HomeAllgemeinNZ4TWO: drei Bikes, zwei Rider und ein Minivan — 10. Januar 2012 9:58

NZ4TWO: drei Bikes, zwei Rider und ein Minivan

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Es ist der 31. Dezember 2011. In knapp acht Stunden wird man hier in Deutschland das neue Jahr einläuten. Für uns muss Silvester jedoch ausfallen, denn wir werden in Kürze einen 11-stündigen Flug nach Narita/Tokio antreten. Dies soll jedoch nicht unsere Endstation sein, und so werden uns weitere 10 Stunden Flug nach Down Under erwarten. Ganz richtig, Down Under, jedoch nicht das australische Down Under, sondern jenes Nachbarland, welches sich auf zwei Inseln aufteilt – Neuseeland. Dort wo um die Weihnachtszeit der Sommer beginnt, denn genau darauf sind wir aus – dem europäischen Winter zu entfliehen, um in der Sonne Neuseelands die Bike-Saison 2012 einzuläuten. Wir, das sind meine bessere Hälfte Steffie Teltscher und ich – MTB-News Redakteur Maxi Dickerhoff.

Per Anhalter ans andere Ende der Welt – so wollen wir dem Winter in unserer bayrischen Heimatstadt entfliehen.

Während wir von unserer Familie mit dem Auto an den Münchner Flughafen gefahren werden, schweifen meine Gedanken vom vorbeirauschenden Schnee zu den sonnenbestrahlten Trails Neuseelands. Meine Erwartungen sind hoch, wurde mir doch all zu oft erzählt, welch einzigartiges Paradies Neuseeland für MTB-Fahrer sein soll. Die grellen Lichter des Flughafens reißen mich aus meinen Gedanken und holen mich zurück ins kalte Deutschland. Am Abflug-Terminal angekommen laden wir unser umfangreiches Gepäck aus. Um am anderen Ende der Welt für alles gerüstet zu sein, nehmen wir drei Bikes, zwei prall gefüllte Foto- und Videorucksäcke, zwei Helmtaschen sowie zwei große Reisekoffer mit auf die Reise. Leider führt das bereits in Deutschland zu Problemen, denn die Fluggesellschaft möchte trotz vorangegangener Absprachen einen saftigen Aufschlag für das dritte Bike. Ganze 45 Minuten dauert es, bis eine Angestellte der Airline zu unseren Gunsten entscheidet und das Gepäck zum Normaltarif abfertigt. Nur wenige Minuten später nehmen wir bereits Platz im Flugzeug, dem man in Sachen Beinfreiheit anmerkt, dass es einer asiatischen Fluggesellschaft gehört. Die Boeing 777 hebt ab und macht sich auf den Weg in Richtung Japan, wo wir nach einem vierstündigen Aufenthalt ein zweites Mal abheben. Dann, endlich, kündigt der Pilot die Landung in Auckland an. Sanft setzt die Maschine auf und steuert den Terminal an. Mit maorianischer Musik werden wir und unsere Mitreisenden auf neuseeländischem Boden empfangen. Das nun folgende Prozedere von Pass- und Gepäckkontrollen geht trotz des sperrigen Übergepäcks erstaunlich schnell über die Bühne, woraufhin wir uns umgehend um einen Shuttle-Bus nach Auckland Down Town kümmern können.

Wie viel Übergepäck möchten sie aufgeben? Nur diese drei kleinen Taschen mit Fahrrädern.

Unser Shuttle-Bus-Fahrer Arthur erzählt uns, dass das Wetter schon seit Wochen relativ bescheiden sei. Erstaunt erkundige ich mich, ob das für diese Jahreszeit normal wäre, denn immerhin steht hier der Hochsommer vor der Tür. Arthur bejaht meine Frage und fügt hinzu, dass auch für die nächsten Wochen keine Besserung in Aussicht sei. Keine guten Voraussetzungen für unsere achtwöchige Erkundungstour durch Neuseeland. Dennoch bleiben wir optimistisch und hoffen darauf, dass sich der Wetterdienst irrt. Während wir noch einmal unsere Papiere durchsehen erreichen wir die Filiale der Firma, bei welcher wir unser Auto gemietet haben. Während wir unser Gepäck aus dem Anhänger des Shuttle-Busses ausladen, ernten wir bereits skeptische Blicke der Mitarbeiter. Als unser Auto vorgefahren wird, erklären sich diese von selbst: Der Mazda Minivan fällt in der Realität deutlich kleiner aus, als er sich im Internet zu erkennen gab. Auch wir sind uns nun unsicher, ob wir hier alles unterbekommen werden. Gemeinsam mit der Frau des Geschäftsführers spielen wir Tetris und versuchen unser Gepäck in den Van zu bekommen, was uns letzten Endes auch gelingt.

Dieser luxuriöse Minivan wird für acht Wochen unser Zuhause sein.

Nachdem wir unser Gepäck für die ersten beiden Nächte im Hotel untergebracht haben, starten wir auf unseren Bikes eine urbane Erkundungstour durch Auckland. Ein gelungener Anfang für unseren Trip, denn Auckland stellt sich als durchaus sehenswert heraus. Besonders der Hafen und seine umliegenden Bezirke haben es uns angetan. Lange halten wir jedoch nicht durch und so müssen wir uns bald dem Jetlag geschlagen geben. Ganze 14 Stunden Schlaf benötigen wir, um wieder auf die Beine zu kommen. Nach einem bescheidenen Fastfood-Frühstück machen wir uns auf den Weg zum ersten Bikepark.

Auch wenn das Wetter nicht mitspielen möchte, so zeigt sich Auckland dennoch von seiner besten Seite.

Unser Weg führt uns nach Woodhill, was knappe 30 Minuten außerhalb von Auckland liegt. Woodhill, so haben wir gelesen, sei der größte und beste Bikepark im Auckland District. Eine holprige Schotterstraße führt uns quer durch den Wald, wir befürchten uns verfahren zu haben. Doch kurz bevor wir kehrtmachen wollen, tut sich ein ansehnliches Slopestyle-Gelände neben uns auf, dicht gefolgt von einem gut gefüllten Autoparkplatz. Ein Bikeshop mit der Aufschrift “Woodhill MTB Park” verrät uns endgültig, dass wir richtig sind. Einer Tafel entnehmen wir, dass uns hier im Bikepark über 130 km künstlich angelegte Trails erwarten. Einen Lift oder Ähnliches gibt es nicht. Der wird allerdings auch nicht benötigt, haben die Hügel um uns herum doch sowieso nur eine Höhe von höchstens 200 Metern. Ein Eintrittspreis wird dennoch erhoben, sieben neuseeländische Dollar. Im weiteren Verlauf des Tages wird uns klar, dass diese Nutzungsgebühr absolut gerechtfertigt ist.

Der Woodhill Bikepark bietet unzählige Trails und dürfte wohl bei jedem Biker für Euphorie sorgen.

Der Bikepark entpuppt sich als Trailpark, der idealerweise mit einem Enduro-Bike in Angriff genommen werden sollte. Es gibt unzählige Trails, die für Fahrer jeder Könnensstufe etwas zu bieten haben. Anhand der Trailmap suchen wir uns die anspruchsvollsten Trails heraus und begeben uns in den Park. Selbst die kurzen Aufstiege können wir angenehm über gut ausgebaute Trails bewältigen und müssen so nicht über die langweiligen Schotterwege fahren. In diesem Gelände macht selbst der Uphill Spaß. Immer wieder kreuzen wir andere Trails, wodurch sich eine scheinbar unendliche Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten ergibt. Nachdem wir uns eine Zeit lang an diversen Sprüngen im North Shore-District ausgetobt haben, geht es weiter aufwärts. Dabei stoßen wir auf einen neuen Teil des Parks, der erst vor Kurzem angelegt wurde – Treasure Island. Der Abschnitt entpuppt sich als absolutes Highlight. Zwar fordern uns die dortigen Trails nur wenig heraus, machen aufgrund des enormen “Flow-Faktors” aber höllisch Spaß. Ein bisschen erinnern uns die dortigen Trails an den “Flow Country Trail” im Bikepark Bischofsmais. Nachdem wir uns mehrere Stunden im Park ausgepowert haben, kehren wir erschöpft zum Parkplatz zurück.

Von Einsteiger-Trails bis hin zum Jump-Park für Fortgeschrittene hat der Woodhill Bikepark für jeden etwas zu bieten.

Als wir am Ende des Tages gerade unsere Bikes ins Auto einladen, kommt aus dem Shop ein Mann mittleren Alters heran geeilt. Er fragt uns, ob wir die Deutschen wären, die über Neuseeland berichten würden. Er stellt sich als Inhaber und Manager des hiesigen Bikeparks vor. Sein Angestellter Tim, mit dem wir uns kurz zuvor ausführlich unterhalten hatten, musste ihm wohl von uns erzählt haben. Nachdem er uns alle Hintergründe zum Bikepark geschildert hat, erzählt er uns noch ein wenig über die MTB-Szene Neuseelands im Allgemeinen. Er erzählt, dass die Neuseeländer auf diese Art von Trailsparks angewiesen sein, da es in den Nationalparks, die fast ganz Neuseeland bedecken, nicht gestattet sei mit dem MTB zu fahren. Zum Abschluss gibt er uns noch einen echten Geheimtipp mit auf den Weg – den Namen und die Lage eines nahegelegenen Campingplatzes, der ihm zufolge an einem fantastischen Strand liegen würde. Wir folgen seinen Rat und machen uns auf den Weg zu besagtem Strand. Was uns dort erwartet, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Inmitten eines kleinen Urwalds tut sich eine Lichtung samt Strand und Campingplatz auf, über dem die untergehende Sonne ein fantastisches Lichtspiel an den Himmel zaubert. Für einen besseren Ausblick begeben wir uns hastig auf den Deich, auf welchen schon einige Andere bei einem Glas Rotwein den Sonnenuntergang genießen. Schnell wird uns klar, dass uns dieses dargebotene Naturschauspiel wohl immer in Erinnerung bleiben wird, ist es doch einer der schönsten Sonnenuntergänge die wir je gesehen haben.

Dieser Sonnenuntergang war einfach unvergesslich – leider änderte sich das Wetter nach diesem Abend schlagartig.

Am nächsten Morgen brechen wir früh in Richtung Hot Water Beach auf, einem Strand, an dem es bei Ebbe heißes Wasser aus dem Boden drücken soll. Nachdem wir den Motorway verlassen haben wird uns klar, dass uns noch eine lange und holprige Reise bevorsteht, wenn wir bis runter in den Süden fahren wollen. Denn die neuseeländischen Highways kann man sich in etwa so vorstellen, wie eine schlecht asphaltierte deutsche Landstraße. Und das ist nicht übertrieben. Außerdem hält uns die malerische Natur von einer zügigen Vorankommensweise ab, denn ich sehe mich immer wieder dazu gezwungen anzuhalten, um Bilder zu schießen. Letzten Endes erreichen wir den legendären Hot Water Beach und müssen feststellen, dass dieser Platz wohl durch Reisebüros und Touristenführer deutlich überbewertet wird. Zwar ist das aus dem Boden austretende kochend heiße Wasser schon etwas Besonderes, doch machen die nur wenig schöne umliegende Natur und die zahlreichen Gruppen betrunkener Teenies, die in den Wasserlöchern scheinbar ihre Unschuld verlieren möchten, den Reiz des Naturwunders kaputt, was uns dazu veranlasst, gleich wieder aufzubrechen.

Schlafzimmer, Küche, Werkstatt und Büro in einem – mit unserem kleinen Mazda 750 sind wir für alles gerüstet.

Für uns geht es weiter nach Tauranga. Dort möchten wir David Evans für einen Hausbesuch treffen. Er ist der Inhaber von 2Stage Bikes, jener kleinen Firma, die es durch ihr DH-Bike, welches über zwei Dämpfer verfügt, zu Bekanntheit gebracht hat. Mehr möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht verraten, soll euch die Vorfreude auf den Hausbesuch-Artikel doch schließlich erhalten bleiben.

David präsentiert uns mit englischer Gelassenheit die neueste Entwicklungsstufe seines 2Stage Elite9.

Nachdem wir Davids luxuriöses Domizil verlassen haben begeben wir uns an den Strand von Tauranga. David und seine Frau Shelly hatten uns verraten, dass man dort des Öfteren Orca-Wale auf Robbenjagd beobachten könne. Doch leider bleibt uns dies verwehrt. Entschädigt werden wir jedoch mit einer tosenden Brandung, die zahlreiche Surfer anlockt. Bedingt durch das schlechte Wetter, welches einen anhaltend starken Wind mit sich bringt, türmen sich die Wellen bis zu vier Metern auf. Den vielen Surfern scheint dieses Wetter wohl wie gerufen zu kommen, massenhaft tummeln sie sich im Wasser und liefern teilweise beeindruckende Shows ab.

Des einen Leid, des anderen Freud. Das schlechte Wetter und der starke Wind sorgen für eine spektakuläre Brandung, ganz zur Freude der Surfer.

Nachdem wir den Surfern am Tauranga Beach eine Zeit lang zugesehen haben, wollen wir selbst sportlich aktiv werden. Wir machen uns auf den Weg zu den Trails, die uns am Vortag Davids Kumpel Jon gezeigt hatte. Kurz hinter dem Ortsausgang Taurangas, in Richtung Rotorua, liegt ein Gelände, das durch den örtlichen MTB-Club unter der Leitung von Jon zu einem kleinen Bikepark umgebaut wurde.

Ganz schön dunkel – in den dichten Urwald von Tauranga fällt kaum Licht ein.

Einige Auf- und Abfahrten später, wird es noch einmal ernst. Mit einer umfangreichen Fotoausrüstung gerüstet schlagen wir uns ein weiteres Mal durch das tiefe Dickicht des kleines Urwald-Fleckens von Tauranga. Hier und da bauen wir die Blitze auf und schießen einige Bilder für unsere Artikel. Das ständige Hoch und Runter raubt uns die letzten Kräfte, noch dazu setzt der Regen wieder ein. Im Auto angekommen, entwickelt sich der Schauer zum Dauerregen. Nun sind auch unsere letzten Sachen klitschnass und wir haben keine trockenen Schuhe mehr. Schnell erkundigen wir uns auf dem Laptop über die Wetterprognosen und müssen mit Bedauern feststellen, dass so schnell keine Besserung in Sicht ist. Ganz im Gegenteil, es werden schwere Unwetter vorhergesagt. Da das Wetter unsere anfänglichen Pläne, zuerst die Nord- und dann die Südinsel zu besuchen, zunichte macht, beschließen wir kurzerhand gleich in Richtung Süden aufzubrechen.

Grün, wo man nur hinblickt. Ein kräftiges Grün ist in Neuseeland die dominierende Farbe.

Laut Wetterbericht soll es in Wanganui sonnig sein und Temperaturen von bis zu 30° C haben, das klingt doch gut. Zügig ist der Ort ins Navi eingegeben und der Motor gestartet. Doch die Fahrt in Richtung Süden verläuft alles andere als schnell. Enge, kurvige und schlecht asphaltierte Straßen lassen es nicht zu, mit unserem altbackenen Minivan schneller als 100 km/h auf den Highways zu fahren. So bleibt wenigstens Zeit sich gemütlich die Landschaft anzusehen, welche ständig ihr Angesicht wechselt. Ich kenne kein Land, das auf einer so kleinen Fläche so viele verschiedene Landschaften miteinander vereint wie es hier in Neuseeland der Fall ist. Das lässt uns trotz des schlechten Wetters zuversichtlich auf die noch ausstehenden sieben Wochen blicken. Für uns neigt sich die erste Woche in Neuseeland dem Ende zu und wir befinden uns nach wie vor auf dem Weg in Richtung Süden. Was uns noch alles erwartet, erfahrt ihr im nächsten Teil unserer NZ4TWO Erlebnis-Story, dann auch mit Video. Bis nächste Woche, Grüße aus Neuseeland.

Auf dem Weg in Richtung Süden, genauer gesagt nach Wanganui.

Genauere Infos sowie Tipps zu allen Spots, die wir im Zuge unserer Reise vorstellen, erhaltet ihr in separaten Sport-Check-Artikeln. Der Erste behandelt die Parks in Woodhill sowie Tauranga und dürfte in noch diese Woche online gehen.

Bilderflut – Die besten Bilder der ersten Woche, viel Spaß!


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