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Futtern und Wein trinken, das gibt es nur in den letzten Tagen vor dem Rennen
Futtern und Wein trinken, das gibt es nur in den letzten Tagen vor dem Rennen - davor heißt es Trainieren und Fasten
Kais Betreuerstab
Kais Betreuerstab - sechs Leute sind notwendig, damit ein Verrückter zuverlässig seine Runden drehen kann
Ready to Race: Unser Zelt steht wie üblich direkt an der Strecke
Ready to Race: Unser Zelt steht wie üblich direkt an der Strecke - das erschwert die Zugänglichkeit beim Aufbau, erleichtert die Versorgung aber ungemein
Vollgas: Kai erwischt einen tollen Start ins Rennen
Vollgas: Kai erwischt einen tollen Start ins Rennen - zumindest auf den ersten Metern, dann folgen drei Plattfüße
Einen Platten bei den 24h Finale Ligure zu fahren ist nicht weiter schwer...
Einen Platten bei den 24h Finale Ligure zu fahren ist nicht weiter schwer...
... bietet die steinige, staubige und schnelle Strecke doch genügend Raum dafür
... bietet die steinige, staubige und schnelle Strecke doch genügend Raum dafür
Einen Platten bei den 24h Finale Ligure zu fahren ist nicht weiter schwer
Einen Platten bei den 24h Finale Ligure zu fahren ist nicht weiter schwer - bietet die steinige, staubige und schnelle Strecke doch genügend Raum dafür
Also heißt es auch hier
Also heißt es auch hier - "Wer sein Rad liebt, der schiebt"
Wir helfen kurzerhand mit dem Ersatzrad aus
Wir helfen kurzerhand mit dem Ersatzrad aus - vielen Dank an die anderen Fahrer, die Kai mit zusätzlichen Ersatzschläuchen über die erste Runde geholfen haben
Im Laufe des Tages kommt Kai in Fahrt
Im Laufe des Tages kommt Kai in Fahrt - er arbeitet sich Position um Position zurück in Richtung Spitze
Die Bedingungen rauben körperlich Kraft...
Die Bedingungen rauben körperlich Kraft...
... gleichzeitig erfordert die Strecke zu jeder Zeit höchste Konzentration
... gleichzeitig erfordert die Strecke zu jeder Zeit höchste Konzentration
OUT
OUT
Staub fressen, Krämpfe überwinden. Gute Miene zum bösen Spiel machen
Staub fressen, Krämpfe überwinden. Gute Miene zum bösen Spiel machen - so könnte man den Solo-Start in Finale Ligure beschreiben
Immerhin waren in diesem Jahr die Bedingungen besser als in so manchem Jahr zuvor
Immerhin waren in diesem Jahr die Bedingungen besser als in so manchem Jahr zuvor - lieber Sonne als Regen lautet die Devise
Kai kämpft ...
Kai kämpft ...
... und ist am späten Nachmittag bereits wieder in den Top 10 angekommen
... und ist am späten Nachmittag bereits wieder in den Top 10 angekommen
Gegen Abend sinken die Temperaturen und als es dunkel wird, frischt auch der Wind auf
Gegen Abend sinken die Temperaturen und als es dunkel wird, frischt auch der Wind auf - jetzt kommen wir in die Phase, in der sich das Rennen entscheidet
Wir bereiten uns ebenfalls auf die Nacht vor, das bedeutet Abendessen!
Wir bereiten uns ebenfalls auf die Nacht vor, das bedeutet Abendessen!
Und während Kai spärliche Sportlerkost futtert...
Und während Kai spärliche Sportlerkost futtert...
... gönnen wir es uns frisch vom Grill
... gönnen wir es uns frisch vom Grill
Schlafen? Undenkbar, wenn man direkt an der Strecke liegt und neben einem die Toboga feiert
Schlafen? Undenkbar, wenn man direkt an der Strecke liegt und neben einem die Toboga feiert
Zwangspause vor Einbruch der Nacht
Zwangspause vor Einbruch der Nacht - der Helm wird gewechselt und viel Flüssigkeit aufgenommen, um dem Sonnenstich und der Dehydrierung zuvorzukommen
Mal angetrieben von Markus B., der hier schon im zweier Team gewinnen konnte ...
Mal angetrieben von Markus B., der hier schon im zweier Team gewinnen konnte ...
... mal gezogen von ihm mit seinem blinkenden Bike geht es durch die Nacht
... mal gezogen von ihm mit seinem blinkenden Bike geht es durch die Nacht
Volle Konzentration in der Nacht von Finale Ligure
Volle Konzentration in der Nacht von Finale Ligure
Und dann heißt es wieder: durchbeißen und bei der Sache bleiben
Und dann heißt es wieder: durchbeißen und bei der Sache bleiben
Irgendwann wird es Morgen und erst jetzt sieht man, wie viele Kräfte dieses Rennen gekostet hat
Irgendwann wird es Morgen und erst jetzt sieht man, wie viele Kräfte dieses Rennen gekostet hat
Kai hat in der Zwischenzeit seine Führung ausbauen können und wir entspannen uns langsam
Kai hat in der Zwischenzeit seine Führung ausbauen können und wir entspannen uns langsam
Morgenstund hat Gold im Mund, sagt man so schön? Stimmt!
Morgenstund hat Gold im Mund, sagt man so schön? Stimmt!
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Dadurch, dass parallel das Team-Rennen stattfindet, muss pro Runde häufig und knapp überholt werden
Dadurch, dass parallel das Team-Rennen stattfindet, muss pro Runde häufig und knapp überholt werden - kein ungefährliches Unterfangen, denn am Wegesrand lauern die Platten
Essen und Trinken sind das A und O, nicht nur in Finale
Essen und Trinken sind das A und O, nicht nur in Finale - Kai nimmt während des Rennens fast 18 Liter Flüssigkeit zu sich
Die letzten Meter ins Ziel vergehen dann wie im Flug
Die letzten Meter ins Ziel vergehen dann wie im Flug - Kai prescht zum letzten Mal durch die Toboga
Gewonnen! Kai Saaler gewinnt zum ersten Mal die Solo-Wertung der 24h Finale Ligure
Gewonnen! Kai Saaler gewinnt zum ersten Mal die Solo-Wertung der 24h Finale Ligure
Interview hier, Foto und Video da...
Interview hier, Foto und Video da...
Und dann hab ich den Spinner endlich mal für mich. Bis zum nächsten Mal!
Und dann hab ich den Spinner endlich mal für mich. Bis zum nächsten Mal!
Die stolzen Helden!
Die stolzen Helden!
... irgendwann folgt die Siegerehrung
... irgendwann folgt die Siegerehrung
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An Pfingsten wurde die 20. Auflage der 24h Finale Ligure ausgetragen – den Sieg in der prestigeträchtigen Solo-Kategorie des vielleicht berühmtesten Ausdauerrennens der Mountainbike-Welt konnte in diesem Jahr das erste Mal Kai Saaler aus Hasel (Baden-Württemberg) für sich entscheiden. Doch an Stelle eines gewöhnlichen Rennberichtes führt Kais Freundin Tamy uns hinter die Kulissen des Erfolgs. Viel Spaß!

Die Fakten

Die 24h Finale Ligure zählen zu den härtesten 24h Mountainbike-Rennen, die es gibt. 2018 wurde es zum 20. Mal ausgetragen und erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit. Die Strecke führt zu großen Teilen auf relativ anspruchsvollen Singletrails entlang, die sich schmal an der Steilküste der beliebten Mountainbike-Region entlangwinden. Steile, technische Anstiege fordern die Fahrerinnen und Fahrer – und die spärliche Vegetation setzt das Teilnehmerfeld erbarmungslos der Sonne aus.

Beste Bedingungen, um wie Kai Saaler etwas mehr als 300 Kilometer und 14.000 Höhenmeter abzuspulen – und zwar alleine. Um diese Leistung zu erreichen, macht Kai in den 24 Stunden quasi keine nennenswerten Pausen und verpflegt sich fast ausschließlich auf dem Rad. Er verbrennt fast 15.000 Kalorien und nimmt gut 18 Liter Flüssigkeit zu sich – entsprechend sieht die Versorgungssituation aus. Und hier kommt das Team ins Spiel, denn so ein Rennen fährt sich nicht alleine. Auch und vielleicht gerade nicht in der vermeintlichen Solo-Kategorie.

Seit einigen Jahren berichtet Kai Saaler hier auf MTB-News.de regelmäßig von seinen Erlebnissen bei den verschiedenen 12h und 24h Mountainbike-Rennen. Doch was passiert eigentlich hinter den Kulissen, wenn Kai einen Tag und eine Nacht auf dem Sattel sitzt? Das berichtet für uns dieses Mal die Freundin des Ausdauerfreaks – Tamy Walter.

Kais Betreuerstab
# Kais Betreuerstab - sechs Leute sind notwendig, damit ein Verrückter zuverlässig seine Runden drehen kann
Diashow: Kai Saaler gewinnt die 24 Stunden von Finale Ligure - Alleine zum Sieg? Rennbericht aus Betreuerinnensicht!
Immerhin waren in diesem Jahr die Bedingungen besser als in so manchem Jahr zuvor
Die stolzen Helden!
Kais Betreuerstab
Gegen Abend sinken die Temperaturen und als es dunkel wird, frischt auch der Wind auf
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Die Vorbereitung

Kai hat die 24h Finale Ligure noch nie gewinnen können. Dennoch hält er es für das “geilste 24h Rennen der Welt” und begann – zu meinem Nachteil – in diesem Jahr besonders früh mit der Vorbereitung. Also das gesamte vor dem Rennen liegende Jahr. Zunächst waren es nur kurze Jogging-Einheiten, doch je näher die Saison und somit auch das Rennen in Finale rückte, desto länger wurden die Ausfahrten mit dem Rad. Zusätzliches Treppen- und Krafttraining, sowie Stabi-Übungen und Schwimmeinheiten ließen die gemeinsame Zeit an den Fernbeziehungswochenenden aufs Minimalste schrumpfen.

Glücklicherweise war er dieses Jahr nicht im Trainingslager, sondern wir nutzen die freien Tagen im Mai für einen kurzen gemeinsamen Urlaub am Gardasee. In Riva del Garda angekommen, bemerkte der Herr der Schöpfung “zufällig”, dass an genau diesem Wochenende das BIKE-Festival in Riva stattfand. Zufälle gibt’s, die gibt’s gar nicht. An einem Morgen klingelte bereits um 3 Uhr in der Früh der Wecker und Monsieur stand auf, um mit dem Rad Brötchen zu holen. 7 Stunden später war das Frühstück dann endlich da.

Eine Woche vor dem Rennen wurde dann zusätzlich auch die Ernährung drastisch umgestellt und die Kohlenhydratzufuhr deutlich reduziert. Auf dem Speiseplan standen also Salat, Gemüse, Fleisch und Käse, um die Trainingseinheiten mit leeren Speichern zu absolvieren. Für mich hatte unsere Fernbeziehung dann doch einen kleinen Vorteil, denn ich musste mich nicht an Kais Essensplan halten, sondern durfte nach Lust und Laune schlemmen. Zusätzlich trank Kai in diesen Tagen täglich etwa 6 bis 7 Liter Flüssigkeit, um seinen Körper für die Strapazen eines 24h-Rennens vorzubereiten. Da soll mal einer sagen, dass Frauen oft auf’s Klo müssen. Der Mann musste öfter pinkeln als das Manneken Pis in Brüssel. Drei Tage vor Finale dann der komplette Wechsel: wenig Training, viel futtern. Das entspricht schon eher meiner Lebensweise.

Futtern und Wein trinken, das gibt es nur in den letzten Tagen vor dem Rennen
# Futtern und Wein trinken, das gibt es nur in den letzten Tagen vor dem Rennen - davor heißt es Trainieren und Fasten

Beim Anblick unserer Unterkunft für die Zeit in Finale Ligure machte sich mal wieder Kais grandioses Organisationstalent (Achtung: Ironie!) bemerkbar. Der Sparfuchs hatte ein Prachtexemplar an Hotel ausgewählt: Laut Internetempfehlungen erwartete uns unfreundliches Personal, Kakerlaken, Schimmel im Bad, sowie Millionen von kleinen Mitbewohnern, alias Bettwanzen. Lange Rede, kurzer Sinn: Einmal und nie wieder.

Das Rennen

Am Freitagmorgen machten wir uns, auch wegen des grandiosen Hotels, schon recht früh auf den Weg zum Campingplatz “Terre Rosse”, welcher zum Veranstaltungsgelände gehörte. Zu unserem Glück konnten wir sogar wieder unseren Lieblingsplatz im Wald ergattern und ihn mit unserem dunkelblauen Zelt bestücken. Das Revier für die 24 Stunden war also markiert. Den restlichen Tag verbrachten wir am Sandstrand und ließen uns von der italienischen Sonne verwöhnen. Am Abend gönnten wir uns dann noch ein superleckeres Abendessen. Für Kai war es wohl eher die Henkersmahlzeit. Die obligatorische Flasche Rotwein durfte natürlich nicht fehlen, bevor wir uns dann erschöpft in unsere Herberge für Bettwanzen fallen ließen.

Ready to Race: Unser Zelt steht wie üblich direkt an der Strecke
# Ready to Race: Unser Zelt steht wie üblich direkt an der Strecke - das erschwert die Zugänglichkeit beim Aufbau, erleichtert die Versorgung aber ungemein

Der Renntag startete dann bereits um 5.30 Uhr, da wir noch unser gesamtes Equipment gefühlte zwei Tagesmärsche durch den Dschungel zu unserem Platz des Geschehens schleppen mussten. Unser Lager befand sich mitten im Wald, was den Eindruck erwecken könnte, man sei vor Wind und Sonne geschützt.

Etwa eine Stunde vor dem Start entfachten wieder die Diskussionen der letzten Tage, welches Trikot Kai beim Rennen tragen solle – blau oder orange. Kais Schwester und ich waren uns einig, dass man als Betreuer das orangefarbene Trikot viel besser erkennt, weil es in der Menge mehr auffällt. Doch die männliche Diva wollte unbedingt das Blaue, weil es anscheinend “besser zum Gesamt-Outfit passt”. Lange Rede, kurzer Sinn: es wurde das blaue Trikot. Es ist natürlich viel wichtiger auf dem Catwalk des 24h Finale Ligure 2018 gut auszusehen, als von den eigenen Betreuern rechtzeitig erkannt zu werden. Da sagt mal noch einer, dass Männer nicht aufs Aussehen schauen.

Kurz bevor sich Kai auf den Weg zum Startbereich machte, besprachen wir noch einmal die Wettkampfversorgung. Dank der Ernährungskenntnisse aus meinem Studium wurde die Verpflegung für das 24h-Rennen bestmöglich zusammengestellt. Wir waren so gut vorbereitet wie noch nie. Leider war das kein gutes Zeichen, denn bisher war immer, wenn wir gut in der Zeit lagen, kurz darauf irgendetwas total schief gelaufen.

Der Start

Mit nur zwei Minuten Verspätung, was für italienische Verhältnisse überpünktlich ist, fiel um 11.02 Uhr der Startschuss zum legendären 24h-Rennen. Jedes Jahr ist das Startprozedere in Finale etwas anders. In diesem Jahr galt es eine 800 m lange Strecke zunächst zu Fuß zurückzulegen, bevor man sein Bike schnappen und das eigentliche Rennen starten konnte. Außerdem starten drei Stunden nach den Solo-Fahrern und 2-er Teams die 4er, 8er und 12er Mannschaften, so dass es auf der Strecke richtig voll sein würde. Und die Tempounterschiede groß.

Kai hatte sich gleich in die zweite Startreihe gestellt und wollte als ehemaliger Hindernisläufer vorne mitlaufen. Wie immer fuhr er mit seinen Rennradschuhen, da diese anscheinend leichter und steifer sind. Zum Laufen taugen die Dinger aber genau gar nicht. Was soll ich sagen: Kai’s Laufstil war schlimmer als das Highheel-Training bei Germany’s Next Topmodel. Er schaffte es dennoch, sein Bike als Sechster zu schnappen und entging somit dem großen Gedränge auf den engen Trails. Die Strecke war mit 12 Kilometern länger als in den letzten Jahren, was die Verpflegung erschweren sollte. Da Kai am Anfang meist gleich ziemlich Dampf macht, gingen wir davon aus, dass er nach etwa 40 Minuten wieder an unserem Basislager vorbeikommen sollte. Tatsächlich kamen zu dieser Zeit, wie von uns prognostiziert, die ersten Mountainbiker an unserem Zelt vorbei. Doch keine Spur von Kai. Nachdem mittlerweile über 30 Fahrer an unserem Zelt vorbeigerast waren, wurde uns langsam aber sicher klar, dass irgendwas passiert sein musste. Ein platter Reifen? Ein anderer Defekt? Oder sogar ein Sturz? Diese Minuten der Ahnungslosigkeit sind für das Versorger-Team der blanke Horror.

Vollgas: Kai erwischt einen tollen Start ins Rennen
# Vollgas: Kai erwischt einen tollen Start ins Rennen - zumindest auf den ersten Metern, dann folgen drei Plattfüße
Einen Platten bei den 24h Finale Ligure zu fahren ist nicht weiter schwer
# Einen Platten bei den 24h Finale Ligure zu fahren ist nicht weiter schwer - bietet die steinige, staubige und schnelle Strecke doch genügend Raum dafür
Also heißt es auch hier
# Also heißt es auch hier - "Wer sein Rad liebt, der schiebt"

Glücklicherweise kam kurz darauf ein deutscher Fahrer an unserem Zelt vorbei und teilte uns mit, dass Kai einen Platten hatte. Das war schon mal gut – natürlich war ein platter Reifen nicht gerade optimal, aber zum Glück hatte ich nun die Gewissheit, dass er nicht gestürzt war und irgendwo im Graben lag. Auch wenn Kai immer behauptet, dass er vernünftig fährt – Kai, ich weiß ganz genau, dass du wie eine gesengte Sau durch die Trails jagst – ist ein schwerer Sturz von ihm immer meine größte Angst. Doch meistens versuche ich diesen Gedanken so gut es geht zu verdrängen und auf seine Fähigkeiten und seine Risikobereitschaft zu vertrauen. Nachdem so ziemlich das komplette Fahrerfeld vorbei gefahren war, kam Kai mit seinem Bike angerannt. Er schrie schon von Weitem, dass er drei platte Reifen hatte und wir das Ersatz-Bike bereitstellen sollen. In unserem Betreuer-Team machte sich Hektik breit. Kai übergab uns das Race-Bike, wir wechselten kurzerhand die Startnummer, er sprang wieder auf und ritt im Affenzahn von dannen.

Wir helfen kurzerhand mit dem Ersatzrad aus
# Wir helfen kurzerhand mit dem Ersatzrad aus - vielen Dank an die anderen Fahrer, die Kai mit zusätzlichen Ersatzschläuchen über die erste Runde geholfen haben

Nun stellte sich uns natürlich die Frage, ob er das Rennen überhaupt noch zu Ende fahren will beziehungsweise, ob er überhaupt noch eine Chance hatte, wieder nach vorne aufzufahren. Immerhin waren wir mit großen Ambitionen angereist und nun war er ganz am Ende des Feldes. Ich war der Meinung, dass er nun richtig Gas geben würde und wie so ein Irrer über die Strecke heizt. Obwohl ich insgeheim natürlich nichts dagegen gehabt hätte, wenn wir jetzt Pizza und Eis essen gegangen wären. Doch der entscheidende Vorteil von Ausdauerrennen: Nichts ist verloren, schon gar nicht am Anfang.

In der Zwischenzeit richteten unsere Väter das Rad und zwei Runden später konnte Kai wieder auf sein Cannondale umsteigen. Speedy Gonzales gab wie befürchtet richtig Gummi und ich hatte wirklich Angst, dass er sich bei den hohen Temperaturen komplett verheizt. Doch nichts da: Nach gefahrenen fünf Stunden hatte er sich schon auf den 5. Gesamtrang vorgekämpft. Nur die Hitze machte den Fahrern sichtlich zu schaffen. Um dem Salzverlust und einhergehenden Muskelkrämpfen bei diesen hohen Temperaturen entgegenzuwirken, mischte ich den Kohlenhydratgetränken zusätzlich kleine Mengen Salz hinzu. Uns war bewusst, dass eine 0,5l Flasche pro Runde wohl nicht ausreicht. Das blaue Funktionstrikot war zwar extra für hohe Temperaturen entwickelt worden, doch die Strapazen des Rennens waren so heftig, dass Kai dennoch gegen Abend, wie viele andere Fahrer auch, über leichten Schüttelfrost und Übelkeit klagte. Die ersten Vorboten eines Hitzschlags – wenn es schlecht läuft, dann aber richtig. Die ersten Einzelfahrer hatten das Rennen schon aufgegeben und wir zwangen Kai zu einem kurzen Stopp, sodass er ordentlich Flüssigkeit zu sich nehmen konnte. Kai hatte schon die ersten Krämpfe und auch die Spitze des Feldes wurde merklich langsamer.

Der Job einer 24h Betreuerin ist durchaus stressiger, als man sich das im ersten Augenblick denkt. Die dreckigen Trinkflaschen müssen von Staub und Dreck befreit werden, Getränke müssen aufgefüllt und das Essen vorbereitet und mit einem Haargummi an der Flasche befestigt werden. Nebenbei muss man natürlich auch immer die Uhr im Blick halten, um Kai nicht zu verpassen. Was bei einem blauen Trikot natürlich echt schnell passieren kann ;)

Im Laufe des Tages kommt Kai in Fahrt
# Im Laufe des Tages kommt Kai in Fahrt - er arbeitet sich Position um Position zurück in Richtung Spitze
Die Bedingungen rauben körperlich Kraft...
# Die Bedingungen rauben körperlich Kraft...
... gleichzeitig erfordert die Strecke zu jeder Zeit höchste Konzentration
# ... gleichzeitig erfordert die Strecke zu jeder Zeit höchste Konzentration
Immerhin waren in diesem Jahr die Bedingungen besser als in so manchem Jahr zuvor
# Immerhin waren in diesem Jahr die Bedingungen besser als in so manchem Jahr zuvor - lieber Sonne als Regen lautet die Devise
Kai kämpft ...
# Kai kämpft ...
... und ist am späten Nachmittag bereits wieder in den Top 10 angekommen
# ... und ist am späten Nachmittag bereits wieder in den Top 10 angekommen

Der Abend

18 Uhr – Zeit fürs Abendessen. Während auf Kais Speiseplan selbst gemachte Riegel, Kohlenhydratriegel von UltraSports, Bananen, selbst gemachte Haferkekse, Gels und für Notfallsituationen Gel-Chips stand, hatten wir viele leckere Grillsachen dabei. Würstchen, Käseknacker, Chicken-Nuggets, Putensteaks, Karottensalat, Selleriesalat, Tomaten, Senf und selbst gebackenes Brot als ansprechendes Kontrastprogramm zu Kai und seinem Effizienzessen.

Wir bereiten uns ebenfalls auf die Nacht vor, das bedeutet Abendessen!
# Wir bereiten uns ebenfalls auf die Nacht vor, das bedeutet Abendessen!
Und während Kai spärliche Sportlerkost futtert...
# Und während Kai spärliche Sportlerkost futtert...
... gönnen wir es uns frisch vom Grill
# ... gönnen wir es uns frisch vom Grill
Schlafen? Undenkbar, wenn man direkt an der Strecke liegt und neben einem die Toboga feiert
# Schlafen? Undenkbar, wenn man direkt an der Strecke liegt und neben einem die Toboga feiert - Zwangspause vor Einbruch der Nacht. Der Helm wird gewechselt und viel Flüssigkeit aufgenommen, um dem Sonnenstich und der Dehydrierung zuvorzukommen

Während wir am Schlemmen waren, beobachteten wir die gequälten Gesichter der Bekloppten auf der Strecke. Kai hatte sich durch seinen Husarenritt mittlerweile auf den 2. Platz vorkämpfen und eine Minute Abstand auf den Drittplatzierten herausfahren können. Jetzt war das Rennen in vollem Gange und an Stopps oder Pipi-Pausen war für Kai nicht zu denken.

Ab 20:30 Uhr war dann Lampenpflicht und Kai legte den ersten planmäßigen Stopp ein. Während wir die Kette ölten und die Rückleuchte montierten, futterte Kai eine kleine Schüssel Milchreis. Er wechselte den Helm, an dem die Lampe für die Nacht montiert war und fuhr wieder los. Das Ganze dauerte noch nicht mal 5 Minuten, doch wenn die Welt im Renntempo unterwegs ist, fühlt sich jede auch noch so kurze Pause wie eine kleine Ewigkeit an.

Gegen Abend sinken die Temperaturen und als es dunkel wird, frischt auch der Wind auf
# Gegen Abend sinken die Temperaturen und als es dunkel wird, frischt auch der Wind auf - jetzt kommen wir in die Phase, in der sich das Rennen entscheidet

Die Nacht

Die Nacht brach über uns herein, der Wind frischte auf und die Temperatur sank. Uns war klar: So wie so ziemlich jedes 24h-Rennen würde auch diese 20. Ausgabe der 24h Finale Ligure in der Nacht entschieden werden. In den wirklich harten Stunden. Kai drosselte ein wenig das Tempo, da die Sicht durch den vielen Staub auf der Strecke und die LED-Beleuchtung durchaus beeinträchtigt war. Trotz der Temporeduzierung schob er sich in Stunde elf bis auf 6 Minuten an den Führenden heran. Wer hätte das nach der luftleeren Startrunde erwartet?

Volle Konzentration in der Nacht von Finale Ligure
# Volle Konzentration in der Nacht von Finale Ligure

Doch es wurde noch besser. Nach der Hälfte des Rennens hatte Kai es tatsächlich an die Spitze des Feldes geschafft und wir merkten, dass der bisherige Erstplatzierte nun sogar auf den dritten Rang abgerutscht war. Der neue Zweitplatzierte war volle 45 min hinter Kai – keine schlechte Ausgangslage.

Die Nacht verlief im Anschluss weitestgehend ruhig, wobei “ruhig” wohl eher das falsche Wort ist. Unsere Nachbarn in der berüchtigten “Toboga” Abfahrt ließen ihrer Freude freien Lauf, jagten die Fahrer mit ihren Jubelgesängen durch die Steilkurven des Downhills und grölten gefühlt die ganze Nacht um die Wette. An Schlaf im unbequemen Campingstuhl war für uns so nicht wirklich zu denken. Vor allem weil der DJ in diesem Abschnitt auch noch geile Mucke spielte. Irgendwann begann es langsam hell zu werden und Kai konnte seinen Vorsprung über die Nacht auf etwas mehr als eine Runde ausbauen. Er klagte jedoch über immer mehr Krämpfe und musste sich während der Nacht einmal übergeben. Die Belastungen auf den Körper waren enorm und er nahm sich für den letzten geplanten Stopp etwas mehr Zeit, als es sonst der Fall war. Die Routine begann wieder. Lampe weg, Kette ölen, Milchreis essen und Helm wechseln.

Das sind die Momente, in denen sich die Fahrerinnen und Fahrer vermutlich überlegen, warum sie sich das alles antun. Diese Gedanken gibt es jedoch auch auf Seiten der Betreuer: Vor allem in den dunklen Stunden plagten mich immer mal wieder die Zweifel, warum zum Teufel ich mir das bei jedem Rennen wieder aufs Neue antue. Meine Antwort ist jedoch relativ einfach: Weil ich es verdammt noch mal liebe! Kai und ich hatten uns bei einem 24h-Rennen in Offenburg kennengelernt. Ich wusste also an sich schon von Anfang an, was mich erwarten würde. Zudem schweißen uns die Erlebnisse bei den Rennen immer wieder aufs Neue zusammen.

Der Morgen

19 Stunden waren nun geschafft, es war 6 Uhr morgens und es roch nach einer Mischung aus Gegrilltem und Kaffee. Die Italiener waren wach geworden. In den frühen Morgenstunden wurde es zwar etwas ruhiger um das Rennen, doch nun begannen die 1.000 Fahrer, ihre Betreuer und die Zuschauer des Rennens überall munter zu wuseln. In der Nacht war es nicht aufgefallen, aber einige Fahrer auf der Strecke sahen aus wie der Tod höchstpersönlich. Spätestens jetzt wich der anfängliche Spaß dem absoluten Überlebenswillen. Nicht nur die Einzelfahrer, sondern auch die Teamfahrer hatten schmerzverzerrte Gesichter und quälten sich über die gut 350 Höhenmeter jeder einzelnen Runde.

Irgendwann wird es Morgen und erst jetzt sieht man, wie viele Kräfte dieses Rennen gekostet hat
# Irgendwann wird es Morgen und erst jetzt sieht man, wie viele Kräfte dieses Rennen gekostet hat
Kai hat in der Zwischenzeit seine Führung ausbauen können und wir entspannen uns langsam
# Kai hat in der Zwischenzeit seine Führung ausbauen können und wir entspannen uns langsam
Morgenstund hat Gold im Mund, sagt man so schön? Stimmt!
# Morgenstund hat Gold im Mund, sagt man so schön? Stimmt!
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# sportograf-122913786

Nach 20 gefahrenen Stunden kam ein weiterer Knackpunkt des Rennens. Der Zieleinlauf ist schon fast greifbar und doch noch fern, denn es sind noch weitere 4 Stunden zu fahren. Fun fact: Meine längste Radtour die ich bisher bezwungen habe, ging ebenfalls 4 Stunden und in dieser Zeit habe ich einiges erlebt. Irgendwie eine verrückte Perspektive: Nach 20 Stunden im Sattel wartet meine längste Radtour noch auf das Starterfeld.

Ich bin ja der Meinung, dass jeder, der sich ein solches Rennen antut, verrückt sein muss. Im letzten Finale-Urlaub sind wir zusammen die Rennstrecke gewandert und ich war froh, als wir nach 2,5 Stunden Fußmarsch wieder heil am Ausgangspunkt angekommen sind. Diejenigen, die das Rennen allerdings im Alleingang bezwingen, müssen als Kind wohl des Öfteren kopfüber vom Wickeltisch gefallen sein. Genau wie mein Liebster.

Dadurch, dass parallel das Team-Rennen stattfindet, muss pro Runde häufig und knapp überholt werden
# Dadurch, dass parallel das Team-Rennen stattfindet, muss pro Runde häufig und knapp überholt werden - kein ungefährliches Unterfangen, denn am Wegesrand lauern die Platten
Essen und Trinken sind das A und O, nicht nur in Finale
# Essen und Trinken sind das A und O, nicht nur in Finale - Kai nimmt während des Rennens fast 18 Liter Flüssigkeit zu sich
Die letzten Meter ins Ziel vergehen dann wie im Flug
# Die letzten Meter ins Ziel vergehen dann wie im Flug - Kai prescht zum letzten Mal durch die Toboga

Irgendwann waren es nur noch zwei Stunden und das Ziel gefühlt wirklich greifbar. Und Kai lag immer noch in Führung, hatte seinen Vorsprung sogar auf volle zwei Runden ausbauen können. Ich hoffte nur, dass er jetzt nicht noch irgendwelche Dummheiten machen würde. Doch von Minute zu Minute stieg die Zuversicht. Und während Kai die letzten Kilometer abspulte, machten wir uns bereits vor Zielschluss ans Zusammenpacken und ins Auto verladen. Dabei war es gar nicht so einfach, das ganze Gerödel über die immer noch stark befahrenen Streckenabschnitte zu transportieren. Doch mit vereinten Kräften schafften wir das Unmögliche, so dass wir uns eine halbe Stunde vor der geplanten Zieleinfahrt auf den Weg zum Zielbereich machten.

Der Zieleinlauf

Zwei Minuten nach dem offiziellen Schlusspfiff fuhr Kai dann unter tosendem Applaus und mit einem breiten Grinsen über die Ziellinie. Er hatte es geschafft! Er hatte die Solokategorie für sich entschieden und zum ersten Mal den lang ersehnten Sieg bei den 24h Finale Ligure eingefahren. Ich weiß nicht, wie oft er mir schon von diesem Rennen erzählt hat und dass es schon immer sein Traum war, dieses Rennen zu gewinnen. Und jetzt hatte er sich diesen Traum endlich erfüllt.

Gewonnen! Kai Saaler gewinnt zum ersten Mal die Solo-Wertung der 24h Finale Ligure
# Gewonnen! Kai Saaler gewinnt zum ersten Mal die Solo-Wertung der 24h Finale Ligure
Interview hier, Foto und Video da...
# Interview hier, Foto und Video da...
... irgendwann folgt die Siegerehrung
# ... irgendwann folgt die Siegerehrung
Die stolzen Helden!
# Die stolzen Helden!

Ich war einfach superstolz auf ihn, dass er trotz der vielen Steine im Weg nicht aufgegeben und immer an sich geglaubt hat. In diesem Moment weiß man dann wieder, warum man sich als Betreuer die letzten 24 Stunden um die Ohren gehauen hat – um einen Verrückten am Leben zu halten.

Und dann hab ich den Spinner endlich mal für mich. Bis zum nächsten Mal!
# Und dann hab ich den Spinner endlich mal für mich. Bis zum nächsten Mal!

Nach einer gefühlten Ewigkeit und mehreren Presseinterviews hatte ich meinen Helden dann auch irgendwann für mich allein. Ich konnte es kaum erwarten, ihn endlich zu küssen. Dreckige und verschwitze Siegerküsse sind einfach die schönsten Küsse auf der Welt. Und dann waren die 24h Finale Ligure 2018 auch schon wieder vorbei. Doch ich bin mir sicher, die nächsten 24 Stunden warten schon auf uns.

Fotos: Tamy Walter, Sportograf | Text: Tamy Walter | Redaktion: Tobias Stahl / MTB-News.de 2018
  1. benutzerbild

    carlyle

    dabei seit 08/2012

    Der Bericht hat den Montagvormittag gerettet. Echt toll geschrieben und es macht Laune darauf, auch mal soetwas in kleinerem Rahmen zu fahren. Danke für die Einblicke!

    Ist eigentlich mal wieder ein Fotografenbericht geplant? Die tollen Fotos im Bericht erinnern mich auch wieder an die Artikel vor langer Zeit... es gab da mal zwei, drei Stück, die ich großartig gefunden habe.
  2. benutzerbild

    Anzeige

  3. benutzerbild

    F179

    dabei seit 11/2012

    Sehr unterhaltsame Lektüre, vielen Dank und Glückwunsch!
  4. benutzerbild

    bongo bongo

    dabei seit 05/2009

    sehr guter Bericht, weiter so.
  5. benutzerbild

    FloImSchnee

    dabei seit 08/2004

    Großartiger, pointierter Bericht -- ein Genuss zum Lesen!

    Gratulation zum Ergebnis!

    Hab ich's überlesen, oder waren die DREI Platten in der ersten Runde dann die einzigen, die ganze Zeit über?
  6. benutzerbild

    pfädchenfinder

    dabei seit 10/2007

    sehr schön geschrieben,
    den ganzen Wahnsinn rund um ein Rennen/einen Bekloppten und dessen Betreuer.

    @Tamy bitte öfter aus dem Nähkästchen plaudern.

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