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Dank frisch gegründetem eigenen Team gab es für Nina kurz vor der Abreise nach Portugal noch einiges zu tun
Dank frisch gegründetem eigenen Team gab es für Nina kurz vor der Abreise nach Portugal noch einiges zu tun - das Arbeitsgerät musste aufgebaut werden …
… und der neue Team-Van foliert und ausgebaut werden.
… und der neue Team-Van foliert und ausgebaut werden.
Bis nach Portugal sind es einige Kilometer, da kann einem mal die Musik ausgehen.
Bis nach Portugal sind es einige Kilometer, da kann einem mal die Musik ausgehen.
Corona ist auch bei der Abreise bereits ein Thema
Corona ist auch bei der Abreise bereits ein Thema - noch soll der World Cup allerdings stattfinden.
Am Meer in Spanien gibt es eine kleine Pause vom Autofahren.
Am Meer in Spanien gibt es eine kleine Pause vom Autofahren.
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Das Wetter spielt nicht ganz so sehr mit …
Das Wetter spielt nicht ganz so sehr mit …
… doch Radfahren im Schlamm macht schließlich auch Spaß.
… doch Radfahren im Schlamm macht schließlich auch Spaß.
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Lousa ist bereits seit Längerem als Trainings-Strecke vieler Profis bekannt und beliebt.
Lousa ist bereits seit Längerem als Trainings-Strecke vieler Profis bekannt und beliebt.
Nun stimmt auch das Wetter …
Nun stimmt auch das Wetter …
… besser als in Deutschland ist das allemal.
… besser als in Deutschland ist das allemal.
Dass Fox mit einigen neuen Produkten um die Ecke kommt, dürfte kein Geheimnis mehr sein!
Dass Fox mit einigen neuen Produkten um die Ecke kommt, dürfte kein Geheimnis mehr sein! - neben einer überarbeiteten Fox 40 …
… darf Nina auch einen neuen Stahlfeder-Dämpfer testen.
… darf Nina auch einen neuen Stahlfeder-Dämpfer testen. - Der soll zudem etwas mehr Progression besitzen.
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Das neue Racekit ist schon komplett fertig für den World Cup-Start.
Das neue Racekit ist schon komplett fertig für den World Cup-Start.
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Statt World Cup nun lediglich etwas Sightseeing am Meer!
Statt World Cup nun lediglich etwas Sightseeing am Meer!
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Auch wenn es in Portugal schön ist und man ideal trainieren kann, muss es leider wieder nach Hause gehen.
Auch wenn es in Portugal schön ist und man ideal trainieren kann, muss es leider wieder nach Hause gehen. - Das neuartige Coronavirus breitet sich immer heftiger aus.
Ganze 2.500 km am Stück möchte Nina auf der Rückreise bewältigen
Ganze 2.500 km am Stück möchte Nina auf der Rückreise bewältigen - Zwischenstopps sind in der Corona-Krise eher ungünstig.
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Hello Mountainbike-Community! Der Saisonstart verschiebt sich gerade um einige Wochen oder Monate und man muss eventuell schon bangen, ob er überhaupt stattfinden wird! Deswegen kann ich euch erst einmal leider nicht mit Rennberichten von den diesjährigen Weltcups versorgen. Ich wollte euch aber meinen ersten Trip nach Portugal nicht vorenthalten – auch wenn schließlich kein Weltcup stattfand und wir frühzeitig die Segel streichen mussten. Was gibt’s zu erzählen? Ein paar Hintergrundinfos zum Team, Erkenntnisse aus meinem allerersten Fox-Testcamp und ein paar nervenaufreibende Tage samt Rückreise. Seid gespannt.

Stressige Tage vor der Abreise

Wo beginnen wir? Vielleicht sogar gut eine Woche vor der Abreise – die ist für Samstag, den 7. März, geplant. Zusammen mit Erik, meinem Mechaniker, will ich in vier Tagen bis nach Lousa, Portugal, fahren. Aber vorher heißt es packen, packen, packen. Und damit meine ich nicht das finale Beladen des Autos, das ist ja dann ein Kinderspiel. Nein, jetzt mit eigenem Team gibt es da ein paar mehr Dinge zu organisieren, um vor Ort professionell aufgestellt zu sein. Mein Bike muss aufgebaut, das Pit-Equipment inklusive Pavillon bestellt und ausgetestet sowie alle möglichen Ersatzteile samt Werkzeug vorbereitet werden. Ach so – und natürlich das Auto, das muss noch ausgebaut und mit eigenem Design versehen werden, genauso wie der Pavillon. Ach, und unsere Team-Klamotten hätten wir fast noch vergessen! Die letzten Tage, beziehungsweise Wochen vor der Abreise waren wirklich nicht die entspanntesten. Trotz rechtzeitiger Planung wird es am Ende immer etwas eng, aber wir bekommen alles recht gut gewuppt: Das Auto wird zwei Wochen vor Abreise von Erik ausgebaut, dann geht’s direkt zum Folieren. Der Pavillon und die anderen Bestellungen kommen in der Woche vor der Abfahrt. Am Mittwoch steht dann auch mein Downhill-Bike fahrbereit da und am Freitag sind alle Kisten gepackt und zusammengeräumt.

Dank frisch gegründetem eigenen Team gab es für Nina kurz vor der Abreise nach Portugal noch einiges zu tun
# Dank frisch gegründetem eigenen Team gab es für Nina kurz vor der Abreise nach Portugal noch einiges zu tun - das Arbeitsgerät musste aufgebaut werden …
Diashow: Nina Hoffmann in Portugal: So findet man sein Bike-Setup für die Saison!
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… und der neue Team-Van foliert und ausgebaut werden.
Dass Fox mit einigen neuen Produkten um die Ecke kommt, dürfte kein Geheimnis mehr sein!
Auch wenn es in Portugal schön ist und man ideal trainieren kann, muss es leider wieder nach Hause gehen.
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… und der neue Team-Van foliert und ausgebaut werden.
# … und der neue Team-Van foliert und ausgebaut werden.

Auf geht’s nach Portugal

Dann ist endlich Samstag. Ich hüpfe aus dem Bett, frühstücke und, logo, trainiere noch eine kurze Einheit, bevor Erik um 11 Uhr kommt und wir das Auto beladen. Die eingebauten Regale sind wirklich top und wir haben genügend Platz und Ordnung für fünf Bikes, Pavillon, Pit-Einrichtung, Ersatzteile, Werkzeuge und „Dinge des persönlichen Bedarfs“. Jetzt noch einen Großeinkauf (damals konnte man noch gerade so vier Pakete Nudeln und Co. kaufen, ohne schräg angeguckt zu werden) und um halb 4 starten wir in Richtung Portugaaal! Also beziehungsweise ist unser erstes Ziel Saint-Avold, gleich der erste Ort in Frankreich hinter der deutschen Grenze. Um 10 checken wir ins Hotel ein und gehen relativ zielstrebig ins Bett – morgen wartet der längste Reisetag auf uns!

7 Uhr – aufstehen! Schließlich wollen wir pünktlich um 8 starten. Wir sind die Ersten beim Frühstück, schlagen uns die Bäuche voll und hüpfen ins Auto. Next Stop – Spananien! Genau, 1.200 km geht’s heute am Stück einmal durch ganz Frankreich bis hinter die Grenze nach Donostia San-Sebastian. Warum so viel auf einmal? Ich habe bei der Reiseplanung nach schönen Zwischenstopps gesucht und ehrlich gesagt hat mir in Frankreich kein Ort zugesagt. Ich wollte ans Meer, aber auch in die Berge. Und da erwies sich San-Sebastian als perfekter Zwischenhalt und ich konnte eine schöne Ferienwohnung in den Bergen ausfindig machen. Aber zunächst zur Autofahrt. Die verlief unspektakulär. Tempomat auf 115 km/h, Abstandshalter und Spurassistent an und so rollen wir in den Süden. Das Wetter draußen ist mies, weshalb wir froh sind, im Auto zu hocken. Nachdem wir keine Musik mehr hören können, schiebe ich Podcasts ein und schließlich landen wir bei Flachwitzen und am Ende sogar bei „Die drei ???“ und „TKKG“ – da werden Kindheitserinnerungen wach, haha. Nun gut, um 9 Uhr abends erreichen wir unsere Unterkunft, in der wir die nächsten zwei Nächte verbringen werden. Daraus könnt ihr schließen? Richtig, morgen wird kein Auto gefahren. Ein Tag Pause, damit wir die Beine vertreten, das Meer genießen und etwas Sightseeing machen können.

Bis nach Portugal sind es einige Kilometer, da kann einem mal die Musik ausgehen.
# Bis nach Portugal sind es einige Kilometer, da kann einem mal die Musik ausgehen.
Corona ist auch bei der Abreise bereits ein Thema
# Corona ist auch bei der Abreise bereits ein Thema - noch soll der World Cup allerdings stattfinden.
Am Meer in Spanien gibt es eine kleine Pause vom Autofahren.
# Am Meer in Spanien gibt es eine kleine Pause vom Autofahren.
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Leider spielt das Wetter nicht so mit, wie es auf den ganzen Werbefotos angepriesen wird. In der Nacht wache ich mehrfach auf, weil der Sturm gegen die Fenster drückt und am Morgen regnet es. Zum Glück schwenkt der Regen in leichten Niesel um und wir können uns am späten Vormittag doch auf die Bikes schwingen. Mit Trailforks können wir ein paar Strecken ausfindig machen und sauen uns dabei direkt von oben bis unten ein. Was ein Spaß, mal wieder im Regen zu fahren! Zurück an der Ferienwohnung will Erik gleich die Räder putzen – mit Tunap Sports Reiniger und unserem neuen Akku-Druckreiniger! Halt, Stopp – oder auch nicht mit unserem neuen Akku-Druckreiniger. Denn den AKKU gab’s irgendwie nicht dazu. Da sind wir Sparfüchse auf einen ganz klassischen Trick reingefallen. Der Kärcher war nämlich nur so billig, weil „Lieferung ohne Akku“. Na ja, was lernen wir daraus? Wie eigentlich immer: ordentlich lesen und ZU HAUSE austesten!

Alles halb so wild. Unser netter Vermieter stellt seinen Gartenschlauch zur Verfügung und 20 Minuten später glänzen die Bikes wieder. Nach einem ordentlichen Mittag machen wir noch ein paar Fotos von den neuen Trikots, Fahrrad und Auto. Dann geht’s runter in die Stadt und ans Meer, um ein bisschen Seeluft zu schnuppern und uns anschließend die Bäuche in einem typisch spanischen Restaurant vollzuschlagen! Kugelrund spazieren wir zum Auto zurück und nach einer kleinen Dehnungssession geht’s dann auch schlafen.

Das Wetter spielt nicht ganz so sehr mit …
# Das Wetter spielt nicht ganz so sehr mit …
… doch Radfahren im Schlamm macht schließlich auch Spaß.
# … doch Radfahren im Schlamm macht schließlich auch Spaß.
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Angekommen in Lousa und Absage des Weltcups

Mittlerweile haben wir Dienstag, den 10. März. Die letzten 750 km stehen auf dem Plan und ich glaube es gibt nichts Entspannteres, als über die gottverlassenen Autobahnen Spaniens zu zuckeln. Also zumindest auf unsere Route ist Verkehr Fehlanzeige und man fühlt sich ein bisschen wie im großen, weiten Amerika … ich zumindest. Dazu steigt das Thermometer stündlich Grad für Grad bis auf 20° C – Urlaubsstimmung. Am frühen Nachmittag passieren wir die letzte Grenze und kommen schließlich zwei Stunden später in Lousa an. Es war echt nicht leicht, eine vernünftige Unterkunft zu finden und deshalb war ich etwas skeptisch wegen der verheißungsvollen Bilder auf Air BnB. Aber meine Erwartungen werden mehr als erfüllt – ein neuer, idyllisch gelegener Bungalow mit kleiner Terrasse und Bächlein im Vorgarten, nur 1,5 km von der Strecke entfernt. Was will man mehr?

Sofort beziehen wir die Zimmer und schwingen uns auf die Räder, um eine kurze „OKF“ (eine Ortskontrollfahrt) zu machen. Dabei genießen wir den Sonnenuntergang und freuen uns auf die kommenden Tage – zu dem Zeitpunkt noch mit dem Gedanken, den ersten Weltcup zu bestreiten. Das sollte sich aber gleich ändern. Ich checke meine Mails und Tadaa, hier ist sie: die Absage für Weltcup Nummer eins. Soll ich ehrlich sein? Ich habe nur noch darauf gewartet. Die Lage hatte sich in den vergangenen Tagen zunehmend verschlechtert. Sämtliche Sportveranstaltungen in anderen Ländern wurden abgesagt. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis auch unsere Rennen davon betroffen sind. Da ich aber nicht nur für den Weltcup hier unten bin, sondern auch, um mit Fox das neue Fahrwerk zu testen und einzustellen, wäre ich so oder so hergefahren. Also sehen wir die Neuigkeit gelassen und freuen uns momentan noch auf zwei schöne Wochen Training mit ganz viel Fahrrad fahren.

Lousa ist bereits seit Längerem als Trainings-Strecke vieler Profis bekannt und beliebt.
# Lousa ist bereits seit Längerem als Trainings-Strecke vieler Profis bekannt und beliebt.
Nun stimmt auch das Wetter …
# Nun stimmt auch das Wetter …
… besser als in Deutschland ist das allemal.
# … besser als in Deutschland ist das allemal.

Nächster Morgen und ab aufs Bike! Für heute steht eigentlich noch nichts auf dem Plan. Testen mit Fox ist offiziell erst morgen. Jordi hat mir aber angeboten schon heute zu kommen und ein paar Abfahrten mitzunehmen. Da sage ich nicht nein! Aber zuerst etwas pedalieren, damit die Beine nicht gleich völlig fest gehen nach der Autofahrt gestern. Erik und ich strampeln einmal den Berg hoch – was ganze 1,5 h dauert –, genießen die Aussicht und düsen wieder bergab. Mittagessen und ab aufs Downhill-Rad. Ich bin heiß wie eine Heizung – endlich wieder auf dem großen Rad auf einer ordentlichen Strecke! Der Weltcup-Track ist für alle noch geschlossen. Es gibt eine zweite Strecke, auf der man fahren darf und auf der Fox das Fahrwerk testen lässt. Während der ersten Abfahrt wird meine Motivation allerdings deutlich gebremst. Ach du k****, was ist das denn für eine Strecke? Mega tiefe Rinnen, Löcher und ein Wurzelstück, das quasi kaum noch fahrbar ist. Pff, hier soll ich also die kommenden zwei Tage mein Fahrwerk testen? Na prima. Ich finde auch nach ein paar Abfahrten keinen richtigen Flow und bin am Abend nur noch mittelmäßig motiviert. Nun gut …

Testtag 1 mit Fox

Es ist Donnerstag und mein erster richtiger Testtag mit Fox steht an. Ich bin gespannt, wie das jetzt alles abläuft und vor allem, ob ich’s hinbekomme, die Veränderungen auch zu merken. Das ist nämlich jetzt nicht so mein Steckenpferd … aber deswegen arbeiten wir daran! Wir parken das Auto und Erik darf sich direkt auf einem der Werktische ausbreiten. Die kommenden zwei Tage können auch wir uns ein bisschen aufeinander einspielen, um dann zum ersten Rennen (wann auch immer es nun sein wird) perfekt zu harmonieren. Ich bekomme von Fox die neue Prototyp-Gabel und es wird auch einen neuen Dämpfer geben. Beides darf Erik einbauen und ich gehe auf die erste Abfahrt zum Eincruisen.

Pascal von Fox hat ein Grundsetup eingestellt – angepasst an mein Gewicht (mit kompletter Ausrüstung!), meine alten Einstellungen, meinen Fahrstil und bisherige Kenntnisse über die Teststrecke. Auf die neue Gabel muss beispielsweise mehr Luftdruck als auf die alte und an Gabel und Dämpfer es gibt es deutlich weniger High Speed-Klicks als zuvor. Alles wird notiert: Tune, Luftdruck, Federrate, Volumenspacer, Sag, Klicks. Und dann heißt es Eindrücke sammeln und an den Rädchen drehen. Witzigerweise bin ich so begeistert vom neuen Fahrwerk, dass ich zunächst nichts geändert haben möchte. Ich fühle mich pudelwohl und auch die Strecke gefällt mir jede Abfahrt irgendwie besser, weil ich jetzt ordentliche Linien fahre und auf Speed komme.

Dass Fox mit einigen neuen Produkten um die Ecke kommt, dürfte kein Geheimnis mehr sein!
# Dass Fox mit einigen neuen Produkten um die Ecke kommt, dürfte kein Geheimnis mehr sein! - neben einer überarbeiteten Fox 40 …
… darf Nina auch einen neuen Stahlfeder-Dämpfer testen.
# … darf Nina auch einen neuen Stahlfeder-Dämpfer testen. - Der soll zudem etwas mehr Progression besitzen.

Und dann fange ich auch an, zu spüren, an welchen Stellen etwas noch nicht 100 % passt. Ich suche mir ganz bestimmte Punkte auf der Strecke – beispielsweise eine Kurve mit Bremslöchern davor, einen Sprung ins Flat, eine Highspeed-Grade oder eine Wurzelpassage – und vergleiche hier in jeder Abfahrt meine Eindrücke zum Fahrwerk. Das berichte ich direkt Pascal und er spielt dann an den Einstellern herum. Er sagt mir auch nicht, was er wohin verdreht, damit ich da ja nicht zu viel drüber nachdenke. Ich soll es spüren. Und tatsächlich merke ich mittlerweile den Unterschied zwischen einem Klick mehr oder weniger Low Speed-Rebound an der Gabel – verrückt! Auch am Dämpfer können wir Fortschritte machen. Ich fahre jetzt eine weichere Feder als letztes Jahr, damit der Sag wieder stimmt. Ich bin 2019 während der Saison auf eine härtere Feder umgestiegen, da mir die Progression gefehlt hatte. Der neue Dämpfer arbeitet in dem Bereich besser, wird progressiver und so kann ich wieder eine weichere Feder fahren und habe trotzdem den nötigen Gegenhalt.

An der Gabel gehen wir gegen Ende des Tages mit dem Luftdruck nach oben, da ich deutlich schneller unterwegs bin als noch am Morgen. Im Gesamten fahre ich jetzt auch ein schnelleres Fahrwerk als zuvor – denn schnell ist auch schnell, solange man es halten kann!!! Nach schließlich neun Abfahrten haben wir ein Setup gefunden, auf dem ich mich echt wohlfühle! Ich konnte vom heutigen Tag einiges mitnehmen und auch Erik ist um viele Hintergrundinformationen reicher, die uns auf den kommenden Rennen sicher helfen werden. Morgen sollte es nun eigentlich Testtag 2 geben … der fällt jetzt allerdings dank Corona ins Wasser. Fox muss abreisen, damit Jordi noch rechtzeitig in die USA zurückkommt und Pascal den Truck sicher vor möglichen Grenzschließungen nach Deutschland fahren kann. Schade eigentlich, aber dann testen wir eben noch selbst einen zweiten Tag.

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Testtag 2 mit … uns!

Gesagt, getan. Am nächsten Morgen organisieren wir uns einen Shuttle mit Louzan-Bikepark und weiter geht’s. Neben dem Fahrwerk gibt es ja noch einige andere veränderbare Dinge am Fahrrad – Cockpithöhe, Tretlagerhöhe, Hinterbaulänge … und noch mehr – aber die drei Dinge haben wir getestet. Ich hatte im Winter-Trainingslager in Italien schon herausgefunden, dass ich entweder den Flip-Chip am Hinterbau auf kurz und den Flip-Chip am Lower-Link auf tief oder aber Hinterbau lang und Lower-Link hoch fahre. Jedoch war ich mir noch unsicher, mit welcher Einstellung ich letztlich in die Saison starte, denn beides hat Vor- und Nachteile: Hinterbau lang und Lower-Link hoch = mehr Laufruhe, aber stärkeres Wegsacken in Kompressionen. Hinterbau kurz und Lower Link tief = agiler und wendiger um Kurven, aber unruhiger auf schnellen Stücken. Das Verändern der Hinterbaulänge spürt man enorm – da ich aber gleichzeitig die Lower-Link-Position verstelle, fällt der Unterschied nicht mehr so markant aus. Ich teste beides gegen die Uhr und fahre nahezu identische Zeiten. Jedoch fühle ich mich auf der Variante „Hinterbau lang, Lower-Link hoch“ irgendwie wohler. Das Rad ist einfach aktiver und ich kann besser mit dem Gelände arbeiten. Also entscheiden wir uns, mit dieser Einstellung in die Rennsaison zu starten.

Das neue Racekit ist schon komplett fertig für den World Cup-Start.
# Das neue Racekit ist schon komplett fertig für den World Cup-Start.

Dann schraubt Erik noch mein Cockpit nach unten, indem er die Rohre der Gabel etwas durchschiebt – um 0,7 mm. Ich fahre wieder eine Abfahrt und vergesse total, mich auf diese Veränderung zu konzentrieren. Fazit: Ich merke keinen Unterschied. Aber die Uhr sagt, dass ich eben 2 Sekunden schneller war als die vergangenen Läufe. Und das wird mit zwei weiteren Abfahrten sogar noch deutlicher. Zwar habe ich die Veränderung der Cockpithöhe nicht gemerkt, ich bin mit der Einstellung aber schließlich 5 s schneller als zu Beginn gefahren – kann ja nicht so falsch gewesen sein. Also belassen wir es bei einem niedrigeren Cockpit. Ich denke, ich habe jetzt ein gutes Grund-Setup für die Saison gefunden! Am Ende des Tages pedalieren wir uns noch eine knappe Stunde durch die Gassen der Stadt aus, mopsen ein paar Orangen und Zitronen (Vitamine gegen Corona! :D) und genießen die Abendsonne. Es ist wirklich schön hier und so richtig möchte ich eigentlich nicht heim. Aber unsere Ohren lauschen mittlerweile sehr gespitzt den Nachrichten – und die überschlagen sich zunehmend.

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Die letzten Tage, bis uns Corona nach Hause treibt

Samstag, Ruhetag. Nach drei Tagen Downhill mache ich heute easy. Früh ein kleines Kraftprogramm und dann wollen wir nach Nazaré an die Küste fahren, dort wo der Big Wave Contest auch immer stattfindet. Bisher ist der Plan, noch 3–4 Tage hier zu bleiben. Morgen wird die Weltcup-Strecke geöffnet und ich möchte unbedingt noch ein paar Abfahrten darauf machen! Dann vielleicht noch nach Tarouca, wo es auch eine richtig gute DH-Piste geben soll und noch einen Tag Enduro fahren. So unser bisheriger Plan. Nach Kraftzirkel und Frühstück packen wir die Sachen, um an die Küste zu fahren. Ich kann es natürlich nicht lassen, das Rennrad ins Auto zu werfen, um dort noch eine Stunde zu kurbeln. Während ich also die Küste entlang radel, vertreibt sich Erik die Zeit mit einem Spaziergang am Meer. Danach gehen wir eine Kleinigkeit essen und genießen die fast 20° C und den Sonnenschein. Aber schon auf der Rückfahrt ändert sich unsere durchweg positive Stimmung. Teammanager Sven ruft an: „Deutschland macht die Grenzen dicht!“ Waaah. „Spanien hat den Alarmzustand ausgerufen.“ Doppel-Waaah. Aber ich will doch morgen noch einen Tag Downhill fahren, sind meine Gedanken.

Statt World Cup nun lediglich etwas Sightseeing am Meer!
# Statt World Cup nun lediglich etwas Sightseeing am Meer!

Wir telefonieren nach Hause, lesen Nachrichten, wägen ab und entscheiden uns, noch einen Tag zu bleiben. Wir gehen nicht davon aus, dass „Grenzen dicht“ heißt, dass niemand da mehr durch darf. Die Durchreise wird wohl schon noch möglich sein und als deutsche Staatsbürger wird uns die Einreise nach Deutschland immer erlaubt sein. Wir versuchen, wieder positive Stimmung aufzubauen und alles etwas rationaler zu sehen. Und wenn man nicht minütlich in den Laptop oder aufs Handy schaut, ist die Welt auch noch ziemlich in Ordnung. Portugal hat momentan nur ein paar Dutzend Infizierte. Die Regierung verschärft aber auch ab Montag die Maßnahmen, will Restaurants, Bars, Cafès schließen lassen und große Menschenansammlungen untersagen.

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Kommen wir aber von dem ganzen Corona-Wahnsinn zurück zum Fahrrad fahren. 😊 Das machen wir nämlich am heutigen Sonntag auf der Weltcup-Strecke. Ziel ist es, einfach ein paar entspannte Abfahrten zu sammeln, die Strecke kennenzulernen und wichtig: Nicht zu übertreiben. Und das mache ich auch. Erstmal abrollen, Linien checken und verschiedene Linien ausprobieren. Nach ein paar Läufen habe ich mehr Geschwindigkeit und merke, wie mir das Fahrwerk zunehmend durchrauscht. Erik dreht je einen Klick High Speed Compression an Dämpfer und Gabel rein. Top! Das hat gereicht, um mir mehr Gegenhalt zu geben. Also Veränderung gleich aufschreiben für ein mögliches Rennen im Oktober 😉. Am Abend geht die Diskussion um die Rückreise wieder los. Wenn wir morgen früh fahren, ist sicher Chaos an den Grenzen, weil diese erst ab morgen geschlossen werden. Und hier ist es wirklich um einiges idyllischer als in meinem Zimmer im Studentenwohnheim. Außerdem sollen ab Dienstag in Jena alle nicht überlebensnotwendige Geschäfte inklusive Einrichtungen des öffentlichen Lebens schließen.

Ja gut, wenn zu Hause eh nichts mehr geht, kann ich auch noch ein bisschen hierbleiben mit definitiv besseren Trainingsmöglichkeiten. Meine Meinung aktuell. Ich kann Erik dazu überreden, noch einen weiteren Tag zu bleiben. Dienstag wollen wir dann aber die Heimreise antreten. Und so ziehen wir es jetzt auch durch. Heute, Montag, gehen wir noch eine Runde strampeln, bis die Beine tot sind. Dann wird das Auto zum Teil gepackt, wir machen ein schönes Abendbrot und ab geht’s in die Heia – Schlaf auftanken. Wir haben uns entschlossen, die 2.500 km bis nach Hause in einem Stück durchzuziehen. Aufgrund der aktuellen Situation möchten wir so wenig wie möglich anhalten und schon gar nicht in einem Hotel übernachten.

Auch wenn es in Portugal schön ist und man ideal trainieren kann, muss es leider wieder nach Hause gehen.
# Auch wenn es in Portugal schön ist und man ideal trainieren kann, muss es leider wieder nach Hause gehen. - Das neuartige Coronavirus breitet sich immer heftiger aus.

Rückfahrt mit drei Hürden

Dienstag, 10.03.2020. Wir treten unsere Heimreise nach Deutschland an! Noch ein kurzer Spaziergang, um Orangen für zu Hause mitzunehmen und um 10 Uhr starten wir den Motor. Die Stimmung ist recht angespannt. Wir haben am Abend zuvor noch mit der deutschen Botschaft in Lissabon telefoniert (ich hab sowas noch nie gemacht). Der gute Mann am Telefon machte uns wenig Hoffnung: „Die Grenzen sind zu. Aber ich würde es zumindest mal probieren, vielleicht haben Sie ja Glück. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Hm, das sind jetzt nicht so motivierende Worte … aber gut, was soll’s. Knapp zwei Stunden sind es bis zum ersten Grenzübertritt. Wir spinnen Pläne, was wir den Grenzbeamten erzählen, legen Desinfektionsmittel in die Windschutzscheibe und ich sprühe extra Nasenspray in meinen etwas verstopften Zinken. Fürs Gewissen.

Die Spannung steigt, wir rollen zwischen zahlreichen LKW Richtung Spanien und jaaa … da ist sie, die Grenze. Es stehen auch drei Beamte mit Handschuhen dort. Ich fahre extra langsam, wir werden aber keines Blickes gewürdigt und schwupps, sind wir in Spanien! Echt jetzt? Das war’s? Tzzzz, na gut. Hürde eins von drei geschafft. Durch Spanien ist es wieder richtig entspanntes Fahren und gegen 8 Uhr abends erreichen wir die nächste Grenze. Die Franzosen sind sicher strenger als die Spanier, denken wir. Zu unserer Überraschung stehen an dieser Grenze gar keine Beamten – zumindest in unserer Richtung. Die Gegenrichtung wird kontrolliert. Ja mega! Zwei von drei geschafft. Entspannung macht sich breit, denn die deutsche Grenze sollte kein Problem sein.

Ganze 2.500 km am Stück möchte Nina auf der Rückreise bewältigen
# Ganze 2.500 km am Stück möchte Nina auf der Rückreise bewältigen - Zwischenstopps sind in der Corona-Krise eher ungünstig.

Wir machen Fahrerwechsel und ich versuche, im Fußraum des Autos ein paar Stunden Schlaf zu erhaschen. Erik fährt den Bus sicher durch Frankreich und als die Sonne am Morgen aufgeht, übernehme ich wieder das Steuer. Noch gut eine Stunde bis wir Hürde drei von drei hoffentlich nehmen können. Und siehe da, auch die deutsche Grenze ist stressfrei. Zugegeben, die Kontrollen hier sind am strengsten. Jedes Auto wird angehalten, Ausweise kontrolliert, und der Pole vor uns muss rechts ranfahren. Ich erkläre dem Polizisten, dass wir uns topfit fühlen und so dürfen wir einreisen. Ahu!!! Das Erste, was wir auf deutschem Boden machen: Ab zu McDonalds und einen McFlurry gönnen! Mhhh, der schmeckt besonders gut, haha! Die letzten 500 km sind ein Kinderspiel und so erreichen wir um halb zwei Jena. Nach 26,5 Stunden Autofahrt.

Ich witzele nach unserer Ankunft ein wenig rum: Die Reise war schon unspektakulär – ich hätte meinen Kindern in 15 Jahren gern erzählt, wie wir uns damals fluchtartig durch die Weiten Europas geschlagen haben. Der Tank halb leer, die Nahrung knapp und an den Grenzen gab es wilde Handgemenge mit den Polizisten. Wir mussten uns unentdeckt über die Grenzen schmuggeln, bis wir schließlich nach drei Tagen ohne Rast das Heimatland erreichten. Nein! Spaß beiseite. Wir sind heilfroh, ohne irgendwelche Probleme wieder in Deutschland angekommen zu sein und wissen das auch sehr zu schätzen! Und damit drücke ich jetzt die Daumen, dass sich die Situation auf der ganzen Welt schnellstmöglich entspannt und ich euch hoffentlich noch dieses Jahr von Weltcup-Rennen und Reisen berichten kann!

Cheers, eure Nina

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  1. benutzerbild

    xMARTINx

    dabei seit 12/2006

    Gloryzero schrieb:

    Was ihr alles seht... Mir ist die Bremsscheibe nicht aufgefallen, dafür die ausgebaute Compression Einheit vom neuen Dämpfer auf Bild #14. HSC-Verstellung wohl immer noch über Federvorspannung. Aber zumindest offensichtlich, wie auch schon aufgrund des vergrößerten Bauraums zu vermuten war, nun richtiges Compression-Shimstack. Für mich interessanter als die Scheibe. LSR Verstellung sitzt ja jetzt auch wieder „unten“, also über Nadel.

    Danke für den ausführlichen und interessant zu lesenden Bericht. 👌🏻

    Ganz ehrlich...was sich Fox dabei gedacht hat das Rädchen so dämlich zu positionieren weiß auch keiner. Schade auch das man es bis heute nicht geschafft hat auch die die Schrauben an der Steckachse zu reduzieren, das ist so richtig Mittelalter.
  2. benutzerbild

    Gloryzero

    dabei seit 12/2007

    xMARTINx schrieb:

    Ganz ehrlich...was sich Fox dabei gedacht hat das Rädchen so dämlich zu positionieren weiß auch keiner. Schade auch das man es bis heute nicht geschafft hat auch die die Schrauben an der Steckachse zu reduzieren, das ist so richtig Mittelalter.


    What?! HSR?? Jetzt frag ich mich ernsthaft wie das umgesetzt ist. : Würd den ja gern mal zerlegen...
  3. benutzerbild

    AchseDesBoesen

    dabei seit 08/2003

    Die Strecke sieht echt eklig aus
  4. benutzerbild

    Nurmi92

    dabei seit 11/2015

    schade um den WC in Lousa.

    die Datumsangaben dürften irgendwie falsch sein?

    Mittlerweile haben wir Dienstag, den 10. März. Die letzten 750 km stehen auf dem Plan und ich glaube es gibt nichts Entspannteres, als über die gottverlassenen Autobahnen Spaniens zu zuckeln.


    am Ende wird dann auch der 10.3 als Tag der Abreise von Spanien angeführt?
  5. benutzerbild

    NoriDori

    dabei seit 12/2013

    Mal abgesehen wie die Nina DH fährt - sie schreibt mit Abstand die besten Berichte!!!

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