Video: Hausbesuch bei Statera Bikes
Mitten im Schwarzwald, dort, wo andere Urlaub machen, liegt Gengenbach – eine malerische Kleinstadt, deren Fachwerk-Idylle man eher mit Kuckucksuhren als mit Hightech (E)-Bikes verbindet. Und doch steht hier einer der modernsten und stärksten Bike-Händler Deutschlands: Statera Bikes. Wir haben dem 65 Mitarbeiter starken Team rund um Gründer und Geschäftsführer Peter Litterst einen Besuch abgestattet und einen Blick hinter die Kulissen geworfen.
Vom Autohaus zum Bikeshop
Peter Litterst, 54 Jahre alt, ehemaliger Autohausbesitzer und leidenschaftlicher Rennrad- sowie MTB-Fahrer, hat mit Statera Bikes etwas geschafft, woran anfangs kaum jemand glauben wollte: Den erfolgreichen Direktvertrieb hochwertiger Bikes über das Internet – und das lange, bevor es zum Trend wurde. Die Wurzeln reichen zurück ins Jahr 2011, als die LinkRadQuadrat GmbH gegründet wurde. So richtig los ging es im Jahr 2014, als man entgegen aller Skepsis begann, Fahrräder über eBay zu verkaufen. „Alle haben gesagt, das funktioniert nicht. Die Leute müssen doch Probefahren!“, erinnert sich Peter. 2015 folgte der eigene Onlineshop – samt selbst aufgesetzten Google-Kampagnen, die ihn wenig später als Partner direkt zur Google-Europazentrale nach Dublin brachten.
Heute verkauft das Team von Statera bis zu 300 Räder am Tag online, in der Saison werden zusätzlich täglich zwischen 50 und 80 Neuräder vor Ort übergeben. Aber nicht etwa schnell am Tresen oder in einer schnöden Warenausgabe – nein, in der speziell dafür konzipierten und über 500 Quadratmeter großen Neurad-Übergabe inklusive eines abschließenden 30-minütigen Übergabetermins. Insgesamt finden so jeden Tag im Schnitt über 350 Bikes ein neues Zuhause.
STATERA – Was steckt dahinter
Aus dem einstigen LinkRadQuadrat wurde im August 2022 schließlich Statera Bikes – ein Name, der auf Latein Gleichgewicht bedeutet und gleichzeitig als Markenarchitektur dient: STATE – für Rennrad & Gravel | STATERA – für City- & Trekking-Bikes | TERA – für Mountainbikes.
Ein Blick auf die Shop-Verteilung zeigt klar, wohin die Reise geht: 80 % des Sortiments sind E-Bikes, 10 % entfallen auf Rennräder, 5 % auf Pedal-MTBs und die restlichen 5 % auf klassische, nicht elektrifizierte Trekkingräder. Die Bikes werden zu 90 % online verkauft – der stationäre Anteil liegt bei rund 10 %. Die firmeneigene Marke LIQBike (gegründet 2015) ergänzt das Portfolio im City- und Trekkingbereich. Alle LIQBikes werden in Deutschland produziert – ein Bekenntnis zur Qualität und regionaler Fertigung. Im Zentrallager vor Ort stehen rund 8.000 Räder. Das Sortiment umfasst aktuell 15 Marken, darunter Schwergewichte wie Santa Cruz, Mondraker, Cube, Focus, BMC, Cervélo und Haibike, aber auch spannende Newcomer wie Desiknio oder Amflow.
Service wie im Autohaus
Während ich durch das moderne Firmengebäude geführt werde, verstehe ich schnell, dass hier jemand mit Erfahrung aus der Automobil-Branche am Werk ist. Viele Strukturen erinnern bewusst an Autohausstandards: Service-Annahme, Leasing-Angebote, Gebrauchtradsortiment und besonders die Neuradübergabe mit 30-minütiger Beratung sind nicht selbstverständlich in der Bike-Branche. Die eigens dafür eingerichtete, großzügig gestaltete Ladenfläche befindet sich im Erdgeschoss des Statera Bürogebäudes, gleich gegenüber dem großen Bikeshop auf der anderen Straßenseite. Während des Übergabetermins geht das Team noch einmal speziell auf Funktionen oder die Handhabung von bspw. Displays, Akkus oder Federelementen ein und stellt alles Nötige auf den Kunden ein, sodass er nach einer Probefahrt zufrieden nach Hause entlassen werden kann.
„Die Fahrradbranche hinkt etwa zehn Jahre hinter der Automobilwelt her“, sagt Peter. Deshalb adaptiert er gezielt erfolgreiche Konzepte aus seiner alten Branche – und trifft damit offensichtlich den Nerv der Zeit. Denn die Neuradübergabe muss er aktuell auf Ladenkunden begrenzen, Online-Kunden kommen nur in Ausnahmefällen in den Genuss eines individuellen Extra-Service vor Ort.
Die Kapazitätsgrenzen sind aktuell erreicht, denn 50 bis 80 Übergabetermine pro Tag wollen erst einmal bewältigt werden. Passende Mitarbeiter für den Standort zu finden, ist schwer für das Unternehmen. Dennoch kommt laut Peter jedem gekauften Bike das gleiche Programm zugute. Denn nach Auswahl und Kauf eines neuen Velos wird dieses aus der Originalverpackung befreit, montiert, probegefahren und wieder für den Versand verpackt. Dieser Prozess wird für alle Bikes – auch für die, die täglich über die Online-Theke gehen – durchgeführt.
Service und Werkstatt
Was in der Automobil-Branche längst Standard ist, grenzt Statera Bikes im Fahrradbereich wohl von einem Großteil anderer Bikeshops ab: Vor Ort findet man eine separate Service-Annahme, die direkt mit der Werkstatt verknüpft ist. Die Mitarbeiter dieser Abteilung kümmern sich ausschließlich um die Annahme von Service-Aufträgen und Kundenanliegen. Damit will man einem wachsenden Fokus auf individuelle After-Sales-Betreuung gerecht werden.
Zusammen zählt das Service- und Werkstattteam ganze zehn Mitarbeiter, während sich drei davon als Mechanikermeister bezeichnen dürfen. Mit dieser fachkundigen Werkstatt-Crew will man der hohen Auftragslage wie auch dem eigenen Service-Anspruch gerecht werden. Aktuell liegt die Auslastung des Teams bei einer dreiwöchigen Wartezeit für Werkstatttermine, was für den Kalendermonat Juni wohl als durchaus normal bezeichnet werden dürfte.
Second Chance – Gebrauchträder bei Statera
Nicht jedes Bike muss neu sein – in der Gebrauchtrad-Abteilung gibt Statera gut erhaltenen Bikes ein zweites Leben und Kunden eine preiswerte Alternative. Der Verkauf läuft unkompliziert über den Onlineshop. Alle gebrauchten Bikes werden geprüft, aufbereitet und mit 12 Monaten Gewährleistung verkauft. Ein echter Mehrwert für Schnäppchenjäger und Nachhaltigkeitsfans. Die Bikes können allesamt online begutachtet werden – wer will, kann aber auch im Showroom in Gengenbach vorbeischauen. Verantwortlich für diesen Bereich bei Statera ist Geschäftsleiter Pascal Hanke, der den Secondhand-Bikes – zusammen mit seinem Team – neues Leben einhaucht und damit Gebrauchtkunden glücklich macht.
Auch eine Inzahlungnahme ist möglich bei Statera: Denn wer sein altes Bike loswerden will, bringt dieses einfach vorbei oder schickt ein paar Fotos und Infos per Mail – das Team macht daraufhin ein Angebot, auch ganz ohne Vor-Ort-Termin.
Community & Kundenbindung
Trotz – oder gerade wegen – des Online-Fokus legt man bei Statera großen Wert auf Kundenbindung. Der Social-Media-Auftritt ist engagiert, es gibt ein firmeneigenes Bikefestival sowie den monatlichen Bergfest Ride. Die persönliche Beratung steht laut Gründer Peter dabei trotz Skalierung immer noch im Zentrum der Firmenphilosophie. Er ist davon überzeugt, dass Service immer wichtiger wird, nicht nur als Notwendigkeit, sondern als Differenzierungsmerkmal. Das Ziel: Begeisterung aufbauen, Beziehung erhalten.
Während meines Hausbesuchs bei Statera fand der eben erwähnte monatliche Bergfest Ride statt, bei dem an ausgewählten Terminen große Bikemarken mit Testbikes im Gepäck anreisen. Trotz des eher verhaltenen Wetters machten sich einige Mountainbike-Verrückte auf den Weg zum Statera-Hauptquartier, um die vorreservierten Bikes von Santa Cruz über vom Regen aufgeweichte Böden zu scheuchen. Solche im Sommer monatlich durchgeführten Events stärken die Bindung zwischen Kunden und Shop-Team, denn ein Großteil der Kernmannschaft in Gengenbach kann als leidenschaftliche Biker bezeichnet werden – die einfach Bock haben, zusammen mit ihren Kunden und Freunden biken zu gehen.
Unschwer kann man das auch am darauffolgenden BBQ erkennen, bei dem gemütliches Beisammensein durch Grillgut, Bier und ausführlichen Tech Talk zelebriert wird.
Was bringt die Zukunft für die Vertriebsprofis aus Gengenbach?
Der Besuch bei Statera Bikes war nicht nur spannend und spaßig, sondern hat auch gezeigt, wie viel Potenzial in der Verbindung aus Leidenschaft, Digitalisierung und Kundenfokus steckt. Peter Litterst und sein 65-köpfiges Team beweisen, dass in einem verschlafenen Städtchen wie Gengenbach durchdachte und originelle Strategien ihren Ursprung finden können. In die Zukunft schaut Peter Litterst mit Freude, denn der nächste Meilenstein ist bereits gelegt und eine weitere Immobilie akquiriert – mit dem Ziel, das Geschäft weiter auszubauen. Wir sind gespannt, was die Zukunft so in petto hat für das sympathische Team aus Gengenbach.
Interessant? Hier findest du weitere Hausbesuche und Blicke hinter die Kulissen bei zahlreichen Unternehmen der Bikebranche. Die fünf letzten Hausbesuche:
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73 Kommentare
» Alle Kommentare im Forum2016 hab ich mir ein gut reduziertes Focus bei Linkradquadrat bestellt (damals schon sensationelle Angebote).
Die haben das bei mir typische "ja nein vielleicht zu groß zu klein" inklusive einer Retoure ohne jedes Murren mitgemacht.
Als ich Anfang 2025 dann gecheckt habe, dass Statera das ehemalige Linkradquadrat ist, war mir klar, dass ich da ohne Bedenken ein 5010 ordern kann.
Auch dieses Mal haben sie das "ja nein vielleicht" nicht negativ kommentiert. 😉
Mal gucken wie es mit der aktuellen Reklamation läuft. Bin aber frohen Mutes.
Dass die Bremse beim Verpacken funktioniert und dann, nach weiß der Geier in welchen Lagen der Karton durchgerüttelt wird, keinen Druckpunkt mehr hat, kann eigentlich erwartet werden. Selbiges wenn der Zug der Sattelstütze dem gewünschten Auszug entsprechend nachgeschoben werden muss.
Wenn ich keine Ahnung hab, wie ich ne Schaltung einstelle, würde ICH mir auch dreimal überlegen, ob ich beim Onlineshopping richtig bin. Aber hey, hier ist Internet und da kann ja jeder machen, was er will.
Meine Freundin hat sich das Rad dort bestellt, da ihre Rahmengröße beim Händler vor Ort nicht verfügbar war. Auch wenn sie am Rad schon viele Dinge selbst macht, wäre sie nicht in der Lage gewesen, die benannten Themen eigenständig zu fixen. Der Zug der Sattelstütze musste nicht nachgeschoben werden. Er war am Pin falsch eingehängt, so dass die Stütze weder in Position blieb, noch sich bedienen ließ. Das ist kein Fehler, der in Folge des Transports zustande kommt. Schaltung und Sattelstütze haben sich ja auch schnell beheben lassen. Trotzdem müsste sowas auffallen, wenn man im Check-Up Bericht was von Probefahrt schreibt?!
Was deine Aussage zum Thema Durchrütteln betrifft: Da hat man sich wohl eher wenig Mühe beim Entlüften gegeben oder hatte keine Ahnung davon, dass die Maven etwas mehr Aufwand als eine Shimano Bremse braucht? Was soll denn mit dem Rad beim Transport passiert sein, dass eine neue Bremse Luft zieht? Entlüftest du etwa nach jedem Downhill deine Bremsen oder musst die Schaltung neu einstellen, weil das Rad durchgerüttelt wurde???
Was die Bremse betrifft, so fahre ich an meinen Bikes andere Bremsen und habe für die Maven weder das passende Mineralöl noch das Entlüftungskit vor Ort. Das Set kostet um die 70,00€ und eigentlich wäre sie am Wochenende gerne mit dem neuen Rad gefahren. Wie gesagt, ich habe schon einige Versenderbikes mit ausgepackt, die vollkommen funktionstüchtig waren und einem hohen Anspruch genügten. Wenn man sich das dreimal überlegen müsste, hätte sich das Konzept Online-Handel wohl nicht so durchgesetzt. Klar, kann ich fast alle Sachen selbst fixen und bau mir auch lieber einen Rahmen von Grund auf selbst auf. Bei Bikes mit Motor geht das aber kaum und nicht jeder muss das können. Wie du sagst: Jeder wie er mag!
Kann erwartet werden, wenn sie nicht anständig entlüftet ist. Die Bremse ist ein geschlossenes System.
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