Dass unsere deutschen 4x-Fahrer das Zeug dazu haben, sich international auf den vorderen Rängen zu platzieren, konnten sie schon mehrfach unter Beweis stellen.
Mit Peter Richter übernimmt nun ein sehr erfahrener und engagierter Mann das Zepter des 4x-Beauftragten. Zusammen mit dem Olympiastützpunkt Cottbus und BMX Nationalcoach Florian Ludewig hat er das erste diesjährige 4x-Kader Training organisiert. Wir waren mit in Cottbus, um den Jungs beim Training über die Schulter zu schauen und Peter zu befragen, worin seine Ziele und Hoffnungen, in seiner neuen Position, liegen.

Video Impressionen vom 4x-Kader Training in Cottbus von Thomas – mehr Mountainbike-Videos

MTB-News.de: Hallo Peter, durch deine langjährige aktive Zeit auf dem Mountainbike bist du vielen bereits bekannt. Stell dich doch trotzdem noch einmal kurz vor.

Peter Richter: Mein Name ist Peter Richter, 28 Jahre alt und derzeit lebe ich in Cottbus. Ich bin seit 1998 dem MTB Sport verbunden, der damals noch viel aus Dual Slalom und Bikercross bestand – somit war ich von Anfang an beim MDC dabei. Mit 16 Jahren habe ich meine erste Lizenz gelöst. Highlights meiner sportlichen Karriere waren sicherlich meine erste Teilnahme an einem Dual World Cup in Kaprun 2001, bei dem das Gatter noch nach hinten gefallen ist und die Nominierung zur 4x-EM in Willingen. Nebenbei bin ich auch eine Menge BMX Cruiser gefahren. Zweimal hab ich die Bundesliga gewonnen und 2010 hab ich mir das letzte deutsche Meistertrikot gesichert, was sicherlich mein größter Erfolg war. Seit vielen Jahren kümmere ich mich um die 4x-Strecke in Cottbus / Schmellwitz, auf der ich damals das Mountainbiken gelernt habe. In Zukunft bin ich auch weiter immer wieder mal auf dem einen oder anderen Rennen zu sehen.

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# Auf welchem Niveau sind die Jungs – Leistungstests geben Aufschluss

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# Laktattests gehören auch dazu

Um gleich auf den Punkt zu kommen. Du hast vor wenigen Tagen den Posten als 4x- Beauftragter von Daniel Auerswald übernommen. Wie kam der Wechsel? Dan schien immer recht engagiert.

Der Wechsel kam doch recht spontan für mich. Im frühen Winter bekam ich die Anfrage vom MTB Koordinator Fabian Waldenmeier, ob ich mir vorstellen könnte den Part von Daniel Auerswald zu übernehmen. Daniel ist, nach eigenen Aussagen, in seinem Job zeitlich stark eingebunden und hat daher nicht die nötige Zeit, um die Fahrer weiterhin zu betreuen. Ich hatte das Nationalteam bereits 2007 in Fort William, sowie im letzten Jahr in Leogang begleitet daher wusste ich schon ungefähr, was auf mich zukommt.
Es hat immer Spaß gemacht, unter anderem wohl auch, weil ich einen guten Kontakt zu vielen der Fahrer habe. Schlussendlich habe ich mich also entschieden, den Posten zu übernehmen.

Wir sind derzeit im Olympiastützpunkt Cottbus, und ein Teil des neu gegründeten 4x-Kaders ist hier, um mit BMX Bundestrainer Florian Ludewig zu trainieren. Was versprichst du dir von deinem ersten Trainingscamp?

Das Trainingslager hier ist der erste Schritt, den ich geplant habe, um den Fahrern eine bessere Trainingsmöglichkeit zu bieten. Glücklicherweise konnte ich Bundestrainer Florian Ludewig dafür gewinnen. Da BMX dem 4x in einigen Punkten doch sehr ähnlich ist, können wir aus den Erfahrungen der Jungs hier schöpfen, und uns einiges abschauen. Zusätzlich führen wir eine Leistungsdiagnostik durch, um herauszufinden, wie es um die aktuelle Fitness unserer Topfahrer steht, und ihnen dann natürlich auch das richtige Training zu zeigen. Denn die Meisten wissen zwar, was trainiert werden muss, aber welche Übungen sich dafür am besten eignen, das wird hier noch einmal individuell gezeigt.
Außerdem möchte ich versuchen, eine Kooperation mit dem OSP Cottbus in die Wege zu leiten, damit unsere Fahrer jederzeit hier trainieren können. Die Unterstützung durch einen Trainer wird zwar nicht immer möglich sein, da das unser Budget nicht hergibt, dennoch bietet der OSP bessere Rahmenbedingungen, um auch im Winter Kraft-und Starttraining absolvieren zu können.

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# Schnelligkeitsübungen beim Lehrgang

Als 4x-Beauftragter hast du großen Einfluss darauf, wie sich der deutsche 4x-Sport in naher Zukunft entwickeln wird. Da du selbst aktiver Fahrer warst, und daher einen großen Erfahrungsschatz mitbringst, hast du sicherlich einige Ideen, die du umsetzten möchtest. Welche Ziele verfolgst du in deiner neuen Position?

Es ist mir wichtig, klare Strukturen zu schaffen, damit wir uns international im 4x vorne beweisen können. Das erste Ziel wird es sein, einen Kader zu schaffen und die Kriterien zur Nominierung für die EM & WM 2013 zu erstellen, damit die Fahrer einen Anhaltspunkt haben worauf ich Wert lege. Sehr wichtig ist es mir auch das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Dafür organisieren wir mehrere Trainingslager, wie hier in Cottbus, wo wir uns jetzt speziell ein Bild machen können, wie der Fitnessstand der Jungs derzeit ist. Es sollen diesem dann noch weitere Trainingslager mit Fokus auf die Fahrtechnik und gezielter Vorbereitung auf die WM in Leogang folgen.
Zukunftsvisionen gibt es auch. Ich bin bereits dabei Firmen, die dem 4x-Sport verbunden sind, zu kontaktieren, um den Kader zu unterstützen – sei es eine Zeitnahme oder eine Kamera um das Training professioneller zu gestalten. Das Budget ist leider nicht das Größte und so sind wir auf externe Hilfe angewiesen.

Wie schätzt du die 4x-Szene im Allgemein ein? Seitdem der World Cup gestrichen wurde, haben viele 4x bereits abgeschrieben. Meinst du, dass der Sport es schafft, sich durch die neuen Rennserien, wie der 4x ProTour, oder auch der Euro 4x Series und einzelnes Engagement und Organisationen, sich den gleichen Status, wie vor 3-4 Jahren zu erarbeiten?

Es gibt noch immer eine sehr starke Basis mit den nationalen Serien in Großbritannien, Tschechien und vor allem bei uns mit dem SDC & MDC. Das ist ein schwieriges Thema. Natürlich hatte das Canceln des World Cups einen großen Einfluss auf die Szene. Aus meiner Sicht ist dies aber das Einzige was zurückgefahren wurde. Es gibt noch immer eine sehr starke Basis mit den nationalen Serien in Großbritannien, Tschechien und vor allem bei uns mit dem SDC & MDC. Und sowohl die 4x ProTour, als auch die Euro 4x Series, sind stark besetzt und top organisiert. Dennoch ist der World Cup für die Fahrer extrem wichtig, um vom Sport leben zu können. Dem Aus der WCs folgte ziemlich schnell der Rückzug der Industrie, und somit wird es immer schwieriger, 4x professionell zu betreiben. Wie sich das entwickeln wird, ist enorm schwierig abzuschätzen. Es kann sein, dass es 2014 einen World Cup gibt, genauso ist es aber auch möglich, dass nicht einmal mehr eine WM stattfinden wird.
Viele der derzeit professionellen 4x-Fahrer sind dann gezwungen, sich umzuorientieren, und es ist zu vermuten, dass Fourcross sich dann ähnlich wie der Dual Slalom entwickelt, den es leider nur noch auf großen Festivals zu sehen gibt.

Nach dem ganzen Hin- und Her von Seiten der UCI – der 4x World Cup wurde gestrichen, es folgte der Endurohype sowohl von Seiten der Fahrer, als auch der Industrie – wurde vor Kurzem die 4x WM von Pietermaritzburg/RSA nach Leogang verlegt.
Wie schätzt du das ein? Ist das positiv für die Szene, oder überwiegen die Nachteile?

Gerüchten zufolge wird aber Red Bull den Downhill, sowie die 4x WM in Leogang live übertragenAls ich davon hörte war ich doch ziemlich irritiert, vor allem, weil ich vorher nie von Problemen vor Ort gehört hatte. Sicherlich ist es keine typische 4x Strecke, wie man sie aus Europa kennt aber von den Fahrern hat man nie etwas schlechtes zu hören bekommen – an sich gab es immer ein 4x Rennen bei einem World Cup in Südafrika. Dass sich aber die UCI nach dem Entschluss der Veranstalter darum gekümmert hat eine Alternative zu finden, sehe ich durchaus als ein positives Zeichen. Positives und Negatives abzuwägen ist hier sehr komplex – es wird die Weltmeisterschaft als großes Event mit allen Disziplinen somit nicht geben, was schade für den besonderen Spirit ist, der dort immer herrscht. Viele sehen es als großen Nachteil, besonders hinsichtlich der Medienaufmerksamkeit. Gerüchten zufolge wird aber Red Bull den Downhill, sowie die 4x WM in Leogang live übertragen, somit sehe ich dort eigentlich keinen Nachteil. Aus Sicht der Fahrer war die Verlegung wünschenswert, da sich viele die Reise nicht hätten leisten können. Dann hätten wir ein sehr kleines Fahrerfeld in Südafrika gehabt und das setzt nicht das Zeichen, das wir derzeit der UCI gegenüber setzen müssen.

Bei der Weltmeisterschaft 2012 waren erstmals Guido Tschugg und Johannes Fischbach nicht dabei. Wie schätzt du die jetzigen deutschen Topfahrer ein? Was fehlt ihnen noch? Denkst du, es ist genügend Potential vorhanden, um konstant in die Top 5 fahren zu können?

Ich bedauere sehr, dass Johannes nicht mehr dabei ist, kann aber seinen Entschluss nachvollziehen und freue mich sehr, dass er sich bereits so gut im Downhill etablieren konnte.
Die jetzigen Fahrer haben definitiv das Potential sich in der Spitze zu etablieren. Wir haben eine sehr gute Platzierung von Stefan Scherz bei der EM in Polen 2012, ein 2ten Platz von Petrik Brückner beim ProTour Lauf in Fort William und vor allem haben wir einen inoffiziellen Juniorenweltmeister mit Benedikt Last, der bei der WM ins kleine Finale fahren konnte. Und diese Platzierungen schließen an Johannes’ und Guidos Erfolgen gut an. Das Leistungsniveau mag mit dem Ausstieg der UCI etwas gesunken sein, aber das sind Platzierungen, die auch Fischbach und Tschugg nicht auf Anhieb gelungen sind. Das Potential ist also definitiv vorhanden!

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# Auch Starts werden in der Halle geübt

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# Stabilisierungstechniken werden vertieft

Unsere deutschen Topfahrer kommen meist aus dem Osten bzw. aus dem Mitteldeutschen 4x Cup. Wie erklärst du dir das?

Ich denke das ist reiner Zufall. Ich bin schon eine ganze Weile in der deutschen Szene unterwegs und es gab immer wieder sehr erfolgreiche Fahrer aus unterschiedlichsten Regionen. Da gab es Fahrer aus Hamburg mit David Geske, Christoph Ullrich und Jan Stötzer, aus dem bayerischen Raum mit Thomas Schäfer, Gregor Alff, Sascha Meyenborg, Guido und Arne Tschugg und derzeit auch aus dem Schwabenland mit Benedikt Last und Jonas Gauss. Es ist sehr gut über die ganze Republik verteilt. Momentan ist es Zufall, dass die Besten den MDC fahren wie Aiko Göhler, Stefan Scherz, Klaus Beige und aus früheren Zeiten ein David Schatzki, Derek Bahlo, Enrico Gutsche oder ein Maximilian Wrstala. Ich würde das nicht an den einzelnen Serien fest machen. Gut verteilt ist das auch im jetzigen Nachwuchs.

Wie wichtig ist es, zusammen zu trainieren? Die Radfahrmentalität in Thüringen zum Bespiel, rund um Ilmenau, ist sehr geprägt vom gemeinsamen Fahren, wie ich finde, und immer wieder sieht man talentierte Fahrer aus dieser Region auf den Rennen. Wie schätzt du das ein?

Gemeinsames Fahren und Pushen ist ein wichtiger Aspekt, den man auch gut an Nico Seidel, Petrik Brückner und Stefan Scherz sehen konnte. Die drei haben eine Zeit lang viel miteinander trainiert und sind viel zusammen gereist aber das ist nicht immer der ausschlaggebende Punkt, denke ich. Die Bereitschaft und der Wille müssen da sein!

Die meisten Fahrer kennst du sehr gut und bist gut mit ihnen befreundet – wie sind deine Erwartungen an die Fahrer und was glaubst du wiederum, erhoffen sie sich von dir als 4x Beauftragten?

Jedem kann ich es sicher nicht recht machen, aber ich denke für die Fahrer ist es am wichtigsten, eine gewisse Klarheit zu haben. Eine permanente Kommunikation haben wir uns bereits aufgebaut, was enorm von Vorteil ist, und auch immer ein Kritikpunkt war. Ich habe mir einen Saisonplan von jedem Fahrer geben lassen, mit dem ich arbeiten möchte, um einfach besser organisieren zu können, bezüglich der Trainingscamps etc.

Meine Erwartungen an die Fahrer sind, dass sie den gewissen Einsatz bringen, der vonnöten ist. Es ist schon ein enormer Zeitaufwand, den ich in das ganze Projekt stecke, und möchte dann natürlich auch, dass die Fahrer diese Möglichkeiten wahrnehmen.
Der Kader ist das Aushängeschild des Sports, somit erwarte ich eine gewisse Professionalität der Jungs. Das heißt, dass man sich an die Regeln hält, wie zum Beispiel das Tragen von Protektoren und, dass die Jungs eine Vorbildfunktion für den Nachwuchs übernehmen. Das muss man von der deutschen Elite erwarten können, aber darin sehe ich überhaupt kein Problem, wenn ich an die WM in Leogang zurückdenke.

Vielen Dank für das Interview, Peter!
Ich wünsche dir viel Erfolg in deiner neuen Position, und hoffe, dass du deine Ziele umsetzen kannst!

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# und los!

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# Eindrücke vom Lehrgang

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# Eindrücke vom Lehrgang

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# Eindrücke vom Lehrgang

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# Eindrücke vom Lehrgang

Quelle: German 4x Union
Fotos: Niklas Vogt

Die neuesten Kommentare
  1. benutzerbild

    Motivatus

    dabei seit 03/2003

    Jochen_DC
    Die Nationaltrikots kann man käuflich erwerben, die Funktionsshirts auf den Bildern nicht

    http://www.rad-net.de/index.php?newsid=18131
    Die CC Trikots kannte ich schon, die sind bei meiner Figur nix :lol:

    Die Langarm-Freeride-Trikots hatte ich schon in mehreren Videos gesehen, findet man aber nirgends.
  2. benutzerbild

    Anzeige

  3. benutzerbild

    Jochen_DC

    dabei seit 04/2005

    Motivatus
    Die CC Trikots kannte ich schon, die sind bei meiner Figur nix :lol:

    Die Langarm-Freeride-Trikots hatte ich schon in mehreren Videos gesehen, findet man aber nirgends.
    :cool: ich frag mal nach, kann mir kaum vorstellen dass wir die dh/4x Trikots nicht auch verhökern ;)
  4. benutzerbild

    Markus4XDH

    dabei seit 12/2012

    Ich finde es auf jeden Fall super dass sich in dieser Richtung was tut - neuer MTB-Koordinator, neuer 4X-Beauftragter, Trainerausbildung, zwei starke nationale Serien, Fahrer die international Potential haben vorne mitzufahren, starker Nachwuchs - da muß doch jetzt was gehen!!!
  5. benutzerbild

    TOBI aus Rohr

    dabei seit 07/2007

    Suoer Sache, ich finde es ganz wichtig den 4X-Sport weiter zu födern.
  6. benutzerbild

    gravitydoc99

    dabei seit 04/2012

    4X muss mehr gefördert werden und der Sport muss wieder auf sein altes Level... :daumen:

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