Da ist sie schon wieder, die alte Leier vom ständig wachsenden Federweg. Als ich das erste Bild vom Yeti ASR 5 Carbon gesehen habe, habe ich mich ein bisschen über die Ausstattung gewundert. Was will dieses Fahrrad? Einerseits bietet es am Hinterbau 130mm und einen dank Boostvalve schluckfreudigen Dämpfer, andererseits kommt es mit kleinen 160mm Bremsscheiben, einer kompletten Shimano XTR Gruppe und sehr leichtem Carbonrahmen daher. Genug Anreiz auf jeden Fall, um dieses Bike in die Mangel zu nehmen und der Frage auf den Grund zu gehen.

Aus dem Karton

Keine Frage, das ASR 5 Carbon ist eine Schönheit. Der Rahmen wirkt äußerst hochwertig verarbeitet, bietet viele sinnvolle Details und noch dazu ist es verdammt leicht – soweit der erste Eindruck, als ich das neue Rad aus dem Karton hebe. Direkt danach geht es auf die Waage, die inklusive 428g Reset Racing Pedalen bei 11,1kg stehen bleibt. Ist das eine Ansage? Bei näherer Betrachtung wird dieser Wert noch beeindruckender, da Yeti um der Performance Willen Schwalbes Fat Albert verbaut. Und damit sind wir auch schon wieder beim Zielkonflikt dieses Rades, der sich auf dem Trail beweisen muss.

Zuvor aber noch ein bisschen Detailsuche. An der Front verbaut Yeti ein konisches Steuerrohr, der Hauptrahmen macht einen massiven Eindruck und am Hinterbau kommt wie bei den ASRs üblich kein Gelenk in der Kettenstrebe zum Einsatz. Der konstruierte Flex zwischen Ausfallende und Sitzstrebe ermöglicht die Einfederbewegung des Hinterbaus und die massiven, asymmetrischen Kettenstreben sorgen ebenso wie die wirklich großen Schwingenlager für die nötige Seitensteifigkeit des Systems. Auf Komponentenseite vertraut Yeti wie beim Worldcup Team auch auf Shimano und Fox, an der Front arbeitet eine 32 RLC mit 120mm Federweg und die 130mm am Heck kontrolliert ein RP23 Dämpfer mit BoostValve Technologie, die eine deutlich bessere Performance bei großen Schlägen bieten soll. Die weiteren Anbauteile kommen von Thomson und Easton und erfreulicherweise kommt das Rad mit einem Lenker, der nicht nur flach ist, sondern auch eine passende Breite von 680mm bietet. Das kombiniert mit dem 70mm kurzen Thomson Vorbau sollte auf dem Trail viel Spaß garantieren.

Geometrie:

Ausstattung (2010/2011er Modell):

Anmerkung: Die von uns getestete Austattung entspricht der 2009/2010er Version. Die ab sofort verfügbare Ausstattung findet ihr oben gelistet.

Testvideo – Yeti ASR 5 Carbon: im IBC TV ansehen

Auf dem Trail

Also nicht weiter gewartet und ab auf den Trail… und unmittelbar ist auch klar, was das ASR 5 will. Trotz der vergleichsweise schweren Fat Albert Reifen beschleunigt das Yeti pfeilschnell und wippt bei aktiviertem ProPedal am Hinterbau kaum merklich. In der offenen Stellung ist im Wiegetritt deutliches Wippen spürbar, allerdings ist mein Setup auch eher weich ausgefallen. Denn das Yeti ist ein absolut williges Spielzeug. Es zirkelt um Kurven wie kaum ein anderes Rad dieser Klasse und scheint sowohl bergauf als auch bergab kaum Grenzen zu kennen. In einem anderen Test wurde das ASR 5 Carbon als “BMX auf Steroiden” bezeichnet und exakt diese Beschreibung kann ich bestätigen. Schon auf den ersten Metern fällt die ausgesprochene Fahraktivität des Bikes auf und so bin ich direkt danach in den hauseigenen Bikepark abgebogen. Kleine Gaps und Sprünge; Steilkurven und Wallrides… das Yeti scheint fast überall eine gute Figur machen zu können und macht vor allem richtig viel Spaß. Bei dieser Fahrweise (die mit Sicherheit nicht direkt das Zeil von Yeti ist aber für mich zum wirklichen AllMountain Fahren dazugehört) spielt auch der Schwalbe Fat Albert mit überragender Traktion und sehr gutmütigem Grenzbereich seine Stärken aus und passt so perfekt zum verspielten Charakter des Bikes.

Nicht ganz passen da die kleinen Shimano XTR Bremsen. Mit 160mm an der Front kommen sie relativ schnell an die Grenzen – eine größere Scheibe wäre vom Gewicht her zu vernachlässigen und vom Fahrvergnügen eine echte Bereicherung. Gleiches gilt auch für die Fox 32. Trotz neuer FIT Dämpfungskartusche kann sie nicht wirklich mit dem sehr sensibel und schluckfreudig arbeitenden Hinterbau mithalten und scheint schon nach wenigen 100km einen Service vertragen zu können.

Im Renneinsatz

Doch den Service gibt es nicht. Stattdessen erwartet das gesamte Bike eine extrem feine aber mächtige Staubdecke bei den 24h von Finale Ligure [Bericht & Video]. Oftmals ist schon kritisiert worden, dass viele Testberichte nicht wirklich den Namen verdienen. Nach diesem Renneinsatz hat das Yeti jedoch mehr Test hinter sich gebracht, als so manch anderes Rad in seinem gepflegten Leben abbekommen wird. Wer die Strecke in Finale Ligure kennt, der weiß, dass es auf ihr nicht nur steil bergauf geht, sondern auch schnell und ruppig bergab und scharf ums Eck. Durch die neuen Streckenteile ist dieser Charakter noch verschärft worden und die schnellen Waldpassagen fordern von Ross und Reiter alles. Nach 24 Stunden ist klar, dass das Yeti schwer zu toppen sein dürfte, wenn es um den Fahrspaß geht. Es steuert steif und präzise durch jegliches Geläuf, klettert auch steile Rampen problemlos und scheint wirklich ein 26″ BMX zu sein. Eines, das nebenbei noch XC Rennen fährt. Echte Bestwerte auch bei der Rundenzeit verhindern jedoch die traktionsstarken aber etwas zu schweren Reifen und das spaßorientierte kurze Cockpit.

Der starke Einsatz hinterlässt jedoch auch seine Spuren. Am Hinterbau gibt es mehrere Abplatzer im Klarlack, die von Steinschlägen und Crashs herrühren und der Dämpfer hat an der unteren Buchse ein wenig Spiel bekommen. Die Gabel fühlt sich nicht unbedingt besser an und sollte ein bisschen Pflege erhalten. Der Rest des Rades scheint nach einem halben Jahr im Test allerdings reichlich unbeeindruckt zu sein. Einzig ein leichtes Knacken beim tiefen Einfedern tritt manchmal zu Tage. Mir ist unklar, wo es herkommt. Manchmal ist es da, manchmal nicht – kein Grund zur Sorge nehme ich an.

Fazit

Was für ein Bike! Das Yeti ASR 5 Carbon klettert willig und wird zur super verspielten Allzweckwaffe, sobald der Trail anfängt sich zu winden. Dank extrem geringen Gewicht und schluckfreudigem Hinterbau sowie einer gelungenen Geometrie ist dieses Bike auf jedem Terrain zu Hause. Für so viel Spaß wird jedoch ein extrem hoher Preis in Rechnung gestellt, den die gebotene Exklusivität nur für echte Fans aufwiegen kann. Außerdem bleiben kleine Schwächen in der Ausstattung, die den Einsatzbereich einschränken. Eine 160mm Bremsscheibe vorne hat an so einem Geschoss nichts verloren und als Gabel würde eine absenkbare 140mm Version nochmals deutlich mehr Spaß machen. Zum Glück gibt es da noch die günstigeren Ausstattungsvarianten oder die Möglichkeit, sich das Rad selbst aufzubauen.

Preise

Rahmenkit mit Dämpfer: ca. 2700€

Gestestete Pro XX Version: ca. 6800€

Stärken

– Exklusivität

– Style

– Gewicht

– Handling, Fahrgefühl und Fahrspaß

– Verarbeitung

Schwächen

– Preis

– Reifen für XC Einsatz überdimensioniert

– Hinterbau knackt zeitweise, Dämpferbuchsen leicht ausgeschlagen

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    falco60V

    dabei seit 08/2007

    Hi,
    Schönes Bike!
    Ich bau grade einen ASR Al auf.
    Mal sehen was die Zukunft (bezüglich aud den Hinterbau) bringt.
    Ist der Hintergrund des Fotos der Schwarzwald ?
  2. benutzerbild

    Anzeige

  3. benutzerbild

    Baldi

    dabei seit 12/2005

    Nein die traumhafte Aussicht vom Schnebelhorn Züri Oberland.
  4. benutzerbild

    Tobias

    dabei seit 08/2001

    Starker Aufbau! Das Teil ist schon echt eine richtige Spaßmaschine gewesen und auch sehr vielseitig - könnte es mir auch gut mit 150mm Gabel, 1x10 Antrieb und dicken Reifen vorstellen :)
  5. benutzerbild

    falco60V

    dabei seit 08/2007

    könnte es mir auch gut mit 150mm Gabel, 1x10 Antrieb und dicken Reifen vorstellen
    Der Rahmen ist für Gabeln zwischen 120-140mm konzipiert.
    Ich kenne Leute die auch mit 150 fahren aber mit Uturn.
    Mit 150mm arbeitet der Hinterbau nicht mehr so optimal .

    Alex
  6. benutzerbild

    skask

    dabei seit 09/2009

    Gibt inzwischen schon mehr Aussagen zu einer 150mm Gabel? Würde meine nach Möglichkeit weiterverwenden, aber halt nur wenns auch Sinn macht. (150er Fox Talas RL)

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