Wege-Sperre im Landkreis Miesbach Verbot noch nicht vom Tisch

Der Streit um Wegeverbote in mehreren Landschaftsschutzgebieten im Landkreis Miesbach ist noch nicht beendet. Geht es nach dem zuständigen Landratsamt, treten dort ab April 2027 Pauschalverbote für das Mountainbiken auf Wegen unter 1,5 Meter Breite in Kraft, sofern sich der Kreistag nicht auf eine Zonierung einigen kann. DIMB, DAV und BRV kritisieren den Beschluss und geben neben einer Stellungnahme an den Verordnungsgeber auch eine Pressemitteilung heraus.
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Im Landkreis Miesbach in Oberbayern geht die Neufassung von sechs Landschaftsschutzgebietsverordnungen in die nächste Runde. Problematisch für Mountainbiker: Damit könnte in fünf der sechs Landschaftsschutzgebiete ein Pauschalverbot für das Befahren von Wegen unter 1,5 Meter Breite einhergehen. Ein solches Verbot stand bereits Mitte des Jahres im Gespräch (wir berichteten: Wege-Sperre im Landkreis Miesbach), konnte aber nach scharfer Kritik durch die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) und den Deutschen Alpenverein (DAV) sowie der Einreichung von fast 300 Einsprüchen verhindert werden.

Dennoch ist die Gefahr einer Wege-Sperre im Landkreis Miesbach nicht beseitigt: Wie die DIMB, der DAV und der Bayerische Radsportverband (BRV) in einer gemeinsamen Pressemitteilung berichten, möchte das zuständige Landratsamt nun beschließen, dass eine Zonierung angestrebt wird, innerhalb deren das Pauschalverbot für Wege unter 1,5 Meter gelten soll. An der Aufteilung der Zonen sollen neben der Verwaltung auch die Gemeinden, Land- und Forstwirtschaft sowie die Regionalentwicklung Oberland beteiligt sein. Der Clou: Trifft der Kreistag bezüglich der Zonen keine Entscheidung, soll automatisch ab dem 01.04.2027 ein Verbot für das Mountainbiken auf Wegen unter 1,5 Meter Breite in Kraft treten.

Thomas Holz, Sprecher der DIMB IG Bayerische Voralpen, übt Kritik an der Beschlussidee des Landratsamts: „Dass bei einer Nichteinigung des Kreistags bzgl. einer Zonierung in den Landschaftsschutzgebieten dann wieder das Pauschalverbot greifen soll, ist eine Farce. Damit besteht keinerlei Druck auf eine Einigung.“

Die Verbände argumentieren: Da das Landratsamt ja eine Zonierung vorschlägt, gehe man dort gar nicht davon aus, dass ein pauschales Wegeverbot im gesamten Schutzgebiet notwendig sei. Dass ein solches Verbot bei Nichteinigung automatisch in Kraft treten soll, sieht man bei den Verbänden als Beweis dafür an, dass sich das Landratsamt in ein „von Bürokratie nicht mehr zu überbietendes Konstrukt“ verrennt, welches weder ordnungsrechtlich praktikabel noch der Bevölkerung verständlich und nachvollziehbar zu vermitteln sei.

Auch die Begründungen für die Notwendigkeit einer Regulierung des Radfahrens in Landschaftsschutzgebieten seien nicht überzeugend, denn: „Unabgestimmter Trailbau ist bereits jetzt schon gesetzeswidrig und verboten. Unabgestimmter Trailbau lässt sich am effektivsten durch mitgestaltete, offizielle und attraktive Angebote verringern – nicht durch ein Radfahrverbot. Das Landratsamt vermischt hier unseres Erachtens zwei voneinander unabhängig zu betrachtende Sachverhalte.“ – so Sonja Schreiter, Fachreferentin bei der DIMB.

Besonders bitter: Bei der Zonierung möchte sich die Verwaltung u. a. mit Almwirtschaft, Forst und Jagd zusammensetzen, während eine Beteiligung von DIMB oder DAV weiterhin nicht vorgesehen sei. Perspektiven von Erholungssuchenden und Natursporttreibenden bleiben damit außen vor. Generell sei bei der Erarbeitung des Zonierungskonzepts keine Beteiligung der Öffentlichkeit möglich. Daher rufen die Verbände Mitglieder und Mountainbiker im Allgemeinen dazu auf, auch in der zweiten Auslegungsrunde ihre Einwände schriftlich an das Landratsamt Miesbach vorzubringen.

Die Pressemitteilung könnt ihr hier einsehen:

Eure Meinung zum drohenden Wegeverbot?

Infos: Gemeinsame Pressemitteilung von DIMB, DAV und BRV

106 Kommentare

» Alle Kommentare im Forum
  1. Rund um Andechs und auf der Ostseite vom Ammersee gibt's mittlerweile etliche Fahrverbote...
    Gibts da eine info von der Gemeinde etc. Im Netz finde ich nichts.
  2. Gibts da eine info von der Gemeinde etc. Im Netz finde ich nichts.
    Natürlich nicht! Bist Du komisch smilie? Die Gemeinde informiert nicht, die stellt Schilder auf und wenn Du das nächste Mal deine Stammrunde drehen willst, gibt es für Dich eine Überraschung. Die Andechser Trails liegen natürlich auch nicht im Einzugsgebiet einer Gemeinde, sondern betrifft mindestens mal Andechs/Erling, Herrsching, Seefeld und natürlich auch die Richtung Fischen/Pähl/Wielenbach... Hier hat insbesondere in der Zeit um Corona die Anzahl der Biker, hauptsächlich eBiker, massiv zugenommen. Da die Touren dann auch in Komoot aufgetaucht sind, ist das bis heute eher schlimmer geworden. Ich habe ein Haus an so einer Route und an schönen Wochenenden im Sommer stehen 20-30 Biker pro Tag in meinem Grundstück (trotz Schildern Privatgrundstück, Zufahrt, Kein Seezugang) und wundern sich, dass dort keine Durchfahrt zum See ist... Dieses Jahr hat so'n Gravelheini mich und meine 6-jährige Tochter fast im meinen eigenen Garten über den Haufen gefahren...

    Vielen von denen fehlt komplett das soziale Miteinander. Wenn Du von Andechs runter mit deinen Kumpels durch die Pilger schrubbst, dass die hocherregt in die Büsche hüpfen, kommt das auf Dauer nicht so gut. Die schmaleren Trails sind natürlich auch in einigen Bereichen jetzt keine schmalen Trails mehr... Und so führt das eine zum anderen. Ich habe 2020 mit einigen Kollegen von der DIMB im Austausch gestanden, um über Wegesperrungen und mögliche Wegesperrungen zu sprechen. Mittlerweile ist vieles davon Realität...

    Das die Biker quasi keine Lobby haben, ist sicher richtig. Aber wenn man sich die Radfahrer anschaut, egal ob auf der Straße, im Gelände oder in der Stadt - viele schei***** sich einen Dreck um Regeln, andere Verkehrsteilnehmer oder um Erholungssuchende in der Natur. Das geht halt nur, wenn man Rücksicht auf einander nimmt. Wie man in der Wald rein ruft...
  3. viele schei***** sich einen Dreck um Regeln

    Und genau deshalb sind für diese Leute auch Verbote fragwürdig, weil sie es eh ignorieren.
    Ausgeschlossen sind dann die, die sich brav an die Regeln/Gesetze halten und sonst auch kein Problem darstellen würden. smilie
  4. Und genau deshalb sind für diese Leute auch Verbote fragwürdig, weil sie es eh ignorieren.
    Ausgeschlossen sind dann die, die sich brav an die Regeln/Gesetze halten und sonst auch kein Problem darstellen würden. smilie
    Ist leider so!
    Appelle werden von vielen nicht wahrgenommen, als Folge kommen die Verbote.
  5. Und genau deshalb sind für diese Leute auch Verbote fragwürdig, weil sie es eh ignorieren.
    Ausgeschlossen sind dann die, die sich brav an die Regeln/Gesetze halten und sonst auch kein Problem darstellen würden. smilie
    Genau so ist es... Das ist die Konsequenz...
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