Immer noch besteht weit verbreitete Ignoranz und Unkenntnis über die rechtlichen Grundlagen im Fall von Mängeln bzw. Reklamationen. Viele haben einfach vollkommen überzogene oder falsche Vorstellungen und dies auf Käufer und Verkäufer Seite. Daher habe ich hier versucht mal ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Leider ging es nicht ganz ohne Paragraphen. BGB steht für Bürgerliches Gesetzbuch, das gibt es im Netz und in jeder Buchhandlung. Die Erklärungen habe ich meist aus Sicht des Käufers geschrieben. Nehmt Euch die Zeit und lest das durch, dann habt Ihr eine gute Vorstellung was Sache ist und wisst, dass Gewährleistung nicht gleich Garantie ist.

Ich möchte betonen dass ich hierfür keine Gewähr übernehme, ich habe mich streng an das gehalten was im BGB steht. Gerne nehme ich begründete Verbesserungen entgegen oder beantworte, soweit mir möglich auch Fragen bzw. mache weitere Ausführungen.

Häufig sind die Fälle aber Auslegungssache und können so oder so beurteilt werden. Bitte seht also von allzu speziellen Fragen ab, wenn die grobe Richtung klar ist.

Ich kann Euch nur empfehlen die drei unten genannten Regeln einzuhalten und Ihr seid auf der sicheren Seite und einem gutem Weg.

Minderjährigen kann ich nur empfehlen im Streitfall unter allen Umständen einen Erziehungsberechtigten hinzu zu ziehen. Evtl. seid Ihr rechtlich noch nicht geschäftsfähig, was einiges verkomplizieren kann.

3 Goldene Regeln im Schadensfall

1. Mängel sofort melden, nicht noch lange damit durch die Gegend fahren – Folgeschäden!

2. Der erste Weg führt immer dahin, wo das entsprechende Produkt gekauft wurde, nicht zu dem der es produziert hat.

3. Immer freundlich und vor allem sachlich bleiben.

Gewährleistung

Die gesetzliche Gewährleistungspflicht ist, wie der Name schon sagt gesetzlich geregelt (§ 433 und 434 ff. BGB). Die Gewährleistungspflicht besteht zwischen dem Verkäufer und dem Käufer, also Euch. Ihr habt hier keine direkten Ansprüche gegenüber dem Hersteller, es sei denn Ihr habt direkt bei ihm gekauft – deshalb auch Regel Nr. 2.

Bei Privatverkäufen kann und wird in aller Regel die Gewährleistung ausgeschlossen.

Fristen

Folgende Fristen sind für Verbrauchsgüter geltend:

- 2 Jahre Verjährungsfrist für Sach- und Rechtsmängel (§ 438 BGB)

- in den ersten sechs Monaten besteht „Beweislastumkehr“, das bedeutet der Verkäufer muss nachweisen, dass die Sache zum Zeitpunkt des Verkaufs frei von Män-geln/Defekten war (§ 476 BGB).

Rechte des Käufers (§ 437 BGB)

Sollte ein Mangel auftreten könnt Ihr gemäß den jeweiligen Bestimmungen Nacherfüllung oder Minderung der Sache verlangen, vom Vertrag zurücktreten, sowie unter gewissen Umständen Schadensersatz verlangen. Ihr habt hier also keine freie Auswahl, sondern die einzelnen Vorraussetzung z.B. für einen Rücktritt müssen erfüllt sein. Was diese sind steht im BGB bzw. versuche ich hier mal zusammen zu fassen.

Nacherfüllung (§ 439 BGB) / Minderung: (§ 441 BGB)

Wenn eine Reparatur bzw. ein Tausch des Kaufgegenstandes den Mangel beseitigt ist die Gewährleistungspflicht erfüllt. Sollte der Gegenstand zweimal erfolglos in diesem Sinne nachgebessert worden sein, könnt Ihr vom Vertrag zurücktreten (wie kommt gleich).

Alternativ könnt Ihr auch eine Minderung des Kaufpreises verlangen. Dies bietet sich z.B. gerade bei kleineren Mängeln, die z.B. rein optischer Natur sind an. Die Höhe der Minderung hängt natürlich vom Mangel selbst ab und richtet sich auch nach dem Wert der Sache. Beispiel: Bei der Montage rutscht der Monteur mit dem Schlüssel ab und beschädigt den Lack. An einem neuen Rahmen bedeutet dies eine wesentlich höhere Wertminderung als derselbe Schaden an einem älteren Rahmen, der evtl. schon Kratzer hat.

Rücktritt (§§ 440, 323 und 326 Abs. 5 BGB)

Erste Vorraussetzung für einen Rücktritt vom Kaufvertrag ist, dass Euch der Verkäufer eine geschuldete Leistung nicht erbringt.

Die kann sein z.B. weil er dazu nicht in der Lage ist, weil er sie einfach verweigert, weil die Zeitspanne oder die Nacherfüllung Euch nicht zumutbar ist (Achtung vor Gericht sind einige Wochen in den meisten Fällen sehr wohl zumutbar) oder etwas ähnliches eintritt. In den letzten beiden Fällen könnt Ihr ohne Fristsetzung vom Vertrag zurücktreten, genauso wenn die Nachbesserung zwei mal fehlgeschlagen ist.

Schadensersatz / Ersatz vergeblicher Aufwendungen (§§ 440, 280, 281, 283 und 311a bzw. 284 BGB)

Ist Euch durch einen Mangel an dem Verkaufsgegenstand ein Schaden entstanden so könnt Ihr Schadenersatz verlangen, auch dann wenn Ihr vom Vertrag zurückgetreten seid. Die Voraussetzungen sind ähnlich denen, für den Rücktritt. Die Paragraphen (siehe oben) hierzu sind etwas kompliziert in einfache Worte zu fassen und immer fallabhängig.

Wichtig: Es werden natürlich nur die tatsächlich entstanden Schäden erstattet, Ihr könnt also nicht einfach hergehen und einen fiktiven Geldbetrag vom Verkäufer verlangen.

Schmerzensgeld, und speziell dessen Höhe im Falle eines körperlichen/geistigen Schadens ist wieder an anderer Stelle geregelt. Lediglich die rechtliche Grundlage ist hiermit gegeben.

Garantie

Eine Garantie ist nicht dasselbe wie die Gewährleistung, sondern eine freiwillige Leistung des Herstellers bzw. des Dienstleisters. Die Dauer und die Bedingungen für diese Garantie können deshalb auch völlig frei festgelegt werden. An die festgelegten Bedingungen muss sich dann natürlich auch gehalten werden (§443 und 477 BGB). Diese sind Teil des Kaufvertrages.

Kulanz

Kulanz ist reine Ermessenssache des Herstellers, Dienstleister oder Händlers. Wenn weder Garantie- noch Gewährleistungsansprüche seitens des Verbrauchers bestehen – wenn also eigentlich Du bezahlen müsstest, dann kann Dir z.B. Dein Händler anbieten, das Teil dennoch kostenlos oder gegen einen Kostenbeitrag zu tauschen bzw. zu reparieren. Niemand ist aber dazu verpflichtet kulant zu sein, meistens zahlt sich in diesem Fall besonders die Beachtung von Regel Nr. 3 aus.

Rote Locke war so freundlich aktuelle Informationen zu diesem Thema bereitszustellen. Solltet Ihr Fragen haben oder Unklarheiten bestehen meldet Euch bitte.

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    isartrails

    dabei seit 01/2004

    HB76
    verschleiß ist kein defekt
    cxfahrer
    Defekt ist kein Verschleiss.
    Das ist doch die eigentliche Sauerei: Die Hersteller versuchen mit allen Mitteln immer den Kunden als den Schuldigen in einer Mängelsache dastehen zu lassen.
    Das bringt mich jedesmal auf die Palme, dass ich mir im Bikeshop vom Händler sagen lassen muss, dass ich falsch bremse, meine Federgabel nicht richtig einstelle und fahre, überhaupt alles beim Biken falsch mache und deswegen ergo der Hersteller jede Haftung für entstandene Mängel ablehnt. Ob unrund gebremste Bremsscheiben, Spiel im Steuerlager, in den Federgabelholmen oder sonst irgendein Klappern oder Quietschen. Immer ist der Fahrer schuld - und das, obwohl ich erst seit 20 Jahren bike und von daher echt nicht weiß, wie's geht... Kulanz ist in dieser Branche echt ein Fremdwort.

    Beispiele hätte ich mehr als genug: Was sich die große Federgabelfirma mit den drei Buchstaben gegenüber ihren Kunden einfallen lässt, grenzt an Menschenverachtung. Oder ein Bekannter, dessen AllMountain-Carbon-Rahmen eines sehr großen amerikanischen Herstellers innerhalb des ersten Jahres zweimal an der selben Stelle gebrochen ist (was immerhin ein deutlicher Hinweis an den Hersteller für möglicherweise mangelnde Herstellungssorgfalt wäre). Man hat ihm den Rahmen nach dem ersten Mal und aufwendigen und langandauernden Prüfungen (2 Monate) ersetzt, aber nach dem zweitenmal einfach behauptet, er setze ihn falsch ein (so als ob sie selbst dabei gewesen wären) und von daher sei die Garantie erloschen. Er bekam einfach den defekten Rahmen zurück und der Hersteller wusch sich die Hände in Unschuld.

    Was ich vermisse, ist eine helfende Instanz, Verbraucherschutz, oder ein Ombudsmann, der den Herstellern mal mächtig in den A.... tritt und auch vor einer nötigen Klage nicht zurückschreckt.
    Solange es das nicht gibt, machen die Hersteller mit den Bikern, was sie wollen, weil sie nicht fürchten mssen, dass sich mal einer juristisch gegen diese Willkür wehrt.
    Leider ist in dieser Hinsicht auch keine Hilfe von den großen Zeitschriften zu erwarten, denn die beten lieber die News der Firmen herunter, als ihnen unangenehme Fragen zu stellen.

    Zurück zu meiner urprünglichen Frage, denn die ist eigentlich immer noch nicht so recht klar beantwortet: Ist die Gewährleistungspflicht des Herstellers nicht doch eher an die Sache gebunden - ergo unabhängig von der Anzahl der Vor-Besitzer...?
  2. benutzerbild

    Anzeige

  3. benutzerbild

    isartrails

    dabei seit 01/2004

    cxfahrer
    Ich kenne aber auch jemand, der hat seine nach 4 Monaten defekte Gabel als Erstbesitzer des Komplettrads an den Service zwecks Garantie geschickt und bekam einen Kostenvoranschlag, da es sich angeblich um normalen Verschleiss handele....(Canyon).
    Lass mich raten, der Name des Herstellers der Federgabel hatte drei Buchstaben...?
    :p
  4. benutzerbild

    cxfahrer

    dabei seit 03/2004

    Nein, darfst nochmal raten.

    Ansonsten:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Garantie
    "frei gestaltbar" - kommt also drauf an (Garantie vom Teilehersteller, vom Bikehersteller, nur an Erstkäufer, für alle -wie auch immer).

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gewährleistung
    ist im BGB geregelt und bezieht sich nur auf ein Handelsgeschäft - also zwischen dir und dem Verkäufer.

    Es geht nicht um "die Sache", denn die alleine ist ja uninteressant, solange sie niemand kauft. Es geht darum, dass dir jemand was verkauft - er muss gewährleisten, dass "die Sache" (oder was auch immer!) funktioniert. Für ein Fahrrad ist 6 Monate lang die Beweislast beim Verkäufer. Also kann nur der Erstkäufer gegen einen Fahrradhändler vorgehen.
  5. benutzerbild

    Spike777

    dabei seit 05/2010

    Thomas
    [imgl]http://www.mtb-news.de/images/stories/original/thumbs/garantie.jpg[/imgl]Immer noch besteht weit verbreitete Ignoranz und Unkenntnis über die rechtlichen Grundlagen im Fall von Mängeln bzw. Reklamationen. Viele haben einfach vollkommen überzogene oder falsche Vorstellungen und dies auf Käufer und Verkäufer Seite. Daher habe ich hier versucht mal ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Leider ging es nicht ganz ohne Paragraphen. BGB steht für Bürgerliches Gesetzbuch, das gibt es im Netz und in jeder Buchhandlung. Die Erklärungen habe ich meist aus Sicht des Käufers geschrieben. Nehmt Euch die Zeit und lest das durch, dann habt Ihr eine gute Vorstellung was Sache ist und wisst, dass Gewährleistung nicht gleich Garantie ist.
    Ich möchte betonen dass ich hierfür keine Gewähr übernehme, ich habe mich streng an das gehalten was im BGB steht. Gerne nehme ich begründete Verbesserungen entgegen oder beantworte, soweit mir möglich auch Fragen bzw. mache weitere Ausführungen.

    Häufig sind die Fälle aber Auslegungssache und können so oder so beurteilt werden. Bitte seht also von allzu speziellen Fragen ab, wenn die grobe Richtung klar ist.
    Ich kann Euch nur empfehlen die drei unten genannten Regeln einzuhalten und Ihr seid auf der sicheren Seite und einem gutem Weg.
    Minderjährigen kann ich nur empfehlen im Streitfall unter allen Umständen einen Erziehungsberechtigten hinzu zu ziehen. Evtl. seid Ihr rechtlich noch nicht geschäftsfähig, was einiges verkomplizieren kann.

    3 Goldene Regeln im Schadensfall
    1. Mängel sofort melden, nicht noch lange damit durch die Gegend fahren – Folgeschäden!
    2. Der erste Weg führt immer dahin, wo das entsprechende Produkt gekauft wurde, nicht zu dem der es produziert hat.
    3. Immer freundlich und vor allem sachlich bleiben.

    Gewährleistung
    Die gesetzliche Gewährleistungspflicht ist, wie der Name schon sagt gesetzlich geregelt (§ 433 und 434 ff. BGB). Die Gewährleistungspflicht besteht zwischen dem Verkäufer und dem Käufer, also Euch. Ihr habt hier keine direkten Ansprüche gegenüber dem Hersteller, es sei denn Ihr habt direkt bei ihm gekauft – deshalb auch Regel Nr. 2.
    Bei Privatverkäufen kann und wird in aller Regel die Gewährleistung ausgeschlossen.

    Fristen
    Folgende Fristen sind für Verbrauchsgüter geltend:
    - 2 Jahre Verjährungsfrist für Sach- und Rechtsmängel (§ 438 BGB)
    - in den ersten sechs Monaten besteht „Beweislastumkehr“, das bedeutet der Verkäufer muss nachweisen, dass die Sache zum Zeitpunkt des Verkaufs frei von Män-geln/Defekten war (§ 476 BGB).


    Rechte des Käufers (§ 437 BGB)

    Sollte ein Mangel auftreten könnt Ihr gemäß den jeweiligen Bestimmungen Nacherfüllung oder Minderung der Sache verlangen, vom Vertrag zurücktreten, sowie unter gewissen Umständen Schadensersatz verlangen. Ihr habt hier also keine freie Auswahl, sondern die einzelnen Vorraussetzung z.B. für einen Rücktritt müssen erfüllt sein. Was diese sind steht im BGB bzw. versuche ich hier mal zusammen zu fassen.

    Nacherfüllung (§ 439 BGB) / Minderung: (§ 441 BGB)
    Wenn eine Reparatur bzw. ein Tausch des Kaufgegenstandes den Mangel beseitigt ist die Gewährleistungspflicht erfüllt. Sollte der Gegenstand zweimal erfolglos in diesem Sinne nachgebessert worden sein, könnt Ihr vom Vertrag zurücktreten (wie kommt gleich).
    Alternativ könnt Ihr auch eine Minderung des Kaufpreises verlangen. Dies bietet sich z.B. gerade bei kleineren Mängeln, die z.B. rein optischer Natur sind an. Die Höhe der Minderung hängt natürlich vom Mangel selbst ab und richtet sich auch nach dem Wert der Sache. Beispiel: Bei der Montage rutscht der Monteur mit dem Schlüssel ab und beschädigt den Lack. An einem neuen Rahmen bedeutet dies eine wesentlich höhere Wertminderung als derselbe Schaden an einem älteren Rahmen, der evtl. schon Kratzer hat.

    Rücktritt (§§ 440, 323 und 326 Abs. 5 BGB)
    Erste Vorraussetzung für einen Rücktritt vom Kaufvertrag ist, dass Euch der Verkäufer eine geschuldete Leistung nicht erbringt.
    Die kann sein z.B. weil er dazu nicht in der Lage ist, weil er sie einfach verweigert, weil die Zeitspanne oder die Nacherfüllung Euch nicht zumutbar ist (Achtung vor Gericht sind einige Wochen in den meisten Fällen sehr wohl zumutbar) oder etwas ähnliches eintritt. In den letzten beiden Fällen könnt Ihr ohne Fristsetzung vom Vertrag zurücktreten, genauso wenn die Nachbesserung zwei mal fehlgeschlagen ist.

    Schadensersatz / Ersatz vergeblicher Aufwendungen (§§ 440, 280, 281, 283 und 311a bzw. 284 BGB)
    Ist Euch durch einen Mangel an dem Verkaufsgegenstand ein Schaden entstanden so könnt Ihr Schadenersatz verlangen, auch dann wenn Ihr vom Vertrag zurückgetreten seid. Die Voraussetzungen sind ähnlich denen, für den Rücktritt. Die Paragraphen (siehe oben) hierzu sind etwas kompliziert in einfache Worte zu fassen und immer fallabhängig.
    Wichtig: Es werden natürlich nur die tatsächlich entstanden Schäden erstattet, Ihr könnt also nicht einfach hergehen und einen fiktiven Geldbetrag vom Verkäufer verlangen.
    Schmerzensgeld, und speziell dessen Höhe im Falle eines körperlichen/geistigen Schadens ist wieder an anderer Stelle geregelt. Lediglich die rechtliche Grundlage ist hiermit gegeben.

    Garantie
    Eine Garantie ist nicht dasselbe wie die Gewährleistung, sondern eine freiwillige Leistung des Herstellers bzw. des Dienstleisters. Die Dauer und die Bedingungen für diese Garantie können deshalb auch völlig frei festgelegt werden. An die festgelegten Bedingungen muss sich dann natürlich auch gehalten werden (§443 und 477 BGB). Diese sind Teil des Kaufvertrages.

    Kulanz
    Kulanz ist reine Ermessenssache des Herstellers, Dienstleister oder Händlers. Wenn weder Garantie- noch Gewährleistungsansprüche seitens des Verbrauchers bestehen - wenn also eigentlich Du bezahlen müsstest, dann kann Dir z.B. Dein Händler anbieten, das Teil dennoch kostenlos oder gegen einen Kostenbeitrag zu tauschen bzw. zu reparieren. Niemand ist aber dazu verpflichtet kulant zu sein, meistens zahlt sich in diesem Fall besonders die Beachtung von Regel Nr. 3 aus.

    Rote Locke war so freundlich aktuelle Informationen zu diesem Thema bereitszustellen. Solltet Ihr Fragen haben oder Unklarheiten bestehen meldet Euch bitte.

    Hallo,

    erstmal find ich es Klasse dass das Thema Garantie/Gewährleistung hier so schön erklärt wird. Aber leider hab ich eines nicht Verstanden, ich selber habe ein Bike Privat gekauft und bin somit der 2te Besitzer das Rad befindet sich noch in der Gewährleistungszeit da erst 3 Monate alt, so wie ich das jetzt aber verstanden hab, habe ich nach Regel 2 keinen Anspruch auf Gewährleistung. Okay, was gilt dann für mich im Schadensfall als Privatkäufer? Garantie/Kulanz oder schlichtweg nichts?

    Gruß
  6. benutzerbild

    isartrails

    dabei seit 01/2004

    Spike777
    ... so wie ich das jetzt aber verstanden hab, habe ich nach Regel 2 keinen Anspruch auf Gewährleistung.
    Okay, was gilt dann für mich im Schadensfall als Privatkäufer? Garantie/Kulanz oder schlichtweg nichts?
    Kennst Du den Ausspruch "Papier ist geduldig"?
    Nur weil etwas irgendwo niedergeschrieben ist, ist es noch lange nicht so.
    Ich weiß jetzt zwar nicht, was du mit Regel 2 meinst, aber die Schwierigkeit ist, dass Du nirgendwo einen Passus findest, auf den du dich berufen könntest.

    Das hier ist jetzt meine private Meinung und stellt keine Rechtsauskunft dar:

    Hersteller formulieren oder legen die Gewährleistungsregeln gerne zu ihren Gunsten aus.
    Ob das so rechtens ist oder nicht, den "guten Sitten" widerspricht oder schlicht Makulatur, ist Auslegungssache und muss im Notfall erstritten werden.
    Ein Verbraucherschützer würde dir vermutlich sagen, dass Du im Recht bist.

    Wir kennen jetzt den konkreten Schadensfall bei dir nicht.
    Aber wenn es eine Sache ist, die du gerne dem Hersteller anlasten würdest, dann wird dieser mit Hinweis auf SEINE Gewährleistungsregeln und die zitierte Gesetzeslage seine Verantwortung erstmal ablehnen. Du hast schriftlich nix in der Hand, was ihn zur Leistungserbringung zwingen würde.

    Das heißt nicht, dass Du vor Gericht nicht vielleicht doch Recht zugesprochen bekommst, weil der Richter diese Regeln schlicht als ungültig ansieht.
    Das ist durchaus denkbar, wenn nachvollziehbar der Beweis geführt werden kann, dass der Schaden originär nichts mit der Anzahl der Vorbesitzer zu tun hat.
    In so einem Fall kann es sogar sein, dass ein Gericht die Gewährleistungsregeln des Herstellers als Ganzes für ungültig erklärt.

    Dieses Recht wirst du dir aber vermutlich erstreiten müssen (und der Ausgang eines solchen Verfahrens ist ungewiss).
    Ohne die anwaltliche Unterstützung, ohne Verbraucherschützer an deiner Seite und ohne ein entsprechendes Gutachten eines anerkannten Sachverständigen wird dir das nicht leicht fallen.
    Mit all den genannten Punkten aber machst du dem Hersteller gegenüber schonmal unmißverständlich klar, dass sie mit "Abwimmeln" bei dir letzlich nicht die richtige Strategie gewählt haben.
    Sie werden dann vermutlich sehr schnell kooperativ, um die Sache aus der Welt zu schaffen.
    Was sie gar nicht brauchen können, wäre Öffentlichkeitsaufmerksamkeit oder womöglich ein Gerichtsurteil zu ihren Ungunsten.
    Diese negativen Effekte würden weitaus schwerer wiegen als dem Kunden zehn neue Bikes zu schenken... :daumen:

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