Beim Finale der MTB-Bundesliga in Titisee-Neustadt konnte Ronja Eibl ihren Vorjahres-Sieg vor der Weltranglisten-Ersten Anne Terpstra wiederholen und auch den Gesamttitel verteidigen. Bei den Herren gewann erstmals der Schweizer Reto Indergand, sowohl den Singer Wäldercup an der Hochfirst-Schanze als auch die Gesamtwertung, nachdem der vorher Führende Ben Zwiehoff krank die Segel streichen musste.

Herren: Indergand triumphiert im Schwarzwald

Für die deutsche Hoffnung Ben Zwiehoff (Bergamont) ging das Rennen nur 200 Meter weit. Der Essener hatte einen Migräne-Anfall bekommen und stellte seinen aussichtslosen Versuch rasch wieder ein, die Führung in der Gesamtwertung zu verteidigen. So entstand eine fünfköpfige Spitzengruppe, aus der Julian Schelb nach einem Sturz in der dritten Runde zurückfiel. „Mir ging es sehr gut und ich musste mich richtig zurückhalten. Ich hatte dann noch einen Sturz und Kettenprobleme“, so der Münstertäler vom Team Stop&Go Marderabwehr, der am Ende den Sprint um Rang fünf gegen den Schweizer Andrin Beeli (Scott) gewonnen hat.

Schauplatz des Bundesligafinales 2019: Die Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt
# Schauplatz des Bundesligafinales 2019: Die Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt - Foto: Armin M. Küstenbrück

So blieb Simon Stiebjahn (Team Bulls) zwischen den drei Schweizern Indergand, Stirnemann und Lukas Flückiger, die einzige deutsche Hoffnung aufs Podest. Ende der zweiten Runde hatte auch er einen Sturz, robbte sich aber wieder an die Spitze heran. Allerdings war sein Schuh dann lädiert und der Halt sei etwas instabil gewesen, so der Hochschwarzwälder. In der vierten von sechs Runden verlor er den Kontakt zu den drei Schweizern, nachdem Reto Indergand vorne aufs Tempo gedrückt hatte. „Ich habe mich gut gefühlt, aber man muss ehrlich sein: auch ohne Handicap hätte es wohl nur zu Rang vier gereicht“, meinte Stiebjahn.
So machten die drei Weltklasse-Fahrer aus dem Nachbarland die Sache unter sich aus. „Nachdem wir Stiebi abgehängt haben, wollte in der fünften Runde keiner Führung machen. Dann dachte ich, es ist eh gut noch mal drüber zu ziehen“, erklärte Indergand, wie er seine Kollegen in Schwierigkeiten brachte.

Matthias Stirnemann ließ auf dem vielgelobten, aber schwierigen Kurs in dieser fünften Runde locker. „Ich habe schon früh gemerkt, dass ich am Berg heute nicht so gut bin wie die anderen. Dass ich dann noch gestürzt bin, spielte keine große Rolle. Ich war einfach über dem Limit und bin im Rock Garden eine falsche Linie gefahren“, so Stirnemann, der mit seinem Sieg vor Indergand auch die Gesamtwertung gewonnen hätte.

Lukas Flückiger konnte Indergand noch kurz folgen, doch sein Widerstand gegenüber seinem BMC-Teamkollegen erlosch auch schon Ende der vorletzten Runde, nachdem er durch einen kleinen Fehler eine Lücke kassiert hatte. „Ich war einfach müde von der Marathon-WM. Ich wollte eigentlich unbedingt gewinnen“, erklärte Flückiger, den man zu Beginn oft an der Spitze sah. „Diese Woche habe ich nur locker trainiert, da merkst du das gar nicht“, so Flückiger.

Lukas Flückiger gibt im Rock Garden Gas. Der Schweizer landete am Ende auf Platz 2
# Lukas Flückiger gibt im Rock Garden Gas. Der Schweizer landete am Ende auf Platz 2 - Foto: Armin M. Küstenbrück

Reto Indergand jubelte über Tages-und Gesamtsieg und holte sich bei seiner Frau Küsschen ab. „Voriges Wochenende in Freudenstadt war ich am Berg der Schwächste, deshalb habe ich das hier heute gar nicht so erwartet. Aber ich habe gleich am Anfang gemerkt, dass es sehr gut geht. Am Anfang habe ich noch Ben gesucht, ich wusste nicht, dass er gleich ausgestiegen ist. Die Strecke hat sehr viel Spaß gemacht“, kommentierte Indergand seinen Erfolg.

Tages- und Gesamtsieg geht an Reto Indergand
# Tages- und Gesamtsieg geht an Reto Indergand - Foto: Armin M. Küstenbrück
Das Podum der Herren: Indergand vor Flückiger, Stirnemann, Stiebjahn und Schelb
# Das Podum der Herren: Indergand vor Flückiger, Stirnemann, Stiebjahn und Schelb - Foto: Armin M. Küstenbrück

Der deutsche U23-Meister Simon Schneller (Team Bulls) war auf Rang sieben der beste U23-Fahrer. Die Gesamtwertung der Nachwuchs-Kategorie ging aber an seinen Teamkollegen Leon Kaiser, der am Ende 14. wurde.

Damen: Eibl fährt erst ins Flatterband und dann zum Sieg

Die 20-jährige Ronja Eibl wiederholte in Titisee-Neustadt das Kunststück aus der Vorwoche und schlug wie schon sechs Tage zuvor in Freudenstadt die Niederländerin Anne Terpstra. Dritte wurde die Schweizerin Alessandra Keller.

Am Ende war der Sieg mit 1:30 Minuten Vorsprung auf die WM-Vierte Terpstra deutlich, doch begonnen hatte das Rennen für Ronja Eibl (Corendon-Circus) mit einem Fehler. „Ich habe gar nicht gecheckt, dass man die Strecke gegenüber letztem Jahr verändert hat. Deshalb bin ich da oben ins Flatterband gefahren“, erklärte die Grosselfingerin. Der Schaden war allerdings schnell behoben, denn die U23-Weltcupsiegerin von der Schwäbischen Alb ging gemeinsam mit Anne Terpstra (Ghost Factory Racing) in die zweite Runde, zwölf Sekunden vor Alessandra Keller (Thömus RN), die bis zum Schluss ihre Position gegenüber ihrer Verfolgerin Linda Indergand (Superior XC) verteidigte.

Vorne aber gelang es Ronja Eibl in einer technischen Passage eine kleine Lücke zu reißen, die Anne Terpstra zu Beginn von Runde drei noch mal schließen konnte. Dann allerdings holte Eibl wieder einen Vorsprung heraus, zog davon und feierte trotz eines Sturzes in der Schlussrunde einen souveränen Sieg. Den dritten an der Hochfirstschanze in Folge, denn schon als Juniorin hatte sie 2017 an Ort und Stelle gewonnen. „Ich glaube, ich habe jetzt einfach die Form, die ich vor meiner Magen-Darm-Grippe vor der WM schon hatte und die Zwangspause hat das ihrige dazu getan“, versuchte Eibl ihre starke Schlussphase in der Saison zu erklären.

Ronja Eibl war vor allem fahrtechnisch der Konkurrenz einmal mehr überlegen
# Ronja Eibl war vor allem fahrtechnisch der Konkurrenz einmal mehr überlegen - Foto: Armin M. Küstenbrück

Anne Terpstra hatte ein paar Stunden vor dem Start eine einstündige Autogrammstunde für die Kinder des Schwarzwälder MTB Cup gegeben und war vom Andrang völlig überwältigt. „Ich habe eine Stunde nur geschrieben. Da war der Tag schon vor dem Rennen ein Erfolg“, so die sympathische Niederländerin. Sie sei den Wettkampf „nicht so aggressiv angegangen“, wie sie das sonst tue. „Als Ronja vorne weg war, wurde das Rennen schon lang. Aber das gehört dazu. Die Strecke ist so cool, das macht dann wieder Spaß“, kommentierte Terpstra, die auch in der Gesamtwertung Rang zwei belegt.

Die drittplatzierte Alessandra Keller (+4:31) war „sehr zufrieden“ mit ihrem Ergebnis. „Ich hatte eine schlechte Saison und konnte heute wenigstens wieder etwas von dem abrufen, was ich kann“, meinte die Schweizerin. „Die Strecke ist super, sehr natürlich. Da haben sie gute Arbeit gemacht.“

Allessandra Keller im Drop: Die Schweizerin verbuchte nach einer unglücklichen Saison ein positives Ergebnis zum Saisonabschluss
# Allessandra Keller im Drop: Die Schweizerin verbuchte nach einer unglücklichen Saison ein positives Ergebnis zum Saisonabschluss - Foto: Armin M. Küstenbrück

Hinter Linda Indergand (mit einem Schmunzeln: „Diese Woche habe ich wieder ein bisschen trainiert“) kam Nadine Rieder auf Rang fünf (+6:09) und freute sich über den dritten Gesamtrang. „Ich habe mich diese Woche sehr müde gefühlt und auch beim Warmfahren ging es nicht gut. Anfangs dachte ich, nach einer Runde aufzuhören, aber dann habe ich mich auf die technischen Passagen konzentriert und meinen Rhythmus gesucht. Es ging dann immer besser“, erklärte Rieder. So konnte sie von Position sieben noch zwei Plätze nach vorne fahren und einen starken Abschluss der Bundesliga-Saison abliefern.

Das Podium der Damen: Eibl vor Terpstra, Keller, Indergand und Rieder
# Das Podium der Damen: Eibl vor Terpstra, Keller, Indergand und Rieder - Foto: Armin M. Küstenbrück

U19: Emma Eydt souverän und Doppelsieg für die Schweiz

Emma Eydt (Stevens MTB Racing) fühlte sich an diesem Samstag im Hochschwarzwald nicht besonders gut, machte aber ihren Bundesliga-Gesamterfolg bei den Juniorinnen mit einem souveränen zweiten Saisonsieg perfekt und holte dabei 2:25 Minuten Vorsprung auf die Breitnauerin Lina Riesterer (Lexware) heraus, die ihr bis dato bestes Bundesliga-Ergebnis in der U19 verbuchte. „Es hat ja trotzdem gereicht und es ist ein schöner Abschluss meiner Zeit bei den Juniorinnen“, meinte Eydt.

Bei Lina Riesterer kullerten ein paar Tränen aus den Augen. Freudentränen. „Das Heimpublikum war schon eine zusätzliche Motivation. Klar, wenn überall ‚Lina, Lina’ gerufen wird“, erklärte Riesterer. Die Tränen waren für die Gesamt-Zweite vor Sunny-Angelina Gschwender (Conway Factory Racing) dann Kommentar genug. Lina Dorscht (Scheßlitz) musste sich noch von der Französin Laura Lavry (Velo Club Dolois, +3:06) passieren lassen und wurde Vierte (+4:28).

Emma Eydt sicherte sich souverän den Sieg im letzen Bundesligarennen des Jahres
# Emma Eydt sicherte sich souverän den Sieg im letzen Bundesligarennen des Jahres - Foto: Armin M. Küstenbrück

Bei den Junioren gab es durch Leon Dénervaud und Jean-Luc Halter einen Schweizer Doppelsieg. Thore Hemmerling (Lexware) aus St. Ingbert wurde Dritter. Der deutsche Meister Lennart Krayer von der RSG Mannheim machte mit seinem fünften Rang den Gesamtsieg perfekt.

Hemmerling hatte das Rennen stark eröffnet, konnte das Tempo aber nicht durchziehen. Die beiden Schweizer zogen vorbei und in der Schlussrunde nahm Dénervaud in einer Abfahrt Risiko und riss die entscheidende Lücke. Er gewann mit zwölf Sekunden Vorsprung auf Halter und 2:04 Minuten vor Hemmerling.

Alle Ergebnisse findet ihr hier.

Alle Ergebnisse der Bundesliga-Gesamtwertung 2019 findet ihr hier.

Pressemitteilung MTB-Bundesliga
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