Während unseres Kanada-Trips bot es sich an, auch bei Pinkbike in Chilliwack vorbeizuschauen. Die Kleinstadt liegt rund 1.5h östlich von Vancouver in British Columbia. Das Pinkbike-Team nutzt hier ein Gebäude in der Railway Avenue als kombiniertes Wohnhaus, Redaktion, Testlabor sowie Versandlager für den eigenen Webshop.
Pinkbike wurde im März 2000 ins Leben gerufen (und sah damals so aus) – die Idee dazu hatte Radek Burkat. Radek betreibt heute zusammen mit seinem Bruder Karl und mehreren Kollegen immer noch Pinkbike. In einigen Bereichen ist man Vorreiter geworden, wir haben Radek zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft seines Unternehmens befragt.


Radek Burkat – Gründer Pinkbike.com

MTB-News.de: Warum hast du Pinkbike ins Leben gerufen?
Radek Burkat: Anfangs sind wir in viele verschiedene Städte gefahren um dort zu biken, weil wir herausfinden wollten wie und was die Leute dort fahren. Ursprünglich waren das nur ein paar Freunde und ich, die herumgefahren sind – während den Touren haben wir dann immer Fotos gemacht und in unser Blog gestellt. Irgendwann haben uns immer mehr Leute Fotos von ihren Spots gemailt, die ich dann einzeln auf die Homepage gepackt habe – so hat das langsam angefangen.

Wie ist der Name “Pinkbike” entstanden?
(lacht) Die politisch korrekte oder die inkorrekte Story? Ok, die wahre Geschichte ist folgende: Wie alle haben wir früher gedacht, dass wir die absoluten Hardcore-Fahrer wären, also brauchten wir natürlich auch einen Namen der irgendwie „hardcore“ war. Eines Nachts haben wir ein paar Bier getrunken, im Internet nach Namen geschaut und versucht, einen richtig Hardcore-Namen zu finden, aber alles war schon besetzt: „Extreme Bike“ und solche Sachen halt. Irgendwann später haben wir nur noch rumgewitzelt und einer meinte irgendwann, dass wir einfach eine “schwule” Mountainbike-Seite machen sollen – und wir nennen sie pinkbike.com! (lacht)
Naja, so war das an dem Abend halt…viel Gelächter, viel Schwachsinn. Aber als ich am nächsten Tag auf der Arbeit war, war das der einzige Name, an den ich mich vom Vorabend erinnern konnte: Pinkbike.com. Im Endeffekt haben wir es so komplett anders benannt als wir es eigentlich vorhatten.

Was hast du vor Pinkbike gemacht?
Ich war Entwickler, Hardware- und Software-Design für GPS-Empfänger fürs Militär und die Agrarwirtschaft, solche Sachen.

Und ab wann wurde Pinkbike dein Hauptberuf?
Das müsste so 2004, 2005 gewesen sein. Ich hatte Pinkbike immer nebenbei gemacht und als das immer größer wurde, habe ich irgendwann ein schlechtes Gewissen wegen meinem normalen Beruf bekommen, weil ich zwischendurch ja immer die Seite checken musste, ob alles läuft und funktioniert….also musste ich irgendwann die Entscheidung treffen. Zack, entschieden – also ziehen wir das jetzt durch, konzentrieren wir uns auf Pinkbike.

Und jetzt ist es die größte Internetseite über Mountainbiken überhaupt….
Ich denke ja, wenn man sich die Statistiken anguckt. Insgesamt gucken jeden Monat rund 1.7 Millionen Leute die Seite an, aber die wirklich wichtige Statistik ist die mit den Seitenaufrufen: 70 Millionen im Monat. Das zeigt dir einfach, dass da wirklich viel auf der Seite passiert – und die Herausforderung ist, dass man den Usern immer etwas Gutes bietet.

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Mike Levy – Redakteur und Nürburgring-Fan

Wie groß ist euer Team?
Im Moment haben wir 9 Leute, die Vollzeit arbeiten. Die meisten arbeiten redaktionell und ein paar Leute kümmern sich um die Technik. Achja: Wir suchen Leute. Bikende Programmierer (lacht)!

Eure redaktionelle Seite ist in den letzten Jahren stark gewachsen – was denken die US-Bikemags darüber?
Ich weiss es nicht genau. Die denken immer noch, dass das Internet so eine Art…Mode ist – da kümmern die sich nicht so drum (lacht). So kommt es auf jeden Fall immer rüber, und das Verhalten diesbezüglich unterstreicht das. Ich denke, dass wir beide das besser wissen.

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Planungswand in der Redaktion

Am ersten April habt ihr eine Pinkbike-Zeitschrift angekündigt. Wie waren die Reaktionen?
Wir haben eigentlich immer Aprilscherze, die ein paar Leute zu ernst nehmen. Wir brauchen aber nun einmal Leute, die das wirklich glauben und daraufhin böse werden – und dann wissen wir, dass es ein guter Aprilscherz war, hehe. Mit dem Pinkbike-Magazin haben wir uns eine ziemliche Mühe gemacht, damit es wirklich echt aussieht: Wir haben sogar Zeit damit verbracht, Teile unserer Software neu zu schreiben, damit die Leute das Magazin direkt über Pinkbike.com abonnieren, die Kreditkarten-Informationen eingeben können und und so weiter…allerdings war das natürlich alles nicht echt. Und plötzlich hatten wir Hunderte an Neu-Abonnenten, die das Heft haben wollten! Es war allerdings wirklich ein Scherz. Wir könnten zwar etwas in dem Bereich machen, so ein jährliches Buch mit den besten Fotos oder ähnlichem, aber in Hinsicht auf die Redaktionsarbeit und unsere Berichterstattung auf Veranstaltungen denke ich, dass man bei der Website bleiben sollte. In den Kommentaren wird immer gesagt, hey, die neue Decline ist rausgekommen, aber ich hab eigentlich schon alles vor drei Monaten auf Pinkbike gelesen.

Manche der Printmagazine haben Extra-Versionen für das iPad. Überlegt ihr auch, in dieser Richtung etwas anzubieten?
Ich weiss es noch nicht. Meistens hat man, gerade bei Geräten wie dem iPad, wenig Möglichkeiten, das passend umzubauen. Man liest die Artikel eh auf dieselbe Weise. Man kann sich unsere Webseite auf dem iPad ziemlich genauso angucken, wie man das auch auf einem normalen Monitor macht, weil Pinkbike in 1024er Auflösung aufgebaut ist. Nun könnte man sich jetzt den Aufwand machen und das Ganze noch ein bisschen schöner und aufwändiger gestalten, aber ich weiss ehrlich gesagt nicht ob sich das lohnen würde, zumindest im Moment nicht…das ist noch nicht ganz klar.

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Werkstatt im Erdgeschoss

Du hast noch einen Bruder (Karl, Anm. d. Red.), der auch mit dabei ist. Ist er ein Angestellter oder ein Geschäftspartner?
Manche von uns sind Angestellte, andere Partner…Karl und Tyler gehören zusammen mit mir zur Gruppe, die quasi von Anfang an dabei sind.

Ihr arbeitet die ganze Zeit zusammen und wohnt sogar in der gleichen Wohnung – wie funktioniert das?
Es macht Spaß! Es ist so, dass das einfach als gutes Team läuft, das die gleichen Interessen teilt, wo die gleiche Mentalität herrscht und wo man die gleichen Vorstellungen bezüglich der Seite hat. Das ist zwar ein Job, aber auf der anderen Seite ist es auch einfach eine Art…Lebenseinstellung. Es gab natürlich Zeiten wo ich nichts mit Mountainbiken zu tun hatte – aber seitdem ich bike, liebe ich es. Die Abenteuer die ich dadurch erlebt habe, die ganzen Erinnerungen die ich damit verbinde…ich würde mir irgendwie wünschen dass ich den Leuten helfen könnte die nicht biken – einfach auch so ein Ding zu finden, bei dem sie genauso viel Spaß haben wie ich. Ich denke, wenn du alles auf eine Sache reduzieren müsstest, wäre das glaub ich der treibendste Faktor hinter allem.

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Pinkbike Webshop: das Lager

Was ist die nächste große Sache bei Pinkbike?
Ein Printmag, haha! Du erinnerst dich daran was ich gesagt hab – der beste Aprilscherz ist der, der keiner ist. Verschiedene Dinge sind geplant, ich könnte mir auch etwas in Richtung Motocross oder Rennrad vorstellen…wir haben aber noch nichts wirklich in der Richtung gemacht. Naja, schauen wir mal was mittelfristig passiert.

Du fährst auch eine Enduro-Maschine – lässt sich das mit Mountainbiken vergleichen?
Ich denke, dass Leidenschaft und Abenteuer überall zu finden sind, egal ob du Cross Country, Rennrad, Downhill oder irgendwas anderes fährst – oder auch einen ganz anderen Sport machst. Ich hab irgendwann mit Enduro angefangen und dachte anfangs, dass Crossmotorräder was für faule Jungs sind, die keine Lust aufs Treten haben. Aber dann stellst du fest, dass es dich physisch total fordert. Ein Downhill-Run dauert fünf Minuten, ein längeres Enduro-Rennen dauert vielleicht drei Stunden, und dabei fährst du genauso am Limit wie beim Downhillrennen. Aber drei Stunden lang! Ich hatte echt keine Ahnung, dass das so strapaziös ist, aber es macht Spaß und ist wieder ein neues Abenteuer. Ein neues Territorium, wenn man so will.

Was war deine heikelste Situation beim Enduro-Fahren?
Ich fahre ziemlich oft alleine, das ist an sich ja schon mal nicht ohne. Irgendwann war ich mal wirklich im völligen Niemandsland, Stunden vom nächsten Ort entfernt, auf einer von diesen Straßen wo seit Ewigkeiten kein Auto mehr lang gefahren ist, weil die Straßen nicht mehr befahrbar sind. Und ich bin etwas schärfer in eine Kurve rein, hab mich etwas verzettelt – und bin mit der Maschine seitlich den Abhang runter, 20, 30 Meter tief. Die Stelle dort war ziemlich steil und ich konnte mit dem Motorrad weder vernünftig runter noch hoch – also saß ich da erstmal eine Weile und hab nachgedacht was ich machen könnte. Im Endeffekt hab ich die Enduro fast vollständig zerlegt, also Sitzbank ab, Tank, Räder, Gabel, fast alles. Das hab ich einzeln hochgetragen, irgendwie hab ich es am Ende auch geschafft den Motor hochzuwuchten. Oben hab ichs geschafft, wieder alles zusammenzubauen und weiterzufahren – über viereinhalb Stunden war ich da zugange.

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Ab jetzt fahre ich nur noch mit einem Seil und Karabinern, damit ich mein Motorrad das nächste Mal hochziehen kann…

Was hältst du von Facebook?
(denkt lange nach) Naja, ich bin gar nicht so oft auf Facebook unterwegs, auf jeden Fall aber haben die ziemlich gute Arbeit geleistet, was die Idee an sich angeht. Auf der anderen Seite denke ich, dass das Ganze zu allgemein ist. Ich habe beispielsweise verschiedene Sachen, mit denen ich mich beschäftige: Wenn ich mich mit Technology/Development beschäftige, unterhalte mich darüber dann mit Leuten, die ebenfalls in dem Thema drin sind. Ich weiss, was ich dort sage, das wird auch beantwortet – eben genau von diesen Experten. Wenn ich in meinem Mountainbike-Modus bin, geh ich auf eine MTB-Seite, wenn ich in meinem Motocross-Modus bin, geh ich auf eine MX-Seite. Ich denke, dass man auf diese Art und Weise sinnvoller kommunizieren kann, als wenn ich nur Sachen auf Facebook poste, die dann von meinen alten Highschool-Freunden kommentiert werden. Also von irgendwelchen Leuten, die das zufällig lesen. Das ist einfach nicht das Gleiche, als wenn ich nur mit Leuten darüber spreche, die ebenfalls in dem Thema drin sind.

Benutzt du Twitter?
Ich habe früher getwittert, aber das ist einfach viel zu viel an Information. Ich habe nicht die Kapazität, mich auf alle diese Informationen wirklich zu konzentrieren, ich kann das nicht. Wenn ich etwas wissen will, möchte ich das nachgucken und das dauert eine Weile, ich kann nicht einfach 40 Artikel lesen die jeden Tag auf Twitter gepostet werden. Das wirkt immer nur, als ob du beschäftigt bist, du denkst du arbeitest – aber das ist es nicht. Man lernt nichts dabei, sondern lenkt sich nur ab.

Hast du einen normalen, täglichen Arbeitsablauf?
Naja, es ist eigentlich so eine durchgehende Arbeit, es gibt keine Zeit wo ich wirklich anfange. Ich höre nicht gegen 17 oder 18 Uhr auf, ich mach die ganze Zeit irgendwas. Vor allem, weil es etwas ist was ich mag, und ich liebe es, etwas zu gestalten. Das ist ähnlich, wie wenn du ein Künstler bist – du malst einfach.

Danke für das Interview!

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Thomas, Jens (beide MTB-News), Richard und Tyler (beide Pinkbike)

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Fundstück unterwegs – die fahrbare Kirche

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Wieder in Vancouver

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    To-bi-bo

    dabei seit 06/2009

    Toller Bericht, danke dafür!
  2. benutzerbild

    Anzeige

  3. benutzerbild

    fone

    dabei seit 09/2003

    san_andreas
    Immer noch DIE Bikeseite im Netz. Und seine Meinung zu Facebook ist auch die richtige.
    er hat die primäre funktion von facebook sehr gut beschrieben, erstaunlich mit wie viel geld diese funktion bewertet wird... :/

    Ich denke, dass man ... sinnvoller kommunizieren kann, als wenn ich nur Sachen auf Facebook poste, die dann von meinen alten Highschool-Freunden kommentiert werden. Also von irgendwelchen Leuten, die das zufällig lesen.
  4. benutzerbild

    san_andreas

    dabei seit 02/2007

    "Irgendwelche Leute"...so empfinde ich die 100 und mehr Freunde der Facebook User auch.
  5. benutzerbild

    Enrgy

    dabei seit 01/2002

    Hihi, nette Geschichte mit der zerlegten Enduro. Zum Glück hat er sich kein Bein gebrochen in dem Abhang. Dann wäre er wohl zu Bärenfutter geworden, ist ja auch ne gute Portion :D
    Vielleicht sollte er auf einen Trialer umsatteln, die wiegen nur die Hälfte :cool:
  6. benutzerbild

    Mathias - BMO

    dabei seit 01/2006

    Schönes Interview!
    Und mit'm Endurosport gleich auf 'ner 525er anzufangen zeigt Sportsgeist.

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