder für mich dazu. Aber bitte keine Rentnerräder.
Lesen würde da sicher auch helfen:
Unter "Spezielle Bikes" finden sich folgende Unterforen:
Trekking-, Reise und Falträder, Kinderbikes - alles Sporträder:D

Falls du Fragen zu Pedelec-MTBs hast beantworte ich sie dir gerne, zumal ich 2 Jahre Erfahrungen mit diesen Sporträdern habe.......
 
Dabei seit
31. Mai 2010
Punkte Reaktionen
242
Es heißt also umdenken: wenn ich Hilfe brauche – und die bekomme ich nur zwischen 0 und 25 km/h -, muss ich die geeignete Fahrstufe schalten und den Druck aufs Pedal etwas zurücknehmen, dann erfolgt ein mehr oder weniger kräftiger Schub vom Motor.

Nachteile:
- Akkuwechsel erfordert hohen Kaftaufwand

Hallo epson54,

ich hab seit letzten Winter ein 29"-KTM-Erace-Macina auch mit Boschantrieb.
Das mit dem Pedalkraft zurücknehmen und dadurch steigende Motorleistung kann ich nicht nachvollziehen.
Der Motor unterstützt dank Tretlager-Drehmomentsensor immer prozentual zur eingesetzten Muskelkraft, wenn ich den Druck erhöhe steigt auch die Motorunterstützung.
Evtl. solltest du zurück zum Händler und reklamieren, evtl. ist es ein Fehler im Software-Update.
Meine KTM unterstützte z.B. auch anfangs nur bis exakt 25, nach update dann bis zur oberen Toleranz von 27km/h.

Ebenso scheint deine Akkuhalterung nicht richtig justiert zu sein.
Ich habe beim KTM keine derartigen Probleme.

Meine Berg-Touren dieses Jahr:
- Soiernrunde mit 1600Hm und einer Akkuladung.
- Karwendelrunde klassisch: 1800Hm, ein Akku
- Karwendelrunde groß mit Falkenhütte: 2150Hm, ein Akku
- Karwendelrunde extrem mit Plumsjoch, Schleimsattel, 2400Hm, 2Akkus.
- Lamsenjoch (Mosertour) 1650Hm alles fahrbar von Stans hinauf. 1xAkku. Ohne Motor ist die Auffahrt nur sehr schwer machbar ohne vom Radl abzusteigen und zu schieben.
- Esterbergrunde 1100 Hm
- Enningalm 1150Hm mit Rötelmoostrail einfach super!
- Enningsalm 1600Hm mit Rötelmoostrail und Eibseerunde.

Dank fetter 29x2,35"-Hans-Dampf liegt das KTM auch bergab viel besser als mein mit 29x2,25""-RacingRalph ausgestattetes auch nicht schlechtes Stumpjumper ohne Motor, mit welchem ich im Sommer ebenso die klassische Karwendelrunde fuhr.

Interessanterweise bin ich das Pedelec im Sommer nie gefahren, in die Arbeit ist der Zeitvorteil nicht so groß da ja der Motor ja "nur" bis max. 27km/h unterstützt.
Im Winter durch den Schnee fräsen hat aber mächtig Spaß gemacht, wo es kraftmäßig ohne Unterstützung oft nicht möglich ist um z.B. den Mindestspeed zu fahren um in einem gespurten Weg die Linie halten zu können.

Insgesamt bin ich positiv überrascht von meinem E-Bike das es gerade bei Bergtouren (ohne Trageeinheiten!) extrem Spaß macht und extrem neidige Bicke von den motorlosen erhascht, welche z.B. im Trail zwischen KleinenAhornboden und Ladizalm (Richtung Falkenhütte) in den kleinen Extrempassagen ihr Radl schiebend von einem E-Biker fahrend überrascht sind.

Die Bedenken das jetzt hordenweise E-Biker die Wege stürmen sehe ich aber nicht unbedingt, da trotzdem viel eigener Pedaleinsatz wegen der Reichweite (fahre fast nur mit 30%-Unterstützung) und Fahrtechnik auch bergauf gefragt sind.
 
Zuletzt bearbeitet:
Oben