Wir konnten das neue Cube Two15 29 bereits einige Monate vor der offiziellen Vorstellung in die Finger bekommen. Während des Tests sind wir auch mehrere internationale Downhill-Rennen gefahren, um das 29er auf Herz und Nieren zu testen. - Das Two15 29 bietet 200 mm Federweg an Front und Heck und ist in zwei Ausstattungsvarianten für 2.499 € bis 3.799 € (UVP) zu haben. Unser Testbike war ein Custom-Aufbau basierend auf dem 1.599 € (UVP) teuren Rahmenset in Team-Lackierung.
Nachträgliche Geometrieanpassungen am Two15 hat Cube nicht vorgesehen. Das durchgehende 1,5" Steuerrohr ermöglicht es allerdings, ein Angleset zu verbauen. - Die Geometrie fällt zwar nach modernen Maßstäben schon fast konservativ aus, fühlt sich allerdings so ausgewogen an, dass wir auf Änderungen getrost verzichten konnten.
Während einige der frühen 29" Prototypen im Downhill-Bereich auf Federweg verzichten mussten, verfügt die Fox 49 Factory-Federgabel in unserem Testbike über satte 200 mm Federweg.
Im Vergleich zur regulären Fox 40 für 27,5" Laufräder empfiehlt der Hersteller, beim 29" Modell einen Token mehr in die Luftkammer zu installieren, um das vergrößerte Volumen des längeren Standrohrs zu kompensieren.
Wie die meisten neuen Downhill-Federgabel setzt auch die Fox 49 auf das neue Boost-Maß - dieses nutzt weiterhin auf eine 20 x 100 mm Achse. Allerdings befindet sich die Bremsscheibe 5 mm weiter außen. Dies kann notfalls durch einen Spacer kompensiert werden.
Im Heck arbeitet ein Fox Float X2-Luftdämpfer, der im Gegensatz zur 650b-Version 200 mm statt 215 mm Federweg generiert - alternativ ist das Einsteiger-Modell mit einem Fox Van-Stahlfederdämpfer zu haben, der gut zur Kennlinie des Hinterbaus passt.
Ein Carbon-Schutzblech bewahrt den Dämpfer vor Stein- und Matschbeschuss - durch die Lücke passen gerade so die Inbus-Schlüssel zum Verstellen der Dämpfung. Das Schutzblech kann manchmal leicht verrutschen, blieb insgesamt aber immer an Ort und Stelle und hält den meisten Dreck fern.
Unser Testbike war mit Magura MT7-Downhillbremsen mit kurzen Hebeln ausgestattet.
Die wuchtigen Bremssättel mit vier Kolben liefern viel Power - dennoch hätten wir hinten lieber eine 200 mm Bremsscheibe gesehen, statt der standardmäßig verbauten 180 mm Scheibe.
Das Cockpit besteht aus einem Race Face Sixc Carbon-Lenker, den wir auf 780 mm Breite gekürzt haben, und einem 50 mm langen Race Face Atlas DM-Vorbau.
Race Face stellt ebenfalls die leichten Sixc Carbon-Kurbeln in 165 mm Länge.
Geschaltet wird an unserem Cube Two15 29-Testbike mit der bekannten SRAM X01 DH-Schaltung mit sieben Gängen.
Das Cube rollt auf DT Swiss 240s Naben …
… und FR1950-Felgen mit Schwalbe Magic Mary-Reifen.
Die Anbindung des Hinterbaus an den lang gezogenen Link wurde deutlich versteift - trotz 29" Hinterrad und dicken Reifen ist zudem noch jede Menge Platz für Schlamm.
Die kleinen Schraubenköpfe lassen die Lagerpunkte geradezu winzig wirken, dahinter verbergen sich allerdings pro Seite zwei deutlich größere Kugellager - beim Innenlager setzt Cube auf den Pressfit-Standard.
Tatsächlich ziemlich klein fällt der Lagerpunkt in der Kettenstrebe aus.
Alle Kabel und Leitungen wandern in das Unterrohr. Leider sind die Gummi-Pfropfen an den Ein- und Ausgängen etwas weich und verschieben sich schnell - zudem neigen die Kabel dazu, im Inneren zu klappern.
Vor dem Dämpfer treten die Leitungen aus dem Unterrohr aus …
… und wandern wieder in die Kettenstreben. Insbesondere bei der Bremsleitung ist dieser Weg extrem kurz.
Wir sind direkt ins kalte Wasser gesprungen und haben das Cube Two15 29" beim iXS Downhill Cup auf der extrem schnellen und ruppigen Strecke am Klinovec das erste Mal ausprobiert. - Die großen Laufräder sind für solche Verhältnisse wie geschaffen, nehmen auf schnellen Passagen viel Geschwindigkeit mit und schonen Hände und Füße in besonders ausgebremsten Sektionen.
Klassische Bikepark-Kurven sind kein Problem mit dem Cube Two15 - mit 15,6 kg ist das Bike sehr leicht und fühlt sich durch die nicht zu extreme Geometrie vergleichsweise handlich an. Es benötigt lediglich etwas mehr Kraft, um es in die Kurve zulegen – ansonsten folgt es jedem Lenkimpuls sehr willig.
Wenn man zu langsam ist, muss man eben ordentlich am Lenker ziehen. Das geht dank des aktiven Fahrwerks mit dem Cube Two15 29 ziemlich gut. - Mit ausreichend installierten Tokens im Dämpfer bietet dieser eine sehr gute Progression und rauscht auch bei verpatzten Landungen nicht durch den Federweg. Zudem helfen die großen Laufräder, ruppige Landungen glatt zu bügeln und sorgen so für Kontrolle und Sicherheit.
Zu Testzwecken sind wir das Cube beim extrem harten iXS EDC in Spicak einen Tag lang mit einen Öhlins TTX22-Stahlfederdämpfer gefahren …
… dieser sorgt auf der anstrengenden und mit Steinen gespickten Strecke für etwas mehr Komfort, bietet dafür aber nicht ganz die Endprogression des Luftdämpfers. Je nach Strecke ist ein solcher Stahlfederdämpfer jedoch eine Alternative.
Wer nur auf glatte Freeride-Strecken und fette Whips steht, der wird mit einem 27,5" Bike glücklicher werden - mit etwas Mühe und einem Sprung, der sich besser dafür eignet, lässt sich das leichte Cube Two15 29 jedoch durchaus quer legen.
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29" oder 27,5"? Es kommt wie so oft auf die Größe drauf an. Große Fahrer, die gerne in hartem Downhill-Gelände unterwegs sind, belohnt das Cube Two15 29 mit viel Laufruhe und Sicherheit - selbst auf extrem verblockten und engen Strecken konnten wir mit dem wendigeren 27,5" Bike keinen Vorsprung herausfahren.
Ob 29" Laufräder das richtige für einen sind, hängt vor allem von zwei Dingen ab: Ist man groß genug und was fährt man am liebsten?
Ist der Hinterbau voll eingefedert, sind nur wenige Millimeter Platz zwischen der Sattelstütze und der Brücke - und auch das Hinterrad kommt ganz schön weit hoch und kann Fahrer mit kurzen Beinen unangenehm überraschen.
Das Cube Two15 29 zeigt, dass 29" Downhill-Bikes auch bei Geschwindigkeiten, die weit unter denen eines World Cup-Profis liegen, spaßig und effizient sein können. - Dank des aktiven Fahrwerks macht es nicht nur im harten Renneinsatz, sondern auch bei dem ein oder anderen Bikepark-Besuch Laune! In wirklich hartem Gelände würden wir uns lediglich einen etwas komfortableren Hinterbau und eine bessere Geräuschdämmung wünschen.