HomeMagazinTestsBikesLeicht hoch, schnell bergab: Das neue Scott Genius LT “tuned” im Kurzfahrbericht — 5. Juli 2013 9:09

Leicht hoch, schnell bergab: Das neue Scott Genius LT “tuned” im Kurzfahrbericht

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Während des zweitägigen Aufenthalts im mit Scott kooperierenden Ski- und Trail-Örtchen Gstaad konnten wir die Gelegenheit nutzen, das neue Genius LT auf den dortigen Trails auszufahren. Auf zwei Ausfahrten konnten wir uns einen ersten Eindruck des neuen Bikes verschaffen und bekamen das Topmodell LT “tuned” zur Seite gestellt. Hier unser erster, unabhängiger Fahreindruck der beiden Trailtouren.

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# Scott Genius LT “tuned”

Aufwärts

Mit 100 flotten Straßen-Höhenmetern bis hinauf zur Seilbahn beginnt die Ausfahrt: TwinLoc auf “Climb” und los geht es. Die 12,3kg lassen das Bike exzellent nach oben drücken – dieses Gewicht in Verbindung mit einem 170mm-Abfahrtsgerät ist völlig ungewohnt, aber kraftsparend. Im Climb-Modus ist der Hinterbau nahezu komplett ruhig gestellt, was bergauf überaus angenehm ist – dennoch warten wir mit unserer Einschätzung bis nach der Gondelfahrt…

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# Uphill mit dem Genius LT “tuned”. Foto: Markus Greber

….denn oben angekommen, geht es nach einer kurzen Abfahrt nochmal hoch – dieses Mal jedoch abseits der Straße. Hier ist das Hardtail-Feeling im Climb-Modus unangenehm – ich wechsle in den Traction-Mode, der mir 135mm Federweg freigibt. Während die 170mm-Position beim Wiegetritt in Verbindung mit kleineren Kletterstufen etwas einsackt, fühlen sich die straffen 135mm optimal an. So kann man sämtliche Felsen und Holzstufen unerbittlich hochtreten – der Traction-Mode macht seinem Namen alle Ehre und gibt erst dann Federweg frei, wenn ich ihn an den Kanten auch brauche. Sonst verhält sich der Federweg unauffällig, genauso soll es sein.

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# Aufmerksam – hier sind unter Umständen ein paar Biker unterwegs

Immer noch sind sich viele Biker sicher, dass sich zwischen 26” und 27.5” kein maßgeblicher Unterschied feststellen lässt – das kann ich bei unserer ersten Fahrt nicht bestätigen. Einen Anteil an der guten Uphill-Performance haben neben dem geringen Radgewicht die größeren Laufräder mit ihrem besseren Überrollverhalten: Besonders auf Trailstücken, wo es auch bergauf über Stufen, Steine und andere schnell hintereinander folgende Unebenheiten geht, macht sich die Größe positiv bemerkbar.

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# Ziemlich schick, ziemlich schwarz-orange: Das Genius LT “tuned”

Ebene

Neben einigen Schotter-Traversen zwischen den einzelnen Auf- und Abfahrten gibt es auch den ein oder anderen tretlastigen Trail in der Ebene – auch hier bleibe ich im Traction-Mode, dessen Federwegsbereich mit 135mm mir zunehmend besser gefällt. Ordentlich straff lässt sich das Bike schnell und spielerisch von kleinen Kickern abziehen. Im schnellen Wiegetritt gibt der Hinterbau nur wenig Federweg frei und sorgt so dafür, dass wenig Kraft verloren geht. Die 650b-Laufräder überrollen kleine Kanten und Mulden problemlos, auch wenn der Unterschied zu 26” in der Ebene zugegeben nicht wirklich spürbar ist.

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# Auf einem der nicht ganz so fordernden Schotterwege. Foto: Markus Greber

Abwärts

Vario-Stütze runter, Federweg rauf: Zweimal am Lenker drücken macht aus dem verspielten Trailbike ein auf 170mm aufgebohrtes Abfahrtsgeschoss. Neben mittelspannenden Schussfahrten über schmale Trails finden sich auf der zweiten Abfahrt diverse Teilstücke, mit denen das Potenzial des Descend-Modus ausgefahren werden kann. Fakt ist: Das Genius LT “tuned” will gefordert und aktiv gefahren werden, ein gemütliches Sofakissen ist das Bike, insbesondere in meiner straffen “Enduro”-Abstimmung, nicht. Die 170mm fühlen sich bei den Trailabfahrten nach etwas weniger an, was sich gut für das Abziehen von Wurzeln und kleinen Kickern eignet, andererseits jedoch den einen oder anderen Schlag spürbar werden lässt.

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# Abwärts: Das Genius lässt sich gut und einfach an kleinen Wellen abdrücken. Foto: Markus Greber

In der einen oder anderen Anliegerkurve merkt man die 170mm dann doch – die Fliehkraft drückt das Rad ordentlich in die Kurve hinein und man benötigt angesichts des Federwegs ein wenig mehr Zeit, um wieder aus der Kurve hinauszuspurten. Extrem leicht gehen allerdings Manuals von der Hand: sowohl über kleine Kompressionen wie auch in der Ebene ist das Bike trotz der größeren Laufräder schnell in der Luft und lässt sich gut und lange balancieren.

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# Enduro Mag-Kollege Robin heizt durch die Kurve.

Gänzlich anderes Terrain boten die letzten Minuten des ersten Trails – enge Schotter-Serpentinen sind das eine, schnell gefahrene enge Schotter-Serpentinen das andere. Hier merke ich die größeren Laufräder: Das Einlenken und Durchfahren geschieht nicht so direkt wie bei den 26”-Geschwistern und erfordert zunächst etwas Eingewöhnung. Dafür können die Laufräder auch einen Vorteil ausspielen: Da, wo 26er am Limit sind und ausbrechen wollen, ist bei den größeren Kollegen gefühlt noch längst nicht Schluss: Nach einigen Kurven Eingewöhnung kann ich teilweise die Bremsen länger auflassen und mich vertrauensvoll auf die Laufräder in Kombination mit den gut greifenden Hans Dampf-Reifen verlassen.

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# Scott-PR-Mann Julian auf den Trails über Gstaad.

In den wenigen technischen Passagen werden die 170mm Federweg dann fast voll ausgenutzt – ausgesetzte Wurzelpassagen und steilere Kurven funktionieren im Descend-Modus gut, das Heck nimmt die Schläge kontrolliert auf. Das Ansprechverhalten der Fox 34 ist mir, auch, nachdem wir am zweiten Tag beim kleinen Bruder “LT 20″ein weniger straffes Setup einstellen, nicht soft genug (rauscht dafür allerdings auch nicht durch den Federweg) und die Gabel kann im Descend-Modus trotz schneller Zugstufe auf ruppigen, flott gefahrenen Passagen daher nicht alle Schläge aufnehmen – das ist jedoch meine persönliche Meinung. Im deutlich strafferen Traction- sowie im geschlossenen Climb-Modus funktioniert die Fox 34  zufriedenstellend – dennoch könnte der Druckstufenbereich generell etwas softer sein.

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# Robin springt gen Tal.

Fazit

Die wenigen Stunden, die wir auf dem Bike unterwegs sind, können und sollen nicht als Maßstab für die Performance dieses Bikes herhalten, dennoch hier unser Kurz-Fazit: Das neue Scott Genius LT tuned ist ein enorm leichtes Enduro-Bike, mit dem man für das geringe Gewicht beste Uphill-Performance, viel Downhill-Qualität und entsprechenden Federweg erhält. Das TwinLoc-System funktioniert sehr gut und lässt das Bike in allen drei Situationen – bergauf, in der Ebene, bergab – gut dastehen.

Auf den schnellen, primär weniger technischen Trails ist das Genius LT eher straff unterwegs, sackt daher zwar nicht durch den Federweg, will dafür allerdings auch aufmerksam und aktiv gesteuert werden – “alles plattbügeln” ist nicht die Maxime des Genius LT. Die Fox 34 funktioniert generell in allen drei Modi passabel, ist mir aber auch im softeren Setup im 170mm-Modus noch etwas zu straff – das hängt unter Umständen jedoch von den persönlichen Vorlieben ab und wird von uns nach Möglichkeit nochmal ausführlicher getestet. Bisher gefehlt hat uns noch ein Einsatz in etwas ruppigerem Gelände; hier könnte das Genius LT die 170mm vollständig ausspielen. Alles in allem kann das Genius LT im ersten Eindruck insbesondere mit dem sehr gut funktionierenden TwinLoc-System, der für Enduro-Einsätze optimalen Ausstattung und dem straffen, aber lebendigen Heckfederungsverhalten überzeugen.

Mehr Infos: http://www.scott-sports.com

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Fotos: Markus Greber, Johannes Herden


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