HomeMagazinMenschenInterviewsAngie Hohenwarter im IBC-Interview – Österreichs schnelle 4X-Lady — 22. Dezember 2010 12:25

Angie Hohenwarter im IBC-Interview – Österreichs schnelle 4X-Lady

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Die sympathische Norco-Teamfahrerin fällt nicht nur durch ihre rote Haarpracht auf, sondern beeindruckt stets mit einem rasanten Fahrstil und Top-Ergebnissen. Im IBC-Interview erfahrt ihr mehr über die ehemalige XC-Racerin.

(Foto: Ale Di Lullo)

Für alle, denen dein Name kein Begriff ist: Wer ist Angie Hohenwarter?

Angie ist eine rothaarige Österreicherin, die auf dem Bike sitzt seit sie 9 Jahre alt ist, quer durch die Welt tourt und dabei gerne jede Menge Spaß hat.

Du bist vielen als schnelle Racerin bekannt. Was waren bisher deine wichtigsten Erfolge?

Österreichische Staatsmeisterin (zweimal als XC-Racerin und einmal im 4X) und ein fünfter Platz bei der Europameisterschaft im 4X. Meine besten World-Cup-Platzierungen: Ein vierter Platz und ein fünfter Platz im 4X – Im Downhill erreichte ich einmal den 12. Platz.

Von den Titel im XC-Racing hatte ich bisher noch nichts gelesen – wie wurdest du von einer XC-Fahrerin zu einer der schnellsten Bergab-Bikerin Österreichs?

XC hat mich einfach nicht mehr so gereizt, Downhill und 4X dafür umso mehr – so habe ich dann einen Schlussstrich gezogen und bin einfach in die Abfahrtsdisziplinen gewechselt. Durch XC hatte ich eine gute Grundlage und habe einfach alles auf mich zukommen lassen. Die Mischung hat gepasst und heute bin ich super happy damit!

Deine Wurzeln liegen also im XC-Sport. Welche Rolle spielt diese Disziplin heute sonst noch für dich?

Ich kenne noch einige Leute aus dem XC-Sport und freue mich immer, wenn ich sie bei den Rennen treffe. Dann quatschen wir oft über die alten Zeiten. Und XC-Training ist sicher für alle Disziplinen von Vorteil.

Deine 4X-Kollegin Anneke Beerten wechselt bald vom 4X zum XC-Racing, ähnlich wie Marielle Saner zuvor erfolgreich in die olympische Disziplin gewechselt ist. Wie beurteilst du die Chancen von ehemaligen Gravity-Racerinnen, die in den XC-Sport wechseln?

Ich denke technisch dürfte ihr für XC an nichts fehlen. Das Schwierige bei XC ist die Grundlagenausdauer, die lässt sich nicht in kurzer Zeit aufbauen, dass kann mehrere Jahre dauern. Fit ist Anneke auf jeden Fall und ich denke sie hat gute Chancen vorne mitzumischen – da lassen wir uns mal überraschen.

Anneke fährt ab 2011 als Vollzeit-Profi für Trek. Auch deine Sponsorenliste ist lang. Bist du Vollprofi oder womit verdienst du deinen Lebensunterhalt?

Nein ich bin kein Vollprofi, ich arbeite während der Offseason viel im Autoreifenhandel, vor allem im Herbst und Frühjahr. Im Sommer habe ich dann mehr Zeit zum Radfahren, was perfekt für mich ist.

Ist es denn ein Ziel von dir als Profi-Bikerin Karriere zu machen oder wie stellst du dir deine Zukunft vor?

Natürlich ist es ein Traum von seinem Hobby leben zu können, es ist aber nicht so einfach – aber alles ist möglich. Ich werde jetzt sicher noch so lange wie möglich biken und dann mal schaun was sich so ergibt.

Ein Sommer, den Angie nie vergessen wird – Whistler ist ein Paradies für Bikerinnen.

(Foto: Ale Di Lullo)

Okay, dann schauen wir mal in die nahe Zukunft – was sind deine sportlichen Ziele für die kommende Saison?

Für mich ist es wichtig gesund zu bleiben und unverletzt durch die ganze Saison zu fahren, viel unterwegs zu sein, mit Freunden zu biken und neue Projekte in Angriff zu nehmen. Ergebnisse sind dabei nicht so wichtig für mich, denn ich möchte einfach nur Radfahren und Spaß haben, dann kommen die Erfolge von ganz alleine.

Die Einstellung klingt super. Nun zu deinem Äußeren: Deine auffällige Haarfarbe und dein gutes Aussehen machen dich für Sponsoren doch sicherlich noch interessanter. Freeriderinnen wie Darcy Turenne, die auch für Norco fährt, nutzen diesen Bonus – wäre das für dich eine Option oder willst du mehr Ergebnisse sprechen lassen?

Haha, dankeschön. Es gibt sicher noch mehr fesche Haserl im Bikezirkus! Ich bin wirklich froh so super Sponsoren zu haben, die mir nicht sagen “das und das musst du machen”. Ich mache, was mir Spaß macht und habe keinen Druck von Ihnen. Ich kann von dem Sport nicht leben und mache ihn, weil er mir Spaß macht und will das einfach so vielen Leuten wie möglich – vor allem Mädels – zeigen. Also haut´s eich auf´s Radl!

Wenn jedoch eine entsprechende Anfrage kommen würde, hättest du Lust beim Cyclepassion-Kalender als Model dabei zu sein?

Lust schon, das wäre mal was Neues – aber ob ich mit den Mädels mithalten könnte, wäre halt die Frage. Die sehen schon super gut aus!

Haha, laut einer Umfrage sind einige IBC-User sind der Meinung, dass du auch in den Kalender gehörst. Überhaupt: Medienpräsenz in Magazin-Stories und rasanten Video-Parts spielen bei der Selbtvermarktung als Bike-Profi eine wichtige Rolle. Was können wir in diesem Bereich 2011 von dir erwarten?

Das ergibt sich bei mir eher spontan. Aber auf jeden Fall gibt es wieder Magazin-Stories, Videos, Kataloge, Camps und Trips – lasst euch überraschen!

Freeriden macht Angie besonders viel Spaß – hier bei einem Drop mit ihrem Norco-Bike.

(Foto: Ale Di Lullo)

Apropos Camps: Es gibt immer mehr Lady-Camps. Hast du als Teilnehmerin oder Trainerin bei sowas schon mal mitgemacht – wie beurteilst du den Trend, dass immer mehr Frauen aufs Bike steigen?

Es wird auch Zeit das mehr Ladys auf´s Bike steigen, es sind leider viel zu wenige! Ich habe heuer mal ein paar Ladys gecoacht und finde es super, dass es von Jahr zu Jahr mehr werden – da geht aber noch mehr!

Wie gestaltest du denn dein eigenes Training, um bei den Rennen deine besten Leistungen abrufen zu können?

Ich habe keinen sturen Trainingsplan, sondern versuche viel Abwechslung rein zu bringen: Tourenski gehen, Skifahren, Yoga, Bogenschießen, XC fahren, Krafttraining – alles einfach bunt gemixt.

Training hin oder her – 4X-Racing ist ein hartes Brot und Stürze gehören zum Rennalltag. Wie gehst du mit den Risiken um?

Früher hab ich mich weniger “gschissn” und bin einfach drauf los gefahren, aber nach einigen Verletzungen denkt man dann schon ein bisschen mehr nach und “bremst” sich natürlich selbst ein. Ich habe einfach in jeder Situation “Respekt”, um auf alles vorbereitet zu sein. Mentaltraining bringt da einem sehr viel und hilft mit gewissen Situationen “gelassener” umzugehen.

Im Worldcup fordern die Männer noch größere Sprünge auf den 4X-Strecken. Wie denkst du über Vorschläge wie Chicken-Lines oder eigene Frauen-Strecken?

Ich denke man sollte immer zwei Optionen bereit haben im Weltcup: Eine Pro Line und eine “Chicken Line”. Gerade beim 4X kann man sich nie hundertprozentig sicher sein, dass immer alles klappt und da ist es gut, wenn man eine Ausweichmöglichkeit hat. Es sollte meiner Meinung nach wichtig sein, dass bei einer 4X-Strecke bis zum Schluss Überholmöglichkeiten gegeben sein sollten, wie zum Beispiel beim Weltcup Leogang.

Deine Rockstar-Kollegin Anita Molcik hat 2010 den Gesamtworldcup gewonnen. Kennt ihr euch gut? Motiviert dich ihr Erfolg zusätzlich ebenfalls mit Konstanz in die Weltelite zu stoßen?

Ich kenne Anita schon einige Jahre und wir haben auch schon mehrere Male zusammen trainiert. Ich freue mich wahnsinnig, dass es endlich für sie geklappt hat so einen großen Erfolg einzufahren – ich kann mich noch genau an Windham erinnern, das war der Wahnsinn! Sie zeigt damit jeden, dass man seine Träume verwirklichen kann!

Neben den 4X-Rennen fährst du auch Downhill – bit su dabei ambitioniert oder ist es mehr nur Just-For-Fun?

Früher bin ich mehr DH-Rennen gefahren, jetzt eher weniger und sehe es mehr als Training. 2011 möchte ich aber wieder bei mehr Downhills an den Start gehen, weil es mich doch wieder “peckt”…

Wie häufig fährst du in Bikeparks und auf Dirtjump-Spots? Oder reizen dich eher natürliche Trails und hohe Berge?

Da ich ja vom Berg komme, reizen mich die Berge schon sehr. Ich fahre da auch bunt gemixt, was sich halt so ergibt. Wenn ich gerade bei einem Bikepark bin, dann fahre ich da, wenn ich zu Hause bin gehe ich einfach hinters Haus zum XC fahren oder Papi shuttelt mich den Hausberg hoch und ich habe ein super Freeride-Training. Was ich aber gerne viel mehr machen würde wäre Dirtjump.

Bastelst du selber an deinem Bike oder lässt du da lieber andere Hände dran?

Ich bastele gern selbst an meinem Bike und habe jetzt eine eigene Werkstatt. Aber ich lasse auch gern fesche Männer Hände an mein Bike.

Kurzfragen:

Wen bewunderst du?

Bewundern tue ich viele Leute – jeder hat seinen eigenen Lebensstil und lebt sein Leben.

Wer inspiriert dich?

Inspiration kann man sich überall holen, sei es bei Rennen, bei einem Biketrip, Länderreisen, Menschen…

Was macht dich glücklich?

Einfach glücklich zu sein, oft auch ohne Grund.

Ihr Markenzeichen sind die knallroten Haare, die man auch im Kornfeld von Weitem erkennt.

(Foto: Ale Di Lullo)

Was war der beste Tipp fürs Leben, den dir jemand gegeben hat?

“Do what you wanna do and what makes you happy”

Wo hättest du gerne einen Zweitwohnsitz?

In Kanada – Whistler/Vancouver!

Welche Reiseziele musst du unbedingt noch abhaken auf deiner Must-Go-Liste?

Schweden, Norwegen, Australien, Neuseeland…

Danke für das Interview und viel viel Spaß bei deiner Saison 2011!


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