HomeMagazinEventsMTB-WeltmeisterschaftenDie WM kann kommen: Trainingslager der German 4X Union in Saalbach-Hinterglemm — 16. September 2013 17:22

Die WM kann kommen: Trainingslager der German 4X Union in Saalbach-Hinterglemm

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Ende September wird die Mountainbikewelt gebannt in den Pinzgau schauen: In Leogang steht neben dem Downhill World Cup auch die Weltmeisterschaft im 4X auf dem Programm, es wird also der Höhepunkt des Jahres für die 4X-Fangemeinde. Die deutschen Fahrer wollen dabei ein Wörtchen mitreden, soviel steht fest. So schlechte Karten haben sie dabei nicht.

Der Berliner Aiko Göhler fuhr dieses Jahr bereits ein internationales Podium ein und konnte Favoriten wie Felix Beckemann und Michael Marosi aus dem Rennen werfen. Berechtigte Medaillenhoffnungen darf sich auch der junge Benedikt Last aus Reutlingen machen: Letztes Jahr fuhr er bei der Weltmeisterschaft mit 18 Jahren bis ins kleine Finale und wurde damit inoffizieller Juniorenweltmeister. Bei den Frauen darf man gespannt auf Sarah Gerlach blicken, welche dieses Jahr national die Frauenklasse aufmischte. Auch die erfahrene Steffi Marth ist heiß auf eine Medaille. Damit nichts dem Zufall überlassen bleibt, traf sich der deutsche 4X-Kader zusammen mit weiteren WM-Kandidaten zum Trainingslager. Hier sollte die Entscheidung fallen, wer für die Weltmeisterschaft in Leogang nominiert wird. Untergebracht wurde das ganze Team für drei Tage in Saalbach-Hinterglemm.

BDR 4X Trainingslager Saalbach-Hinterglemm Leogang von Hardtailhucker – mehr Mountainbike-Videos

Nach der Ankunft der Teilnehmer am Dienstagabend stand Mittwochmorgens zunächst Training in Leogang auf dem Plan. Das Trainingslager begann mit einem kurzen Trackwalk, um die neuen Hindernisse des Kurses zu besichtigen. Guido Tschugg hat mal wieder ordentlich den Bagger bewegt und ein paar Highlights auf den Berg gezaubert. Die Neuerungen beginnen mit dem ersten Sprung der Proline nach der Brücke, welcher um  etwa 2m verlängert wurde. Die entscheidenden Umbauten folgen aber erst hinter der 180° Kurve. Tschugg hat hier seiner Kreativität freien Lauf gelassen und einen überdimensionalen Sandkasten mit Steinen gefüllt. Bevor sich die Strecke in den Zielhang neigt, bildet ein Step-Down mit einem Absprung aus Holzstämmen den Abschluss der Strecke.

Vor jedem Training wird sich warm gemacht
# Vor jedem Training wird sich warm gemacht

Wer viel Rad fährt, muss viel Essen
# Wer viel Rad fährt, muss viel Essen

Anna Börschig im oberen Steinfeld
# Anna Börschig im oberen Steinfeld

Benedikt Last whipt sich über die obere Hip
# Benedikt Last whipt sich über die obere Hip

Nach kurzem Warmfahren begann das Training der einzelnen Sektionen auf dem Kurs. Die Jungs zögerten nicht lange und so hieß es: „Ab auf die Pro-Line!“ Wie auf vielen anderen Strecken ist diese auch in Leogang Pflicht, wenn man in der Qualifikation eine schnelle Zeit ins Ziel bringen will. Die Mädels verinnerlichten derweil den langen flachen Double neben der Proline mit anschließendem Step-Up, um hier flüssig durch die Strecke zu kommen.

Die untere Proline wurde für dieses jahr vergrößert - Rick Schubert
# Die untere Proline wurde für dieses jahr vergrößert – Rick Schubert

Bei der kleineren Proline auf der dritten Gerade fackelten die Jungs dann auch nicht lange. Benedikt Last wollte es in dieser Sektion erst recht wissen und probierte als Erster die noch schnellere Innenlinie. 2012 konnte Klaus Beige in einem Lauf durch diese Innenlinie den späteren Weltmeister Roger Rinderknecht überholen.

Benni Ehrlich mit Style
# Benni Ehrlich mit Style

Dem Ingenieur ist nichts zu schwör - Niklas Vogt improvisierte
# Dem Ingenieur ist nichts zu schwör – Niklas Vogt improvisierte

Neun platte Reifen und zwei demolierte Felgen in einer halben Stunde, so lautet die Bilanz beim Training des neuen Steinfeldes. Klarer Sieger bleiben die Steine. Sofort entflammten die Diskussionen über Bike-, Schlauch- und Reifenwahl. Der Nachmittag gehörte dann den Trails von Saalbach-Hinterglemm. Mit dem letzten Lift des Schattberg-Xpress ging es hoch zum Hacklbergtrail. Dieser ist der wahrscheinlich flowigste Trail im ganzen Tal. In perfekten Kurven schlängelt sich der weitgehend naturbelassene Trail über der Baumgrenze langsam ins Tal.

Ab auf den Trail!
# Ab auf den Trail!

Derek Bahlo und Rick Schubert genießen das gute Wetter auf den Trails
# Derek Bahlo und Rick Schubert genießen das gute Wetter auf den Trails

Nach der halben Abfahrt kehrte die ganze Mannschaft dann noch im Bergstadl, einer der vielen Hütten an den Trails, ein und füllte ihre Energiereserven mit Tiroler G’röstel und Kasnocken wieder auf. Donnerstagfrüh bei aufgehender Sonne zeigte sich einmal mehr die schöne Bergwelt des Glemmtals. In der kühlen Morgenluft wärmten die ersten Sonnenstrahlen das Team auf dem Weg in den Ort zum Frühstück. Dank der Unterkunft direkt an der Zwölferkogelbahn-Talstation begann der zweite Tag gleich mit der ersten Gondel zum Adidas Freeride Park.

Jessica Schmulbach bei bestem Wetter in Saalbach-Hinterglemm
# Jessica Schmulbach bei bestem Wetter in Saalbach-Hinterglemm

Kurze Pause bei den Minishettys
# Kurze Pause bei den Minishettys

Laura Brethauer auf dem Hacklbergtrail
# Laura Brethauer auf dem Hacklbergtrail

Laura fuhr ihr Cube Stereo
# Laura fuhr ihr Cube Stereo

Laura wird von Benedikt verfolgt
# Laura wird von Benedikt verfolgt

Rick Schubert und Peter Richter haben Spaß auf ihren Fullys
# Rick Schubert und Peter Richter haben Spaß auf ihren Fullys

Rick Schubert hat hier einen neuen Lieblingstrail gefunden: „Eine unserer ersten Ausfahrten ging auf den Hacklberg Trail und ich war von Beginn an total begeistert. Keine Bikepark typischen steilen 180 Grad Kurven und ausgebremsten Teilstücke. Man kann super vorausschauend fahren, wodurch man es richtig schön laufen lassen kann. In Saalbach-Hinterglemm ist der Hacklberg-Trail definitiv mein Favorit!“

Zur Einstimmung ging es als erstes auf die Blueline. Einige Abfahrten am Hausberg des Apartments später wurde dann wieder auf die 4X Bikes umgesattelt. Ein Teil der Fahrer nutzte gleich die Möglichkeit über die Strecken der Big-5-Bike Challenge mit dem Freerider nach Leogang zu fahren.

Am Donnerstag wurde der Fokus auf die ersten Geraden der Strecke gelegt. Dank des Singlegates von Martin Neumayr konnte die gesamte Startphase trainiert werden.
„In Leogang geht es los wie bei einer Achterbahn, nach dem Snap aus dem Gate sorgt eine steile aber nur sehr kurze Abfahrt für eine knackige Beschleunigung bevor man auf der nachfolgenden Spine wieder fast zum Stehen kommt. Sofort geht es dann aber mit gefühlten Mach 3 in die langgezogene Kurve.“, so beschreibt Benedikt Last die erste Gerade.

Jonas und Stefan testen unterschiedliche Linien in der ersten Kurve
# Jonas und Stefan testen unterschiedliche Linien in der ersten Kurve

Laura und Anna pushen sich durch die Wellen
# Laura und Anna pushen sich durch die Wellen

Dank der Zeitmessanlage des Leoganger Skiclubs konnten die schnellsten Linien herausgefiltert und die Fortschritte genau analysiert werden. Kurz vor Sonnenuntergang brach das Team zum neuen Pumptrack in Saalbach-Hinterglemm auf. Die letzten Sonnenstrahlen wollten alle noch ausnutzen und so jagten sie sich über die Bumps und durch die Anlieger. Zurück im Apartment klang der Abend beim gemeinsamen Essen aus. Benjamin Ehrlich musste die Nacht jedoch leider im Krankenhaus Zell am See verbringen, da er beim Training heftig stürzte. Bis auf wenige Abschürfungen und Prellungen hatte er jedoch keine weiteren Verletzungen und blieb nur eine Nacht zur Beobachtung.

Freitag war nicht nur der letzte Tag in Saalbach-Hinterglemm, sondern auch der entscheidende für die Fahrer, um noch mal die eigenen Qualitäten unter Beweis zu stellen. Schließlich diente das Trainingslager auch dem 4X Beauftragtem des BDR, Peter Richter, als letzte Möglichkeit sich ein Bild von den Fahrern zu verschaffen, um dem Präsidium einen aussagekräftigen Nominierungsvorschlag für die WM zu machen.

Freitag ging es für alle in die gezeiteten Läufe
# Freitag ging es für alle in die gezeiteten Läufe

Für die lange Gerade brauch es starke Tritte aus der Kurve
# Für die lange Gerade braucht es starke Tritte aus der Kurve

Rick zieht Steffi über den Double vor der Brücke
# Rick zieht Steffi über den Double vor der Brücke

Für das Team hieß es also, die vorher trainierten Sektionen zu einem schnellen Run zu verbinden. Die Zeitmessanlage lieferte am Ende schwarz auf weiß, wer die Strecke wirklich im Griff hat und in der Lage war, bei der Weltmeisterschaft nach den Medaillen zu greifen. Da die anspruchsvollen und technischen Teilstücke erst im unteren Abschnitt der Strecke sind, war es natürlich umso wichtiger die Konzentration aufrecht zu erhalten. Nach dem offiziellen Programm auf der 4X Strecke wurden wieder die Fullys aus den Autos geholt und über die Singletrails bewegt.

Sarah Gerlach: „Ich war im Trainingslager das erste Mal mit meinem Bike in den Alpen und total überwältigt wie viele Strecken und Lifte es dort gibt. Alle sind gastfreundlich, vor allem gegenüber uns Radfahrern. Für mich steht fest, dass ich hier nicht das letzte Mal zum Biken war“. Bei bestem Wetter gab es hinter jeder Kurve einen traumhaften Blick über das Tal, bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Hohen Tauern mit der Glockner- und Venedigergruppe sowie der atemberaubenden Kulisse der Leoganger Steinberge. Nach unzähligen gesammelten Höhenmetern ging es für die Jungs und Mädels mit neuen Eindrücken und Erfahrungen auf den Heimweg.

Sarah Gerlach war zum ersten Mal in Leogang und machte eine gute Figur
# Sarah Gerlach war zum ersten Mal in Leogang und machte eine gute Figur

Das Team unterwegs in Hinterglemm
# Das Team unterwegs in Hinterglemm

Auch Peter Richter fuhr mit durchweg positivem Fazit wieder nach Hause: „Neben dem speziellen Training auf der WM-Strecke in Leogang war es mir besonders wichtig, dass das Team zusammen noch ein bisschen Spaß auf den Trails in Saalbach-Hinterglemm hat.

Peter Richter gibt alles, aber Derek Bahlo klebt an seinem Hinterrad
# Peter Richter gibt alles, aber Derek Bahlo klebt an seinem Hinterrad

Ich war bereits 2012 begeistert von der Streckenvielfalt und der perfekt auf uns Mountainbiker abgestimmten Infrastruktur im Bikecircus. Selbst ein größerer Defekt an meinem Bike wurde innerhalb kürzester Zeit im Bikeshop behoben. Für mich ist dieser Ort also die perfekte Kulisse für die Zeit neben den Trainingseinheiten in Leogang. Mit dem Bergstadltrail, der X-Line und der Pro-Line gibt es auch Strecken auf denen wir unsere ganze Erfahrung ausnutzen können. Hier sollten die Fahrer also auch als Team weiter zusammenwachsen.

Denn auch wenn im Wettkampf jeder für sich fahren muss, sollen sie als Mannschaft auftreten, sich gegenseitig im Training unterstützen, über die großen Sprünge ziehen und zusammen die schnellsten Linien finden. An dieser Stelle möchte ich mich auch gern noch beim Bike-Circus Saalbach Hinterglemm, dem BikePark Leogang und der Deutschen 4X Union für die Unterstützung bedanken.“

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Text/Bild: Niklas Vogt


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