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Dan, Rachel und Gee Atherton sind das wohl schnellste Trio, das die Downhill-Welt jemals gesehen hat
Dan, Rachel und Gee Atherton sind das wohl schnellste Trio, das die Downhill-Welt jemals gesehen hat - die drei Briten haben praktisch alle Höhen und Tiefen erlebt. Die größte Veränderung steht aber jetzt an: Statt für eine große Firma zu fahren, haben die Athertons gemeinsam mit einigen Partnern ihre eigene Fahrrad-Marke Atherton Bikes gegründet.
Dan, Gee und Rachel haben die Bikes nun schon seit einigen Wochen getestet und sind begeistert.
Dan, Gee und Rachel haben die Bikes nun schon seit einigen Wochen getestet und sind begeistert. - die drei schnellen Racer haben unter anderem Ed Haythornthwaite an Bord geholt, der zuvor Robot Bikes gegründet hat. Auch der Suspension-Guru Dave Weagle ist in das spannende Projekt involviert.
Atherton Bikes-6542
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Den Traum, irgendwann mal eine eigene Bike-Firma zu gründen, hatten die Athertons schon lange
Den Traum, irgendwann mal eine eigene Bike-Firma zu gründen, hatten die Athertons schon lange - vor allem Dan hat sich mit Ed Haythornthwaite, der zuvor Robot Bikes gegründet hat, immer wieder ausgetauscht. Die Entscheidung für den Startschuss ist dem Trio trotzdem alles andere als leicht gefallen.
Eines der wichtigsten Elemente der Atherton Bikes sind die 3D-gedruckten Titan-Muffen, die mit Carbon-Rohren verklebt werden
Eines der wichtigsten Elemente der Atherton Bikes sind die 3D-gedruckten Titan-Muffen, die mit Carbon-Rohren verklebt werden - mit dieser Fertigungsmethode hat Robot Bikes schon für viel Furore gesorgt. Die Athertons sind sich sicher, dass dies die Produktion von Mountainbikes erheblich verändern wird.
Ein weiterer wichtiger Partner des Teams ist Piers Linney
Ein weiterer wichtiger Partner des Teams ist Piers Linney - der Mountainbike-begeisterte Investment-Experte war sofort Feuer und Flamme von der Idee.
Atherton Bikes-4018
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Atherton Bikes-4388
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Durch das additive Fertigungsverfahren lassen sich Veränderungen sehr viel schneller als bisher realisieren
Durch das additive Fertigungsverfahren lassen sich Veränderungen sehr viel schneller als bisher realisieren - außerdem wird man zukünftig problemlos seine Wunschgeometrie bestellen können. Jemand will das Bike haben, das Gee in Val di Sole gefahren ist? Kein Problem!
Atherton Bikes soll keine edle und unbezahlbare Boutique-Marke werden
Atherton Bikes soll keine edle und unbezahlbare Boutique-Marke werden - stattdessen sollen auch Bike Park-Enthusiasten und Nachwuchs-Racer in den Genuss der Atherton Bikes kommen. Dan ist sich sicher: In den nächsten Jahren werden die Preise deutlich fallen.
Test: okay!
Test: okay! - Schon bei den ersten Ausfahrten auf den Downhill-Prototypen war das schnelle Trio mehr als begeistert. Gleichzeitig liegt aber auch noch eine Menge Arbeit vor ihnen. Es soll nicht nur bei einem Downhill-Bike bleiben. Stattdessen will Atherton Bikes in Zukunft alle möglichen Mountainbikes anbieten.
Schon in der Vergangenheit haben die Athertons immer wieder Firmen bei der Entwicklung neuer Bikes tatkräftig unterstützt
Schon in der Vergangenheit haben die Athertons immer wieder Firmen bei der Entwicklung neuer Bikes tatkräftig unterstützt - bei ihrem letzten Sponsor Trek waren sie maßgeblich in die Neuauflage des Downhill-Bikes Session involviert.
Das Rennen in Leogang sollte für den Kampf der Frauen um den Gesamttitel ein wichtiges Ereignis werden
Das Rennen in Leogang sollte für den Kampf der Frauen um den Gesamttitel ein wichtiges Ereignis werden - Rachel Atherton gewann das Rennen und profitierte dabei auch davon …
Irgendwas ist zu Saisonbeginn nicht so gelaufen, wie es sich Rachel vorgestellt hat
Irgendwas ist zu Saisonbeginn nicht so gelaufen, wie es sich Rachel vorgestellt hat - in Andorra ist sie unkontrolliert von der Strecke abgekommen und wusste nicht genau, an was es lag.
In Mont-Sainte-Anne folgte das Aha-Erlebnis
In Mont-Sainte-Anne folgte das Aha-Erlebnis - mit dem Wechsel auf eine weniger progressive Umlenkwippe fühlte sich Rachel sofort deutlich wohler und startete eine beeindruckende zweite Saisonhälfte.
Viel wurde im Vorfeld spekuliert über den Saisonauftakt im kroatischen Losinj. Wie so oft war's dann vor Ort komplett anders: Die knackige Strecke direkt am Meer hat für packende Entscheidungen gesorgt
Viel wurde im Vorfeld spekuliert über den Saisonauftakt im kroatischen Losinj. Wie so oft war's dann vor Ort komplett anders: Die knackige Strecke direkt am Meer hat für packende Entscheidungen gesorgt - hier fliegt Rachel Atherton in den Morgenstunden des ersten Trainings über eines der großen Gaps und fügt sich mit ihrem hellblauen Outfit fast perfekt in die Insel-Idylle ein. Nikon D750 | 1/4000 s | ƒ/4.5 | 16 mm | ISO 720
Werden wir Dan zukünftig wieder im Downhill World Cup sehen? Wenn es nach ihm geht: Ja!
Werden wir Dan zukünftig wieder im Downhill World Cup sehen? Wenn es nach ihm geht: Ja! - Er geht davon aus, dieses Jahr wieder mehr Zeit für Rennen zu haben. Das würde seinen Bruder Gee freuen: "Er hat das Potenzial, in die Top 10 zu fahren!".
Für Gee ist 2018 nicht unbedingt ideal gelaufen
Für Gee ist 2018 nicht unbedingt ideal gelaufen - immer wieder haben ihn Verletzungen zurückgeworfen. Erst zum Ende konnte er in La Bresse zeigen, dass man nach wie vor mit ihm rechnen muss. Trotz Platz 2 beim letzten World Cup wurde er vom britischen Verband nicht für die WM nominiert.
Bei der WM zum Abschluss des Jahres gelang Rachel Atherton einer der beeindruckendsten Fahrten der Downhill-Geschichte
Bei der WM zum Abschluss des Jahres gelang Rachel Atherton einer der beeindruckendsten Fahrten der Downhill-Geschichte - mit einem Vorsprung von fast 10 Sekunden lies sie ihrer Konkurrenz praktisch keine Chance. Trotz dieser Dominanz sieht sie den weiblichen Downhill-Sport insgesamt auf einem sehr guten Weg.
Mit einem unfassbaren Lauf hat Rachel Atherton ihre Konkurentinnen in die Schranken gewiesen und sich Gold gesichert.
Mit einem unfassbaren Lauf hat Rachel Atherton ihre Konkurentinnen in die Schranken gewiesen und sich Gold gesichert.
Was kommt als nächstes? Mit dem Schritt, Atherton Bikes zu gründen, haben Gee, Rachel und Dan für eine Sensation gesorgt
Was kommt als nächstes? Mit dem Schritt, Atherton Bikes zu gründen, haben Gee, Rachel und Dan für eine Sensation gesorgt - wir drücken dem sympathischen Trio die Daumen, dass sie bei diesem mehr als spannenden Abenteuer stets den Durchblick behalten!

Dass für Gee, Dan und Rachel Atherton 2019 ein Wechsel anstehen würde, war schon länger klar. Doch kaum jemand hätte gedacht, dass die schnellsten Geschwister der Welt mit Atherton Bikes ihre eigene Fahrrad-Marke gründen. Wir haben das britische Trio im Interview ausführlich zur wichtigsten Entscheidung ihrer erfolgreichen Karriere befragt. 

Selten kommt es vor, dass die Gründung einer eigenen Firma so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, wie es bei Atherton Bikes der Fall war. Statt für einen großen, etablierten Bike-Hersteller im Downhill World Cup an den Start zu gehen, haben Gee, Dan und Rachel ihr eigenes Unternehmen gegründet, werden zukünftig eigene Bikes anbieten und dabei unter anderem auf die Expertise der ehemaligen Belegschaft von Robot Bikes setzen. Das schnelle Trio, das mittlerweile in Wales lebt, hat bereits alle Höhen und Tiefen erlebt: von schlimmen Verletzungen bis hin zu Weltmeister-Titeln und einer perfekten Saison war praktisch alles dabei. Die wichtigste Veränderung des Lebens steht aber jetzt erst für die Athertons an – und das nicht am Ende der Karrieren, sondern mittendrin. Umso überraschender ist es, dass das Trio nur wenige Stunden vor dem offiziellen Startschuss ihres gewagten Projekts völlig entspannt den Telefonhörer entgegennimmt, ausführlich auf jede Frage antwortet und den Eindruck macht, als wären sie bestens drauf vorbereitet, dass sich nun wohl fast alles verändern wird. Viel Spaß mit dem Interview!

Diashow: Gee, Dan und Rachel Atherton im Interview - „Wir sind jetzt die Underdogs!”
Test: okay!
Dan, Rachel und Gee Atherton sind das wohl schnellste Trio, das die Downhill-Welt jemals gesehen hat
Den Traum, irgendwann mal eine eigene Bike-Firma zu gründen, hatten die Athertons schon lange
Viel wurde im Vorfeld spekuliert über den Saisonauftakt im kroatischen Losinj. Wie so oft war's dann vor Ort komplett anders: Die knackige Strecke direkt am Meer hat für packende Entscheidungen gesorgt
Atherton Bikes soll keine edle und unbezahlbare Boutique-Marke werden
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MTB-News: Nach drei erfolgreichen Jahren auf Trek steht euch drei ab sofort ein neues Abenteuer an. Wie sehr freut ihr euch auf die kommende Saison? 

Gee: Was die Rennen angeht: Wie immer! Ich kann’s kaum erwarten, dass die neue Rennsaison startet. Dieses Jahr wird es für uns aber besonders spannend.

Dan: Plötzlich fühlt sich alles sehr real an. Es war und ist für uns ein riesiges Projekt, aber bis man dann tatsächlich das eigene Bike unter sich hat und es fahren kann, kommt es einem noch ziemlich unwirklich vor. Das hat sich in den letzten Wochen geändert und natürlich freue ich mich riesig.

Rachel: Dass wir jetzt Atherton Bikes starten, hat mich ziemlich motiviert. Wenn man schon viele Rennen gewonnen hat, dann ist es schwierig, die Motivation aufrecht zu halten. Atherton Bikes fühlt sich wie ein Neustart an. Die neue Saison wird ziemlich episch – hoffe ich jedenfalls!

Zahlreiche Gerüchte haben in der Off Season die Runde gemacht. Die wenigsten hätten aber erwartet, dass ihr kurzerhand eure eigene Bike-Marke gründet. Wie ist das ganze Projekt entstanden? 

Gee: Wir kennen Ed Haythornthwaite schon seit vielen Jahren. Seine Arbeit und den Ansatz, den er mit Robot Bikes entwickelt hat, fanden wir alle sehr faszinierend. Die Idee, irgendwann mal Atherton Bikes zu gründen, hatten wir eigentlich schon seit vielen Jahren. Eigentlich war es nur ein Traum, eine wenig konkrete Idee. Irgendwie hat es Ed in einem Gespräch geschafft, dass wir alle von der Idee total begeistert waren – und irgendwann haben wir festgestellt, dass wir das wirklich hinbekommen können, dass es etwas Reales werden könnte. Wir wussten, was das Team von Robot Bikes kann, und gleichzeitig konnten wir auch sehen, was für Puzzlestücke noch fehlen, damit es funktioniert.

Dan, Rachel und Gee Atherton sind das wohl schnellste Trio, das die Downhill-Welt jemals gesehen hat
# Dan, Rachel und Gee Atherton sind das wohl schnellste Trio, das die Downhill-Welt jemals gesehen hat - die drei Briten haben praktisch alle Höhen und Tiefen erlebt. Die größte Veränderung steht aber jetzt an: Statt für eine große Firma zu fahren, haben die Athertons gemeinsam mit einigen Partnern ihre eigene Fahrrad-Marke Atherton Bikes gegründet.
Dan, Gee und Rachel haben die Bikes nun schon seit einigen Wochen getestet und sind begeistert.
# Dan, Gee und Rachel haben die Bikes nun schon seit einigen Wochen getestet und sind begeistert. - die drei schnellen Racer haben unter anderem Ed Haythornthwaite an Bord geholt, der zuvor Robot Bikes gegründet hat. Auch der Suspension-Guru Dave Weagle ist in das spannende Projekt involviert.
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# Atherton Bikes-6542

Könnt ihr euch noch an den Zeitpunkt erinnern, als ihr realisiert habt, dass ihr jetzt wirklich eure eigene Firma gründet?

Oh man, gefühlt dreht Großbritannien gerade durch. Wir versuchen, uns darüber eher wenige Gedanken zu machen. Wer weiß, was der Brexit für Auswirkungen hat – wenn er denn überhaupt stattfindet.

Rachel: Den Traum, dass wir irgendwann mal unsere eigenen Bikes machen, dass wir unsere Bikes fahren würden, hatten wir eigentlich schon immer. Vor allem Dan hatte immer viele mehr oder weniger verrückte Ideen. Dass wir wirklich Atherton Bikes ins Leben rufen, wurde in den letzten ein bis zwei Jahren konkreter. So richtig kann ich es aber noch immer nicht glauben. Gerade fühlt es sich so an, als hätten wir unser gesamtes Leben lang auf diesen Schritt hingearbeitet. Das klingt jetzt wahrscheinlich ziemlich emotional …

Würdest du also sagen, dass das für dich der wohl wichtigste Wechsel in deiner Karriere ist?

Rachel: Ja, ich denke schon. Wir haben ja schon in der Vergangenheit mit verschiedenen Firmen neue Bikes entwickelt. Und es ist auch wirklich cool, wenn man seinen Input liefert und es dann so produziert wird. Aber das hier ist ein komplett neues Level: Eine komplett neue Firma auf die Beine zu stellen. Wir haben zum Glück einige sehr talentierte Leute um uns herum, die sehr viel Erfahrung mitbringen. Aber trotzdem wird es für uns auch eine ziemlich große Herausforderung. Und dass wir diesen Schritt mitten in unserer aktiven Karriere machen, statt irgendwann am Ende, ist natürlich auch ziemlich verrückt. Also ja: Es ist definitiv die wichtigste Veränderung unserer Karrieren.

Ihr kennt Ed, der zuvor Robot Bikes gegründet hat, schon länger. Woher kommt die Verbindung? 

Gee: Ed hat vor vielen, vielen Jahren mit uns im Downhill World Cup zusammengearbeitet. Damals haben wir alle direkt festgestellt, dass er ein hervorragender Ingenieur ist und was er für tolle Ideen hat. Er ist dann zum Dirt Magazine gewechselt, aber wir standen immer im engen Austausch mit ihm. Immer, wenn wir Ed getroffen haben, saßen er und Dan stundenlang zusammen, haben wilde Ideen ausgetauscht und überlegt, ob es möglich wäre, mal eine Fahrrad-Firma zu haben und Bikes anzubieten, die wir selbst gerne fahren würden und die dem Standard entsprechen, der uns vorschwebt.

Dan: Als wir für Giant gefahren sind, hat Ed als mein Mechaniker gearbeitet. Wir sind immer zusammen zu den Rennen gefahren, also haben wir uns während den Fahrten immer über Fahrräder, Ideen und technische Lösungen unterhalten. Ed hat damals schon eigene Hardtail-Rahmen aus Stahl und auch aus Titan hergestellt und hatte immer irgendwelche abgefahrenen Ideen. Als professioneller Athlet denkt man eigentlich immer drüber nach, wie man noch das letzte Quäntchen Performance verbessern kann – an sich selbst und auch am Bike. Deshalb war es für mich logisch, ständig über Fahrräder, Geometrien und solche Sachen nachzudenken.

Den Traum, irgendwann mal eine eigene Bike-Firma zu gründen, hatten die Athertons schon lange
# Den Traum, irgendwann mal eine eigene Bike-Firma zu gründen, hatten die Athertons schon lange - vor allem Dan hat sich mit Ed Haythornthwaite, der zuvor Robot Bikes gegründet hat, immer wieder ausgetauscht. Die Entscheidung für den Startschuss ist dem Trio trotzdem alles andere als leicht gefallen.
Eines der wichtigsten Elemente der Atherton Bikes sind die 3D-gedruckten Titan-Muffen, die mit Carbon-Rohren verklebt werden
# Eines der wichtigsten Elemente der Atherton Bikes sind die 3D-gedruckten Titan-Muffen, die mit Carbon-Rohren verklebt werden - mit dieser Fertigungsmethode hat Robot Bikes schon für viel Furore gesorgt. Die Athertons sind sich sicher, dass dies die Produktion von Mountainbikes erheblich verändern wird.

Wie ging es dann weiter? Was hat euch dazu gebracht, den Schritt zu wagen und Atherton Bikes zu gründen? 

Gee: Atherton Bikes zu gründen und unser Rennteam umzustrukturieren war natürlich eine riesige Herausforderung. Unser Vertrag mit Trek ging nur bis Ende 2018 und wir haben uns mit diversen Firmen unterhalten – hier ging’s aber um den Ansatz, den wir seit Jahren als Atherton Racing verfolgen. Gleichzeitig haben wir uns immer wieder mit Ed ausgetauscht. Das ist dann so sehr gewachsen, dass wir uns entscheiden mussten: Unterschreiben wir einen Vertrag bei einer Firma, die unser Rennprogramm klassisch sponsert? Oder wählen wir die riskante Option und starten unser eigenes Ding? Wir haben uns für Atherton Bikes entschieden.

Wenn jemand sagt „Wow, ich will genau das Bike haben, das Gee beim letzten World Cup gefahren ist!”, dann kann er sich das Rad genau so konfigurieren und bekommt es innerhalb von ein paar Wochen.

Dan: Die Entscheidung ist uns definitiv nicht leicht gefallen. Wir hätten uns auch für die einfache Variante entscheiden können, also uns von einer großen Firma sponsern lassen können. Wir sind unser ganzes Leben lang für verschiedene Firmen gefahren, haben jeden Monat unsere Gehälter bekommen und je erfolgreicher wir waren, desto besser war’s für uns – das ist kein schlechtes Geschäftsmodell. Komplizierter wurde es höchstens, wenn wir uns verletzt haben. Das jetzt alles aufzugeben war keine Entscheidung, die wir mal eben so getroffen haben – wie schon gesagt haben wir nun mehrere Jahre drüber nachgedacht. Vor zwei Jahren bin ich zum Beispiel nach Taiwan gereist und habe mir dort alle möglichen Sachen angeschaut.

Gee: Wir wussten und sind uns ziemlich sicher, dass das additive Fertigungsverfahren, das Ed und sein Team bei Robot angewendet haben, in Zukunft noch viel wichtiger werden würde, egal in welcher Industrie. Außerdem wussten wir durch unsere langjährige Erfahrung ziemlich genau, wie ein Bike aussehen muss, das viele Leute gerne fahren würden. Was wir aber nicht wussten, ist wie man solch ein Start-Up überhaupt finanziert. Hier kam dann ein weiterer Partner ins Spiel: Piers Linney. Piers ist ein Investor und war unter anderem einer der Dragons in der britischen BBC-Show Dragons Den (in Deutschland nennt sich die Show Die Höhle der Löwen, Anm. d. Red.). Wir haben uns mit Piers über unsere Idee, Atherton Bikes zu gründen, ausgetauscht – er war sofort Feuer und Flamme! Das hat dann endgültig den Stein ins Rollen gebracht.

Ein weiterer wichtiger Partner des Teams ist Piers Linney
# Ein weiterer wichtiger Partner des Teams ist Piers Linney - der Mountainbike-begeisterte Investment-Experte war sofort Feuer und Flamme von der Idee.
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# Atherton Bikes-4018
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# Atherton Bikes-4388

Gee: Insgesamt war die Gründung von Atherton Bikes eine riesige Herausforderung, ein riesiges Projekt. Es hätte auf gar keinen Fall funktioniert, wenn wir noch so großartige Leute um uns herum hätten. Das fängt bei Ed, Andy und Ben an, die bis dato Robot Bikes gemacht haben und jetzt als Partner bei Atherton Bikes dabei sind, geht über Piers Linney und Dave Weagle, dessen Hinterbau-System wir an unseren Bikes nutzen werden, und hört beim gesamten Team rund um Atherton Racing auf. Ohne diese fantastische Gruppe wäre das unmöglich gewesen.

Ihr habt gerade schon das additive Fertigungsverfahren angesprochen. Robot Bikes war vor allem für den innovativen Ansatz, Veränderungen sehr schnell realisieren zu können, bekannt. Wie werden die Kunden von Atherton Bikes davon profitieren? Und werdet ihr bei jedem Rennen mit einem modifizierten Bike an den Start gehen?

Gee: Einer der spannendsten Aspekte am Ansatz von Ed und seinem Team war für uns, dass man so flexibel mit dem Design ist. Jedes Modell, das wir bei Atherton Bikes anbieten, lässt sich mit einer Custom-Geometrie realisieren. Im Prinzip gibt man die Geo-Daten, die man haben will, in ein Computer-Programm ein, die Muffen werden produziert und dann wird alles verklebt. Dadurch können wir die Bikes natürlich auch im Lauf der Saison ziemlich leicht verändern oder an bestimmte Strecken anpassen. Und wenn jemand ein Bike mit der Geometrie, die ich im World Cup fahre, genau so haben möchte, dann kann es so konfiguriert werden.

Dan: Das additive Verfahren ist sehr flexibel, sodass man sehr schnell Veränderungen realisieren kann. Besonders während unserer Zeit bei Commençal haben wir viel gelernt. Beim Downhill-Bike, das wir gemeinsam mit Commençal entwickelt haben, hatte man ziemlich viele Verstellmöglichkeiten – der Lenkwinkel, die Kettenstreben und so weiter. Aber wirklich verwendet haben wir die Möglichkeiten nicht so ausgiebig. Heutzutage sind die Strecken relativ eindimensional: Ziemlich schnell, nicht besonders technisch. Steile, naturbelassene Strecken im World Cup gibt es kaum noch. Also muss man die Bikes aus meiner Sicht heutzutage auch nicht mehr so sehr anpassen, wie es früher noch der Fall war.

Rachel: Das additive Verfahren ermöglicht es, neue Muffen drucken zu lassen und innerhalb von ein paar Wochen ein komplett neues Bike zu haben – zumindest theoretisch. Die Realität ist sehr viel komplizierter. Letztlich kostet das alles auch Geld. Bei Trek waren wir von Anfang an sehr bei der Entwicklung der neuen Sessions involviert. Am Ende hat das Bike sehr dem entsprochen, was wir genau wollten. Die Geometrie von den Prototypen unserer Downhill-Bikes sind recht ähnlich zum Session, zumindest jetzt am Anfang. Das wird sich aber im Lauf der nächsten Monate noch ändern. Das Bike fühlt sich recht anders an und unterschiedliche Hinterbau-Systeme erfordern auch unterschiedliche Geometrien. Und World Cup-Geschwindigkeiten erfordern ebenfalls angepasste Geometrien. Für uns persönlich sind World Cup-Rennen das allerwichtigste, also müssen die Bikes auch entsprechend funktionieren. Aber das ist ja auch das tolle an Atherton Bikes: Wenn jemand sagt „Wow, ich will genau das Bike haben, das Gee beim letzten World Cup gefahren ist!”, dann kann er sich das Rad genau so konfigurieren und bekommt es innerhalb von ein paar Wochen.

Dan: Wir sind eigentlich immer ziemlich lange Bikes gefahren, also eine lange Front und auch ein langes Heck. Mein Prototyp hat jetzt schon ein längeres Heck bekommen, wir haben also schon erste Änderungen gemacht. Ich würde nicht sagen, dass mein Bike total radikal ist. Aber dass wir jetzt so unkompliziert Veränderungen vornehmen können, finde ich super.

Welche Faktoren eurer Bikes sind für euch persönlich am wichtigsten? 

Wir wollen Fahrräder entwickeln, auf denen wir im World Cup ganz vorne mitfahren können und die so gut sind, wie es nur möglich ist. Was wir nicht wollen: Einen Standard-Rahmen einkaufen und einen Sticker mit unserem Logo draufkleben.

Dan: Für mich ist es eindeutig die Geometrie. Klar, das Fahrwerk oder die Hinterbau-Funktion sind auch sehr wichtig. Aber als ich vom Downhill zum Enduro gewechselt bin, habe ich gemerkt, wie wichtig die Geometrie ist. Im Vergleich zu einem Downhiller arbeitet das Fahrwerk eines Enduro-Bikes nie ganz so gut, also gleicht man das immer irgendwie aus. Eine unpassende Geometrie kann man aber meiner Meinung nach nicht ausgleichen. Das Tretlager hat beispielsweise nun mal eine bestimmte Höhe. Deswegen ist mir die Geometrie sehr, sehr wichtig.

Durch das additive Fertigungsverfahren lassen sich Veränderungen sehr viel schneller als bisher realisieren
# Durch das additive Fertigungsverfahren lassen sich Veränderungen sehr viel schneller als bisher realisieren - außerdem wird man zukünftig problemlos seine Wunschgeometrie bestellen können. Jemand will das Bike haben, das Gee in Val di Sole gefahren ist? Kein Problem!

Gee: Generell sind natürlich alle Faktoren an unseren Atherton Bikes extrem wichtig. Wir wollen Fahrräder entwickeln, auf denen wir im World Cup ganz vorne mitfahren können und die so gut sind, wie es nur möglich ist. Was wir nicht wollen: Einen Standard-Rahmen einkaufen und einen Sticker mit unserem Logo draufkleben. Wir möchten die Technologie und den Ansatz, der auch in anderen Sparten immer schneller wächst, auf Mountainbikes übertragen und mit Atherton Bikes den großen Firmen zeigen, was heutzutage möglich ist. Wenn man bislang eine Custom-Geometrie wollte, dann musste man entweder World Cup-Racer oder reich sein. Willst du zukünftig beispielsweise ein Short Travel-Fully mit flachem Lenkwinkel und niedrigem Tretlager haben, findest aber keins, dann kannst du auf die Website von Atherton Bikes gehen und es dir genau so zusammenstellen.

„Den großen Firmen zeigen, was heutzutage möglich ist” – was bedeutet das für Atherton Bikes? Wollt ihr euch als edle Boutique-Marke positionieren oder Bikes für die breite Masse anbieten?

Dan: Unser ultimatives Ziel ist es, Bikes für Leute anzubieten, die zum Beispiel in unserem Bike Park fahren. Den haben wir hier in den letzten Jahren zusammen mit einer tollen Crew gebaut. Atherton Bikes soll für Leute sein, die hier im Bike Park unterwegs sind – deshalb wollte ich auch unsere eigene Firma aufziehen. Wir wollen keine unbezahlbaren Bikes anbieten. Junge Fahrerinnen und Fahrer, die gerne Rennen fahren und irgendwann bei World Cups an den Start gehen wollen, sollen das auf unseren Atherton Bikes tun können. Deshalb haben wir uns auch für die additive Fertigungsweise entschieden. Im Moment ist der Preis dafür noch recht hoch. Man muss aber nur mal in andere Branchen, in den Automobil-Bereich zum Beispiel, schauen und wird schnell merken, dass die Technologie dort sehr schnell wächst. Dadurch werden die Preise in den nächsten Jahren deutlich fallen.

Ihr habt die Bikes von Robot sicherlich ausgiebig getestet und habt nun erste Eindrücke auf euren eigenen Atherton Bikes sammeln können. Wie waren die ersten Tests?

Dan: Ich bin das Robot R160 Enduro-Bike in den letzten zwei Jahren immer mal wieder gefahren – wie gesagt, Ed ist ein guter Freund von uns. Unsere eigenen Atherton Downhill-Bikes konnten wir erst in den vergangenen Wochen richtig testen, also noch nicht besonders lang.

Gee: Wir waren sofort ziemlich beeindruckt. Die Prototypen fühlen sich sehr lebendig an und machen viel Spaß. Uns ging es allen so, dass wir uns direkt sehr wohlgefühlt haben – sie animieren dazu, noch schneller zu fahren. Aber natürlich müssen wir da nun noch viel Arbeit reinstecken.

Rachel: Ja, sie machen wirklich richtig viel Spaß. Das ist mir bei den ersten Tests glaube ich am meisten aufgefallen: Wie viel Spaß sie machen, wie viel Selbstvertrauen sie vermitteln. Man denkt, dass man noch schneller und besser fahren könnte. Das finde ich bei einem Bike sehr wichtig. Egal ob World Cup-Racer oder Hobby-Fahrer: Das Fahrrad muss dir ein gutes Gefühl vermitteln. Das ist bei unseren Atherton Bikes-Prototypen definitiv der Fall!

Atherton Bikes soll keine edle und unbezahlbare Boutique-Marke werden
# Atherton Bikes soll keine edle und unbezahlbare Boutique-Marke werden - stattdessen sollen auch Bike Park-Enthusiasten und Nachwuchs-Racer in den Genuss der Atherton Bikes kommen. Dan ist sich sicher: In den nächsten Jahren werden die Preise deutlich fallen.

Atherton Bikes wird sicherlich nicht nur Downhill-Räder anbieten – was ist noch geplant? 

Das ist dann so sehr gewachsen, dass wir uns entscheiden mussten: Unterschreiben wir einen Vertrag bei einer Firma, die unser Rennprogramm klassisch sponsern? Oder wählen wir die riskante Option und starten unser eigenes Ding? Wir haben uns für Atherton Bikes entschieden.

Gee: Das Downhill-Bike wird das erste Modell von Atherton Bikes sein, aber dabei wird es natürlich nicht bleiben. Wir testen derzeit schon verschiedene Trailbikes. Unser Angebot soll die Fahrräder umfassen, die wir gerne fahren – und das alles mit frei konfigurierbarer Geometrie. Das Enduro-Bike mit 160 mm Federweg, das wir derzeit fahren, ist beispielsweise extrem spaßig.

In der Vergangenheit habt ihr schon anderen Firmen geholfen, neue Downhill- und Enduro-Bikes zu entwickeln. Wart ihr daran schon immer interessiert? Nach wie vielen Versionen seid ihr normalerweise glücklich mit dem Ergebnis?

Gee: Ja, das hat uns schon immer interessiert – Input geben, Produkte verbessern, neue Ideen entwickeln und diese dann auf den härtesten Strecken der Welt zu testen. Der World Cup ist ein ziemlich hartes Testgelände: Dort fallen Schwächen sofort auf. Wie viele Versionen man braucht, bis das Endergebnis stimmt, ist schwierig zu sagen – manchmal nur zwei oder drei, manchmal geht das Produkt aber auch nie in Serie. Entscheidend sind immer die Leute, mit denen man zusammenarbeitet, und die Begeisterung, ein Bike so gut zu machen, wie es eben nur geht.

War es dann also der logische Schritt für euch, die Marke “Atherton”, die ihr im letzten Jahrzehnt aufgebaut habt, in etwas Größeres als “nur” ein Rennteam zu verwandeln?

Gee: Aus unserer Sicht haben wir mit dem, was wir tun, keine Marke aufgebaut. Wir sind eine Familie mit einer riesigen Leidenschaft für den Rennsport – und wir haben uns immer viele Gedanken gemacht, wie man das auf das nächste Level heben könnte. Natürlich haben wir uns oft über verschiedene Pläne und Visionen unterhalten, aber bis man sich dann wirklich dafür entscheidet und das Risiko eingeht weiß man nie, ob es überhaupt mal funktionieren könnte. Insgesamt sind wir extrem glücklich, in einer Position zu sein, wo wir dieses Projekt, Atherton Bikes, angehen können. Auf unseren eigenen Bikes beim World Cup an den Start zu gehen wird ziemlich cool. Aber: Jetzt sind wir ein Start Up und vor uns liegen viele Herausforderungen. Wir sind die Underdogs in einer Industrie voller großer Unternehmen. Das wird bestimmt hart – aber wir lieben Herausforderungen!

Test: okay!
# Test: okay! - Schon bei den ersten Ausfahrten auf den Downhill-Prototypen war das schnelle Trio mehr als begeistert. Gleichzeitig liegt aber auch noch eine Menge Arbeit vor ihnen. Es soll nicht nur bei einem Downhill-Bike bleiben. Stattdessen will Atherton Bikes in Zukunft alle möglichen Mountainbikes anbieten.

In den letzten Jahren konntet ihr auch immer aufs Rennen Fahren konzentrieren, jetzt müsst ihr euch auch um Atherton Bikes kümmern. Denkt ihr, dass die Saison für euch nun anders verlaufen wird?

Rachel: Naja, wir sind alle schon immer an den ganzen geschäftlichen Sachen interessiert. Wir mussten uns mit Atherton Racing ja auch in den letzten 10 Jahren schon um eine Art Business kümmern. Außerdem haben wir ein tolles Team um uns herum. Alle Beteiligten haben eine wichtige Rolle und kann sich auf seine Stärken konzentrieren. Von uns dreien wird Gee wahrscheinlich das stärkste Bindeglied zwischen dem Rennsport und dem Business Atherton Bikes sein. Und wahrscheinlich wird das recht hart für ihn – aber er liebt es, wenn Sachen hart und schwierig sind. Herausforderungen sind gut für ihn! Klar werden vor allem die ersten Jahre hart für uns alle, aber wir wollen, dass wir zu Rennen reisen und dort Leute auf unseren Bikes sehen. Stell dir vor: Wir fliegen nach Whistler oder nach Les Gets oder sind bei einem kleinen britischen Rennen – und dort sind die Kids begeistert von unseren Bikes!

Andere Leute und Nachwuchsfahrer auf euren Atherton Bikes zu sehen: Freust du dich darauf am meisten? 

Jetzt sind wir ein Start Up und vor uns liegen viele Herausforderungen. Wir sind die Underdogs in einer Industrie voller großer Unternehmen. Das wird bestimmt hart – aber wir lieben Herausforderungen!

Rachel: Ja, ganz klar. Wir reisen jetzt schon seit vielen Jahren an dieselben Orte für World Cups und Rennen, wo wir oft Eltern mit ihren Kindern treffen, die auch schon in den Jahren davor zu uns gekommen sind. Da erzählt mir dann ein kleines Mädchen zum Beispiel, dass sie gerade gelernt hat, freihändig zu fahren. Solche Leute will ich auf Atherton Bikes sehen! Jemanden in der Liftschlange mit einem von unseren Bikes zu sehen, einen Nachwuchs-Racer beim World Cup oder bei einem kleinen Rennen zu sehen – das ist für mich das, was zählt. Für uns 3 ist das Mountainbiken unsere absolute Leidenschaft und das wollen wir gerne teilen.

Lasst uns über eine andere Leidenschaft sprechen: Team Rumours! Jeden Winter wimmelt das Internet nur so vor Gerüchten über Wechsel, neue Teams und andere Sponsoren … 

Gee: Wir lieben die ganzen Gerüchte! Dieses Jahr war es definitiv am besten. Je mehr wir gelesen haben, desto verrückter wurden die Gerüchte. Es hat uns über Monate bestens unterhalten.

Rachel: Es hat echt richtig viel Spaß gemacht!

Dan: Ja, wir lesen uns die ganzen Spekulationen durch – vor allem Rachel. Sie liebt vor allem die ganzen negativen Kommentare, das lässt sie dann gar nicht mehr los. Manchmal gießen wir dann auch ganz gerne ein bisschen Öl ins Feuer, wenn wir zum Beispiel Merida oder Norco auf Instagram folgen. Es ist immer wieder faszinierend, dass jede kleine Aktion sofort analysiert wird.

Rachel: Naja, wir haben nicht nur absichtlich die Gerüchteküche angeheizt. Ich fühle mich jetzt auch ein Stück weit verpflichtet, noch stärker darauf zu achten, was die ganzen anderen Firmen so machen, auch wenn es nur um Kleinigkeiten wie Lackierungen geht. Ich schaue mir die ganzen Sachen jetzt nicht mehr nur aus den Augen einer Rennfahrerin an. Stattdessen folge ich einer Firma und denke mir dann „Wow, das Bike sieht echt cool aus!” oder „Puh, das ist furchtbar …”. Aber wie Dan schon sagt: Manchmal habe ich auch einfach irgendwelche Posts von Firmen geliked, um die Leute zu verwirren. Es war außerdem total interessant zu sehen, wer eigentlich mit seinen Spekulationen recht hatte. Nur wenige Leute lagen mit ihren Vermutungen richtig. Viele haben stattdessen gesagt, dass wir das nie machen würden. Und es klingt ja auch ziemlich verrückt, zumal wir gerade mitten in unseren aktiven Karrieren und nicht am Ende sind. Aber wir sind die Dinge schon immer anders angegangen. Als wir damals beispielsweise die Video-Serie Atherton Project gemacht haben, gab es sowas eigentlich auch noch nie.

Habt ihr euch eigentlich Gedanken darüber gemacht, eure World Cup-Karriere an den Nagel zu hängen und euch komplett auf neue Projekte zu konzentrieren? 

Gee: Nein.

Schon in der Vergangenheit haben die Athertons immer wieder Firmen bei der Entwicklung neuer Bikes tatkräftig unterstützt
# Schon in der Vergangenheit haben die Athertons immer wieder Firmen bei der Entwicklung neuer Bikes tatkräftig unterstützt - bei ihrem letzten Sponsor Trek waren sie maßgeblich in die Neuauflage des Downhill-Bikes Session involviert.
Das Rennen in Leogang sollte für den Kampf der Frauen um den Gesamttitel ein wichtiges Ereignis werden
# Das Rennen in Leogang sollte für den Kampf der Frauen um den Gesamttitel ein wichtiges Ereignis werden - Rachel Atherton gewann das Rennen und profitierte dabei auch davon …

Blicken wir abschließend noch zurück auf euer vergangenes Jahr … 

Rachel: Die guten, alten Zeiten!

Du hattest einen etwas durchwachsenen Start und auch einige Probleme mit deinem Bike. Deine zweite Saisonhälfte war dafür umso besser. Wie war die Saison aus deiner Sicht?

Rachel: Eigentlich fing alles ziemlich gut an. Ich bin beim ersten World Cup in Kroatien 2. geworden, aber konnte im Winter kaum trainieren. Bei der WM im September 2017 hab ich mir das Schlüsselbein gebrochen und das ist ewig nicht geheilt – erst nach einer Knochentransplantation konnte ich im Februar wieder aufs Bike. Das hat mich stärker beeinflusst, als ich es zugeben wollte. Ich hatte kaum Selbstvertrauen, wollte nicht stürzen, wollte mich nicht verletzen. Das hat sich dann im Lauf der Saison verändert: Irgendwann dachte ich nicht mehr, dass ich aus Glas bin und beim ersten Sturz zerbrechen würde. Trotzdem hat sich irgendwas nicht richtig angefühlt …

… nämlich dein Bike? 

Rachel: Irgendwas war falsch. Ich konnte es nicht genau beschreiben, aber es kam mir vor, als ob ich nicht so gut fahre, wie ich es eigentlich kann. In Kroatien bin ich dieselbe Federhärte gefahren wie Gee, obwohl er viel stärker und schwerer als ich ist. Das klingt im Nachhinein betrachtet natürlich total verrückt, ich weiß. Aber ich bin ziemlich stur. In Val di Sole lag ich bei allen Splits vorne, hab dann aber in der letzten Sektion der Strecke über 2 Sekunden verloren. Ich war richtig sauer und am Boden zerstört. Oft werde ich dafür kritisiert, dass ich mich über einen zweiten Platz nicht richtig freue. Aber ich habe mein ganzes Leben dafür trainiert, 1. zu sein. Nicht ganz oben zu stehen fühlt sich für mich wie eine Niederlage an. Als ich die Zeit in Val di Sole verloren habe war ich mir sicher, dass irgendwas nicht stimmt. Am Wochenende danach bin ich in Andorra von der Linie abgekommen, was mir meinen Rennlauf zerstört hat. Zum Rennen in Mont-Sainte-Anne habe ich dann die Umlenkwippe an meinem Trek Session ausgetauscht.

Irgendwas ist zu Saisonbeginn nicht so gelaufen, wie es sich Rachel vorgestellt hat
# Irgendwas ist zu Saisonbeginn nicht so gelaufen, wie es sich Rachel vorgestellt hat - in Andorra ist sie unkontrolliert von der Strecke abgekommen und wusste nicht genau, an was es lag.
In Mont-Sainte-Anne folgte das Aha-Erlebnis
# In Mont-Sainte-Anne folgte das Aha-Erlebnis - mit dem Wechsel auf eine weniger progressive Umlenkwippe fühlte sich Rachel sofort deutlich wohler und startete eine beeindruckende zweite Saisonhälfte.
Viel wurde im Vorfeld spekuliert über den Saisonauftakt im kroatischen Losinj. Wie so oft war's dann vor Ort komplett anders: Die knackige Strecke direkt am Meer hat für packende Entscheidungen gesorgt
# Viel wurde im Vorfeld spekuliert über den Saisonauftakt im kroatischen Losinj. Wie so oft war's dann vor Ort komplett anders: Die knackige Strecke direkt am Meer hat für packende Entscheidungen gesorgt - hier fliegt Rachel Atherton in den Morgenstunden des ersten Trainings über eines der großen Gaps und fügt sich mit ihrem hellblauen Outfit fast perfekt in die Insel-Idylle ein. Nikon D750 | 1/4000 s | ƒ/4.5 | 16 mm | ISO 720

Rachel: Wir sind bis dahin eine spezielle Umlenkwippe mit einer Progressivität von etwa 30 % gefahren. Die normale Umlenkwippe am Trek Session bietet 19 %. Ich habe bis Mont-Sainte-Anne gebraucht um zu merken, dass ich mit der Progressivität nicht klarkomme. Es war zu viel für mich. Als ich zurück auf die normale Umlenkwippe gewechselt bin, habe ich mich wie ein neuer Mensch gefühlt. Plötzlich hat es Klick gemacht. Das Bike hat sich fantastisch angefühlt und ich wurde immer selbstbewusster. Sobald man dieses Selbstvertrauen spürt, kann man sich im Rennlauf etwas entspannen. Das finde ich wichtig. Die Weltmeisterschaft war das letzte Rennen des Jahres. Ich habe mich zu dem Zeitpunkt fantastisch gefühlt. Die Rennen in der Lenzerheide waren in der Vergangenheit immer extrem knapp und ich dachte, dass es wieder so sein würde. Also habe ich mir vorgenommen, so schnell wie möglich zu fahren. Also bin ich richtig schnell gefahren und das war richtig gut.

Die Kombination aus der Verletzung und der unpassenden Umlenkwippe hat also dafür gesorgt, dass du zu Beginn der Saison solche Probleme hattest?

Oft werde ich dafür kritisiert, dass ich mich über einen zweiten Platz nicht richtig freue. Aber ich habe mein ganzes Leben dafür trainiert, 1. zu sein. Nicht ganz oben zu stehen fühlt sich für mich wie eine Niederlage an.

Rachel: Wenn man eine Verletzung hatte, dann dauert es immer länger, als man eigentlich denkt, bis man wieder bei 100 % ist. Dein Körper ist vielleicht wieder bereit, aber mental ist es schwierig. Richtig selbstbewusst habe ich mich erst zum Ende der Saison gefühlt. Bei den letzten Rennen war ich bereit, 100 % zu geben. Das muss man auch sein, man sieht es sofort in den Ergebnissen. Komplett fokussiert zu sein, keine Angst vor einem Sturz oder einer Verletzung zu haben, sich in keinster Weise zurückzuhalten: Sich so frei zu fühlen war ein fantastisches Gefühl. Meinen WM-Lauf in der Schweiz werde ich nie vergessen und ich wünschte, ich könnte das Gefühl jeden Tag erleben.

Gee, du warst bei Rachels WM-Lauf zum Zuschauen verdammt: Du wurdest nicht für das britische Aufgebot nominiert, obwohl sich viele deiner Landsleute dafür ausgesprochen haben. Wie war die Woche in der Schweiz für dich? 

Gee: Es war hart für mich, aber letzten Endes wurde die Entscheidung so getroffen und ich musste es akzeptieren. Ob es die richtige Entscheidung war? Keine Ahnung. Aber zu sehen, wie Rachel mit 10 Sekunden Vorsprung Gold holt, war fantastisch. Sie hat gezeigt, was in ihr steckt und was für eine großartige Sportlerin sie ist.

Wie lautet dein Fazit zur vergangenen Saison?

Gee: Im Nachhinein betrachtet wünsche ich mir, dass die Saison länger gewesen wäre. Das Ende meiner Saison war sehr gut und ich wäre gerne noch mehr Rennen gefahren. Aber immerhin hat das dann dafür gesorgt, dass ich zum Start der Off Season richtig motiviert war. Für mich war 2018 ein Jahr, aus dem ich viel gelernt habe und eine Menge mitnehmen konnte.

Dan, du hast den World Cup in den letzten Jahren nicht aktiv miterlebt, sondern hast eine etwas andere Perspektive. Was sagst du zur Entwicklung des Downhill-Sports? 

Dan: Es ist ziemlich beeindruckend, wie professionell alles in den letzten Jahren geworden ist. Jeder trainiert wie ein Profi, jeder fährt auf einem fantastischen Niveau – nicht nur die Top-Fahrer, sondern das komplette Feld. Jeder ist extrem schnell. Das ist sehr beeindruckend.

Könntest du dir vorstellen, zukünftig wieder aktiv Rennen zu fahren?

Dan: Ja, definitiv, das wäre großartig. Gerade jetzt mit unserer eigenen Bike-Firma. Ich hätte nicht gedacht, dass es so inspirierend wäre, Atherton Bikes zu gründen. Plötzlich hat das Mountainbiken für mich eine neue Bedeutung. Wir sind auf unseren eigenen Bikes unterwegs und können uns den Traum, den wir schon immer hatten, erfüllen. In den letzten Jahren war ich vor allem mit dem Bike Park beschäftigt, aber das ist nun fertig. Deshalb hoffe ich, dieses Jahr Zeit für das ein oder andere Rennen zu finden!

Gee: Ich wünschte, Dan würde es tun! Wir fahren jedes Wochenende zusammen und er ist unfassbar schnell. Er hat das Potenzial, in die Top 10 zu fahren.

Downhill oder Enduro: In welcher Disziplin würdest du an den Start gehen? 

Dan: Downhill, definitiv.  

Werden wir Dan zukünftig wieder im Downhill World Cup sehen? Wenn es nach ihm geht: Ja!
# Werden wir Dan zukünftig wieder im Downhill World Cup sehen? Wenn es nach ihm geht: Ja! - Er geht davon aus, dieses Jahr wieder mehr Zeit für Rennen zu haben. Das würde seinen Bruder Gee freuen: "Er hat das Potenzial, in die Top 10 zu fahren!".
Für Gee ist 2018 nicht unbedingt ideal gelaufen
# Für Gee ist 2018 nicht unbedingt ideal gelaufen - immer wieder haben ihn Verletzungen zurückgeworfen. Erst zum Ende konnte er in La Bresse zeigen, dass man nach wie vor mit ihm rechnen muss. Trotz Platz 2 beim letzten World Cup wurde er vom britischen Verband nicht für die WM nominiert.

Es wird viel darüber diskutiert, wie sich der Downhill World Cup derzeit entwickelt. Dabei werden die Frauen aber oft ausgeklammert. Rachel, wie ist aus deiner Sicht die Entwicklung? Bist du der Meinung, dass sich der Frauen-Rennsport in eine positive Richtung entwickelt?

Es ist großartig, wenn große Firmen das realisieren und Frauen unterstützen. Andererseits ist es auch furchtbar, wenn große Firmen Frauen eben nicht unterstützen. Wieso denn nicht? Wie soll sich denn etwas verändern?

Rachel: Ja, ganz klar. 2017 war ein interessantes Jahr in der Hinsicht für mich. Ich hatte einige Verletzungen und bin nicht um den Sieg mitgefahren. Deshalb habe ich im Training auch häufiger angehalten und habe mir die anderen Frauen angeschaut. Normalerweise konzentriere ich mich nur auf mich selbst, aber da habe ich gedacht „Holy Shit! Die fahren alle richtig, richtig gut!”. Der einzige Grund, wieso die Abstände zwischen den Top-Fahrerinnen und dem Rest so groß sind, ist, weil wir Top-Fahrerinnen jeden Tag trainieren. Es ist unser Job. Die meisten Fahrerinnen müssen aber nebenbei noch arbeiten, müssen irgendwie ihre Rennsaison finanzieren. Das ändert sich nun langsam. Schau dir Monika Hrastnik in Val di Sole an: Sie ist da so fantastisch gefahren, obwohl sie nicht in einem Factory Team ist! Die Firmen merken langsam, dass auch wir Frauen einen hohen Markwert besitzen, dass wir viele Follower haben und dass wir viele Leute inspirieren. Je mehr Firmen das realisieren, desto schneller wird sich die Situation verbessern.

Auch im Juniorinnen-Bereich tut sich derzeit einiges … 

Rachel: Die Juniorinnen heutzutage sind viel schneller als damals, als ich eine Juniorin war. Talente werden viel früher entdeckt und gefördert. Als ich 16 war, hatte ich keinen Plan, was andere Leute auf ihren Bikes machen. Das Internet hat das komplett verändert. Du siehst auf Instagram, wie jemand große Sprünge macht, und willst das auch machen. Das fahrerische Niveau steigt immer weiter. Unsere Juniorin Mille Johnset zum Beispiel trainiert wie ein Profi. Mit Mitte 20 werden die ganzen Juniorinnen so stark und so gut sein. Es ist großartig, wenn große Firmen das realisieren und Frauen unterstützen. Andererseits ist es auch furchtbar, wenn große Firmen Frauen eben nicht unterstützen. Wieso denn nicht? Wie soll sich denn etwas verändern? Es ist ein Teufelskreis. Manche Firmen gehen vorneweg, wie zum Beispiel Transition mit Tahnée Seagrave. Es muss Firmen geben, die sowas machen, das ist super. Aber es geht nicht nur um Rennergebnisse, sondern auch ums Prinzip. Kein anderes Segment wächst derzeit so stark wie das der Mountainbikerinnen – und wenn eine Firma das nicht anerkennen will, dann ist das … Aber auch deshalb haben wir Atherton Bikes gegründet: Damit wir es so machen können, wie wir es für richtig halten.

Bei der WM zum Abschluss des Jahres gelang Rachel Atherton einer der beeindruckendsten Fahrten der Downhill-Geschichte
# Bei der WM zum Abschluss des Jahres gelang Rachel Atherton einer der beeindruckendsten Fahrten der Downhill-Geschichte - mit einem Vorsprung von fast 10 Sekunden lies sie ihrer Konkurrenz praktisch keine Chance. Trotz dieser Dominanz sieht sie den weiblichen Downhill-Sport insgesamt auf einem sehr guten Weg.
Mit einem unfassbaren Lauf hat Rachel Atherton ihre Konkurentinnen in die Schranken gewiesen und sich Gold gesichert.
# Mit einem unfassbaren Lauf hat Rachel Atherton ihre Konkurentinnen in die Schranken gewiesen und sich Gold gesichert.

Denkt ihr, dass sich der Brexit auf Atherton Bikes und eure Pläne auswirken wird? 

Dan: Oh man, gefühlt dreht Großbritannien gerade durch. Wir versuchen, uns darüber eher wenige Gedanken zu machen. Wer weiß, was der Brexit für Auswirkungen hat – wenn er denn überhaupt stattfindet. Ich denke, dass jeder von massiven Veränderungen ausgeht, aber ich bezweifle, dass es die große Veränderung sein wird, die jeder will.

Ihr müsst euch jetzt nicht nur auf die World Cup-Saison vorbereiten, sondern auch eure eigene Bike-Firma aufbauen. Wieso werdet ihr mit beiden Sachen großen Erfolg haben? 

Gee: Wir können natürlich nicht hellsehen. Was ich aber weiß: Wenn man großartige Leute um sich herum hat und alle auf dasselbe Ziel hinarbeiten, dann kann daraus etwas Fantastisches entstehen!

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

Was kommt als nächstes? Mit dem Schritt, Atherton Bikes zu gründen, haben Gee, Rachel und Dan für eine Sensation gesorgt
# Was kommt als nächstes? Mit dem Schritt, Atherton Bikes zu gründen, haben Gee, Rachel und Dan für eine Sensation gesorgt - wir drücken dem sympathischen Trio die Daumen, dass sie bei diesem mehr als spannenden Abenteuer stets den Durchblick behalten!

Die Athertons gründen ihre eigene Bike-Firma. Was haltet ihr von dem Schritt, Atherton Bikes ins Leben zu rufen?

  1. benutzerbild

    Grinsekater

    dabei seit 08/2002

    BlackLupo schrieb:
    Cheffe, die konstruieren dann auch keine Bikes

    Du würdest es nicht glauben …
  2. benutzerbild

    fone

    dabei seit 09/2003

    xMARTINx schrieb:
    Garantiert.

    Aber dann ausgerechnet für einen Rahmen mit so nem 90er Jahre Design und der Familie von Gestern?

    Garantiert, aber doch recht wenige.
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  4. benutzerbild

    Tyrolens

    dabei seit 03/2003

    Underdogs sind sie jedenfalls nicht. Das ist nur der Versuch, sich als solche zu vermarkten. Das hat schon bei Gwin nicht funktioniert.
  5. benutzerbild

    BlackLupo

    dabei seit 05/2010

    Grinsekater schrieb:
    Du würdest es nicht glauben …

    Könntest da doch recht haben
  6. benutzerbild

    Zucchi

    dabei seit 06/2015

    fone schrieb:
    Aber dann ausgerechnet für einen Rahmen mit so nem 90er Jahre Design und der Familie von Gestern?

    Garantiert, aber doch recht wenige.

    So sehe ich's auch. Es reicht eben nicht, wenn es 1000 Freaks gibt, die das Bike super finden, wovon dann 10 wirklich eins kaufen. Ich finde das gemuffte Konzept nicht unbedingt Top der Konstruktion und die 90er schimmern da schon stark durch.

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