In unserer Artikelserie “Abgefahren!” findet ihr regelmäßig kurze Vorstellungen von neuen, spannenden Produkten, die wir für euch bereits ausprobiert haben. Heute: Der Intend Stiffmaster – eine obere Steuersatzlagerschale, die das Cockpit deutlich steifer machen soll. Unseren ersten Eindruck vom neuen Stiffmaster findet ihr in dieser Ausgabe von Abgefahren!

Lagerschale mit Axial und Radiallager
# Lagerschale mit Axial und Radiallager - das ist so einzigartig. Die geschlitzte innere Führung erlaubt die Klemmung auf dem Schaft.

Abgefahren: Intend Stiffmaster

Haben sie Steifigkeitsprobleme? Verwindet sich ihr Lenker im Wiegetritt zu viel? Dann hat die Firma Intend von Foren-User Bommelmaster mit ihrem Stiffmaster eine mögliche Lösung parat. Wir haben den Steuersatz der besonderen Art für euch ausprobiert.

Stiffmaster
# Stiffmaster - hier mit allen vier verfügbaren Spacern und Intend Aheadkappe.
Verpackungen als weiter nutzbare Gegenstände
# Verpackungen als weiter nutzbare Gegenstände - Intend möchte Verpackungsmüll vermeiden.

Ein Steuersatz sorgt dafür, dass sich die Gabel im Rahmen drehen kann und Kräfte, die vom Fahrer über Lenker und Pedale eingeleitet werden, im Vorderrad ankommen – dabei treten durch den langen Hebel der Federgabel recht hohe Kräfte auf. Im Steuersatz ist belastungstechnisch ganz schön was los, wenn der Fahrer stark bremst, landet oder sich bei einem Stoppie auf dem Vorderrad abstützt. Diesen aus unterschiedlichen Richtungen wirkenden Kräften begegnet der Steuersatz in den meisten Fällen mit zwei Schrägkugellagern in O-Anordnung, soll heißen: oberes und unteres Lager liegen zueinander symmetrisch im Rahmen. Durch die Aheadschraube werden die Lager leicht vorgespannt, sodass kein Spiel auftritt, und so kann die Einheit Kräfte und Momente aus allen Richtungen aufnehmen – ausgenommen natürlich Momente um die Lenkachse. So weit, so gut – dennoch findet Cornelius Kapfinger, dass noch ein zusätzliches Axiallager in der oberen Lagerschale gebraucht werden könnte – und zwar, um das Cockpit steifer zu machen.

Die Aheadkappe (optional erhältlich) braucht keine Kralle
# Die Aheadkappe (optional erhältlich) braucht keine Kralle - das spart Gewicht und schont den Schaft.
Kunststoffspacer machen das Gegenteil vom Stiffmaster
# Kunststoffspacer machen das Gegenteil vom Stiffmaster - sie transferieren gar keine Kraft auf den Steuersatz. Deshalb setzt Intend auf solide Aluminiumspacer.

Wie der Steuersatz das Cockpit steifer macht

Beim Wiegetritt verdreht man den Vorbau um seine Längsachse, während der Gabelschaft einer Biegung Widerstand leistet. Zusätzlich stützt sich der Vorbau aber – zumindest teilweise – mit seinen Flanken auf der Aheadkappe ab. Diese Möglichkeit nutzt Intend aus, die Kräfte direkt am Vorbau besser abstützen. Dazu vergrößert man die Kontaktfläche der Aheadkappe und unterfüttert sie mit einem Axialrollenlager. Dieses kann ausschließlich Kräfte in Richtung des Steuerrohrs aufnehmen; eben genau die Kräfte, die durch den Vorbau hier ankommen können. Das charmante daran: Hier treten bei einseitiger Belastung größere Kräfte auf als bei symmetrischer Belastung. Das heißt: Der Lenker kann beim Ballern stärker federn („flexen“) als im Wiegetritt. Genau dieses Verhalten ist wünschenswert – direkte Krafteinleitung, ohne zu steif und unkomfortabel zu werden.

Technische Daten

  • 77 g Gewicht ohne Spacer
  • 14 mm Stack Höhe
  • Passend für ZS44 Steuerrohr
  • Spacer in den Höhen 20, 13, 7, 1.5 mm
  • 3 Nm Anzugsmoment
  • Preis: 79 Euro
  • Website: www.intend-bc.com

Montage

Die Lagerschale lässt sich leider nicht durch eine kleine Stufe rundum vorpositionieren, wie es bei vielen anderen Steuersätzen  ermöglicht wird. Stattdessen hilft zwar eine Fase dem Steuersatz in den Rahmen, gegen ein schiefes Einpressen hilft aber nur ein sauberes Arbeiten.

Wer, wie ich, den Vorbau gern niedrig fährt, wird sich ärgern
# Wer, wie ich, den Vorbau gern niedrig fährt, wird sich ärgern - gegenüber einer konventionellen Lagerschale sind ca. 5-8 mm zusätzliche Höhe zu kalkulieren.
3 Schrauben
# 3 Schrauben - der Steuersatz muss nicht erneut gespannt werden, wenn man mal den Vorbau demontiert.

Anschließend wird die Gabel eingeschoben, was mit etwas mehr Kraft erfolgt als gewohnt. Dann den Vorbau drauf, per Aheadkappe vorspannen und jetzt kann – das ist anders als gewohnt – die Steuersatzabdeckung fixiert werden. Dann wird der Vorbau wie gewohnt arretiert. Das Schöne daran: Ab diesem Moment kann der Vorbau demontiert werden, ohne dass sich die Lagervorspannung ändert.

Fahreindruck

Jetzt wird es spannend – lässt sich der theoretische Vorteil auf dem Trail erfahren? Oder sogar schon auf dem Parkplatz? Tatsächlich merke ich direkt nach Montage des Intend Stiffmaster einen Unterschied. Das liegt auch daran, dass die Schale etwas mehr als 7 mm höher aufbaut als die Lagerschale, die ich zuvor verwendet habe. Dann folgt der erste Antritt: Und, ob man es glaubt oder nicht: Das Cockpit fühlt sich steifer an. Ich kann den Wert zwar nicht quantifizieren, aber der Unterschied ist unmittelbar spürbar. Im Wiegetritt, aber auch in so mancher hart gefahrenen Kurve. Tatsächlich gewöhnt man sich sehr schnell daran und merkt erst bei einer Fahrt auf einem Rad ohne Intend Stiffmaster, wie steif das Cockpit wird.

Im Wiegetritt ist der Unterschied am deutlichsten spürbar
# Im Wiegetritt ist der Unterschied am deutlichsten spürbar - hier verwinden sich die Lenkerenden um bis zu 40 % weniger.

Cornelius hat den Steifigkeitsvorteil doch auch beziffern wollen und deshalb mit der Messuhr bei gleichem Lenker, Vorbau und Schaft nachgemessen: Gegenüber einer konventionellen Lagerschale erhöht der Stiffmaster die Steifigkeit von Vorbau, Schaft und Steuersatz um bis zu 40 %. (Der Lenker selbst wird natürlich nicht steifer, weshalb die Differenz der Auslenkungen am Lenkerende weniger als 40 % beträgt.) Einziger Haken: Das alles braucht Platz – für Freunde eines extra-niedrigen Cockpits ist der Intend Stiffmaster deshalb nicht zu empfehlen.

Der Stack steigt
# Der Stack steigt - 14 mm baut die obere Lagerschale auf, der niedrigste Spacer misst schlanke 1.5 mm. Wer mehr Spacer fährt, kann elegantere, einteilige Spacer wählen.

Haltbarkeit

Nach einigen Ausfahrten hatte der Steuersatz ein wenig Spiel. Dies ließ sich mit einem einmaligen Nachstellen aber einfach beheben. Seitdem läuft der Stiffmaster seidenweich – der Langzeittest steht aber noch aus und ist vor allem deshalb interessant, weil hier ja ein zusätzliches Lager laufen muss. Dieses verfügt nicht über eine echte Dichtung, sondern ist in einer Fettpackung eingehüllt und folgt dem Motto: “Wo nichts (Fett) raus geht, kann auch nichts eindringen.

Fazit

Der Stiffmaster sorgt dafür, dass der Lenker sich beim Wiegetritt so steif anfühlt wie am Downhillbike mit breitem Direct-Mount-Vorbau, ohne den Lenker generell zu versteifen. Braucht man das? Wer sich bisher über zu viel Flex beim Sprint oder generell bei der Arbeit am Lenker geärgert hat, wird sicher erfreut sein. Viele andere dürfen die Lösung als funktional, aber nicht zwangsläufig nötig empfinden.


Weiterlesen

Weitere kurze Tests aus der Serie Abgefahren! findest du auf dieser Übersichtsseite. Wenn du ein Produkt für einen ersten Test vorschlagen möchtest, schreibe uns einfach hier eine Nachricht! Zum Weiterstöbern empfehlen wir dir die fünf neuesten Beiträge in unserer Serie Abgefahren!

  1. benutzerbild

    Seppl-

    dabei seit 05/2013

    Bei mir ging er am Anfang auch etwas schwer zu drehen, freihändig fahren war nicht drin da fast fest, nach dem ersten Steinfeld, kleinen sprung, lief alles sahnig
  2. benutzerbild

    Soebauer

    dabei seit 01/2015

    Super, hört sich an, als könnte einfahren helfen

    Macht eh mehr Spaß als schrauben!
  3. Anzeige

  4. benutzerbild

    midge

    dabei seit 08/2013

    @BommelMaster auf der intend Website steht, dass es keine IS42 Version geben soll - darf ich fragen weswegen? Hat das Bautechnische Gründe oder scheint der Markt zu klein?
  5. benutzerbild

    BommelMaster

    dabei seit 01/2002

    midge schrieb:
    @BommelMaster auf der intend Website steht, dass es keine IS42 Version geben soll - darf ich fragen weswegen? Hat das Bautechnische Gründe oder scheint der Markt zu klein?


    Das Problem bei den IS Steuersätzen ist, dass man keine Kontaktfläche hat, die eine Biegemomentabstützung erlaubt.

    Das Schrägkugellager wird da ja in einer Schräge im Rahmen aufgenommen, und das ist auch die definierte Kontaktstelle von Rahmen zum Lager.

    Der Witz am Stiffmaster ist aber, dass die Kraft über die Spacer und die Steuersatzkappe sich weit außen am Rahmen abstützen können (roter Pfeil), siehe auch:
    [ATTACH=full]814382[/ATTACH]

    Diese Möglichkeit besteht bei den IS- Steuersätzen quasi nicht bzw. der Kragen, der bei den IS-Rahmen um das Lager ist, ist von der Höhe halt nicht definiert. Es wäre zwar theoretisch möglich, eine "einstellbare" Steuersatzkappe zu machen, die man mit einem Gewinde in der Höhe an den Rahmen anpassen kann, dann besteht aber wiederum die Gefahr, weil der Kragen nicht für die Axialbelastung ausgelegt ist, dass der Rahmen an der Stelle zu viel Druckbelastung bekommt für die er nicht ausgelegt ist. Da habe ich keinen Bock dass ich dann Probleme bekomme und ganze Rahmen ersetzen muss.
    Bei ZS44 ist diese Gefahr nicht gegeben, da es so und so eine Lagerschale gibt und die Kräfte über diese in den Rahmen geleitet werden.
  6. benutzerbild

    midge

    dabei seit 08/2013

    BommelMaster schrieb:
    Das Problem bei den IS Steuersätzen ist, dass man keine Kontaktfläche hat, die eine Biegemomentabstützung erlaubt.

    Das Schrägkugellager wird da ja in einer Schräge im Rahmen aufgenommen, und das ist auch die definierte Kontaktstelle von Rahmen zum Lager.

    Der Witz am Stiffmaster ist aber, dass die Kraft über die Spacer und die Steuersatzkappe sich weit außen am Rahmen abstützen können (roter Pfeil), siehe auch:
    [ATTACH=full]814382[/ATTACH]

    Diese Möglichkeit besteht bei den IS- Steuersätzen quasi nicht bzw. der Kragen, der bei den IS-Rahmen um das Lager ist, ist von der Höhe halt nicht definiert. Es wäre zwar theoretisch möglich, eine "einstellbare" Steuersatzkappe zu machen, die man mit einem Gewinde in der Höhe an den Rahmen anpassen kann, dann besteht aber wiederum die Gefahr, weil der Kragen nicht für die Axialbelastung ausgelegt ist, dass der Rahmen an der Stelle zu viel Druckbelastung bekommt für die er nicht ausgelegt ist. Da habe ich keinen Bock dass ich dann Probleme bekomme und ganze Rahmen ersetzen muss.
    Bei ZS44 ist diese Gefahr nicht gegeben, da es so und so eine Lagerschale gibt und die Kräfte über diese in den Rahmen geleitet werden.


    Verstehe, besten dank für die Erklärung

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