Downhill World Cup – Les Gets
Les Gets – jedes Jahr vermutlich das Rennen, auf das ich mich am meisten freue. Gemeinsam mit Leogang allerdings, wobei mit Leogang bei mir immer extrem viel Druck verbunden ist, während auf Les Gets einfach Vorfreude herrscht. Die Strecke ist immer geil, die Fans und Zuschauer sind die besten im ganzen Jahr – es ist das Schladminger Night-Race (legendärer Ski-Slalom-World Cup, Anm. d. Red.) des Downhill World Cups. Da die Saison bisher nicht nach meinen Vorstellungen verlaufen ist, war die Vorfreude natürlich umso größer, hier endlich die Wende zu schaffen und ein ordentliches Resultat abzuliefern.
Die Strecke hat sich dann als richtig gut herausgestellt, mit 60–70 % neu gesteckten Segmenten auf frischem Waldboden. Das hat mich überrascht, da sehr schlechtes Wetter vorausgesagt war und frischer Boden das immer noch schwieriger macht. Die Strecke wurde aber gut gesteckt – mit vielen Offcamber-Segmenten, die sich aber alle als gut fahrbar herausgestellt haben. Im ersten Training war es wirklich schwer, doch ich habe gut ins Fahren reingefunden, hatte viel Spaß und habe versucht, möglichst abseits der Mainline zu fahren und stattdessen einfach die großen Stollen der Continental Hydrotal carven zu lassen.
Im Timed Training war ich direkt gut unterwegs und hatte bis zur 3. Split ordentlich Vorsprung auf die Bestzeit – dann musste ich jedoch wegen einer roten Flagge anhalten. Als ich weiterfahren konnte, war ich trotzdem noch um den 10. Platz herum positioniert. Der erste Trainingstag war also direkt mega cool, ich habe mich wohlgefühlt, Spaß gehabt und mich auf den nächsten Tag gefreut.
Qualifikation
Der Quali-Tag lief eher mittelmäßig: Die Strecke ist etwas abgetrocknet, wodurch die frischen Sektionen ohne eingefahrene Anlieger extrem schwierig wurden. Im Training hatte ich Probleme, es frei laufen zu lassen, da meine Linien vom Vortag nicht mehr richtig funktioniert hatten, wodurch ich in den tiefen Ruts fahren musste. Auch in der Quali haben sich diese Probleme fortgesetzt – ich war sehr verkrampft und hatte dadurch schon nach etwa 40 s Fahrzeit Armpump. Ich habe einfach viel zu sehr gekämpft, das Rad um die Kurven herumzudrücken, obwohl ich das Gegenteil hätte machen und das Rad einfach hätte fahren lassen sollen.
Dadurch war der ganze Lauf von oben bis unten eine Katastrophe: Ich habe nur gekämpft und extrem viel Energie verschwendet. Zum Glück habe ich mich trotzdem bereits im Q1-Lauf als 16. qualifiziert – mit großem Rückstand, aber ich war einfach happy, im Finale zu sein. Außerdem wusste ich, was ich anders machen muss und habe noch einen Trackwalk absolviert. Dabei konnte ich Max Hartenstern zuschauen, wie er in Q2 Jackson Goldstone & Co. in Grund und Boden gefahren und mit 7 s Vorsprung die Bestzeit aufgestellt hat. Das war ziemlich cool zum Ansehen.
Selbst habe ich noch einige coole Linien gefunden und mich sehr darauf konzentriert, „outside of the box“ zu denken. Es gab etwa eine Inside-Line, die noch Remi Thirion gefahren ist und sonst niemand – bei der ich wusste, dass ich das am Finaltag machen muss, wenn ich noch etwas reißen will. Insgesamt habe ich gemerkt, dass ich recht kreativ bin und hatte beim Trackwalk direkt das Gefühl, dass der Finaltag gut werden würde.
Finale
Hier hatte ich eine starke Inside-Line, die fast niemand gefahren ist und habe viel Zeit gut machen können.
Beim Training am Finaltag kam erneut Regen auf und es waren wieder einmal richtig schwere Bedingungen. Mir hat es aber wieder richtig Spaß gemacht und ich konnte es gut laufen lassen. Außerdem habe ich wieder die Hydrotal-Matschreifen draufgehabt. Ich hatte kurz die Überlegung, gecuttete Reifen zu fahren, bin aber dabei geblieben. Dazu gab’s mit 22 psi vorn und 27 psi hinten einen sehr niedrigen Luftdruck. Obendrein haben wir die Zusatzgewichte vom Rad abgenommen und Lamellen am Unterrohr befestigt, damit der Schlamm weniger darauf klebt.
Vor meinem Rennlauf war ich super gut drauf – schon im Training haben die Fans für eine mega Stimmung an der Strecke gesorgt. Außerdem war ein Teil meiner Familie vor Ort. Der Final-Lauf war von oben weg richtig gut! Die ersten paar Kurven liefen super und ich habe reingetreten wie ein Irrer. Ich habe fast etwas zu viel getreten, was unten dann ein Problem war, da ein viel zu hoher Gang eingelegt war. In der ersten Waldsektion habe ich ein paar dicke Fehler gemacht, die leider Zeit gekostet haben. Aber ich habe aus der Quali gelernt und bin trotzdem locker geblieben und habe das Rad laufen lassen. Dadurch habe ich nie den Speed abgestochen und auch wenig Zeit verloren.
Im unteren Teil hat sich das Rennen entschieden – hier sind viele gestürzt oder haben entscheidende Fehler gemacht. Ich hatte eine starke Inside-Line, die fast niemand gefahren ist und habe viel Zeit gutmachen können. Mein Liniencoach Pottie hat mir noch reingeschrien, dass ich vorn liege, obwohl ich dachte, dass der Lauf durch die vielen Fehler nicht so gut ist. Das war natürlich eine extra Motivation. Trotzdem habe ich zwei Kurven am Ende noch einmal richtig versemmelt und habe dann durch den niedrigen Luftdruck, die Spike-Reifen und die Fahrfehler sehr viel Zeit auf dem Motorway verloren, was natürlich etwas herzzerreißend war. Von 3,7 s Vorsprung habe ich so erneut 2 s verloren. In der Zielkurve konnte ich die 3,7 s Vorsprung auf der Anzeige ablesen, wusste, ich bin definitiv vorn und konnte mich im Ziel ziemlich feiern lassen.
Ich habe dann ziemlich lange im Hotseat gesessen, bis Martin Maes mich um ein Zehntel verdrängt hat, worüber ich sehr niedergeschlagen war. Als dann aber Ronan Dunne mit 2 s Vorsprung gewonnen hat, war ich mehr als glücklich. Der dritte Platz ist teilweise besser als der zweite, vor allem wenn es sehr knapp ist. In den letzten zwei Jahren bin ich in Les Gets Zweiter geworden – noch einen zweiten Platz hätte ich vielleicht gar nicht verkraftet, haha. Insofern war der dritte Platz fast besser.
Anschließend sind wir mit Ronan noch etwas feiern gegangen – so ein Ergebnis muss man einfach feiern! Wir sind es allerdings eher locker angegangen, da danach ja bereits die Weltmeisterschaft in Champéry vor der Tür stand. Seit meinem Europameistertitel im Vorjahr sollte das für mich ein absolutes Saison-Highlight werden.
Downhill-Weltmeisterschaft – Champéry
Beim Trackwalk war ich nicht überrascht, dass wenig im Vergleich zur öffentlich zugänglichen Strecke geändert worden ist. Ich denke, dass die Streckenbauer dort nicht die Möglichkeit haben, extrem viel zu ändern – dadurch, dass es so steil ist, kann man dort nicht wirklich ein naturbelassenes Segment neu abstecken. Daher war die Strecke zu 85 % identisch zum Vorjahr. Es gab ein paar kleinere, coole Änderungen, die etwas technischer waren. Zudem waren die Bedingungen völlig anders im Vergleich zur Europameisterschaft: Komplett Hardpack, denn es hat vorher ziemlich geregnet. Dazu gab’s für meinen Geschmack fast zu perfekt geshapte Anlieger – ich habe gehofft, dass sich die Strecke noch ordentlich einfährt und etwas technischer wird fürs Finale, da das meinen Fähigkeiten mehr entgegenkommt.
Der erste Trainingstag lief ganz solide. Ich habe mich auf dem Bike gut gefühlt, allerdings auch relativ viel am Setup geändert. Ich war im Sommer zuvor – so wie jedes andere Team – bereits zum Testen dort und habe auf die kurze 450 mm Kettenstrebe und ein 5 mm höheres Cockpit gewechselt. Dazu gab’s eine weichere 425 lbs-Feder in meinem YT Tues und der Rebound am Dämpfer wurde noch einmal 2 Klicks langsamer eingestellt, obwohl ich den ohnehin schon eher langsam fahre. Im Vergleich zu anderen Strecken sind das recht viele Änderungen.
Da wir alle wussten, dass es am zweiten Tag regnen würde, wodurch das Training eher sinnlos wird, habe ich 4 Läufe absolviert und mich gut gefühlt. So kam es dann auch – durch den Regen war die Strecke an Tag 2 völlig anders und auch extrem gefährlich. Man hat sehr leicht die Front verloren und bei dem Gefälle ist jeder kleine Sturz direkt ein großer Sturz. Daher habe ich es dann sehr easy angehen lassen, mir 2–3 Linien angeschaut und das war’s dann auch schon. Ich habe mich gar nicht danach gefühlt, irgendwie zu pushen und wollte auf keinen Fall etwas riskieren und so die Medaillen-Hoffnung wegwerfen.
Qualifikation
Am Quali-Tag waren es dann sehr gemischte Bedingungen – man hat ziemlich schnell fahren können, aber es war immer noch sehr risikohaft. Im Training hatte ich Probleme, das passende Setup zu finden – dieses sollte nicht zu weich, aber auch nicht zu hart sein und es war schwierig, die goldene Mitte zu finden. Das Training lief nicht gut, allerdings qualifizieren sich bei der WM die Top 80, da sollte ich normalerweise immer locker dabei sein, wenn kein völliges Desaster passiert.
Aus dem Startgate raus hatte ich direkt einen Fehler, konnte das aber gut ignorieren. Zwei, drei Kurven später kam dann der nächste Fehler, und ich habe das Pedal ordentlich angesetzt und stark verbogen. Da war ich mental dann sehr unsicher: Ich habe mich nicht mehr getraut, richtig zu fahren, bin super safe runtergefahren und habe bei jedem kleinen Sprung versucht, möglichst sanft zu landen, da ich Angst hatte, dass das Pedal wegbricht. Zum Glück ist das Material mittlerweile so stark, dass das eigentlich nicht passiert. Dadurch bin ich 38. mit 16 s Rückstand geworden, was schon ein Schlag ins Gesicht war. Mit dem Lauf war das allerdings auch zu erwarten.
Die Wetterbedingungen fürs Finale waren auch sehr gut vorausgesagt, was für mich positiv war, da ich mit den gemischten Bedingungen nicht glücklich war und weniger riskieren wollte als viele andere.
Finale
Das Hinterrad ging weg und ich dachte, jetzt ist alles vorbei.
Auch der Finaltag fing schwierig an. Ich habe wieder viel am Rad geändert, da ich am Vortag mit dem Bike-Setup nicht zurechtgekommen bin. Deshalb bin ich zurück auf die lange Kettenstrebe, da es doch recht stark geschlagen hat. So wollte ich wieder mehr Stabilität und ein erhöhtes Sicherheitsgefühl bekommen, was auch gut funktioniert hat. Dazu gab’s noch eine leicht angepasste Druckstufe an der Gabel. Das Gefühl war dadurch minimal besser: Erster Run lief zwar sehr schlecht, der zweite Run war aber akzeptabel und ich wusste, wenn der letzte Lauf akzeptabel ist, kann ich im Finale alles möglich machen!
Aufgrund der vielen Starter stand dann eine ziemlich lange Wartezeit an, bis ich endlich zum Final-Lauf hochfahren konnte. Beim Warm-up habe ich gespürt, dass ich mehr als motiviert bin und heute einfach alles geben kann. Ich wollte natürlich unbedingt das Regenbogen-Trikot haben. In den Lauf bin ich richtig stark rein gestartet, habe oben einen guten Flow gefunden und weder zu viel noch zu wenig gepusht. Danach folgten ein paar kleine Fehler in den vielen Anliegern, die zwar Zeit gekostet haben, an der Zwischenzeit lag ich allerdings vorn, vor Henri Kiefer. Es folgte leider ein echt großer Fehler, bei dem ich sicherlich Zeit habe liegen lassen, aber ich konnte sofort wieder gut reinfinden und habe mir selbst zugesprochen, dass ich pushen und den Fehler vergessen muss.
Ich bin in die letzte steile Sektion reingefahren und habe mich voll darauf fokussiert, mich so stark wie möglich am Lenker festzuhalten, da ich hier im Training immer fast den Lenker verloren habe, so ruppig ist es geworden. Genau in dem Moment, als ich daran gedacht habe, habe ich einen kleinen Linienfehler gemacht und bin von der Highline, die nur noch wenige gefahren sind, abgerutscht. Das Hinterrad ging weg und ich dachte, jetzt ist alles vorbei. Bei dem Speed und Gefälle zu stürzen, ist alles andere als gut. Kurzzeitig bin ich ziemlich hin- und hergeflogen und habe die Orientierung verloren. Zum Glück bin ich aber nicht zu blöd gestürzt und bin nicht verletzt – bloß überall geprellt.
Die Medaillen- und Siegeshoffnung war natürlich aus. Im Ziel habe ich gesehen, dass ich Erster bei der zweiten Zwischenzeit war. Jackson Goldstone wäre schwer zu schlagen gewesen, aber es wäre cool gewesen, gemeinsam mit Henri auf dem Podium zu stehen und die deutschsprachige Szene zu feiern. Ich bin mega happy für ihn und seinen zweiten Platz. Es war generell eine coole WM und für mich gibt’s nur Positives zum Mitnehmen. Es war mein erster Lauf in der Saison, bei dem ich alles auf der Strecke gelassen, alles gegeben habe und aus meiner Komfortzone rausgekommen bin.
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8 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumSo schade, wäre das ein geniales Podium geworden mit Henry und Andi! Ich habe vor dem Fernseher mitgefiebert und mitgelitten.
Einfach wieder bärenstarke Leistungen abgeliefert😎 und bei dem Ritt auf der Rasierklinge ist der Grat zwischen Gut & Böse eben sehr schmal
Aber gut, dass er sich nicht dabei verletzt hat

Es sind ja noch 3 Rennen, wo er weiter ordentliche Ergebnisse in dieser Saison einfahren kann
Das war ein großer Spaß beim Zusehen und hätte Henry den 1. Platz gegönnt, aber Jackson hat einfach wieder einen rausgehauen - hammer! Da wo Andi gestürzt ist, hat er das Rennen mit seiner Line auf Messersschneide gewonnen. Einfach ein Alien der kleine Kanadier <3

Konnte mit Brunis etwas arrogante, kühle Art nie so recht was anfangen und finde toll, dass Jackson hier das Gegenteil verkörpert - fährt auch fürs sympathischere S
Hat jemand Info, warum Daprela nicht in den finals gestartet ist?
Danke an alle für die positiven Kommentare, freut mich immer wieder! 👊
Bei Daprela hab ich nur gehört, dass er sich im Training an der Schulter verletzt hat. Ich denke aber nicht all zu schwer.
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