HomeProdukteEs gibt kein schlechtes Wetter – es gibt nur schlechte Kleidung! — 3. August 2011 8:10

Es gibt kein schlechtes Wetter – es gibt nur schlechte Kleidung!

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„Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung“ – so lautet der Werbespruch eines großen Outdoor-Herstellers, den zwar jeder kennt, aber niemand so richtig ernst nimmt. Um ihn doch auf Gültigkeit zu überprüfen, hat uns Sissi Pärsch ihren Craft Kleiderschrank geöffnet. Der Claim stammt zwar nicht von der Schwedischen Marke, doch der Ruf dieser Funktionsbekleidung ist exzellent. Betrachten wir einmal die klassischen Wetter-Situationen, die Mountainbiker im Sommer als schlecht bezeichnen würden:

Zu warm

Wenn es so richtig heiß wird, macht Sport einfach keinen Spaß mehr, oder? Die Hitze steht selbst im Wald, kein kühlendes Lüftchen und nicht einmal mehr der Schatten schützt vor der Erwärmung. Die Folge: Kraftlosigkeit, man fühlt sich eingeschläfert und kommt nicht vom Fleck. Der Schweiß mag zwar laufen, doch Kühlung stellt sich einfach nicht ein. Also aufs Fahrrad-Fahren verzichten? Wir haben uns die luftigsten Teile der Kollektion geschnappt und sind doch raus gegangen.

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Ein leichtes Jersey ist dabei ja schon nichts besonderes mehr, aber auch hier gibt es Unterschiede. Wichtig ist ein Gewebe mit einer großen Oberfläche, denn wir der Schweiß dort aufgesogen, kann er leichter verdunsten. Das braucht Energie, die dem heißen Körper abgeluchst wird, die Folge: Kühlung. Klingt genial, ist es auch, und wer hat’s erfunden? Der Körper selbst. Weil ein Gewebe aber eine größere Oberfläche als die Haut haben kann, kann man trotz Kleidung mehr Kühlung haben als ohne; fantastisch. Was in der Theorie plausibel klingt, lässt sich auf dem Trail bestätigen und mit weiteren Argumenten unterstützen: Wird Schweiß von der Haut gesaugt, ist diese schneller trocken, was eindeutig angenehmer ist.

Dieses Prinzip beherrschen viele Funktionskleidungsstücke, doch die Spreu trennt sich woanders vom Weizen: Welches Material fühlt sich trotz Synthetik weich an, liegt angenehm auf der Haut? Welcher Stoff neigt nicht zu unheimlicher Schweißentwicklung? Ganz wichtig auch: Der Schnitt. Liegt die Klamotte nicht an, bleibt vom Feuchtigkeitsaustausch nicht viel übrig, doch eingeengt wollen sich auch nur die wenigsten fühlen. Zu guter Letzt ist natürlich die richtige Optik entscheidend, hierüber darf gestritten werden, bei Craft wird aber jeder fündig, egal ob der gediegen unauffällige Typ oder der heimliche Freestyler mit Elektro-Ambitionen, Farbe und nicht Farbe gibt es zu Genüge. Das Craft Logo Tee ist ein Klassiker, wer es locker mag sollte es eine Nummer Größer bestellen.

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Obenrum lässt sich mit Fahrtwind also Kühlung erzeugen, wenn man dann noch einen gut belüfteten Helm hat, geht die Sache klar, oder? Leider nein, denn viele kurze Hosen sind immer noch zu warm. Das liegt dann an einer ungeschickten Taschenkonstruktion, dickem Material oder der falschen Unterwäsche, in jedem Fall wird’s schwitzig. Als ich das erste mal Craft Loose Fit Flex Shorts getragen habe, war ich mir ziemlich sicher, dass ich frieren würde. Das Teil ist einfach mal nur halb so schwer, wie eine Sombrio AM-Hose, das Material ist stretchy, die Hosentaschen aus Netzmaterial, alles ist schön luftig. Für einen angenehmen Sitz sorgt das Mesh im Bund, es saugt auch Schweiß auf und liegt gut an. Die farblich abgesetzten Stretch-Einsätze im Schritt und am Steißbein sorgen für viel Bewegungsfreiheit, Verrenken erlaubt. Schön: Der Schnitt mit Zwickel im Schritt schafft Luft. Einzige Kritikpunkte: Die Taschen dürften gerne noch tiefer sein und vier Gürtelschnallen sind doch etwas zu viel des Minimalismus.
Was trägt man untendrunter? Eine luftige Hose bringt nichts, wenn untendrunter Hitzestau herrscht. Die Lösung wird aus Coolmax gefertigt, verfügt ebenfalls über einen Zwickelschnitt und sitzt perfekt. Ein cleveres Detail bei jedem Kleidungsstück von Craft: Im Nacken / den Hosen finden sich keine kratzenden Schildchen, die Waschhinweise sind einfach eingedruckt, das stört nicht und ist sehr übersichtlich.

Craft Loose Fit Flex Shorts

+ super leicht, super luftig
+ schön dehnbar
+ schnell trocknend
+ Schnitt

- Mehr Gürtelschlaufen
- Tiefere, eckigere Taschen

Skeptisch bin ich auch, wenn mir Sockenhersteller große Versprechen machen. Ein Socken ist für mich sekundär, ich sehe den Schuh eher an entscheidender Stelle, wenn es um Temperaturempfindung geht. Sissi Paersch meinte, ich solle es probieren, und auch hier wurde ich überrascht: Extrem dünnes, Feuchtigkeit transportierendes Material sorgt auch in einem warmen Schuh dafür, dass man sich besser fühlt. Nicht viel, aber doch spürbar, und selbst Five.Ten Impacts werden im Sommer tragbar.

Zu windig

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Eigentlich ist es warm, aber ein fieser Wind lässt den Radler sofort auskühlen, das typische Wetter um unbemerkt einen Sonnenbrand zu kriegen oder sich zu erkälten. Was ich mir fürs Radfahren schon oft gewünscht habe: Eine leichte Jacke, die vorne winddicht ist und hinten aus leichtem Mesh besteht, sodass ich zwar gekühlt werde, aber nicht auskühle. Solche Passive Belüftung gibt es wirklich, und das alles in einer Jacke, die unter 100g wiegt und in die Trikottasche passt, sodass man nicht lange überlegen muss, ob man sie mit nimmt – das Craft Perfromance Run Featherlight Jacket ist wirklich ein schönes Teil. Wasserdicht ist es nur durch die Imprägnierung, aber das reicht meistens auch. Die einzige Tasche funktioniert dabei als Packsack, insgesamt ein minimalistisches Teil, was eher für die leichte Tour ohne Rucksack / mit leichtem Rucksack zu gebrauchen ist, dann aber sehr praktisch ist.

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+ Konzept: Überall dicht, außer dort, wo man schwitzt
+ Packmaß
+ Gewicht

- Nur bedingt wasserdicht
- sehr filigran

Zu nass

Wir sind doch alle Schönwetter-Radler, oder? Zumindest die meisten, und wenn es nur daran liegt, das keiner Lust auf Nässe und Bike-Putzen hat. Gegen die Sache mit dem Dreck in den Umlenkhebeln kann keine Bekleidung was machen, gegen die Nässe schon. Was Regenjacken angeht, kommt bald der ausführliche Jacken-Check, doch Sissi hatte eine interessante Regenhose, die wir ausprobieren mussten.

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Prinzipiell halte ich wenig von ¾ Hosen. Sie sehen nach nichts aus, sind nichts halbes und nichts ganzes. Außerdem wird der Schuh nasser, wenn die Hose nicht drüber reichen kann. Weil das Ding aber nun mal da war und es draußen richtig vom Himmel kam, habe ich die ¾-Geschichte einfach mal ausprobiert. Dank des super robusten und dicht gefertigten Einsatzes im Schritt/Gesäß kann man mit der Craft Hose auch lange Zeit auf durchnässten Sätteln verbringen, dass gefällt schon mal. Der restliche Stoff greift sich dabei erstaunlich weich, fast Softshell-mäßig, und elastisch ist das ganze auch noch! Und sehen wir von der Optik einmal ab – man kann sich sicher daran gewöhnen – so steht doch eines fest: Warme, trockene Knie sind durch nichts zu ersetzen. Im heftigsten Regen und Matsch blieb alles angenehm und beweglich, so muss es sein. Wer eh immer mit Knieschonern unterwegs ist, wird sich eine kurze, wasserdichte Hose wünschen, die ist nur leider schwer zu finden, meiner Meinung nach aber auch sehr interessant. Für alle anderen sind die elastischen Craft Knickers genau das richtige, denn dank des leichten, elastischen Innenfutters lässt sie sich sowohl über der Innenhose oder auch über einer kurzen Hose perfekt tragen und schnell an und ausziehen.

Craft Performance Rain Knickers

+ Robuster Einsatz im Schritt hält alles aus
+ Softer Materialgriff
+ Warme Knie

- Optik (Geschmackssache)
- Nicht kurz erhältlich

Zu wechselhaft

Wer kennt das nicht: Wetterlagen, bei denen man sich unmöglich richtig anziehen kann. Der Grund: Im Pullover ist es zu warm, im T-Shirt zu kalt, und wenn man sich anstrengt und dann eine Pause macht, ist eh alles zu spät. Dauernd umziehen ist eher lästig, was es bräuchte, wäre eine Bekleidung, die sich unterwegs anpassen lässt und nur dort wärmt, wo es sinnvoll ist. Beides ist möglich, beginnen wir mit letzterem:

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Das richtige Material am richtigen Fleck, dass nennt sich Marketing-wirksam Body-Mapping. Dabei wird Zonengerecht dickerer oder dünnerer Stoff verwendet, um den besonderen Ansprüchen gerecht zu werden. Unter den Armen beispielsweise sorgt ein leichtes Mesh-Gewebe dafür, dass Transpiration dort Wirkung zeigt, während die Frontpartie undurchlässiger gestaltet ist, um Auskühlen bei höheren Geschwindigkeiten zu vermeiden. Der Rücken kann bei Mountainbikern gern ziemlich dünn gehalten sein, Fahrtwind tritt eigentlich nur vorne auf, wenn dann hinten noch ein Rucksack aufliegt führt alles andere zu Hitzestau. So gerüstet lassen sich schon die größten Hitzeherde vermeiden, aber um den Unterschied von einem kühlen Luftzug bei der Pause und Höchstleistung auszugleichen, braucht es mehr. Der Reißverschluss ist eine dieser genialen Erfindungen, auf macht auf, zu macht zu, fertig aus – oder? Der Haken an der Sache: Kühlen will man ja eigentlich den Rumpf, am Hals möchte man aber oftmals keinen Wind über die schwitzende Haut. Obendrein wäre ein Zwischending gut: Nicht gleich alles aufreißen und auskühlen, aber auch keinen Hitzestau produzieren.

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Die besondere Konstruktion des Craft PXC Thermal tops macht das möglich, und löst damit wirklich ein Problem. Ist der eine Verschluss oben und der andere unten, ist das Teil dicht, der Kragen liegt eng an und die Wärmeleistung maximal. Zieht man beide nach oben, so entsteht ein luftdurchlässiger Schlitz, der Hals ist aber weiterhin geschützt und kühlt nicht aus, die Luft strömt weiter warm in die Lunge. Und bewegt man beide nach unten, so maximiert sich der Luftaustausch, dank dünnem Mesh fällt der Kragen aber nicht ganz weg. Ich persönlich finde das Teil genial, ich kenne aber auch Leute, die das Problem nicht sehen… in jedem Fall sorgt der silikonierte und hinten länger geschnittene Saum für guten Sitz und bedeckte Nieren, Rücken- und Brusttaschen nehmen Energieriegel und Schlüssel auf und mit der Farbe bleibt man nicht lange unbemerkt.

Craft PXC Thermal Top

+ Schnitt
+ Saum
+ Kragen – Zipper
+ Bodymapping

- Rückentaschen (Geschmackssache)
- Schulterform (Eigentlich langlaufspezifisch gedacht!)

Fazit:

Gibt es jetzt schlechtes Wetter? Natürlich nicht! Die Frage ist nur: Wofür? Fest steht aber: Richtig bekleidet kann man auch im Regen seinen Spaß haben. Oder bei großer Hitze. Oder bei Wind, Schatten, Hagel und Blitzeis. Einfacher ist die Sache aber natürlich mit gutem, gleichbleibenden gemäßigten Wetter – ein Grund mehr, das Klima zu retten… wer die Regenjacken vermisst: Abwarten, der Jackencheck ist bald fertig!

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Fotos: Tobias Stahl / Max Schumann. Mehr zu Craft: Craft-Homepage.


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