2010 geht die Suche nach ihr in eine neue Runde, deshalb hier einmal eine kleine Abhandlung der Thematik.
Befragt man Wikipedia danach, was diese Wollmilchsau denn sei, so liefert es diese Definition:
„Die eierlegende Wollmilchsau ist eine metaphorisch-idiomatische Bezeichnung für etwas, das so überspitzt nützlich und unrealisierbar sei, wie es ein Nutztier wäre, welches die Fähigkeiten einer Kuh (Milch geben), eines Schafs (Wolle produzieren), eines Huhns (Eier legen) und den Nutzen eines Schweins (Fleisch) in sich vereint.“
Ich übertrage das ganze jetzt mal ganz frei auf den Bike-Bereich, dann ergibt sich folgendes:
Die eierlegende Wollmilchsau ist eine metaphorisch-idiomatische Bezeichnung für ein Mountainbike, welches die Fähigkeiten eines Downhillbikes (Laufruhe und Sicherheit bergab), eines CC-Rades (Schnelligkeit auf gemäßigteren Wegen, insbesondere bergauf), eines Rennrades (Schnell auf Asphalt) und eines Freeriders (Handlich, enorm springbar) in sich vereint.
Ganz genau dieses Fahrrad versuchen einige Hersteller seit Jahren zu bauen, die Industrie findet immer neue Namen für die Kategorie Bike, die das beste aus allen Welten beinhalten soll: Angefangen vom Enduro über das AllMountain-Bike hin zu Enduro-Light, Freeride-Light, All-X-Country, Super-All-Mountain oder dergleichen mehr oder weniger sinnvoller Namensgebungen.
Anhand von zwei Beispielen möchte ich zeigen, was bei dieser Entwicklung am Ende herauskommt. Die 2008er und 2010er Modell von Treks Remedy und Specializeds Enduro. Interessant dabei, dass diese beiden Hersteller den gleichen Schritt in der umgekehrten Reihenfolge machen:
Wir schreiben das Jahr 2008, SeaOtter: Am Stand von Trek präsentiert man das brandneue Remedy – zu gleichen Teilen Bergauf und Bergab, Downhill, Freeride, lange Uphills, 160mm Federweg vorne und hinten – laut Trek gehört auch der Bikepark zum Einsatzgebiet, inklusive Drops. Und all das bei unter 3kg Rahmengewicht, inklusive Dämpfer und Alurahmen! Ansage: Spaßbike, kann alles.
Wenig weiter, am Stand von Specialized: Neues Enduro, Carbonrahmen, 15cm Federweg vorne und hinten, unter 12kg – Sensation! ABER: Kein Bikepark, ein Trailbike mit gemäßigten Winkeln. Ansage: Kann nicht alles.
Knapp zwei Jahre später, Eurobike 2009: Am Stand von Trek ein neues Remedy, Carbonrahmen, 15cm Federweg vorne und hinten, unter 12kg – Sensation! Ansage: Kann nicht alles, für Freeride(-Light) gibt es neuerdings das Scratch. Und somit wieder zwei Bikes statt dem einen.
Bei Specialized hingegen: Neues Enduro, 16cm Federweg vorne und hinten, zu gleichen Teilen Bergauf und Bergab, Downhill, Freeride, lange Uphills, 160mm Federweg vorne und hinten – laut Specialized gehört auch der Bikepark zum Einsatzgebiet, inklusive Drops. Und all das bei unter 3kg Rahmengewicht, inklusive Dämpfer und wahlweise Carbon- oder Alurahmen! Ansage: Spaßbike, kann alles.
Dicke Steuerrohre haben sie beide… nur was daraus resultiert, das unterscheidet sich nicht unerheblich!
Was soll man dazu sagen?
Das Enduro von 2008 war ein mittelmäßiger Erfolg, was an übermäßiger Systemintegration und nicht nutzbaren 15cm Federweg gelegen haben mag. Das Remedy war ein absoluter Erfolg, auch wenn wohl mancher Rahmen gebrochen sein soll.
Insofern ist der Schritt von Specialized völlig verständlich, der von Trek aus meiner Sicht nur teilweise. Die Bikes, die 2010 um den Titel der eierlegenden Wollmilchsau kämpfen, kämpfen gar nicht gegeneinander! Das Remedy hat mal eben die Kategorie gewechselt, ebenso das Enduro. Dabei wird klar, dass es wohl nie eine einzige eierlegende Wollmilchsau geben wird (Die Definition sagt es ja schon), da jeder seinen Fokus doch anders legt. Ich persönlich vermisse das alte Remedy (Neues Scratch zu dick, neues Remedy zu dünn) und vermisse das alte Enduro nicht, aber das kann jeder für sich entscheiden.
Bleibt nur die Frage, wie heißt denn die Kategorie, in der die Bikes kämpfen? Super Cross Country? All-Mountain? Freeride-Light?
Meiner Meinung nach würde es eine einfache Bezeichnung auch tun: Mountainbike.
Die Erkenntnis des Ganzen? Eine eierlegende Wollmilchsau kann alles ein bisschen – legt sich deshalb aber manchmal auch selbst ein Ei. Die beiden Bikes, die beide alles können wollen und sollen, fahren komplett unterschiedlich: Das Remedy ein Trailbike, dessen Fahrwerk sich nicht übermäßig potent anfühlt, dafür ist es leicht und schnell, solange das Gelände gemäßigt wird. Das Enduro hingegen ein Spaßbike, dessen kompakte Geometrie zum Springen animiert, zum Spielen im gerne auch gröberen Gelände, ohne zu schwer für längere Touren zu werden.
Dieser Unterschied offenbart sich auch in der Ausstattung: 32mm vs. 36mm Gabel, 3 vs. 2 Kettenblätter, … Nun ist es am Kunden, zu entscheiden, was er will.






480 Kommentare
» Alle Kommentare im Forumdu als materialfahrer kennst dich halt aus
Nein nein ich hab eine Sram PG950 am Bike. Die wiegt um die 340 gramm. Ich würde doch nichts wegen 50gramm tauschen
und zurück zum thema...
probier mal ein santa cruz nomad, geht unter 13,5 kg und schont die nerven beim bergab, nur nicht den geldbeutel. war aber bei meinen probefahrten das bike das mir am meisten spass bereitet hat, (getestet hab ich spec. enduro, trek remedy 09, norco fluid)
ach ja, eier hat mir keins gelegt, vielleicht mach ich was falsch..
alter schwede, was n geiles helius!
ist n xl rahmen, oder?
mit wieviel druck fährst denn du den dämpfer? hab mal irgendwo gelesen, dass der dhx bei zu viel n bisl unsensibel werden soll - ist dir das aufgefallen?
ist hier eventuell ein anderer schwergewichtler am mitlesen und kann generell was über luftdämpfer sagen? wie macht sich denn der dhx wenn da n brocken drauf sitzt?
wie ist denn der helius bzgl antriebseinflüsse? spürbar?
kommst du beim bergauffahren wenn du den sattel ganz draussen hast gut zurecht - wie weit rutsch denn da der körperschwerpunkt nach hinten? bäumt das ding dann auf oder geht das mit der absenkbaren gabel in ordnung?
bin selber auch 1,98m gross, hab auch irgendwo um die 95kg, hab n reign-x mit ner durchschnittlich hoch gebauten front, ohne absenkbare gabel und ner 400er stütze. da sitze ich am ende schon recht weit hinten, was das ding beim bergauffahren wenn mittelgrößere brocken kommen recht fix bockig macht.
ach und auchh von mir nochmal am rande: finde diese kommentare wenn sich so 60 kilo handtücher über überdimensionierte scheiben auslassen auch immer wieder amüsant!
hätte ne richtig schön in allen blaunuancen leuchtende 180er scheibe anzubieten... interessenten sollen sich melden!
aber nochmal zum helius zurück...
Spar Dir doch solche Kommentare!
Ich könnte ja auch behaupten, dass blaue Bremsscheiben schlicht und einfach durch falsches Bremsen entstehen.
Brauche ja nur auf der Autobahn an die Mehrheit denken, die auch noch nie etwas vom richtigen Bremseinsatz gehört haben; denen sollte man übrigens die Bremslichter abklemmen.
Ich bin auf jeden Fall dankbar, dass ich nicht fast zwei Meter groß bin und knapp 100 Kg wiege. Ich hätte sonst auf so viele Sportarten verzichten müssen!!
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