HomeAllgemeinIm IBC-Interview: Johannes Fischbach mit neuem Fokus — 13. Januar 2012 21:10

Im IBC-Interview: Johannes Fischbach mit neuem Fokus

Von

Was vor wenigen Wochen in einem von uns geführten Interview (hier lesen) bereits anklang, ist nunmehr offiziell: Johannes Fischbach tauscht für die Saison 2012 das 4X-Rad gegen seinen DH-Boliden. Die Entscheidung kam dabei nicht über Nacht. Seit einigen Jahren ist Fischi einer der stärksten deutschen Gravity-Piloten. Bis zum Ende der vergangenen Saison lag sein Augenmerk dabei vor allem auf 4X. Nach einer guten Saison im 4X-Weltcup, die er nach seinen zweiten Platz beim Weltcupfinale in Val di Sole auf dem sechsten Gesamtrang beendete, und vier deutschen Meistertiteln in Folge, wird er nunmehr im DH-Weltcup seinen Erfolg suchen. Damit mag der 4X-Sport in Deutschland zwar einen seiner stärksten Fahrer verlieren, der Gravity-Bereich im Allgemeinen kann von seiner Vielseitigkeit letztlich aber nur profitieren. Bereits vor zwei Jahren äußerte er gegenüber unserem Redakteur Maxi Dickerhoff, dass er schnell im DH Fuß fassen würde, wenn er sich darauf konzentrieren würde. Nun gewann er vor Kurzem in seinem Trainingslager im Bikepark in La Fenasosa bei Alicante bereits sein erstes Rennen. Wir haben uns mit Fischi in Verbindung gesetzt und ihn über seine Ziele befragt.

MTB-News.de: Servus Fischi, wie geht es dir im Moment? Du hattest dich ja vor einigen Wochen schwer am Bein verletzt und auch noch eine Schlüsselbeinoperation auf dem Plan. Bist du wieder ganz gesund und gut ins neue Jahr gekommen?

Johannes Fischbach: Hallo! Danke der Nachfrage, bei mir ist wieder alles gut. Das Bein ist zwar noch nicht hundertprozentig fit, aber auf alle Fälle fit genug, um wieder Gas zu geben. Das Schlüsselbein muss ich leider noch ein Jahr verschieben. Zwar wollte ich mich Anfang Dezember unters Messer legen, aber die anschließende Reha hätte einfach zu lang gedauert. Deswegen bleiben die Platten jetzt erst einmal drin. Ich wollte ab Anfang Dezember unbedingt wieder auf dem Rad sitzen und ins Trainingslager, um mich perfekt auf die kommende Saison vorzubereiten.

Wie wir nun wissen, wirst du dich 2012 verstärkt auf Downhill konzentrieren. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Eigentlich stand ein Wechsel zum DH nicht auf meinem Plan. Ich hatte noch genügend Ziele im 4X. Ich wollte beispielsweise unbedingt einen Weltcup gewinnen und eine WM-Medaille. Außerdem wollte ich ein konstanter Final-Fahrer werden. Daraus wird ja nun nichts mehr, dank des Schnellschusses der UCI. Dass der 4X-Weltcup quasi über Nacht abgesagt wurde, hat mich natürlich im ersten Moment geschockt. Ich musste erstmal überlegen, wie es für mich weitergehen sollte. Die Planungen um die 4X-ProTour hörten sich zwar gut an, aber ich war mir nicht sicher, ob daraus auch was werden würde. Nachdem die Stationen nun feststehen, muss man sehen, wie die Serie angenommen wird. Und nur wegen zwei wirklich hochkarätigen Rennen, der WM in Leogang und der EM in Szczawno Zdroj, den Fokus auf 4X zu legen, lohnt sich meines Erachtens nicht. Ich kann meine Saison halt nicht einfach auf Spekulationen aufbauen. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, 2012 Downhill zu fahren. Ich habe lange mit mir gerungen. Aber da ich früher schon DH gefahren bin und dabei nicht so schlecht war, habe ich Anfang Dezember diesen Entschluss gefasst. Ich traue mir zu im DH fest Fuß zu fassen!


© Photo: Lars Scharl

Welche Rennen stehen dabei für dich im Vordergrund?

Ich werde alle Weltcup-Rennen fahren und darüber hinaus auch im IXS European und dem IXS German DH-Cup an den Start gehen.

Bedeutet dein Entschluss, dass du gar nicht mehr bei 4X-Rennen starten wirst?

Das kann ich im Moment noch nicht genau absehen. Ich werde bestimmt an dem einen oder anderen 4X-Rennen teilnehmen, aber wohl eher zum Spaß. Ich konzentriere mich jetzt erst einmal voll auf DH. Sowohl im 4X und im DH schnell zu sein, funktioniert einfach nicht. Dazu ist das Training einfach zu verschieden.

Inwiefern hast du dein Training im Hinblick auf deinen Disziplinwechsel verändert?

Für mich ist es im Moment das Wichtigste, so viele Stunden wie möglich auf meinem DH-Bike zu verbringen. Zudem werde ich viel Motocross fahren. Ich glaube, dass es beim DH wichtiger ein guter Fahrer zu sein, als 20 oder 30 Watt mehr als die Anderen treten zu können. Darauf kann ich mich auch noch konzentrieren, wenn ich mich hundertprozentig auf dem Bike wohlfühle. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass ich weniger als bisher trainiere. Nach wie vor stehen bei mir 25 Stunden Training pro Woche auf dem Plan. Nur eben sieht das Training anders aus als beim 4X.


© Photo: Lars Scharl

Du warst vor Kurzem mit deinem Teammate Adam Stasek und Andreas Sieber in Alicante zum Trainieren und fährst demnächst nach Finale Ligure. Wie wichtig ist es für dich, in wärmeren Gefilden zu trainieren?

Ja, ich war in Alicante, genauer im Bikepark La Fenasosa, in meinem ersten DH-Trainingslager, um meine ersten Stunden auf dem neuen Bike zu verbringen. Wir waren fast täglich auf dem Bike unterwegs und haben uns dabei gegenseitig mit unseren Pitbikes geshuttelt. Zudem konnten wir in dem Bikepark sogar ein kleines Rennen mitfahren, welches ich gewinnen konnte. Natürlich sind wir auch XC gefahren, neben dem übrigen Fitness-Programm. Für mich geht es in erster Linie nicht darum, im Warmen zu trainieren. Für mich ist es nur wichtig, dass es schneefrei ist. Der Bikepark La Fenasosa ist wohl der einzige Park in Europa, der auch im Winter geöffnet ist und sich deshalb perfekt zum Trainieren eignet.

Auch andere Top 4X-Fahrer werden sich in diesem Jahr auf DH konzentrieren. Jared Graves hat bereits beim ersten Lauf der australischen Serie mit einem dritten Platz seine Ambitionen unterstrichen. Welche Ziele verfolgst du mit deinem Wechsel zum DH, wo siehst du dich in ein bis zwei Jahren?

Nun, ich weiß nur, dass Graves DH fährt. Von anderen 4Xern die zum DH wechseln habe ich noch nichts gehört. Mit Graves kann und will ich mich deswegen aber nicht vergleichen. Er hat im 4X alles erreicht, was man erreichen kann, und sucht nun einfach nach einer neuen Herausforderung. So ist es bei mir leider nicht. Wenn ich es jedoch nicht als realistisch erachten würde, in den nächsten zwei bis drei Jahren zu den Top20 im DH-Weltcup zu zählen, würde ich nicht zum DH wechseln. Die Top20 sind sicherlich kein leichtes Ziel, aber ich werde täglich daran arbeiten. 2012 ist es für mich zunächst von Bedeutung, Erfahrung bei den Weltcups und im Training zu sammeln. Dann muss man sich überraschen lassen, was dabei rauskommt. Ich werde nun wieder öfters viel riskieren müssen, um in den kommenden Wochen und Monaten schneller zu werden. Deshalb hoffe ich auch, dass ich von größeren Verletzungen verschont bleibe. Verletzungen können Zeitpläne halt einfach ungemein stark verschieben.

Das ist wohl wahr. Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten. Wir wünschen dir eine verletzungsfreie Saison und maximale Erfolge!

Auf Seite der Sponsoren bleibt alles beim Alten. Ghost, Shimano, Schwalbe, IXS, Platzangst und Adidas werden Fischi weiterhin unterstützen. Auch der Fotograf und Filmer Lars Scharl wird Fischi, wie bereits im vergangenen Jahr, wieder zu einigen ausgewählten Events begleiten. Einen ersten Eindruck von seinem Wechsel auf das DH-Bike gibt es hier.


Johannes Fischbach in Alicante von vhy auf MTB-News.de


Kurzlink zu diesem Artikel:

Ähnliche Artikel

Hier geht es zu Thema und Kommentaren im Forum.

Was meinst du?

Hier kannst du den Artikel direkt im Forum kommentieren.

Hier geht es zu Thema und Kommentaren im Forum.

Kurze Einschätzungen sind ok, Floskeln wie das sieht **beliebiges Schimpfwort einsetzen** aus oder ähnliches sollten im Sinne einer sachlich geführten Diskussion vermieden werden. Entsprechende Beiträge werden ggf. gelöscht.

Bitte sei höflich!