Fabian Giger und Alexandra Engen triumphierten beim Bundesliga-Finale in Bad Salzdetfurth. Die beiden Tagessieger aus der Schweiz und Schweden krönten sich vor mehreren tausend Zuschauern auch zu den Gesamtsiegern der Internationalen MTB-Bundesliga. Im U23-Rennen sorgte der 19-jährige Christian Pfäffle mit seinem Sieg für eine Überraschung.

Herren

Es war ein Start-Ziel-Sieg von Fabian Giger, aber es war gewiss kein Langweiler, das Elite-Rennen der Herren. Der Schweizer übernahm zwar sofort in der ersten Runde die Führung, doch hinter ihm lauerte spätestens in der zweiten Runde José Antonio Hermida. Der Olympia-Vierte und Weltmeister von 2010 holte vor allem in den Abfahrten immer wieder Zeit heraus und als er in der vorletzten 4,48-Kilometer-Runde seinen Rückstand von 25 auf neun Sekunden verkürzte, da wartete man im Ziel gespannt, was dann passieren würde.

„Ich wusste, ich muss im Anstieg noch einmal Vollgas fahren, weil José bergab vielleicht ein bisschen stärker ist. Ich habe noch einmal alles aus mir heraus geholt, und es hat geklappt“, erklärte Giger im Ziel zu seinem Sieg, den er in 1:33:50 Stunden mit 20 Sekunden Vorsprung auf Hermida heraus fahren konnte.

„Es ist super hier zu gewinnen, das Rennen macht so viel Spaß und es herrscht eine tolle Atmosphäre“, schob der WM-Fünfte hinterher. Er gewann auch noch die Gesamtwertung, weil sein Rabobank-Giant-Teamkollege Emil Lindgren über einen neunten Rang nicht hinaus kam.

Hermida sah in der Anfangsphase die eigentliche Entscheidung. „Fabian hatte eine gute Strategie und ich konnte am Anfang nicht mitgehen. Dann habe ich viel Energie aufgewendet, aber ich konnte die Lücke nicht schließen. Auf so einer Strecke gegen einen Giger zu gewinnen, ist nicht leicht. Heute war es eigentlich unmöglich“, kommentierte Hermida nach den 31,6 Kilometern bei strahlendem Sonnenschein.

Auf Platz drei hatte sich Martin Gujan (Schweiz) positioniert. „Ich habe es eine Runde hart probiert an José heran zu kommen und bin dabei auch von der Verfolgergruppe weg gefahren. In der nächsten Runde noch einmal, aber ich habe dann gesehen, dass der Abstand immer größer wurde. Deshalb habe ich mich dann auf die Sicherung von Rang drei konzentriert und bin damit auch zufrieden“, sagte Gujan, der 1:56 Minuten Rückstand hatte.

Moritz Milatz, der vierfache Sieger von Bad Salzdetfurth, ging nach eigener Einschätzung das Rennen zu schnell an. In der zweiten Runde musste er dafür büßen und fiel auf Platz elf zurück. Nachdem er sich erholt hatte, fuhr sich der Europameister sukzessive nach vorne und kam als Vierter ins Ziel.

„Ich habe keine Topform, aber das war endlich mal wieder ein gutes Gefühl im Rennen“, bilanzierte Milatz.

Alle Ergbnisse der Elite-Herren findet ihr hier.

Heiko Gutmann downhill spectators by Maasewerd
# Heiko Gutmann downhill spectators by Maasewerd

Damen

In der zweiten Runde des Damen-Rennens flog die bis dahin achtköpfige Spitzengruppe auseinander. Gunn-Rita Dahle-Flesjaa übernahm das Kommando, nur Irina Kalentieva konnte ihr folgen und Alexandra Engen positionierte sich auf Rang drei. Damit hatte man exakt die Konstellation des Vorjahres und nachdem sich Vize-Weltmeisterin Dahle-Flesjaa in der dritten Runde etwas von Kalentieva lösen konnte, da schien alles auf eine Revanche für deren Niederlage 2011 hinzudeuten.

Doch in der nächsten Runde schloss Irina Kalentieva wieder zur Norwegerin auf. Mit gut 20 Sekunden Vorsprung auf Alexandra Engen ging das Duo in die letzte Runde.

Dort setzte sich Dahle-Flesjaa erneut von der Russin ab, doch plötzlich kam Alexandra Engen „heran geflogen“ (Dahle).

„Als ich in die letzte Runde bin, dachte ich ehrlich nicht daran noch gewinnen zu können. Aber als ich Irina vor mir sah, dachte ich, okay, fünf Minuten leiden, das geht noch“, erklärte die überglückliche Engen. „Das war einer meiner schönsten Siege“, meinte die Vorjahres-Dritte noch Freude strahlend.

„Sie ist jung und talentiert, das muss man akzeptieren, dass sie auch mal an einem vorbei fährt. Ich war am Limit, aber es war trotzdem ein tolles Rennen“, erklärte Dahle-Flesjaa.

Irina Kalentieva schmunzelte. „Als Alex vorbei kam, da konnte ich einfach nicht mithalten. Sie war so schnell. Ich dachte dann, okay, Platz drei ist auch in Ordnung.“

Die Russin hatte nach 26,8 Kilometern 31 Sekunden Rückstand.

Beste Deutsche war Silke Schmidt (München), die hinter der Österreicherin Lisi Osl Fünfte wurde und damit Rang drei in der Gesamtwertung erreichte. Hinter Dahle-Flesjaa und Alexandra Engen, die schon nach dem Sprint am Samstag als Siegerin feststand.

Alle Ergbnisse der Elite-Damen findet ihr hier.

Women Hanna Klein downhill fast by Maasewerd
# Women Hanna Klein downhill fast by Maasewerd

U23 – Herren

Mit dem Sieg des Deutschen U23-Vizemeisters Christian Pfäffle ging das U23-Rennen zu Ende. Der erst 19-Jährige konnte sich in einem Dreikampf mit dem Dänen Jonas Pedersen und dem U23-WM-Sechsten Jens Schuermans aus Belgien durchsetzen.

Das Trio hatte sich in der zweiten Runde abgesetzt. Schuermans setzte einige Test-Attacken, die Pedersen und Pfäffle auch weh taten, doch in der Abfahrt schlossen die Beiden jeweils wieder auf.

In der vierten von sechs Runden setzte sich Pfäffle dann einmal an die Spitze. „Ich bin von vorne gefahren und dann als Erster in die letzte Abfahrt hinein. Unten hatte ich eine Lücke und dachte, jetzt ziehe ich durch“, erklärte der Sprint-WM-Vierte die Entscheidung.

Die beiden Konkurrenten schafften den Anschluss nicht mehr. „Christian war am Berg zu stark für mich, aber ich bin sehr zufrieden mit meinem Rennen“, erklärte Pedersen und Schuermans bekannte, dass er „einfach kaputt“ gewesen sei.

Für Christian Pfäffle war es der ersten U23-Bundesliga-Sieg. „Das war ein sehr schöner Saisonabschluss, darauf habe ich gehofft“, erklärte Pfäffle.

Simon Stiebjahn (Titisee-Neustadt), der schon vorher als Gesamtsieger feststand, konnte nicht in den Kampf um die Podestplätze eingreifen. Er war während der ganzen Woche krank gewesen. „Die Power war ab der zweiten Runde weg“, sagte Stiebjahn, aber er sei ja in der glücklichen Lage gewesen, nicht mehr um Punkte kämpfen zu müssen. „Damit hätte ich vor der Saison natürlich überhaupt nicht gerechnet“, so Stiebjahn.

Alle Ergbenisse der U23-Herren findet ihr hier.

Christian Pfaeffle finish by Maasewerd
# Christian Pfaeffle finish by Maasewerd

Christian Pfaeffle leading trio by Maasewerd
# Christian Pfaeffle leading trio by Maasewerd

Christian Pfaeffle corner by Kuestenbrueck
# Christian Pfaeffle corner by Kuestenbrueck

Juniorinnen

Bei den Juniorinnen setzte sich in Abwesenheit der WM-Dritten Lena Putz (Röhrnbach) wie erwartet Sofia Wiedenroth (Sigmarszell) durch. Die Vize-Weltmeisterin hatte nur am Anfang Britt van den Boogert aus den Niederlanden eine hartnäckige Begleiterin, setzte sich dann aber souverän ab. Veronika Brüchle (Sigmarszell) zeigte als Dritte ihre ansteigende Form.

Sofia Wiedenroth sicherte sich damit auch die Bundesliga-Gesamtwertung. Sie verdrängte Majlen Müller (Wuppertal) noch auf den zweiten Rang vor Veronika Brüchle.

„Von der WM ist noch Form übrig geblieben. Es hat Spaß gemacht, aber es war auch sehr hart“, sagte Wiedenroth.

Alle Ergbnisse der Juniorinnen findet ihr hier.

U23m Wehrle frontal by Kuestenbrueck
# U23m Wehrle frontal by Kuestenbrueck

Junioren

Bei den Junioren siegte überraschend der Landshuter Philipp Bertsch. Er übernahm in der zweiten von fünf Runden die Spitzenposition und baute seinen Vorsprung auf Georg Egger (Obergessertshausen) kontinuierlich aus.

Dem rückte in der vorletzten Runde der Belgier Kevin Panhuyzen auf die Pelle, doch Eggert konnte seinen Vorsprung verteidigen. Der Essener Ben Zwiehoff und Martin Frey machten die Plätze vier und fünf unter sich aus.

„Die WM-Form kommt eine Woche zu spät, aber ich finde einen Bundesliga-Sieg wertvoller als einen 20. Platz bei der WM“, sagte Bertsch.

Bundesliga-Gesamtsieger wurde der Bad Uracher Martin Frey, der schon vor dem Start unheinholbar vorne lag.

Alle Ergbenisse der Junioren findet ihr hier.

Masters

In der Masters-Bundesliga setzte sich der Hausacher Uli Brucker durch. „Die Strecke macht Spaß, da sind auch schöne Anstiege drin“, sagte der Deutsche Masters-Vizemeister. Ende der ersten Runde setzte er sich ab und fuhr im Alleingang zum Sieg vor dem Stollberger Markus Werner und Max Friedrich (Kelkheim), der fast die ganze letzte Runde ohne Sattel zu bewältigen hatte.

In der Masterskategorie 2 holte sich der Hamburger Stefan Danowski den Sieg vor Klaus Reinisch (Brilon) und Ex-Meister Joachim Öchsner aus Würzburg.

Alle Ergebnisse findet ihr hier.

Rennbericht von Erhard Goller, die Bilder wurden vom Team Rothaus zur Verfügung gestellt. Weitere Bilder werden noch kommen.

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Marc B

    dabei seit 07/2001

    Schöner Bericht :daumen:

    Mich würde mal interessieren, wie breit die Lenker bei den XC-Profis mittlerweile so im Durchschnitt sind. Einige Fahrer haben ja schon recht breite Modelle montiert.
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    Skaot-23

    dabei seit 08/2006

    Marc B
    Schöner Bericht :daumen:

    Mich würde mal interessieren, wie breit die Lenker bei den XC-Profis mittlerweile so im Durchschnitt sind. Einige Fahrer haben ja schon recht breite Modelle montiert.

    würd mich auch mal interessieren, ich meine mal gelesen zu haben, das nur bis 660mm breite erlaubt ist. Die Twentyniner haben ja werksseitig meist breitere.

    Wo waren eigentlich Fontana, Fumic und Kurschat? Sind die sieses Jahr garnicht Bundesliga gefahren?
  4. benutzerbild

    MeridaSepp

    dabei seit 09/2012

    also über 660mm fahren eigentlich schon fast alle... bei 29ern sind die lenker bestimmt schon teilweise über 700mm.
    zum beispiel geoff kabush fährt immer extrem breite :D
  5. benutzerbild

    aka

    dabei seit 09/2004

    Skaot-23
    ..., das nur bis 660mm breite erlaubt ist. Die Twentyniner haben ja werksseitig meist breitere.
    Die Lenkerbreite ist in den Regularien mittlerweile nicht mehr beschraenkt:
    "Die Lenkerbreite darf in Cross Country Rennen maximal 65 cm betragen. gestrichen HA 04/2012"
  6. benutzerbild

    Dommaas

    dabei seit 05/2011

    Meistens fahren die jüngeren Fahrer noch recht schmale Lenker und meistens auch die technisch extrem versierten Fahrer (Näf, Schurter, Hermida etc.) Der Trend geht aber definitiv zu >600mm.

    @Skaot-23: Fumic hat die Saison nach der WM beendet, genausowie Fontana. Die anderen BL-Rennen sind sie gefahren.

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