HomeAllgemeinDirtbike-Check 3 von 4: Das Bergamont Kiez Pro im Roadtrip-Fahrbericht — 4. Juli 2012 11:53

Dirtbike-Check 3 von 4: Das Bergamont Kiez Pro im Roadtrip-Fahrbericht

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Aus dem hohen Norden kommt ein Klassiker der Dirtbike-Geschichte: In unserem dritten Teil des diesjährigen Dirtbike-Checks haben wir das aufpolierte Kult-Dirtbike “Kiez Pro” von Bergamont zum Test gebeten. Wie sich das einzige Alu-Dirtbike im Vergleich schlägt, erfahrt ihr im folgenden Fahrbericht.

Bergamont Kiez Pro
# Bergamont Kiez Pro

Ausstattung

Das “Kiez Pro” kommt, wie schon das Identiti P66, sehr farbenfroh daher – 2012 scheinen Gelbtöne im Trend zu liegen. Neben dem senfgelben Rahmen ist auch die Manitou “Circus” farblich perfekt abgestimmt – optisch macht das Bike aus dem Norden einen auffälligen, aber guten Eindruck. Für eine richtige Überraschung sorgt das Gewicht: leichte 12,4 Kilo für das Bike in Größe L sind Bestmarke im Testfeld. Die von uns mit Spannung erwartete Circus-Gabel hat ein schweres Erbe anzutreten: Gelingt der Anschluss an legendäre Gabeln wie die “Sherman”- oder “Gold Label”-Modelle?

Lenkzentrale
# Lenkzentrale

Details am Bergamont Kiez Pro
# Details am Bergamont Kiez Pro

6 Schrauben an der Steckachse
# Fünf Schrauben an der Steckachse

Weiterhin kommen viele gelabelte “BGM”-Parts (Sattel, Pedale, Kurbel, Lenker, Vorbau, Naben) zum Einsatz, die aber stimmig ins Gesamtkonzept passen. Als Reifen sind bewährte Maxxis DTH verbaut. Durch die Verwendung vieler gelabelter, hauseigener Parts und einem leichten Alu-Rahmen liegt der Preis bei sehr guten 899 €, was auch bei dem Radgewicht eine Ansage ist.

Fahrbericht Hannes

Beim ersten Aufsitzen beschleichen mich gleich zwei ungute Gefühle: Die “Circus”-Gabel hüpft wie ein Flummi und die “Stroker”-Bremse zieht nicht – ein Montagsmodell? Sämtliche Erste-Hilfe-Maßnahmen scheitern, sodass etwas Neues her muss: Nach Meldung beim Hersteller erhalten wir umgehend ein anderes Modell von Bergamont-Urgestein Matthias “Matschi” Faber. Kurzfristig bremsen wir nun den restlichen Testzeitraum mit einer, quasi außer Konkurrenz laufenden, Avid Elixir, die tadelllos ihren Dienst verrichtet (dass die standardmäßig verbaute “Stroker” generell passabel funktioniert, konnten wir allerdings bei einem identischen “Kiez Pro” während des Roadtrips feststellen!).
Bleibt die Gabel, und auch hier lässt sich mit einigen Handgriffen das Setup ändern: Die Zugstufe wird (mit einem blauen Drehrädchen) zugedreht und etwas mehr Luft in die Kammer gepumpt. Zwar hat die Gabel immer noch ein recht hohes Losbrechmoment und nutzt den Federweg nicht so progressiv wie beispielsweise die Marzocchi-Modelle, fuhr sich aber aber im weiteren Testverlauf ein und funktionierte dank des Zugstufen-Setups unauffällig und kontrolliert.

Hannes im Wallride
# Hannes im Wallride

Nachdem alles eingestellt ist, geht es los: Das Gewicht macht sich positiv bemerkbar und das Rad lässt sich spielend leicht manövrieren. Allerdings etwas zu stelzig: Anderthalb Zentimeter Spacer sind uns zuviel und wir senken den Vorbau auf ein erträglicheres Maß. Jetzt kann das Bike seine Stärken ausspielen: Im direkten Vergleich mit dem schwereren Identiti P66 fliegt es sich mit dem “Kiez Pro” bei gleichen Sprüngen merklich höher, kontrollierter und weiter – die knapp anderthalb Kilo Unterschied machen sich definitiv bemerkbar.

Blöd geguckt, aber gewhippt: Hannes in Aurich
# Blöd geguckt, aber gewhippt: Hannes in Aurich

Aus diesem Grund wage ich auch mit dem Bergamont meine ersten 360-Versuche über die Skatebox in Aurich, die nach einer halben Stunde von Erfolg gekrönt werden. Mit der “tiefergelegten” Front ist das Rad auch auf dem Pumptrack sehr zufriedenstellend: bis auf die kaum profilierten und daher auf Erde und Brechsand etwas rutschigen “DTH”-Reifen kann das wendige und leichte Bergamont hier richtig Tempo machen.

Was war gut: Gewicht, tolles agiles Handling, durchgestylte Optik, praktische Verstellung der hinteren Ausfallenden

Was war nicht so gut: Die Bremse – wobei wir das nicht zwingend Bergamont zu Lasten legen wollen, denn ein anderes Modell funktionierte ohne Probleme. Die Gabel funktionierte passabel, aber auch nicht wirklich herausragend – an die anderen Testmarken Marzocchi und Society kam sie performance-technisch nicht heran. Nervig: Die Steckachs-Aufnahme, an der für die Laufrad-Demontage fünf (!) Schrauben gelöst werden müssen. Wie es besser geht, beweisen zum Beispiel Rock Shox und Suntour.

Fahrbericht crossie

Gelb. Gut. Günstig. Dieser Slogan eins bekannten Stromanbieters dürfte einigen von euch mit Sicherheit im Gedächtnis geblieben sein. Mindestens zwei von drei Punkten treffen auch für das Bergamont Testbike zu. Im Detail heisst das: Die Farbe ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, mir gefällt die farbliche Abstimmung eigentlich ganz gut. Die Gabel in Rahmenfarbe, dazu gold-eloxierte Akzente gesetzt – Auffallen ist garantiert.
Zur Funktion: Das Rad ist (zu unserem Bedauern) ab Testbeginn mit einer doch recht dürftigen Hayes Stroker Ryde ausgestattet gewesen, die – wie oben beschrieben – später gegen eine funktionierende Avid Elixir ausgetauscht wurde. Die Gabel verrichtet nach der korrekten Einstellung ebenfalls recht unauffällig ihren Dienst, sorgte jedoch mit einem blauen Rebound-Rädchen anfangs für Verwirrung und brauchte eine Weile Einfahrzeit. Dennoch war ich von Manitou mit der Sherman-Serie (Flick, Jumper) irgendwie qualitativ anderes gewöhnt.

crossie - Air
# crossie – Air

Mit ausgewogener Geometrie, für mich mit knapp über 1,70m doch etwas zu groß in Rahmengröße L, bringt das Rad im Flug als auch auf dem Track ein sicheres Gefühl. Zum reinen Park- bzw Streetfahren würde ich allerdings zur kleineren Größe tendieren. Auch die Lenker-Vorbau-Einheit ist für meinen Geschmack etwas zu hoch. Fazit: Man bekommt für knapp 900 Euro ein fair zusammengestelltes Komplettrad mit leichten Schwächen.

Gesamtfazit

Das Hamburger Kiez-Geschoss vermittelte einen positiven Eindruck: Einmal rundherum richtig eingestellt, kommt das “Kiez Pro” nahezu auf allen Terrains gut zurecht. Einzig auf Pumptracks mit loserem Untergrund greifen die “DTH”-Reifen nicht ganz so gut wie die Modelle der Konkurrenz. Die Gabel passt, konnte unsere Erwartungen als möglichen Nachfolger der Kult-Modelle von Manitou aber nicht erfüllen. Die günstigen Anbauteile aus eigenem Haus sind nicht die ultimativen Parts, aber solide – und sie haben einen großen Vorteil gegenüber Truvativ, Race Face und Co.: Sie drücken den Preis auf niedrige 899 €. Dafür bekommt man neben einem günstigen und leichten Rad auch richtig gute Performance für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Alle Infos zum Kiez Pro gibt es hier: http://www.bergamont.de


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