HomeAllgemeinHere and happy – Mick Hannah im Interview — 22. Juni 2012 12:22

Here and happy – Mick Hannah im Interview

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“Dream, ride, share…” – das Motto vom Morewood United Team führte uns dieses Jahr wieder in den kleinen feinen Bikepark Albstadt. Dort konnten wir zusammen mit Robin Schmitt vom MAG41 und einigen Fahrern die dem Aufruf auf Facebook gefolgt waren versuchen an den Worldcuppros dranzubleiben oder auch einfach nur ein Schwätzchen zu halten.
Wir lieferten die Fotos für das Interview in der sechsten Ausgabe des MAG41 und Robin den Text. Hier jetzt ebenfalls das Interview + einige weitere Bilder vom Meet and Greet.
Schaut in jedem Fall in die aktuelle Ausgabe vom MAG41 rein. Es gibt noch jede Menge weitere lesenswerte Inhalte.

Und jetzt übernimmt Robin:

Ein kraftvoll-aggressiver Stil, der seine BMX-Prägung nicht verleugnet, souverän lässig gezogene Sprünge und top Speed – so markant die Auftritte des 28-jährigen Mick Hannah im Downhill-Worldcup, so unauffällig wirkt der Australier neben der Rennstrecke. Weiter auffallen tut auch gar nicht Not … Ausrufezeichen setzte „Sick Mick“ bereits 2001 als 17-jähriger Worldcup-Rookie im Global-Team von Martin Whitely, 2009 mit seinem dritten Platz bei der Downhill-WM und zuletzt als starker Dritter bei der ersten Worldcup-Runde in Pietermaritzburg. Mag41 traf Mick auf Zwischenstation im Bikepark Albstadt zum Gespräch und erlebte einen Mann, der nach einigem Verletzungspech bei sich selbst angekommen scheint.

 

MAG41: Mick, man kennt dich als „sick mick“ – wo hat der Spitzname eigentlich seinen Ursprung?

Mick: Nun, als wir jünger waren, so etwa um die zwölf, hatten meine Freunde einen kleinen Bikepark und ich war meist der erste, der große Sprünge versuchte oder verrückte Linien nahm. Sie hielten das wohl für gewagt – daher „sick mick“.


Sick Mick – Going big!
Die Making of Perspektive geschossen von Mompere:
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Diese Fotos im Fotoalbum anschauen

MAG41: Du gehörst zweifellos zu den bekanntesten Worldcup-Fahrern, aber nicht zu den „lautesten“. Also: Wer ist Mick Hannah?

Mick: Also, ich bin Mick Hannah und komme aus Cairns im Nordosten Australiens, bekannt für den Regenwald und das Great Barrier Reef. Die Stadt bewirbt sich übrigens als Austragungsort für die Mountainbike-WM 2016. Die meiste Zeit des Jahres lebe ich in Colorado, USA – meine Frau stammt von da. Wir sind verheiratet und haben zwei Jungen – 2 und 3 1/2 –, mit denen ich möglichst viel Zeit verbringe und die nun auch anfangen, Rad zu fahren. Bevor ich mich vom älteren der beiden für diesen Trip verabschiedet hab‘, fragte er mich, ob ich traurig sei. Er meinte dann nur „nein, Du kannst nicht traurig sein, du gehst Rennen fahren!“.


Mick Hannah beim Setup

MAG41: 2011 sah man dich noch auf GT Bikes, 2012 bist du Teil des Hutchinson/United-Ride-Teams auf Morewood-Rädern. Wie kam der Deal zustande?

Mick: Ja, ich arbeitete drei Jahre lang für GT, eine gute Zeit mit großem Team und professioneller Unterstützung. Sie verlängerten meinen Vertrag Ende letzten Jahres nicht – anfangs ein echter Schock. Aber Fabien (Fabien Cousinié, Gründer und Teammanager von Hutchinson/United-Ride, Anmerkung der Red.) schrieb mir zur gleichen Zeit. Es ging zunächst mal gar nicht um das Team, sondern darum, was meine Pläne für den Winter wären. Ich hatte ihm nämlich angeboten, zum Trainieren nach Cairns zu kommen. Ich erzählte ihm, dass GT mich gefeuert hätte, und daraufhin arbeitete er hart daran, einen guten Sponsoren-Deal zu stricken. Das hat auch sehr gut funktioniert – ein kleineres Team mit einer tollen Gemeinschaft und Material, das verdammt gut funktioniert. Ich bin glücklich damit, hab‘ Spaß auf dem Rad und die Resultate stimmen.


Morewood UnitedRide Teamfahrer


Morewood UnitedRide Filmer JB und Mech Steph

MAG41: Wie ist es, mit der eigenen Schwester im selben Team zu fahren?

Mick: Mit Tracey zum ersten Mal gemeinsam im gleichen Team zu reisen und Rennen zu fahren, ist toll. Ich reise nun seit elf Jahren im Worldcup-Zirkus und das hieß bisher, lange Zeit von der Familie getrennt zu sein. Nun jemanden aus der Familie um mich zu haben, mit dem ich regelmäßig trainiere oder über ein Rennen und schwierige Passagen auf dem Kurs sprechen kann, ist schön! Außerdem macht eine echte Bezugsperson das Unterwegs-Sein deutlich angenehmer.


Tracey Hannah mit Style

Tracey Hannah beim Aufwärmen Tracey Hannah - fast in die Linse Tracey Hannah im Steinhang Tracey Hannah
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MAG41: Hat sich deine Einstellung zum Rennen fahren geändert als du Vater geworden bist?

Mick: Bevor ich Vater wurde hab ich mir diese Frage auch gestellt … Aber nein – es hat nicht wirklich etwas verändert, ich fahre jetzt ja sogar schneller als zuvor und beim Rennen denkst du ja auch nicht dauernd ans Risiko. Um das Risiko geht es auch nicht und, um einen Worldcup zu gewinnen, musst du das Rennen erst einmal beenden. Es ist selten so, dass du ein echtes Risiko eingehst und über deine „comfort zone“ hinausgehst, auch wenn man sich im Training sehr pusht. Gefährlich wird es, wenn du erst im Rennen versuchst, „auf Speed“ zu kommen. Waghalsig bin ich schon lange nicht mehr. Nein, ich mache nur, was ich kann.


Mick whip close

MAG41: Wann bekommen deine Kids ihr erstes Morewood-Bike?

Mick: Hmm, vielleicht besuche ich Morewood und versuche ihnen in der Fabrik selbst ein Bike zu bauen. Ich liebe es, ihre eigenen Räder zu bauen, was ein Spaß! Mal sehen, das wird sehr bald sein … Bevor er groß genug war für sein Rad, schob unser Kleiner es schon ums Haus und lief nebenher (lacht).

MAG41: Du fährst als Nicht-Franzose in einem französischen Team. Wie verständigt ihr Euch?

Mick: Je m‘appelle Mick … (lacht) Wieviel ich verstehe, bleibt mein Geheimnis – ich gebe ihnen einfach die Sicherheit, über mich reden zu können (schelmisches Grinsen). Im Ernst: ich fange gerade an zu lernen und zu verstehen. Die letzten drei Jahre unterstützte mich ein französischer Mechaniker und jetzt habe ich beschlossen, Französisch zu lernen. Mal sehen, wie es läuft!


Morewood UnitedRide Frenchman und Teammanager CousCous
CousCous fliegt tief CousCous Steinfeld flashed
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MAG41: Du bist ein guter Pedaleur – Talent oder Training?

Mick: Ein Teil meiner Pedalier-Stärke ist sicherlich genetisch bedingt, aber ich hab‘ auch intensiv trainiert: jede Menge Straßenkilometer, vor allem als ich jünger war. Obendrein BMX-Rennen seit ich sechs bin. Das bringt viel. Viel hängt von deiner Technik ab, genauso wie von deiner physischen Stärke. Offensichtlich habe ich bei letzterer Vorteile, verglichen mit Jungs wie Hart oder Brosnan. Fit machen mich auch meine Cross-Country- und Straßen-Ausfahrten.


Mick Hannah Steinhang

MAG41: Wie wichtig sind mentales Training und „der Kopf“ beim Downhill?

Mick: Der mentale Aspekt wiegt schwer, denn von den Top-20-Fahrern ist jeder siegfähig und dann macht die mentale Fitness den Unterschied. Du musst dein Training gut ausbalancieren, aber auch erkennen, wo du vom Kopf her stehst. Ansonsten kommst du am Rennwochenende nicht mit dem Kurs und dem Druck zurecht. In vier Minuten gibst du alles, was du nach langer Anreise und hartem Training noch hast! Das erfordert, dass du auf deine Geisteshaltung achtest und dein Privatleben hinter das Rennen zurückstellst. Frustriert mich etwas, blicke ich in mich selbst und erkenne die Erfüllung, die ich im Racing finde – das entspannt.


Mick Hannah weite, tiefe whips an der Albkante

MAG41: Visualisierst du einen Rennlauf?

Beim Start wird jeder nervös, egal, ob das nach außen hin anders wirkt!Mick: Das hat klare Vorteile, aber am Anfang eines Rennens bin ich einfach immer enorm nervös. Als ich jünger war, habe ich versucht, mir eine komplette Abfahrt vorzustellen, bin aber in Gedanken jedes Mal gestürzt. Also bin ich aus der Sache ausgestiegen, ich sagte mir „Visualisieren funktioniert nicht für dich“ (lacht). Heute dient mir eine lockere Unterhaltung als mentale Vorbereitung, zudem versuche ich, nicht zu sehr ans Rennen zu denken. Wenn ich durch das Startgatter rolle, denke ich nur über den Teil der Strecke nach, auf dem ich fahre und bin ganz im Fahrfluss. Visualisierung hin oder her: Beim Start wird jeder nervös, egal, ob das nach außen hin anders wirkt! Unmittelbar vor dem Rennen haben wir alle Angst – man kann es nicht anders sagen. In der Nacht davor schlafe ich schlecht, so dass es eine wirkliche Herausforderung bleibt, sich auf den Rennlauf zu konzentrieren, ruhig zu bleiben und einen sauberen Run zu liefern. Dabei seinem Tempo zu vertrauen, ist elementar.


MIck Whip

MAG41: Wie denkst du über Enduro-Rennen, vor allem angesichts des Enduro-Worldcups 2013? Eine Option?

Mick: Ja, das interessiert mich und ich glaube, dass der Enduro-Worldcup dem Sport künftig noch einen großen Schub gibt. Hoffentlich entwickelt sich das Format auch stärker Richtung Enduro, weg vom Cross-Country. Ein spaßiger Rahmen mit toller Atmosphäre! Ich hoffe auch, dass der gute Spirit erhalten bleibt, trotz Worldcup-Status. Letztlich ist Enduro die Art Rad fahren, die viele Leute anspricht – ein Abenteuer, ein Spaß-Event! Ja, da könnte ich durchaus mitmischen.

MAG41: Warum fährst du Rennen? Zum Spaß oder um Erster zu sein?

Im Downhill erlebt man einen intensiven, wunderbaren Austausch zwischen Fans und Athleten Mick: Eine gute Frage, vor allem für dieses Jahr! Ich hatte Anfang des Jahres eine Knieverletzung, musste einige Herausforderungen daheim meistern und hinter der Frage, ob ich Rennen fahre, stand ein Fragezeichen. Aber Freunde und Familie rieten mir, meine Chance auf Rennen zu nutzen, weil es ein Geschenk ist. Ich habe das auch immer als eine Gabe gesehen, denn ich liebe es, wenn ich Rad fahren kann und an nichts anderes denken muss! Diesen Spaß-Aspekt fokussiere ich erst jetzt so richtig: Ich fahre zu den Rennen, denke nicht ständig an Resultate und genieße die Zeit, die ich dort habe. Im Downhill erlebt man einen intensiven, wunderbaren Austausch zwischen Fans und Athleten – mit ein Grund dafür, warum ich immer noch dabei bin.

MAG41: Damit passt deine Philosophie ja gut zum „Dream, ride, share“-Gedanken deines Teams …

Mick: Richtig, darum geht es letztlich: Dream, ride and share, that‘s it! Verfolge deine Träume, so wie jeder im Team als kleiner Steppke davon träumte, Racer zu sein und die Welt zu bereisen. Ich liebe beides immer noch, aber ebenso gern teile ich meine Erlebnisse. Es ist toll, sich auf hohem fahrerischen Niveau zu bewegen, aber noch erfüllender das dem Publikum zu zeigen. Hier in Albstadt waren wir mit ein paar Jungs fahren, von denen einer meinte: „das war immer mein Traum“.


Mick Hannah BigTransfer in Albstadt


Micks Teamkollege Tim Bentley wie immer mit viel Style


Tim Bentley haut massive Whips über den Wiesenkicker – Pic by Mompere


Auch der Teamfilmer JB lässt es flliegen.

MAG41: Ihr habt „down under“ eine Menge schneller Fahrer. Woher rührt das?

Mick: Ich bin nicht sicher, was nun der entscheidende Unterschied ist. Ich hab‘ die Worldcup-Bühne zu einer Zeit betreten, in der Australien sehr stark war. Einen Vorteil, den wir auf jeden Fall haben, ist die Möglichkeit, das ganz Jahr über fahren zu können – wir haben das Klima dazu, gehen viel Motocrossen und BMXen. Dieses Potenzial zeigen junge Fahrer wie Troy Brosnan. Mittlerweile sind wir nicht mehr ganz so stark. Ich denke, das kommt auch in Wellen: in den 1990ern waren die Franzosen stark, momentan die Engländer. Amerika produziert aktuell auch schnelle Typen; Aaron Gwin bricht Rekorde und inspiriert jüngere Fahrer.

MAG41: Lass‘ uns über dein Bike sprechen: Ich hab gesehen, dass du mit zwei Ventilen fährst. Also bist du Tubeless mit Milch, aber mit zusätzlichem Schlauch unterwegs?

Mick: Ja richtig, ein ziemlich unbekanntes System, an dem wir mit Hutchinson auch arbeiten. Es gibt zwei Mechaniker, die es nutzen, der von Tracey und einer der GT-Mechaniker. Das beste, was ich bis dato gefahren bin.


Foto Jens Staudt 4893 Morewood UnitredRide Mick Hannah Teambike


Foto Jens Staudt 4896 Morewood UnitredRide Mick Hannah Teambike

Foto Jens Staudt 4901 Morewood UnitredRide Mick Hannah Teambike Foto Jens Staudt 4902 Morewood UnitredRide Mick Hannah Teambike Foto Jens Staudt 4898 Morewood UnitredRide Mick Hannah Teambike
Diese Fotos im Fotoalbum anschauen

MAG41: … und deine Fahrwerks-Präferenzen?

Mick: Auf unserem Niveau fährt man eine recht harte Federung, weil du mit Top-Speed unterwegs bist und die Worldcup-Strecken schnell, steil und rau sind. Und wenn du körperlich stärker wirst, kannst du auch ein strafferes Set-Up fahren. Das ändert sich von Rennen zu Rennen allerdings gar nicht so sehr, Parameter wie die Lenkerhöhe oder die Reifen dafür schon.

MAG41: Was müssen wir unbedingt über dich wissen, was noch niemand weiß?

Mick: Ähmmm … dass Fabien in mich verknallt ist, was vielleicht interessant ist, aber eher aus Fabiens Sicht schätze ich (allgemeines Gelächter). Er mag mein Salsa-Shirt, dabei tanze ich überhaupt nicht, außer auf dem Fahrrad vielleicht (lacht). Ich bin ein ruhiger, besonnener Typ, der das einfache Leben schätzt. Außerdem ein sehr gläubiger Christ, der seine Familie und das Familienleben liebt. Speerfischen und Campen machen mir Spaß. Sonst? Ich mag die Berge, den Ozean.

MAG41: Mick, wir danken für das spannende Gespräch.

Vielen Dank an dieser Stelle auch an Renate und Holger Blum für den klasse Kuchen vor Ort und die spaßigen Strecken im Bikepark Albstadt.

www.bikepark-albstadt.de

United Ride Fanpage

www.facebook.com/UnitedRide


Foto Jens Staudt 4916 Morewood UnitedRide Team people

Albstadt whip Albstadt Frogger Albstadt NacNac Albstadt Cube Laura Brethauer Albstadt whip green Albstadt - grüner Heizer
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Auch vom IBC noch mal vielen Dank für den gelungenen Tag!


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