Deisterfreunde-Trails – Legalisierung mit Ausnahmegenehmigung
Bevor man zur aktuell verfahrenen Situation kommt, lohnt es sich, einen Blick auf die Ausgangslage zu werfen. Seit 2012 gab es im Deister, einem Höhenzug und Naherholungsgebiet südlich der Metropole Hannover, drei legale Mountainbike-Trails. Betreiber der Trails war der Verein Deisterfreunde, der sich genau zu diesem Zweck 2012 gegründet hat und inzwischen laut eigener Website auf über 1.200 Mitglieder gewachsen ist. Die drei zwischen 2012 und 2025 legalen Trails wurden ursprünglich als reine Freeride-Trails mit Sprüngen und sogar Doubles erbaut. Da diese allerdings im Landschaftsschutzgebiet Norddeister standen, musste zur Legalisierung eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden, die jährlich verlängert wurde, was bislang 13 Jahre lang funktioniert hatte.
Die Ausnahmegenehmigung wurde unter anderem damit begründet, dass es sich um ein Pilotprojekt handelt, über das man herausfinden will, ob das illegale Fahren im Wald so reduziert werden kann. Daran entzündete sich der aktuelle Streit: Der Verein wollte mehr Sicherheit, das Umweltdezernat der Region Hannover wollte ganz aussteigen.
Die aktuelle Situation – viele illegale, keine legalen Trails
Seit dem 1. Januar 2026 sind die drei legalen Trails offiziell geschlossen: Die Beschilderung soll demontiert, die Eingänge der Trails versperrt werden. Diese Situation hatte sich bereits seit einiger Zeit abgezeichnet – spätestens mit der ablehnenden Haltung der zuständigen Behörde auf einen Antrag auf Verlängerung der Betriebserlaubnis um 15 Jahre im Oktober 2025 war klar, dass es so nicht weitergehen wird. Ende des Jahres haben die Deisterfreunde zudem zu einer großen Demo in Hannover aufgerufen, zu der nach eigenen Angaben etwa 1.000 Teilnehmer gekommen waren – geändert hat sich erst einmal nichts.
Fragt man bei der verantwortlichen Naturschutzbehörde der Region Hannover nach, hört man: Das Pilot-Projekt wird inzwischen als gescheitert angesehen. Schließlich hätten die drei Trails ja eine lenkende Wirkung entfalten sollen, stattdessen verweist man darauf, dass in einer gängigen Outdoor-App – die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Strava handelt – über 80 illegale Trails im Deister eingetragen sind. Vor allem in den letzten 3–4 Jahren hätte die Anzahl zugenommen. Der Verein Deisterfreunde analysiert die Situation anders – und ehrlich gesagt fällt es auch etwas schwer, der Argumentation der Behörde zu folgen. Der Radsport hat schließlich in den letzten 3–4 Jahren einen regelrechten Boom hingelegt, es ist also naheliegend, dass seitdem deutlich mehr Druck auf den Wegen herrscht. Und wie 3 legale Trails eigentlich bei über 80 illegalen eine Lenkungswirkung entfalten können, leuchtet auch nicht ganz ein – als ob man neben einer achtspurigen Autobahn noch einen Feldweg baut und sich wundert, dass der Verkehr auf der Autobahn nicht abnimmt.
Die Anzahl von 80 illegalen Trails in so einem kleinen Waldgebiet erscheint tatsächlich rekordverdächtig hoch. Fraglich ist, was hier als Trail gezählt wurde – schließlich gibt es häufige Abzweigungen und kürzere Abweichungen, mancher Trail führt nicht gerade über den nächsten Weg und so weiter. Man sollte sich wohl nicht an der Zahl aufhängen – klar scheint: es gibt viele illegale Trails, sehr viele Radfahrer, aber kein legales Angebot im Deister! So oder so erscheint die logische Antwort auf das Problem eigentlich, mehr legale Trails anzulegen – was laut Deisterfreunde-Vorstand Mark Wolf auch eine Studie aus dem Jahr 2022 nahegelegt hat.
Die intensiven sportpolitischen Gespräche der vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig der gemeinsame Austausch ist. Umso mehr freut es uns, dass die Vertreterinnen und Vertreter der Region Hannover trotz der herausfordernden Umstände weiter an Lösungen arbeiten. Dieses Engagement macht Hoffnung, dass das Mountainbiking auch in Zukunft einen Platz in unserer Region haben wird.
Ein weiterer Streitpunkt war der Ausbau der bestehenden Strecken – diese sollen verbotenerweise vom Verein immer weiter ausgebaut worden sein. Erst im Rahmen einer Kontrolle im Jahr 2023 sei dies festgestellt worden. Der Verein widerspricht auch hier vehement – alles sei abgesprochen worden, dafür gäbe es auch Zeugen. So verweist man etwa auf eine STRG-Reportage, in welcher der damals zuständige Revierförster Frank Nüsser die Zusammenarbeit vor Ort auf der Strecke in höchsten Tönen lobt. Man könnte tatsächlich meinen, ihm wäre dabei eine unabgesprochene Verdopplung der erlaubten Bauten ins Auge gefallen, die dem Verein nun zur Last gelegt wird. Tatsächlich gibt auch das Umweltdezernat in seinen FAQ zum Thema an, dass die Landesforste für die Überwachung zuständig sind.
Ein Teil der Ausbauten soll sogar direkte Folge einer frühen Monitoring-Studie gewesen sein, die zu dem Schluss kam, dass Streckenbestandteile wie Doubles nichts für die breite Masse seien. Daraufhin hat man sich laut Verein drauf geeinigt, sie mit entsprechender Erdbewegung zu Tables umzubauen – was laut Mark Wolf, Vorstand des Vereins Deisterfreunde, nun scheinbar ein Problem dargestellt hatte.
STRG_F-Reportage: Kampf um den Wald
In Planung – Ein Singletrailnetz für Downhill-Fahrer
Wie geht es also weiter im Deister – sind Mountainbiker dort künftig verboten? Aktuell auf jeden Fall schon – jedenfalls, wenn man uns fragt.
Etwas anders sieht das Jens Palandt, der zuständige Dezernent der Region Hannover – er verweist gerne auf die 600 km Wald- und Forstwege im Deister. Dass das nicht wirklich ein Angebot ist, scheint ihm allerdings auch klar zu sein, denn das Umweltdezernat arbeitet laut eigener Aussage bereits an einem Konzept für ein Singletrailnetz entlang bestehender Wege. Aus diesem wiederum sind im letzten Sommer die Deisterfreunde ausgestiegen. Der Grund? Die Strecken seien ohne ihr Zutun identifiziert worden, und eine Eignung für ganzjähriges Mountainbiken hätte schlicht keine Rolle gespielt. Bauliche Maßnahmen wären generell vom Tisch gewesen, die Strecken maximal handtuchbreit.
Wir wollten die jetzt eintretende Situation, dass es eine Zeit lang kein legales Mountainbike-Angebot im Deister abseits der weiterhin zur Verfügung stehenden rund 600 Kilometer Wald- und Forstwege gibt, verhindern. Deshalb haben wir zu Jahresbeginn 2025 noch einmal einen von den Sportbünden moderierten Lösungsprozess angestoßen. Leider sind die Deisterfreunde im Juli 2025 für uns überraschend aus den bis dahin konstruktiven Gesprächen ausgestiegen. Unser Ziel ist es jetzt, mit verlässlichen Partner*innen schnellstmöglich ein neues Angebot aufzubauen.
Für die Deisterfreunde war zudem die ablehnende Haltung der Naturschutzbehörde gegenüber einer gemeinsamen Begehung der bestehenden Trails sowie die deutlich höhere Pacht der neuen Trails sowie eine Kompensationsforderung von 15.000 € plus Mehrwertsteuer für die baulichen Maßnahmen an den alten Trails weitere Gründe, lieber keine Lösung als diese zu suchen.
Natürlich sieht man das beim Umweltdezernat etwas anders – die bisherigen Gespräche seien sehr konstruktiv verlaufen, es habe gemeinsame Begehungen des möglichen Geländes gegeben und man habe bereits positives Feedback und Beteiligungsangebote aus der Mountainbike-Community erhalten. Aktuell sei man noch auf der Suche nach einem neuen, „verlässlichen“ (O-Ton) Partner für die Ausarbeitung des Konzepts.
Naturverträgliches Mountainbiken soll im Deister auch zukünftig möglich sein. Für ein Singletrailnetz entlang bestehender Wege stehen erste Flächen der Niedersächsischen Landesforsten zur Verfügung. Weitere Eigentümer*innen sind nach unserer Kenntnis aufgrund negativer Erfahrungen mit dem Mountainbiken derzeit nicht gewillt, Flächen bereitzustellen. Wir setzen darauf, dass sich das ändert, wenn sich der Ansatz auf den ersten Streckenkilometern bewährt. Derzeit laufen in enger Abstimmung mit den Deisterkommunen innerhalb und außerhalb der Region Gespräche mit möglichen Trägern für diese Trails, damit der Aufbau im kommenden Jahr schnellstmöglich starten kann. Für das Konzept haben wir in den vergangenen Monaten auch aus Teilen der Mountainbike-Community zahlreiche positive Rückmeldungen und Unterstützungsangebote bekommen.
Aktuell sieht es also einfach schlecht aus für Mountainbiker im Deister – jedenfalls, wenn man sich nicht auf den genannten 80 inoffiziellen Trails bewegen will. Die Situation zwischen den Deisterfreunden als bisher erfolgreicher Interessenvertretung der Mountainbiker und dem seit 2023 unter der Leitung von Jens Palandt stehenden Dezernat für Umwelt scheint ziemlich verfahren. Die Situation zeigt auf jeden Fall, wie wichtig Gespräche und Verständnis für die jeweilige Position sind. So kann die Beziehung zwischen dem Verein und dem ehemaligen Revierförster Frank Nüsser als absolut vorbildlich bezeichnet werden. Dieser war selbst alles andere als ein Freund der Mountainbiker, ist durch die gute Zusammenarbeit mit dem Verein jedoch zu einem Verfechter weiterer legaler Trails geworden und konnte die Anzahl illegaler Strecken in seinem Revier erfolgreich auf 0 senken. Die aktuelle Konfrontationstaktik hält der inzwischen im Ruhestand befindliche Ex-Förster entsprechend für den Holzweg.
Warst du schon mit dem MTB im Deister unterwegs? Was ist deine Erfahrung?
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98 Kommentare
» Alle Kommentare im Forumalles zerstört auf laute kunstvollste Art eben auch, und dann ist der Spot gesperrt, Beispiel Domplatte, oder Skatestopper kommen dran. Andererseits: Für die Domplatte gab es nen Deal, KAP 686.
Alle anderen sehen eben nur das Ergebnis, im Grunde Sachbeschädigung. Sie hatten ja auch nichts davon 😄
Von daher: Ja, weil mich etwas ermächtigt, besser den je in die Natur vorzudringen, heisst nicht, das ich auch das Recht dazu habe. E-Bikes potenzieren das nur. Die momentane Möglichkeit, sich motorisiert in Wald oder Natur zu bewegen, ist eher ein Kollateralschaden der Mobilitätswende und der eigentlich sinnvollen Gleichstellung mit dem Fahrrad im Straßenverkehr.
Denn zum einen wird bei vielen das bisherige MTB eben jetzt durch ein E ersetzt, also ändert sich dadurch die Anzahl der Fahrenden nicht.
Zum anderen erscheint ein großer Teil der verkauften E-MTBs gar nicht auf Trails, sondern maximal auf den breiten Wald-, Schotter- und radwegen, weil die Käufer ein E-MTB aus "Komfortgründen" gekauft haben, nicht um damit Mountainbikesport zu betreiben.
Die dort nun zahlreicher anzutreffenden Biker erwecken dann den Anschein eines "Nutzerdrucks" auch auf Trails, den es aber gar nicht unbedingt geben muss.
Und auch wenn ein E-MTBer mehr Trails/mehr Runden fahren kann, heißt das nicht automatisch, dass das immer "den gleichen Trail" trifft.
Durch das E wird es ja möglich, Touren neu und anders zu fahren, Trails einzubauen, zu denen es früher zu weit war, oder die zusätzliche Uphills erfordert hätten.
Bei mir beispielsweise ist es definitiv so, dass einige meiner "Stammtrails" zwischenzeitlich von mir nur noch selten befahren werden, dafür sind ein paar dazu gekommen, die ich frühe selten bis nie gefahren bin. Auch variiere ich meine Touren jetzt viel stärker, so dass ich die verschiedenen Teile meines "Reviers" abwechselnd und mit zeitlichen Lücken befahre, während ich früher hauptsächlich in einem Gebiet unterwegs war.
Übrigens richtig geiles Bild, da reizt ein Besuch schon, und schönes Santa Dirtbike, gibts das Jackal etwa noch?

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