Doch auch der Sport selbst erfährt immer und immer wieder neue Trends, ein junger Sport findet seine Richtung, die Industrie probiert und experimentiert um Produkte voran zu bringen.
Doch was ist noch Evolution, was nur noch Konsumanregung? Wo endet die Experimentierfreudigkeit, wo beginnt die, ganz deutlich gesprochen, „Trendhurerei“ ?
Schauen wir uns mal ein paar Beispiele an: Breite Lenker, Hohe Drops und viel Federweg.
1.) Breite Lenker

Eine Modeerscheinung oder sinnvolle Weiterentwicklung? Es ist noch gar nicht lange her, dass die ersten 76-80cm breiten Lenker an Downhill-Weltcup Rädern auftauchten und so langsam haben sich die Teile etabliert. Denn auch wenn Downhillbikes und extrem (>71cm) breite Lenker noch immer selten sind: Der Trend zur großen Stützbreite ist ungebrochen, man erinnere sich nur mal daran, wie schmal X-Country Fahrer früher gegriffen haben – wer fährt denn heute noch einen 52cm Lenker, bei dem kaum Platz für Griffe, Brems- und Schalthebel ist?
Fazit: Breite Lenker sind nicht nur eine Modeerscheinung, sie liefern auch einfach mehr Kontrolle – aber man kann alles übertreiben. 80 cm sind wohl für die wenigsten normal gebauten Mountainbiker notwendig.
2.) Hohe Drops
Josh Bender, Dropkönig, trieb es bei seinem Jaw Drop auf die Spitze: Mit 5 km/h schob er sein Vorderrad über die Klippe, um 20m tiefer in einer Schotterlandung zwischen Ruhm und Tod einzuschlagen. Das ist gar nicht lange her! Doch wenn man sich erfolgreiche Bike-Filme wie Seasons oder sogar New World Disorder heute anschaut, so braucht niemand mehr tiefer als 10m runterzufallen, um dabei zu sein. Das will niemand mehr sehen, stattdessen Drops nur noch in Kombination mit Tricks und dem altbekannten Style.
Unter Hobbyfreeridern ist Droppen natürlich immer noch als Nervenkitzel beliebt – dabei bleibt es aber Gott sei Dank im gesundheitsverträglichen Rahmen.
Fazit: Der Sport hat sich weiterentwickelt, Höher, Weiter, Gefährlicher gilt zwar auch heute noch, dazu kommen aber Style und möglichst schwierige Tricks. Es genügt nicht mehr, der mutigste zu sein.
3.) Viel Federweg
Seit Menschen auf Mountainbikes Berge runter fahren, wachsen die Federwege. Anteil der Bikes mit Starrgabel 1990: 99%. Heute: 1%
Doch es blieb nicht nur bei der Erfindung der Federgabel, denn während früher 5cm reichten, um mit einer Rock Shox Boxxer Doppelbrücken-Gabel den Weltcup zu gewinnen, hat heut selbst ein gewöhnliches Trailbike mindestens 12cm Federweg.
Am unteren Ende wird nach wie vor geschraubt, nur noch reine CrossCountry Piloten geben sich mit 100mm zufrieden, jeder andere kauft sich mit mehr Federweg mehr „Sicherheit und Kontrolle bei der Abfahrt“ sodass heutige Enduros schon 160mm Federweg haben, es gibt gar All-Mountain Bikes die 150mm benötigen.
Am oberen Ende hingegen hat sich ein Ende gefunden: Während man zu Benders Zeiten noch auf 30cm aufpumpte, gehört das Santa Cruz V10 mit seinen 254mm Federweg heute schon zu den außergewöhnlichen Kandidaten, das groß der Abfahrtsspezialisten fährt heute auf 200mm ab, gleiches gilt für Downhill Federgabeln.
Die Federwegsentwicklung zeigt also deutlich, wie sich Trend und Funktionalität beeinflussen, wie die Industrie und die Fahrer experimentieren: Durch die Erkenntnis „Viel hilft viel“ wird immer größer gebaut, Oversized ist gut, egal ob beim BB30 Innenlager oder der 1.5 Coladose, und auch beim Federweg, bis man bemerkt, wo das Optimum liegt, was dann durchaus unter dem Maximum sein kann – 8″ Federweg und das Conehead-Steuerrohr sind nur zwei Beispiele.
Was waren für euch die hoffnungslosesten Trends? Wohin sollte entwickelt werden, was ist nur Geldmache? Und in welche Kategorie gehören Fixies, Twentyniner, Getriebe-Bikes und Hinterbauten mit virtuellem Drehpunkt?
Egal wohin die Reise geht, ohne neue Moden gäbe es Stillstand – das Rad muss sich aber weiter drehen…
79 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumDh. nicht DH.
Warum sind nicht alle so wie ich, die Welt wäre eine bessere...
aber dann wäre das rad ja nie erfunden worden
Das Video vermittelt den Eindruck das fast jeder DHler in den 90gern gerne in Kurven geradeaus fuhr, sich gerne überschlug oder sonst wie abflog
. Aber krassen Respekt an die Fahrer! Mit solchen Gurken so unterwegs zu sein ist echt alles andere als normal. Einfach geil und die Musik natürlich auch
.
Also den Trend mit den breiten Lenkern kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Meinen breiten Lenker habe ich letztes Jahr gekürzt. Die Griffpositon war nicht ideal und hat Schmerzen in den Handgelenken verursacht und ich bin mit dem breiten Lenker öffters zwischen den Bäumen und auch der Heckklappe meines Kombis stecken geblieben
Ich kann nur sagen dass ein etwas schmaler Lenker für mich vorteilhafter ist!
mal nochmal zu vitruellen Drehpunkten - kann ich nur sagen, einerseits muss der Hersteller den VPP beherrschen, was sicher nicht einfach ist, aber wenn ers tut - dann schlägt das meines erachtens jede andere Art von Anlenkungen um Klassen. Vergleiche ich mein Intense mit meiner Wildsau (170 zu 200mm) ...fühlt sich das intense nach fast gleich an wie die Sau, mit dem unterschied dass man beim Intense nichtmal kleinste schläge mitbekommt!
Lenker... irgendwie wars mir komischerweise bei 700mm+ Lenkerbreite etwas unwohl, z.Zt fahre ich 680 an allen bikes *duckundwegrenn* ...aber vllt sollt ich mich einfach mal umgewöhnen.
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