Lang, länger, Pole. Am Superbike der Finnen wirkt alles kleiner, als es ist. - Das Pole Machine rollt auf 29"-Laufrädern und bietet 180 mm Federweg an der Front und 160 mm am Heck. Außerdem werden die Einzelteile des Rahmens aus dem Vollen gefräst.
Unser Testbike in Rahmengröße L hat einen massiven Radstand von 1335 mm - Neben dem flachen Lenkwinkel und dem langen Reach sind daran auch die 455 mm langen Kettenstreben beteiligt.
Angemessene Bremsenwahl - vorne und hinten kommen die SRAM Code RSC-Stopper mit 200 mm Bremsscheiben zum Einsatz.
Die 180 mm Federweg kontrolliert vorne die aktuelle Entwicklungsstufe der RockShox Lyrik - sie setzt mit ihrem knackigen Boxxer-Rot den einzigen großen Farbakzent am Bike.
Im Heck steckt je nach Ausstattungsvariante ein Stahl- oder ein Luftdämpfer - An unserem Testrad wurde der RockShox Super Deluxe RCT verbaut – aufgrund der Konstruktion liegt dieser gekippt im Rahmen.
Auch den Antrieb stellt SRAM - die goldene XX1 Eagle 12 fach-Schaltgruppe ist mechanisch angesteuert.
Neben SRAM werden auch einige Parts von deutschen Herstellern verbaut - Der Sattel kommt von Ergon, auf- und abgesenkt wird er von BikeYokes Revive-Stütze mit 160 mm Hub.
Bei Laufrädern und Reifen setzt man auf bewährtes - die verbauten Newmen SL A.30-Laufräder weichen von der Serienausstattung ab. Aber auch im Serien-Spec gibt es nur Alu-Laufräder und Maxxis Reifen.
Gut erkennbar ist das Fertigungsverfahren - die Spuren vom Fräsen und die Verschraubung der Hälften sind am ganzen Rad sichtbar.
Externe Kabelführung und ein dezenter Schriftzug am Unterrohr - der etwas abgesenkte und poliertere Schriftzug fällt nicht sofort auf.
Während die bodennahen Rohre geradlinig verlaufen, sind Oberrohr und Sitzstrebe etwas geschwungen. - Das Sitzrohr ist zwischen die zwei Alu-Schalen eingeklebt und trägt ein Pole Emblem mit finnischer Flagge.
Asymmetrische Hauptrahmen sehen wir immer öfter - der Dämpfer sitzt am Pole weit außerhalb der Mitte, weshalb der Dämpfer-Körper eingedreht wurde, um Platz zu sparen. Unpraktisch: Der Lockout-Hebel sitzt auf der dem Fahrer abgewandten Seite.
Zwei kurze Wippen verbinden den Hauptrahmen und das Hinterbaudreieck - Short Link 4-Bar nennt Pole seine Hinterbau-Kinematik, in der insgesamt acht Lager verwendet werden.
Der steile Sitzwinkel schiebt den Sattel weit nach vorne - das Rad fühlt sich im Sitzen klein an. Wer zwischen zwei Größen steht, hat somit keine leichte Entscheidung.
Gemütlich geht es mit dem Pole Machine bergauf - das lange Heck hält die Front am Boden, Spitzenzeiten will man mit dem Rad aber nicht unbedingt erzielen.
Auf dem Trail kann das Rad durch viel Sicherheit begeistern - fast schon zu viel! Selbst Strecken mit matschigen, hängenden Kurven werden etwas uninteressant.
Jeder Zentimeter Luftstand will verdient sein - findet sich nicht gerade ein kleiner Kicker oder ein natürlicher Absprung, braucht es viel Kraft und Gewichtsverlagerung, um das Pole Machine in die Luft zu bekommen.
Kurvenfahrten benötigen etwas Vorausplanung - entgegen der weitläufigen Meinung geht das Rad aber nicht wie ein Schlachtschiff ums Eck.
Nimmt man den Schwung aus Kurven mit - kann man diesen nutzen, um das Rad aufzuladen und genießt dann ein beinahe spritziges Fahrverhalten.
Die beeindruckende Laufruhe lässt das Sicherheitsgefühl stark steigen - Man findet sich schnell an dem Punkt wieder, an dem man entscheiden muss: Cruise ich und es wird langweilig oder gehe ich aus meiner Komfortzone und prügle den Spaß aus dem Machine heraus?
Eine Zielgruppe für das Machine gibt es auf jeden Fall. Das Rad bietet hervorragende und sehr stimmige Fahreigenschaften - am liebsten bügelt es aber und ist somit weder die erste, noch die zweite Wahl für Fahrer, die gerne aktiv das Gelände einbinden und sich gerne in der Luft wiederfinden.
„Wenn das Rad eh schon nicht bremst …“ - Ein Semislick-Hinterreifen in Verbindung mit so langen Kettenstreben sorgt nicht gerade für viel Bremstraktion am Heck. Die Reifenfreiheit ist dafür üppig.
Der Vorher-Nachher-Vergleich bestätigt: direkter Dreckbeschuss auf den Dämpfer. - Ein Schutzblech würde sich anbieten, um zumindest den gröbsten Dreck vom Dämpfer und den Dichtungen abzuhalten.
Trotz der aufwändigen Fertigung mit zwei verschraubten und verklebten Hälften hat man sich für extern verlegte Züge entschieden.
Die Züge können am Pole Machine auf verschiedenste Arten verlegt werden, da nur Löcher und keine Zugführungen vorhanden sind. - Warum man hier aber auf einen Wegwerfartikel setzt und nicht eine schraubbare Zugklemmung verwendet, verstehen wir nicht ganz.
Immer länger werdende Räder können auf Reisen zum Problem werden - Beim Pole Machine gibt es Bauart-bedingt eine praktische Lösung: Obere Wippe vom Hinterbau lösen und zusammenklappen.
Die untere Wippe rotiert um das BSA-Tretlager - die Kette wird oben durch eine OneUp-Kettenführung gehalten – gegen Schäden bei Kettenblattaufsetzern, schützt der Direct Mount Bashguard.