Haro reagiert auf Marktlage Stellenabbau und interne Umstrukturierungen

Der US-amerikanische Fahrradhersteller Haro hat seine Belegschaft in den Vereinigten Staaten im Frühjahr um rund ein Drittel reduziert und seine Vertriebsstruktur neu organisiert. Laut CEO Bjarke Rasmussen soll die Maßnahme eine Anpassung an die aktuell schwierige Marktsituation sein, die unter anderem durch US-Zölle beeinflusst wird. Auch in Europa scheint es zu Stellenkürzungen zu kommen.
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Das Unternehmen betont, dass weder eine Schließung noch eine vorübergehende Pause geplant sei. Die USA sollen weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Markenidentität bleiben, ebenso das Werk im kalifornischen Vista und das Händlernetz. Ziel sei es, die Strukturen zu stabilisieren, um bei einer Markterholung gestärkt zurückzukehren.

Nachdem andere Traditionsmarken wie GT, Redline oder Diamondback ihre Aktivitäten vorübergehend ausgesetzt haben, hatte Haro im vergangenen Jahr begonnen, sein Sortiment um hochperformante Rennrad- und Gravelmodelle zu erweitern. Gleichzeitig wurden neue Schlüsselpositionen besetzt, darunter auch Rasmussen selbst, der zuvor bei Cycling Sports Group tätig war. Die im Frühjahr einsetzenden Handelszölle hätten jedoch erhebliche Auswirkungen auf das Geschäft gehabt, da Haro seine Fahrräder in Taiwan und Vietnam fertigen lässt.

Im Zuge der Umstrukturierung wurden auch personelle Veränderungen im Vertrieb vorgenommen. So wurde Aidan Gould zum Vertriebsleiter für den US-Markt ernannt. Das Team soll aktuell rund 600 Händler betreuen. Durch die neue Aufstellung wolle Haro seine Ausrichtung stärker auf das erweiterte Produktspektrum abstimmen.

Während die Verkaufszahlen kompletter Fahrräder infolge der Zölle zurückgegangen seien, habe der Absatz von Rahmensets zulegen können. Das Unternehmen wolle weiterhin neue Modelle vorstellen und bestehende Modelle in neuen Farbvarianten anbieten. Auch ein E-Mountainbike soll demnächst präsentiert werden. Pläne, bestimmte Modellreihen einzustellen oder Segmente aufzugeben, gebe es demnach nicht. Besonders im BMX-Bereich wolle Haro weiter investieren und sich stärker auf eine klar strukturierte Modellpalette konzentrieren.

Unbestätigten Informationen zufolge soll Haro in den USA und Europa jeweils nur noch eine Handvoll Mitarbeiter beschäftigen.

Offiziell bekräftigt Haro hingegen, an seiner Marke festhalten und das Geschäft weiterführen zu wollen. Eine neue Marketingkampagne für den E-MTB-Bereich soll in Kürze starten.

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24 Kommentare

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  1. Ich wusste gar nicht, dass es Haro überhaupt noch gibt. Bleibt echt spannend wem als nächstes die Luft ausgeht. Hoffentlich bleiben am Ende nicht nur die Großen "Vollsortimenter" übrig und die Individualmarken verschwinden vom Markt.
    Mein Capra 2018 kam von Haro. Zumindest damals waren die Auftragsfertiger in der Endmontage.
  2. Und Haro hat sehr gute BMX Race Bikes - auch ausCarbon - im Programm.
    Wünsche ihnen ein erfolgreiches Weiterbestehen in der schwierigen Zeit.

  3. Da bin ich mit Dir einig. Nur auch die anderen Sparten brauchen Ersatzteile. Mittlerweile springen viele MTB-Anbieter auf den Gravel- und eBike Zug, was man so sieht und liest. Und jetzt soll jeder Zweite am Hungertuch nagen? Fällt mir als Aussenstehender schwer zu glauben. Vielleicht auch eine panische Überreaktion?
    Die großen Versender und xxl Ketten machen ja kaum was mit Werkstatt und Verschleißteilen weil die Kunden meistens zu weit weg wohnen und nur einmal das Rad dort kaufen/schicken lassen.
  4. Tatsächlich war Haro jetzt seit mindestens einem Jahr sehr präsent bei der E1. Vorher kannte ich die Marke auch nicht, und mir ist erst jetzt aufgefallen, dass die ja doch schon eine gewisse Historie haben.

  5. Historie allein reicht heute nicht. Siehe: Gary Fisher, Gary Klein, Litespeed, Wolfgang Ebersbach (Eberminator), Jürgen Wendler (hydraulische V-Brake), usw. Vom zuletzt genannten wurde nur die Bremse auf den Markt gebracht. Der hatte aber noch viel mehr interessante Ideen. Habe bestimmt noch einige vergessen, die Meilensteine in der Bike-Entwicklung gesetzt haben. Die meisten sind weg.
    Ohne PR sind die besten Ideen und Projekte heute wenig wert.

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