Video: Loudenvielle Enduro WORLD CUP Race Day MUD FEST ALL STAGES raw
Rennbericht: Finale Enduro Weltcup 2024 in Loudenvielle, Frankreich
Rennbericht, finale Runde des Enduro-Weltcups 2024. In Loudenvielle, Frankreich, in den wunderschönen Pyrenäen. Es wäre nicht ein Rennen der 2024er- Enduro-Saison gewesen, wenn ich nicht auch hier wieder im Vorfeld die ein oder andere Hürde zu überwinden gehabt hätte. Und so war es dann tatsächlich so, dass ich kurz nach Bellwald, also nach dem vorigen Weltcup, gemerkt habe, dass irgendetwas mit meinem Rücken nicht stimmt. Ich hatte vorher schon bisweilen Schmerzen, immer so ein bisschen on/off, die auch durch das Training wieder weggingen und ich dachte immer ach komm, es war bestimmt irgendetwas blockiert oder eingeklemmt, was weiß ich.
Doch es wurde dann so schlimm, dass ich wirklich dachte, ich hätte einen Bandscheibenvorfall. Ich bin eines Morgens gar nicht mehr aus dem Bett gekommen. Gott sei Dank konnte ich einen guten Arzt in Köln, also bei uns in relativer Nähe, aufsuchen, der mich direkt behandelte und untersucht hat. So stellte sich heraus, dass ich eine Entzündung im Rücken hatte. Eins meiner Facettengelenke, also so zwischen den Wirbeln, war sehr stark entzündet, es war Flüssigkeit ausgetreten und so weiter. Warum, wieso, weshalb, so richtig kann man das nicht sagen. Aber es standen auf jeden Fall erst mal viel Ruhe, ziemlich starke Entzündungshemmer, Muskelrelaxanzien, Schmerzmittel und so weiter auf dem Plan.
Sommerpause anders als geplant
Hieß auch im Klartext: Die Sommerpause, die ich mir eigentlich so ein bisschen zurechtgelegt hatte, um dann in den letzten Block hier mal richtig gut vorbereitet reinzugehen, entwickelt sich anders als geplant. So musste ich leider erst mal gute zwei bis drei Wochen die Füße stillhalten, um diese Entzündung in den Griff zu bekommen. Da bringt es nichts, ins Training hineinzugehen oder zu versuchen, da irgendwie das Limit zu testen.
Stattdessen muss man einfach Ruhe geben und das erst mal aus dem Körper rausbekommen. Gesagt, getan, und es hat funktioniert. Dann hatte ich noch so gute anderthalb Wochen Zeit vor dem Rennen in Loudenvielle, was ziemlich straff war. Ich habe dann zu Hause angefangen, erst mal die erste Woche wieder ein bisschen entspannt Rad zu fahren, um erneut reinzukommen. Nach ein paar Wochen Pause ist der Körper dann doch schon irgendwie in einem anderen Setting, als jetzt direkt mit Vollgas ins Training einzusteigen.
Dann hatte ich noch so eine Woche, in der ich quasi ein Panik-Training durchziehen konnte und hab dann wirklich in dieser Woche Gas gegeben. Ich konnte noch zwei Tage in den Bergen Rad fahren, um mich ein bisschen darauf einzuschießen, auch mal etwas längere Abfahrten zu machen. Es war natürlich ein bisschen ein Notlaufprogramm, aber ich habe auf jeden Fall das Beste aus der Woche herausgeholt, die ich noch hatte.
Schlammrennen in Loudenvielle
Dann ging es nach Loudenvielle zum letzten Weltcup, der sich relativ klar als Schlammrennen abzeichnete, weil ziemlich viel Regen vorhergesagt war. So war es dann auch. Die Stages in Loudenvielle bestehen aus einem feinen Waldboden, der, wenn er nass wird, extrem glitschig wird. Es handelt sich um richtig klebriges, schleimiges Zeug, nicht einfach nur locker, sondern richtig rutschig. Teilweise sind es Hardpack-Rillen, die wie mit Leim überzogen sind. Es war also sehr herausfordernd zu fahren. Am Trainingstag war das Wetter noch halbwegs stabil, es hatte zwar auch schon ordentlich reingeregnet, aber es war noch fahrbar. Allerdings hat man schon gemerkt, dass manche Linien ziemlich tief wurden und vieles im Rennen wahrscheinlich nicht mehr so aussehen würde wie im Training.
Regentag und Stage-Cancel
Am Renntag hat es dann ordentlich geregnet, schon über Nacht, und es war definitiv ein Tag für Regenjacke und wasserdichte Socken. Ich hatte mir vorsorglich schon mal ein paar trockene Klamotten in den Pits zurechtgelegt, weil wir eine relativ lange Mittagspause hatten, da Stage 3 gecancelt wurde. Diese Stage startete sehr weit oben auf dem Berg, wo man nur mit einem Sessellift hinkommt. Der Lift durfte an dem Tag nicht fahren, weil starker Wind angesagt war und das Wetter oben einfach miserabel war: kalt, windig, es hätte schlichtweg keinen Spaß gemacht, dort auf seine Startzeit zu warten.
Die improvisierte Brille
So ging es ins Rennen. Für Stage 1 habe ich mir MacGyver-mäßig ein Brillenglas passend geschnitten. Beim Enduro ist es oft der Fall, dass auf den langen Stages die Brillengläser so verschmutzt sind, dass man nichts mehr sieht. Viele entfernen dann einfach die Linsen aus der Brille und fahren nur mit dem Brillengestell. Das hat nicht den Grund, wie vielleicht manche annehmen, dass man seine Sponsoren vertreten müsste oder auch nicht, sondern: Der Rahmen alleine schützt die Augen einfach immer noch recht gut vor Schmutz und Dreck. Ich hatte mir etwas überlegt und in mein Brillenglas einen kleinen Briefkastenschlitz geschnitten, durch den ich sehen konnte, während meine Augen noch halbwegs geschützt waren. So musste ich nicht immer die Augen zusammenkneifen, wenn der Regen kam. Und so ging es in den ersten Tag, mit dem Shuttle erst mal hoch, im Regen schön den Berg hochgestapft und dann in die Stage 1 rein.
Pedal- und Kettenprobleme
Diese Stage 1 lief leider nicht so wie geplant. Der Brillenschlitz hat super funktioniert, das werde ich auf jeden Fall wieder anwenden, wenn es so kommt. Allerdings habe ich mir im Wald heftig das Pedal an einem Stein angehauen, sodass es verbog und mein Schuh auf dem Pedal durchgebrochen ist. Im unteren Teil der Stage habe ich auch noch die Kette verloren, weil alles so schlammig und verklebt war. Ich musste daher ein Stück laufen, hatte aber trotzdem ein relativ gutes Ergebnis auf dieser Stage. Definitiv eine Motivation für mich, weil ich gesehen hatte, dass trotz der langen Pause vorher und der Probleme eine gute Pace da war.
Herausfordernde Stage 2
Stage 2 war wahrscheinlich die schwierigste, da sie viele Traversen hatte, die durch den Schlamm super herausfordernd waren. Es gab viele krasse Rillen auf der Strecke und ich hatte den ambitionierten Plan, nicht aus den Pedalen zu klicken, weil ich wusste, dass ich mit dem verbogenen Pedal und kaputten Schuh sicher nicht wieder reinkommen würde. Das war natürlich überambitioniert und ich musste leider oft ausklicken, um die Balance zu halten. So kam ich nicht mehr rein, bin aus der Balance geraten und in die Büsche gefallen. Auch das hat Zeit gekostet, aber ich hatte zugleich gemerkt, dass auch viele andere zu kämpfen hatten und auch diese Stage nicht so schlecht gelaufen war.
Lange Mittagspause und Regenschauer
Nach einer langen Mittagspause, in der sogar mal kurz die Sonne geschienen hat, ging es weiter … pünktlich zum Start der nächsten Stage fing es allerdings direkt wieder an zu regnen. Leider habe ich da ein bisschen den Anschluss verpasst und konnte nicht meine Pace zeigen. Vielleicht war ich zu zurückhaltend, aber insgesamt war es okay, auch wenn es nicht das war, was ich zeigen wollte.
Die letzte Stage begann mit einem 500–600 Höhenmeter Asphaltanstieg und es goss in Strömen. Ich war schon nass, bevor es überhaupt zur Stage ging, trotz der trockenen Klamotten, die ich mir übergezogen hatte. Um etwa halb sieben wurde es wirklich dunkel im Wald. Für die letzte Stage habe ich ein Roll-Off-System für die Brille verwendet, was super funktioniert hat. Der Lauf war solide, aber ich habe definitiv gemerkt, dass meine Form nicht da war, wo sie hätte sein müssen, um ganz vorne mitzufahren. Daher hatten sich die 7 Minuten angefühlt wie eine 20 Minuten-Stage und der untere Rücken und die Beine waren am Ende knochenhart, ich bin ziemlich erschöpft aus dem Wald gekommen.
Fazit
Am Ende bin ich auf Platz 29 gelandet, was okay war, aber nicht überwältigend. Unter den gegebenen Umständen bin ich zufrieden. Es war ein gutes Wochenende als Vorbereitung für die Weltmeisterschaft in Canazei, die aktuell ansteht – ich hoffe, dass da noch ein bisschen mehr geht. Die Weltcup-Saison ist damit beendet, und mit Platz 33 Overall bin ich für eine Saison, in der ich ein Rennen nicht angetreten bin und in einem anderen viel Zeit verloren habe, nicht unzufrieden. Es war definitiv die herausforderndste Saison bisher, aber ich bin stolz darauf, dass ich sie so solide abschließen konnte. Jetzt liegt der Fokus auf der WM, und dann geht es in die Offseason.
Was erwartet ihr von Texi für die WM in Canazei?
Alle Blog-Beiträge von Texi:
- Trans Madeira – Blog Christian Textor: Grande Finale auf Porto Santo – Tag 6
- Trans Madeira – Blog Christian Textor: Nach dieser Stage war jedes fünfte Bike defekt – Tag 5
- Trans Madeira – Blog Christian Textor: Steinfeld, Buschland, Sonnenbrand – Tag 4
- Trans Madeira – Blog Christian Textor: Das war so ein Tag, weshalb man Fahrradrennen fährt – Tag 3
- Trans Madeira – Blog Christian Textor: Felsiges Wurzelmassaker – Tag 2
Cape Epic 2025 – 6. Etappe
Revel Ranger Down-Country-Bike 2026: Mehr Federweg und neuer Carbon-Rahmen
Cape Epic 2025 – 4. Etappe
Neues Norco Torrent DH 2026: 200-mm-Alu-Downhiller mit Mullet-Setup

6 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumAbreissscheiben sind einfacher. Wenn der Rolloff mal klemmt, kann man die ganze Rolle vergessen.
Habt ihr mit Beschlagen keine Probleme?
Sind ja mittlerweile verboten worden oder? .
UCI MOUNTAIN BIKE WORLD SERIES (EDR/E-EDR ) RULEBOOK
Copyright WBD Sports - page 22
0.7: Environmental Rules | return to menu
0.7.1 Waste & the Environment
No disposable goggle tear-offs are allowed to be used.
https://ucimtbworldseries.com/content/22682/01HZ7G3HEQS5M74VK45TKBN0QD.pdf
Natürlich. #yolo
5m Rolle im Wald ist aus nicht Bio.
Bin schon eine weile (>5J) kein Enduro-Rennen gefahren (Motorrad), kann mir aber nicht vorstellen, dass sie inzwischen absolut störungsfrei funktionieren würden
Aber anscheinend gab es genug Experten, die die Abreißscheiben "verloren" haben, sonst wären sie nicht verboten.
Dann izzhaltso.
BTW Schlitz in der Scheibe:
Ich hatte/hebe für Sauwetter eine Brille komplett von Schaumstoff befreit und die Belüftungslöcher der Scheibe (bei Scott oben eine Reihe quer) vergrößert. Eine alte zerkratzte reicht, man sieht eh nicht so genau ;-)
Wenn Wetter nur "normal" nass Ersatzscheibe mir RainX-Vorbehandelt in Ersatzhandschuh eingewickelt im ZIP-Beutel dabei. Auch die verlieren jeglichen Gripp am Lenker bei so ein Schlammschlacht.
Edit: Habe jetzt auch Video geschaut, geile Strecke 😎
Wir laden dich ein, jeden Artikel bei uns im Forum zu kommentieren und diskutieren. Schau dir die bisherige Diskussion an oder kommentiere einfach im folgenden Formular: