Radcross-Profi Sickmüller unter Dopingverdacht

(dpa)Das Hamburger Radcross-Profiteam Stevens hat den deutschen Querfeldein-Meister Johannes Sickmüller wegen Dopingverdachts suspendiert. Der Rennstall reagierte damit auf eine umfassende Veröffentlichung in der «Süddeutschen Zeitung».

Darin wird der Hamburger Sportarzt Til Steinmeier, der bisher als Teamarzt bei Stevens Racing fungierte und als Internist auch die Fußballprofis des Hamburger SV betreut, schwer beschuldigt, einige Fahrer der Crossmannschaft über Privatrezepte mit verbotenen Substanzen wie Epo, Andriol und Synacthen versorgt zu haben.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) werde deshalb gegen Steinmeier über Sportdirektor Burkhard Bremer Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und anderer Verstöße stellen, sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping der Zeitung. Außerdem werde gegen die beschuldigten Fahrer ein Sportgerichtsverfahren eingeleitet. «Sie haben schließlich eine BDR-Lizenz. Das ist der Präzedenzfall nach unseren neuen Regeln, die seit dem 31. August gelten», sagte Scharping. Wer unter hinreichendem Verdacht steht, den nehmen wir raus – auch ohne positive Probe. Der Heidelberger Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke hatte zuvor in Hamburg Strafanzeige gegen Steinmeier gestellt.

Bis zur Klärung der Vorwürfe werde Johannes Sickmüller nicht mehr fahren, sagte Stevens-Teamchef Jens Schwedler, der allerdings ebenfalls erheblich belastet wird. Ein früher bei Steinmeier angestellter Arzt hatte von dem Überredungsversuch seines damaligen Chefs berichtet, bei einem Rennen im Oktober 2005 im Falle einer Dopingkontrolle anstelle des zweimaligen deutschen Cross-Meisters Urin abzugeben. Schwer belastet wird durch Steinmeiers Patientenakten auch Fabian Brzezinski, der Vierte der deutschen Meisterschaft 2006.

Während der in Hamburg bekannte Sportarzt auf seine Schweigepflicht verwies, wiesen Sickmüller, Brzezinski und Schwedler die Anschuldigungen zurück. «Ich kann dazu nichts sagen, ich habe mit solchen Dingen nichts zu tun», sagte Sickmüller, der zuletzt beim Weltcup-Auftakt nur Platz 33 belegt hatte.

Stevens-Teammanager Werner von Hacht reagierte in einer Pressemitteilung schockiert über die Vorwürfe und betonte, dass Brzezinski schon vor zwei Monaten aus anderen Gründen gekündigt worden sei. Steinmeier sei zudem jetzt nicht mehr Teamarzt. Sein Sportchef Schwedler, andere Teammitglieder und Steinmeier selbst hatten dagegen noch Ende der vergangenen Woche die intensive Zusammenarbeit bestätigt. Wie auch der HSV, bei dem Steinmeier bislang zum erweiterten Ärztestab gehörte. Der Champions-League-Teilnehmer werde jedoch angesichts der Vorwürfe bis auf Weiteres die Zusammenarbeit stornieren.

8 Kommentare

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  1. ...naja, kann auch sein, daß der sich für das Nichtweiterbeschäftigen rächen will, oder der andere hat ihm ne Frau ausgespannt...

    ..also Ulle war ja schön doof, daß er Fuentes zig-tausend Ocken überwiesen hat, wo doch die AOK gezieltes Doping zahlt...

  2. Schade dass der Doping-Skandal nun Kreise zieht ...

    Aber wer hat auch anderes erwartet ...

    Muss ja sagen, auch wenn ich z.B. den Ulle immer sehr pos. gesehen habe,
    dass ich es richtig finde, dass die erwischt wurden schnell und formlos
    "entlassen / supen." werden.

    Einfach Schade nur, dass der Sport im allg. darunter so leidet

  3. Schade dass der Doping-Skandal nun Kreise zieht ...
    wie ist das denn gemeint?
  4. Radteam hebt Sickmüller-Suspendierung auf

    Hamburg (dpa) - Das Hamburger Radcross-Profiteam Stevens Racing hat die Suspendierung seines unter Dopingverdacht stehenden Fahrers Johannes Sickmüller aufgehoben. Diese Entscheidung habe Teammanager Werner von Hacht getroffen, teilte Stevens-Sprecher Armin Küstenbrück mit.

    Sickmüller sei aber nahe gelegt worden, vorerst keine Rennen zu fahren. Der deutsche Meister soll vom Hamburger Arzt Til Steinmeier, gegen den mehrere Strafanzeigen gestellt worden sind, mit verbotenen Präparaten versorgt worden sein. Am Wochenende war Sickmüller daraufhin von Teamchef Jens Schwedler suspendiert worden.

    Ob der 24-Jährige nun beim nächsten Super-Prestige-Rennen am 15. Oktober im belgischen Ruddervoorde an den Start gehen wird, habe er laut Küstenbrück noch nicht entschieden. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hatte sich vehement gegen eine Aufhebung der Suspendierung ausgesprochen und angekündigt, Sickmüller für Weltcup-Rennen nicht mehr zu nominieren. Für andere internationale Veranstaltungen wie die Super-Prestige-Rennen hat der Verband aber keine Handhabe.

    Den Vorwurf, Sickmüller habe im Mai zum zweiten Mal in seiner Karriere einen Dopingtest verweigert, bezeichnete Küstenbrück als Missverständnis, das «sehr schnell aus der Welt zu schaffen» sei. Der Kontrolleur der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) habe «offenbar die falsche Nummer gewählt», als er sich mit Sickmüller zu einem kurzfristig anberaumten Test verabreden wollte.

    Der BDR geht dagegen von einem Täuschungsmanöver und einem absichtlich verweigerten Test aus. BDR-Präsident Rudolf Scharping erwartet daher laut «Süddeutscher Zeitung» eine «längere Sperre» für Sickmüller.

    (Quelle: BDR)

  5. Es geht weiter:

    ... "Die Dopingprobe, die dem 24-Jährigen nach den siegreich bestrittenen Titelkämpfen am 8. Januar in Hamburg entnommen worden war, wurde offenbar mit Fremdurin manipuliert."...

    Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2006/10/14/624365.html

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