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David Horvath, 23 Jahre alt und in allen Bike-Disziplinen zuhause
David Horvath, 23 Jahre alt und in allen Bike-Disziplinen zuhause
David war lange im Deutschen Nationalkader XC
David war lange im Deutschen Nationalkader XC - Hier zeigt er beim WC Nove Mesto beim XCE sein Können
Dann sattelte er um auf die Gravity-Versionen des Radsports
Dann sattelte er um auf die Gravity-Versionen des Radsports
David und sein Kumpel Miles Whitfield, einer der Initiatoren der Spendenaktion
David und sein Kumpel Miles Whitfield, einer der Initiatoren der Spendenaktion

Stürze gehören leider zu unserem Sport dazu, egal wie gut oder sicher man fährt. Selten führt dies zu weitreichenderen Konsequenzen – manchmal aber eben schon: Mit David Horvath verletzte sich einer der talentiertesten und vielseitigsten Mountainbiker des Landes bei einem Sturz schwer an Wirbelsäule und kann seitdem seine Beine nicht mehr bewegen. Im Interview berichtet er von seinem Schicksal, dem durchaus beeindruckenden Umgang damit und von einer Spendenaktion, die Freunde von ihm ins Leben gerufen haben.

MTB-News: Hi David, als allererstes: Stell dich doch bitte mal kurz vor.

David Horvath: Hallo! Mein Name ist David Horvath, ich bin 23 Jahre alt und fahre seit 15 Jahren Mountainbike-Wettkämpfe. Ich habe im Cross Country begonnen, wo ich acht Jahre lang für den Nationalkader gestartet bin, dreimal Deutscher Meister wurde und insgesamt zehn Medaillen bei nationalen Meisterschaften sammeln konnte. Ich bin schon immer lieber bergab gefahren und 2018 habe ich dann meinen Fokus auf Fourcross, Enduro und Downhill gelegt. Durch die guten Ergebnisse im Frühjahr konnte ich mich dann für den Downhill World Cup in Val di Sole qualifizieren.

David Horvath, 23 Jahre alt und in allen Bike-Disziplinen zuhause
# David Horvath, 23 Jahre alt und in allen Bike-Disziplinen zuhause
David war lange im Deutschen Nationalkader XC
# David war lange im Deutschen Nationalkader XC - Hier zeigt er beim WC Nove Mesto beim XCE sein Können
Dann sattelte er um auf die Gravity-Versionen des Radsports
# Dann sattelte er um auf die Gravity-Versionen des Radsports

Jeder Mountainbiker, der ein wenig die deutsche Bikeszene verfolgt, hat über Social Media von deinem Sturz dort in Val di Sole mitbekommen. Du hast dich dort schwer verletzt und dir den achten Brustwirbel gebrochen.  Erzähl doch bitte, was genau passiert ist.

Der Sturz ist im Training vor dem Qualifikationslauf passiert. Ich wollte meinen letzten Lauf vor der Quali machen und bin direkt am ersten Roadgap gestürzt. Meiner Meinung nach sind leider verschiedene Faktoren zusammengekommen, die dann zu diesem “dummen” Sturz geführt haben. Vor besagtem Roadgap konnte man die Anlieger innen durchschneiden, musste dafür aber leicht schräg auf den Drop zufahren. Da es in der Nacht und am Morgen geregnet hatte, habe ich auf einen neuen Schlammreifen gewechselt. Durch das Schneiden der Anlieger bin ich auf dem nassen Holz direkt vor dem Absprung mit dem neuen Reifen leider weggerutscht – an einer Stelle, an der ich das so auch nicht erwartet habe. Jetzt ist das so wie bei den meisten Geschichten mit diesen Verletzungen … 20 cm weiter und ich wäre nicht in den Wassergraben geflogen, hätte ich nicht den Reifen gewechselt oder wenn ich mich etwas besser konzentriert hätte. Hätte, wäre, wenn … sind allerdings alles Fragen, die man sich sparen kann, da es darauf keine Antworten gibt.

Wie geht es dir jetzt aktuell?

Mir geht es gut! Ich bin überwältigt von dem Rückhalt meiner Freundin, Familie, Freunde und der ganzen Radsportgemeinde. Es macht mich stolz, da dazuzugehören. Es hilft natürlich zu wissen, dass man sich auf sein Umfeld verlassen kann und dass es auch für mich mit meiner neuen Situation einen Platz geben wird.

Wie wird es in Zukunft weitergehen?

Puh, gute Frage! Im Moment konzentriere ich mich voll und ganz auf meine Reha. Ganz prinzipiell ändert sich aber nichts an meinen Plänen. Ich werde mein Studium anpassen und weitermachen, den Verein in Sasbachwalden unterstützen und mein neues/altes Projekt, das ich für nächstes Jahr geplant hatte, verwirklichen – dazu kann ich aber noch nichts sagen. (David zwinkert und grinst)

Du machst schon wieder Wheelies mit deinem Rollstuhl und gehst mit deiner Situation sehr offen um. Wie schaffst du es, selbst nach einem solchen Schicksalsschlag mental so stark zu sein?

Für mich bedeutet der Unfall kein Schicksalsschlag, sondern eine Herausforderung. Ich habe natürlich auch Tage, an denen ich Ängste und Sorgen habe und an denen mich die Situation schon echt ankotzt. Aber schlechte Laune hat jeder mal und als Rollstuhlfahrer kann man auch ein erfülltes Leben führen. Um an dasselbe Ziel zu kommen, muss ich jetzt eben andere Wege finden, aber das geht!

Ich möchte zudem gerne offen mit meiner Situation und dem Querschnitt umgehen, denn solche Verletzungen können in einem Extremsport eben mal passieren und das Leben hört dann ganz bestimmt nicht auf. Vor meinem Unfall habe ich dieses Thema selbst weitestgehend gemieden und habe jetzt sehr viel lernen müssen. Für die, die es interessiert, möchte ich gerne einige Dinge aufklären und zeigen, dass Rollstuhlfahrer einige Dinge trotzdem machen können. Dazu möchte ich mich gerne an dem Motto “Wer diese Verletzung nicht mit Humor nimmt, hat es oft schwer” orientieren.

Deine Freunde haben eine Spendenaktion für dich ins Leben gerufen. Wofür wird das Geld verwendet werden?

Ja! Es ist unglaublich, wie viele Leute sich da engagieren und mich unterstützen! Ich möchte mich auch schon jetzt herzlich bedanken für die Unterstützung, die ich erhalte. Die Spenden möchte ich für die Hilfsmittel, die ich im Alltag benötige, verwenden. Dinge wie meinen Rollstuhl, einen erweiterten Führerschein samt PKW-Umbau und ein Handbike, damit ich mich wieder ordentlich in der Natur bewegen kann.

David und sein Kumpel Miles Whitfield, einer der Initiatoren der Spendenaktion
# David und sein Kumpel Miles Whitfield, einer der Initiatoren der Spendenaktion

Wir drücken dir ganz fest die Daumen für die weitere Genesung und wünschen gute Besserung!


Ihr wollt David unterstützen? Hier findet ihr den Link, der direkt zur Spendenaktion führt!

Fotocredits: Constantin Fiene

  1. benutzerbild

    fullspeedahead

    dabei seit 10/2006

    Was da wieder diskutiert wird...

    Tut mir wirklich leid für den David, das Leben kann verdammt unbarmherzig und ungerecht sein.

    Und Friedrich Torbergs Tante Jolesch sagt zwar zurecht „Gott schütze uns vor allem, was gerade noch ein Glück ist!“ aber das Schicksal kann man eh nur hinnehmen und an dem Punkt weitermachen und gewissermaßen ist es wenigstens das Glück, dass der Querschnitt so tief ist, dass manche Dinge wie insbesondere die Arme, doch noch verlässlich funktionieren. Weil ganz ehrlich, lieber als Mindestverdiener mit gelähmten Beinen durchs Leben kämpfen als Millionär aber Tetraplegiker wie Samuel Koch und andere, die dieses wirklich fürchterliche Schicksal teilen. So kann man - mit der positiven Energie die David offenkundig hat - doch sehr viel in seinem Leben selbstbestimmt verwirklichen.

    Gibt auch wirklich coole inspirierende Vorbilder, vor einigen Tagen hab ich zB das angeschaut
  2. benutzerbild

    renegade24

    dabei seit 11/2006

    fullspeedahead schrieb:

    Was da wieder diskutiert wird...


    Über die Wahrheit, wie es nun mal ist, er sagt es ja selber:

    Für mich bedeutet der Unfall kein Schicksalsschlag, sondern eine Herausforderung. Ich habe natürlich auch Tage, an denen ich Ängste und Sorgen habe und an denen mich die Situation schon echt ankotzt. Aber schlechte Laune hat jeder mal und als Rollstuhlfahrer kann man auch ein erfülltes Leben führen. Um an dasselbe Ziel zu kommen, muss ich jetzt eben andere Wege finden, aber das geht!

    Ich möchte zudem gerne offen mit meiner Situation und dem Querschnitt umgehen, denn solche Verletzungen können in einem Extremsport eben mal passieren und das Leben hört dann ganz bestimmt nicht auf. Vor meinem Unfall habe ich dieses Thema selbst weitestgehend gemieden und habe jetzt sehr viel lernen müssen. Für die, die es interessiert, möchte ich gerne einige Dinge aufklären und zeigen, dass Rollstuhlfahrer einige Dinge trotzdem machen können. Dazu möchte ich mich gerne an dem Motto “Wer diese Verletzung nicht mit Humor nimmt, hat es oft schwer” orientieren.

    fullspeedahead schrieb:
    Tut mir wirklich leid für den David , das Leben kann verdammt unbarmherzig und ungerecht sein.


    Mitleid will er nicht. Warum tut es dir dann leid?
  3. Anzeige

  4. benutzerbild

    renegade24

    dabei seit 11/2006

    Hier ist ein Beispiel dafür, was ich meinte
  5. benutzerbild

    fullspeedahead

    dabei seit 10/2006

    renegade24 schrieb:

    Über die Wahrheit, wie es nun mal ist, er sagt es ja selber:

    Für mich bedeutet der Unfall kein Schicksalsschlag, sondern eine Herausforderung. Ich habe natürlich auch Tage, an denen ich Ängste und Sorgen habe und an denen mich die Situation schon echt ankotzt. Aber schlechte Laune hat jeder mal und als Rollstuhlfahrer kann man auch ein erfülltes Leben führen. Um an dasselbe Ziel zu kommen, muss ich jetzt eben andere Wege finden, aber das geht!

    Ich möchte zudem gerne offen mit meiner Situation und dem Querschnitt umgehen, denn solche Verletzungen können in einem Extremsport eben mal passieren und das Leben hört dann ganz bestimmt nicht auf. Vor meinem Unfall habe ich dieses Thema selbst weitestgehend gemieden und habe jetzt sehr viel lernen müssen. Für die, die es interessiert, möchte ich gerne einige Dinge aufklären und zeigen, dass Rollstuhlfahrer einige Dinge trotzdem machen können. Dazu möchte ich mich gerne an dem Motto “Wer diese Verletzung nicht mit Humor nimmt, hat es oft schwer” orientieren.


    Mitleid will er nicht. Warum tut es dir dann leid?

    wo sagt er das? Kennst du ihn persönlich? Was man in der Situation nicht braucht sind Leute die einen wie ein Hascherl behandeln, einem nichts zutrauen, auf die Einschränkungen fixiert sind und nicht auf die Möglichkeiten die man trotzdem und teilweise vielleicht sogar deswegen hat.

    Aber nichtsdestotrotz ist es einfach SCHEISSE. Wer hätte nicht lieber ein gebrochenes Schlüsselbein als einen Querschnitt. Das darf man auch mal so anerkennen. Wir neigen meiner Beobachtung nach dazu, dass wenn irgendwer eine echt zache Diagnose bekommt - Diabetes I, Krebs, whatever - gleich einmal zu sagen "nicht so schlimm, das wird schon wieder, da gibts jetzt was neues" als einfach mal bad news als solche auszusprechen und eben erst im nächsten Schritt über Hoffnungen/Chancen/etc zu sprechen.

    Er braucht sicher nicht unser Mitleid in dem Sinne dass man ihn als Behinderten wahrnimmt und nicht mehr als Sportler. Aber ein gewisses Mitgefühl ist mMn nichts Schlechtes.
  6. benutzerbild

    renegade24

    dabei seit 11/2006

    fullspeedahead schrieb:

    wo sagt er das?


    In seinem Interview.

    fullspeedahead schrieb:
    Kennst du ihn persönlich? Was man in der Situation nicht braucht sind Leute die einen wie ein Hascherl behandeln, einem nichts zutrauen, auf die Einschränkungen fixiert sind und nicht auf die Möglichkeiten die man trotzdem und teilweise vielleicht sogar deswegen hat.


    Sag ich doch, das ist Mitleid.

    fullspeedahead schrieb:
    Aber nichtsdestotrotz ist es einfach SCHEISSE. Wer hätte nicht lieber ein gebrochenes Schlüsselbein als einen Querschnitt. Das darf man auch mal so anerkennen. Wir neigen meiner Beobachtung nach dazu, dass wenn irgendwer eine echt zache Diagnose bekommt - Diabetes I, Krebs, whatever - gleich einmal zu sagen "nicht so schlimm, das wird schon wieder, da gibts jetzt was neues" als einfach mal bad news als solche auszusprechen und eben erst im nächsten Schritt über Hoffnungen/Chancen/etc zu sprechen.


    Ich wäre auch lieber gesund, als mich seit 40 Jahren mit Diabetes beschäftigen zu müssen. Hatte ich auch keinen Bock drauf. Hat niemand auf sowas.
    Es bleibt dir aber nichts anderes übrig. Es haben sich 2 Menschen die ich kannte, die auch Typ 1 hatten, das Leben genommen, weil sie nicht
    damit klar kamen. Wer macht sich selber Gedanken darüber, ob er lieber einen Schlüsselbeinbruch anstatt eines Querschnitts hat? So etwas machst du nur, wenn du selber betroffen oder es von außen an dich heran getragen wird (wie dieser Artikel). Niemand liegt abends im Bett und denkt sich einfach so Schlüsselbein oder Querschnitt. Warum auch? Das ist Schicksal. Das einzige, was zählt, wie stark ist dein Ego und wie stark ist dein Umfeld, damit umzugehen.

    fullspeedahead schrieb:
    Er braucht sicher nicht unser Mitleid in dem Sinne dass man ihn als Behinderten wahrnimmt und nicht mehr als Sportler. Aber ein gewisses Mitgefühl ist mMn nichts Schlechtes.


    Ich rede nicht von Mitgefühl. Ich rede von Mitleid. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Wenn es einem leid tut, dann ist das Mitleid.
    Wenn ich seit 40 Jahren von Mitleid umgeben gewesen wäre, dann hätte ich mir wahrscheinlich auch das Leben genommen. Natürlich tut man sich selber mal leid, aber das ist einfach Kacke und der Anfang zur Selbstaufgabe, Depression, wenn du darin gefangen bleibst.
    Es hört sich besser an, wenn jemand sagt: "Toll, wie du das machst trotz deiner Behinderung"(Mitgefühl) als " Du Armer, es tut mir sooo leid"(Mitleid). Kein Mensch mit Behinderung will das. Mitgefühl ist jemandem mit MS, Parkinson oder Querschnitt über die Straße zu helfen, weil man sieht, er schafft es nicht mehr alleine. Mitleid ist ihm dabei zuzuschauen und zu denken wie leid er einem tut und das man es zum Glück nicht selber hat.
    Jeder mag das anders sehen. Ich hatte lange genug Zeit darüber nachzudenken und danach zu handeln und das ist mein Schluß und das lese ich auch auch aus dem Artikel heraus.

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