Als Fahrradfahrer ist man im Straßenverkehr in unruhigem Gewässer. Einerseits ermöglicht das Fahrrad eine schnelle, gesunde und umweltschonende Mobilität, die gerade durch die zunehmende Elektrifizierung und den Verkehrskollaps der Innenstädte nochmals an Fahrt aufnimmt. Andererseits ist das Fahrrad nach wie vor ein unsicheres Fortbewegungsmittel, das den Fahrenden keinen Schutz bietet und von seinem größten Gegner – dem Auto – gerne einmal übersehen wird. Wer auch immer daran Schuld hat: In deutschen Gerichten werden viele Fahrradunfälle verhandelt. In einem neuen Fall ist kürzlich entschieden worden, dass ein Fahrradfahrer auch ohne Helmpflicht eine Teilschuld an seinen Verletzungen trägt, wenn er sich im Straßenverkehr ohne Helm Kopfverletzungen zuzieht.


# Im Straßenverkehr sind Fahrräder in der Regel der schwächere Verkehrsteilnehmer – nun sieht ein Urteil aus Schleswig-Holstein Fahrradfahrer auch dann in der Schuld, wenn der Unfallgegner verkehrswidrig Handelt und kein Helm getragen worden ist. Bild von User Diablo666

Alle Jahre wieder werden Fahrradfahrer mit dem Thema Helmpflicht konfrontiert – zuletzt von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Und in jedem Jahr endet die Diskussion mit der Erkenntnis, dass es nicht sicher ist, ob ein Fahrradhelm vor Verletzungen schützt, oder im Falle eines Unfalls sogar negative Auswirkungen haben kann. Hinzu kommt eine oft zitierte Studie, die besagt, dass Autofahrer mit einem geringeren Sicherheitsabstand an Fahrradfahrern vorbeifahren, die einen Helm tragen.

Anfang vergangener Woche ist nun bekannt geworden, dass ein Gericht in Schleswig-Holstein zu dem Urteil gekommen ist, dass Fahrradfahrer Mitschuld tragen, wenn bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Verkehrsteilnehmer durch einen Helm Kopfverletzungen verhindert oder gemindert hätten werden können (Aktenzeichen 7 U 11/12). Im konkreten Fall gilt diese Mitschuld sogar dann, wenn sich der Unfallgegner verkehrswidrig verhalten hat. Begründet wird das Urteil trotz fehlender Helmpflicht damit, dass auf Grund der besonderen Gefährdungslage im Straßenverkehr und der niedrigen Anschaffungspreise für Helme ein Mensch aus eigenem Interesse einen Helm tragen würde. Klar soweit?

Wie sieht ihr das Urteil? Realitätsfern und ein falsches Signal für Autofahrer oder ein Aufruf zur freiwilligen Helmpflicht?

Quelle: Spiegel Online / dpa

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Apnea

    dabei seit 09/2012

    Ich seh schon. Ist die gleiche Diskussion wie mit Motorradfahrern, die im Sommer ohne Kombi und/oder Handschuhe fahren.
  2. benutzerbild

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  3. benutzerbild

    tombrider

    dabei seit 05/2007

    Nein, es ist eher die gleiche Diskussion wie mit MotorrollerfahrerInnen, die im Sommer ohne Schutzleidung herumfahren. Aber selbst der Vergleich hinkt.
  4. benutzerbild

    RetroRider

    dabei seit 09/2005

    alf2013
    besser kann man es nicht formulieren. und diese dauernde angstmacherei ist schon sowas von normal, dass es einem gar nicht mehr auffällt, wenn auch mit fadenscheinigsten Argumenten versucht wird, etwas als super- und überdrübergefährlich darzustellen. was es aber nicht ist.
    [...]
    Angstmacherei ist für einige Wirtschaftszweige lebenswichtig. Z.B. produzieren Medien mittels Angstmacherei Aufmerksamkeit, die sie dann an Werbekunden verkaufen. Versuch mal, mit "Alles wird gut"-Meldungen Aufmerksamkeit zu produzieren. Das wird nicht klappen. Und natürlich ist Angstmacherei die Basis für den Verkauf von Versicherungsprodukten. In diesem speziellen Fall geht es aber eher darum, daß auf Versicherungen im Ernstfall kein Verlass ist - deshalb ist es eigentlich nicht im Interesse der Finanzmafia, daß der Fall soviel Aufmerksamkeit erfährt.
    (Im Fall der Rente hat es die Finanzbranche sogar geschafft, daß vorsätzlich und ohne Not Altersarmut produziert wird, und der Steuerzahler für die Produktion von Altersarmut draufzahlt, was gleichzeitig im Interesse der Arbeitgeber-Lobby ist. Dafür, die Rentenversicherungsprodukte künstlich attraktiv zu machen, zahlt natürlich auch der Steuerzahler drauf. Das geben die Verkäufer sogar offen zu: "Privat ist besser als Staat." - "Warum?" - "Na, wegen der staatlichen Zulagen." :spinner:
    Vor dem Hintergrund solch monströser und korrupter Fehlentwicklungen ist es absurd, wenn einige behaupten, die Radfahrer ohne Helm (also zu 90% Fußweg-Schleicher) würden der Allgemeinheit die Haare vom Kopf fressen.)
  5. benutzerbild

    tombrider

    dabei seit 05/2007

    Wenn die Politik das Radfahren sicherer machen möchte, was ja sehr begrüßenswert wäre, dann sollte sie das Radfahren sicherer machen. Das bedeutet sinnvolle Schutzvorschriften einzuführen bzw. vorhandene zu kontrollieren! Abstandsvergehen von Autofahrern gegenüber anderen Autos sind enorm strafbewehrt und werden auch überwacht, gegenüber Radfahrern werden sie nicht überwacht und schon gar nicht geahndet. Obwohl wirklich JEDEM klar ist, daß KEIN Autofahrer die vorgeschriebene Autobreite Abstand beim Überholen einhält. Bei Helmträgern braucht man noch weniger Abstand zu halten, die haben ja einen Helm auf und dann kann ja nix passieren:
    http://fahrradzukunft.de/5/ueberholverhalten/
    Vorfahrtsvergehen (an städtischen Kreuzungen bei nahezu jeder Ampelphase zu beobachten: Erstmal auf den Radweg fahren und DANN vielleicht gucken, 100 Euro, 1 Punkt in Flensburg), Unfallursache Nummer eins, könnte man auch nach bestehendem Bußgeldkatalog hart und öffentlichkeitswirksam ahnden, um den Autofahrern klar zu machen, daß man auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer wirklich achten muß. Die momentane Verkehrspolitik ist eindeutig: Verkehrsvergehen gegenüber Radfahrern sind wirklich nicht so schlimm. Deswegen werden sie ja nicht bestraft. Und wenn dem Radfahrer etwas passiert, dann vor allem, weil er keinen Helm aufgehabt hat. Warum wird sowas nicht kontrolliert??? Wohingegen Radfahrer ohne Licht sehr häufig kontrolliert werden, obwohl das als Unfallursache kaum eine Rolle spielt.
  6. benutzerbild

    Learoy

    dabei seit 03/2011

    Wenn das Tragen eines Helmes das Radfahren sicherer macht, wären in Ländern wie Australien die Unfallzahlen der Radfahrer nach Einführung der Helmpflicht nicht gestiegen. Das fehlgehendste Argument der Helmpflichtbefürworter ist, dass die Helmpflicht mehr Sicherheit brächte, denn die Praxis belegt durchgängig das Gegenteil.
    Zwar mag es durchaus Mediziner geben, die den Einzelfall betrachten und sich aus dieser Sicht für eine Helmpflicht aussprechen, jedoch darf die Argumentation im Sinne der Allgemeinheit nicht an dieser Stelle stehen bleiben - sondern muss eben genau diese beleuchten: die Allgemeinheit.

    Sicherheit entsteht für Radfahrer aus Masse. Es sind sich ohne Ausnahme alle Verkehrsexperten darin einig, dass je mehr Radfahrer auf der Straße sind, desto geringer werden die Unfallzahlen. Die Niederlande sind hier ganz weit vorne, dort gibt es Radfahrer ohne Ende und nahezu keiner von denen trägt einen Helm. Dennoch sind dort die Unfallzahlen bei Radfahrern extrem gering.

    Eine Helmpflicht würde daher eine weitere Risikoverschärfung für Radfahrer bedeuten, da als sicher gelten darf, dass durch eine solche Verpflichtung die Zahl der Radfahrer sinken würde. Und weniger Masse bedeutet mehr Unfallgefahr. Daher bleibt unklar, wie man sich überhaupt für eine Helmpflicht aussprechen kann - außer man ist an einer Erhöhung der Unfallzahlen der Radfahrer interessiert.

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