Seit Monaten beschäftigt uns die 2-Meter-Regel in Baden-Württemberg und es sind bereits viele gute Argumente gegen die Regel vorgebracht worden, doch der Petitionsausschuss des Landes lehnt eine Änderung an der Regel ab. Häufig kommt in verfahrene Diskussionen wie diese Bewegung, wenn die Verantwortlichen realisieren, dass ihre Untätigkeit basierend auf einer Fehleinschätzung der Lage zu wirtschaftlichen Problemen führt. Für den Schwarzwald als touristisch gut aufgestellte Region kann es kaum egal sein, wenn ein wichtiger Teil an Besuchern aufgrund einer ausgeprägten Verbotskultur plötzlich wegbleibt. Wie sehr der Schwarzwald unter der 2-Meter-Regel leidet, haben wir in einer Umfrage mit 3.625 Antworten hinterfragt.


# Die 2-Meter-Regel schadet dem Schwarzwald

Schadet die 2-Meter-Regel dem Tourismus?

Für viele Bike-Touristen ist der Schwarzwald als gut erreichbare und vielseitige Region ein beliebtes Urlaubsziel, das nicht nur in den großen Ferien, sondern durchaus auch für ein Wochenende angefahren wird. Malerische Landschaften, liebliche Städte und eine gute Infrastruktur sind an sich Grund genug, um hier die Natur und sein Hobby zu genießen.

Doch durch die bestehende 2-Meter-Regel in Baden-Württemberg, die Mountainbikern das Befahren von Wegen unter 2 Metern Breite untersagt, kriminalisiert die Sportler. Ob Familie mit Kindern, Jugendgruppe oder Renterausfahrt – sie alle begehen in Baden-Württemberg regelmäßig und häufig ohne Vorsatz zum Glück nur selten geahndete Verstöße gegen das Landeswaldgesetz.

Trotz dieser besucherfeindlichen Rechtslage hat in der Vergangenheit der Schwarzwald häufig Wahlen zum besten Bike-Revier der diversen Print-Magazine für sich entscheiden können, wie beispielsweise die Stuttgarter Zeitung in einem Artikel anführt. Doch ist das auch nach der Diskussion um die 2-Meter-Regel und die breite Öffentlichkeit gegen diese unglückliche Regelung so?

Im Protokoll zur Anhörung zur 2-Meter-Regel im Landtag zeigt sich, dass sich die Verantwortlichen im Tourismusverband relativ sicher fühlen. Während man wahrnehme, dass die Presse schlecht über das „Ländle“ und den „Schwarzwald als Bike-Revier“ berichtet, beruft man sich auf die teils veralteten Umfragen der Printmedien und deutet sie als die Realität, in der kein Imageschaden entstanden zu sein scheint. Die von MTB-News, der größten Mountainbike-Plattform in Europa, über das vergangene Wochenende durchgeführte Umfrage mit über 3.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern deutet jedoch in eine andere Richtung:


# Umfrageergebnis – Der Imageschaden durch 2-Meter-Regel in Baden-Württemberg

Touristen meiden wegen 2-Meter-Regel den Schwarzwald66% oder 2.377 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stimmen der Aussage zu, dass sie aufgrund der Beibehaltung der 2-Meter-Regel den Schwarzwald meiden und auf andere Regionen ausweichen, die mehr zu bieten haben. Diese erdrückende Mehrzeit belegt die Annahme, dass es den Bikern keineswegs egal ist, ob sie ihren Sport legal oder illegal ausüben. Diese Erkenntnis wird weiter dadurch unterstützt, dass 15% (552 Stimmen) der Teilnehmer sich als einheimische Biker zu erkennen geben und festhalten, dass sie selbst weiterhin die illegalen Wege befahren werden, aber keinem empfehlen, im Schwarzwald mit dem Mountainbike Urlaub zu machen.

Weitere gut 20% der Stimmen entfallen auf die Statements, dass man die 2-Meter-Regel geflissentlich ignorieren sollte, während nur rund 1% der Stimmen (24) der Meinung ist, dass das legale Streckenangebot im Schwarzwald ausreichend und nach wie vor interessant sei. Deutlicher kann das Votum gegen den Schwarzwald als Bike-Region kaum ausfallen: Von 3.625 Teilnehmerinnen und Teilnehmern halten nur 24 das im Rahmen der 2-Meter-Regel erlaubte Angebot für ausreichend, während 672 die Regel ignorieren und trotzdem fahren und 2.929 den Schwarzwald aufgrund der Regel meiden würden.

Bestätigt wird diese Umfrage unter Anderem dann, wenn man beobachtet, wie beispielsweise auf der Seite des Schwarzwaldtourismus das Thema Mountainbiken diskutiert wird. In der hier verlinkten Diskussion zur 2-Meter-Regel auf Facebook entlädt sich der aufgestaute Frust der Biker über die unnachgiebig sture Haltung der Behörden im Land. Wer sich alle mehr oder minder entgleisten Antworten der Seite „Die offiziellen Schwarzwald-Seiten“ durchlesen will, sollte sich die Diskussion in voller Länge zu Gemüte führen.

Die verzögerte Reaktion des Tourismus Schwarzwald deutet dann jedoch an, dass man den Fehler realisiert und so langsam die Felle davon schwimmen sieht.

So erhärtet sich der in der Umfrage aufgezeigte Verdacht, dass viele nicht mehr gewillt sind, den Schwarzwald zum Biken anzusteuern. Besonders deutlich wird das in Bad Wildbad, wo zwar der Bike-Park für nationale und internationale Rennen gefördert wird, doch die gewöhnlichen Trails mit vereinten Kräften durch gefällte Bäume und andere Hindernisse blockiert werden.

Mountainbiken also nur noch auf Forstwegen?

Wer sich an die 2-Meter-Regel in Baden-Württemberg hält, der kann selbstverständlich mit den vielen Forstwegen des Schwarzwaldes Vorlieb nehmen. Wie attraktiv das jedoch für Mountainbike-Touristen ist, sei an dieser Stelle dahin gestellt. Als das Printmagazin „MountainBike“ zu Beginn dieser Woche sein neues Heft auf Facebook vorstellt, schlagen die Wellen in dem sozialen Medium hoch: Auf dem Cover feinster Singletrail, doch im Inneren des Heftes ein Bericht über den Schwarzwald als Bike-Revier – ohne ein Wort zur 2-Meter-Regel.

Facebook-Benutzer „Mar Thin“ merkt daraufhin an:

Liebes Redaktionsteam. Beim Thema Schwarzwald falle ich ja fast vom Glauben ab. Kein Wort davon, dass es in Baden-Württemberg gesetzlich verboten ist, Trails schmäler als 2 Meter zu befahren. Entsprechend sehen die von Euch vorgestellten Touren auch aus, die nahezu Ausnahmslos mit dem Trekkingrad befahrbar sind. Die erlebte Wirklichkeit doch ganz anders aus. Beispiel Bad Wildbad, wer nicht in der Gravity-Fraktion protektorenbepackt im Bikepark unterwegs sein möchte, sondern schöne Touren mit Trails fahren möchte, sieht sich der kompletten Aussperrung gegenüber. Nahezu alle Trails um Bad Wildbad wurden vom Forst in Abstimmung mit der Gemeinde im Abstand von 50m mit querliegenden Bäumen zugepflastert. Insbesonders für die örtlichen Mountainbiker eine absolute Zumutung. Auch sonst gibt sich der Tourismus nicht sonderlich viel Mühe, an der Abschaffung dieser in Deutschland einmaligen Diskriminierung von Bikern mitzuwirken. Ich finde es dramatisch, wenn ein renomiertes MTB-Magazin knapp 60.000 Biker in Deutschland ignoriert, die sich im Rahmen der Petition für eine Abschaffung der 2-Meter-Regel ausgesprochen haben und hier die heile Welte des Schwarzwald-Tourismus (der natürlich gerne die ein oder andere Anzeige schaltet) lanciert. Pfui!

Die Antwort der MountainBIKE darauf:

Uns ist bewusst, dass aufgrund der 2-Meter-Regel in Baden-Württemberg viele Singletrails für Biker laut Gesetz verboten sind. Aber Biker haben leider in vielen Revieren noch immer mit Verboten zu kämpfen. Wir sind der Meinung, dass ein gegenseitiger respektvoller Umgang miteinander die meisten Konflikte bereits im Keim erstickt. Trotz der 2-Meter-Regelung ist der Schwarzwald schon mehrmals von unseren Lesern als schönstes Bike-Revier Deutschlands gewählt worden – allein schon wegen der genialen Landschaft. Genau deshalb wollen wir euch das Revier im aktuellen Heft seit langer Zeit mal wieder präsentieren. Ihr könnt euch aber auch sicher sein, dass wir – wie schon in der Vergangenheit und wie auch im aktuellen Heft – auch in Zukunft weiter über den Stand in Sachen 2-Meter-Regel informieren und uns für die Abschaffung dieser unsinnigen Gesetzes-Passage einsetzen werden. Und hoffentlich können wir euch dann in einem zukünftigen Heft noch mehr Singletrail-Tourentipps für den Schwarzwald präsentieren.

Diese Antwort zeigt, wie wichtig eine breite und einstimmige Berichterstattung im Hinblick auf die 2-Meter-Regel ist. Mit der jüngsten Umfrage, die explizit auch die Sicht von nicht-einheimischen Mountainbikern einbezieht, zeigt MTB-News deutlich, dass die 2-Meter-Regel definitiv der Attraktivität des Schwarzwaldes als Mountainbike-Region abträglich ist. Für das Tourismusgewerbe im Land könnte das – trotz reduzierten Steuersätzen für Hoteliers – schneller als erwartet zu einem handfesten Problem werden. In diesem Sinne rufen wir verstärkt dazu auf, sich deutlich gegen die 2-Meter-Regel einzusetzen und nicht die Augen zu verschließen: Ob ungeahndet oder nicht – keiner will bei der Ausübung seines umweltfreundlichen und gesundheitsfördernden Sports kriminalisiert werden. Wie es anders geht, zeigen unzählige andere Beispiele im näheren und ferneren Umfeld. Es ist an der Zeit, über das Ländle hinaus zu blicken.

  1. benutzerbild

    crossboss

    dabei seit 03/2012

    Vielleicht mögen sich interessierte Mitbike, Wanderfreunde, Förster und Naturschutzbehördenleute , die hier mitlesen mal darüber informieren, wie man freundlich zusammen kommen könnte. Es gibt gute Beispiele, wo was zusammen geht , obwohl es da früher den gleichen Krieg im Wald gab und teilweise heute noch gibt.:bier:

    So geht es in nordeutschen Mittelgeirgs Gebieten, wie dem Deister vor Hannover zumindest teilweise auch mal pro MTB vorwärts.......da kann man von lernen. Ich fahre da regelmässig hin und werde bei den Deisterfreunden gerade Mitglied:)

    http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Der-Deister-baut-auf-Mountainbiker
  2. Anzeige

  3. benutzerbild

    freigeist

    dabei seit 05/2004

    das kann einfach nicht echt sein...
    :lol:
  4. benutzerbild

    Pig-Mint

    dabei seit 01/2007

    dragonjackson
    Ach, weil ich dich noch nicht auf Igno gesetzt hab: du hast schon die Kommentare dadrunter gelesen? Wer sich denn damit identifiziert und wer das verurteilt? Du pauschalisierst gerne, oder?
    Hat mit "pauschalisieren" rein gar nichts zu tun. Solche Beispiele sind es leider immer wieder, die den Mountainbiker in ein schlechtes Licht rückt. Die Kommentare decken sich hier 1:1 mit der für Viele hier nicht akzeptierten Wahrheit.
    Es wird an der Zeit, die rosarote Sonnenbrille abzunehmen und die Scheuklappen abzusetzen um nicht immer nur das zu sehen was man sehen will.
    Gerne darfst Du mich auf Ignore setzen, beweist aber für mich erneut, dass alles Ungewünsche ausgeblendet wird (rosarote Sonnenbrille, Scheuklappen, Tellerrand usw.)

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