Es ist kein Geheimnis, das gewisse Teile der MTB-News-Redaktion große Fans der schönen Stadt Innsbruck sind. Nicht zuletzt einer der Gründe, weshalb wir unseren Jahresausklang 2012 trotz Schnee und Kälte mit dem Rad in Innsbruck zelebrierten. Bis heute kommen wir immer wieder gern in die Tiroler Landeshauptstadt, sei es zum Testen, zum Trainieren oder einfach nur um Spaß zu haben. Dass wir uns dabei nahezu jedes Mal strafbar machen, ist nicht von der Hand zu weisen, denn wie in Baden-Württemberg gilt auch ein Tirol ein striktes Trail-Verbot für Mountainbiker. Aber das kann doch kein Zustand sein! Unser Redakteur Markus kommentiert die aktuelle Situation am Ufer des Inns.

Hoch über Innsbruck am Nordkette Singletrail - der einzigen legalen MTB-Strecke in Innsbruck.
# Hoch über Innsbruck am Nordkette Singletrail - der einzigen legalen MTB-Strecke in Innsbruck. - Foto von Tom Bause.

Sportstadt Innsbruck: Ein zweifelhafter Ruf kommt ins Wanken

I_love_trailSeit fünf Jahren lebe ich jetzt in Innsbruck, der Sportstadt Innsbruck. Doch verdient sie diesen Titel überhaupt? Klar, es leben viele Sportler in Tirols Landeshauptstadt und ohne Frage wird auch viel für Sport im Großen und Ganzen getan. Aber wie schaut es mit abfahrtsorientiertem Mountainbiken aus? Dem Pendant zum viel gefeierten Alpin-Skisport.

Wer in Innsbruck lebt sieht schon seit vielen Jahren, wie die Szene mehr und mehr wächst. Schon seit einigen Jahren kann nicht mehr nur von einer unbedeutenden Minderheit gesprochen werden. Somit sollte die Sportart heute eigentlich nicht mehr jung und ungewiss sein. Möchte man zumindest meinen.

In Innsbruck ist das Ausführen dieses Sports ein einziger Kampf, denn der Widerstand ist groß! Auch weil man sich auf den Wanderwegen mit einigen anderen Interessensgruppen arrangieren muss. Es ist ein heißes Pflaster, der Platz für Downhiller und Enduro-Fahrer ist überaus knapp. In Innsbruck gibt es genau zwei offizielle Strecken. Genau genommen sogar nur eine: Von der Seegrube über den Nordkette-Singletrail zur Hungerburg von dort über den Hungerburgweg hinab in die Stadt. Bis zur Hungerburg extrem steil und technisch und ab der Hungerburg ungepflegt und voller Geröll. Man muss zwar anerkennend sagen, dass die Nordketten-Strecke aufgrund der Bemühungen von Trail-Solutions deutlich flüssiger, weniger Vertride-lastig dafür aber downhill-gerechter geworden ist. Sie ist und bleibt aber eine besonders anstrengende Herausforderung, selbst für versierte Biker. Kurz: Es gibt keine offiziellen, einsteigerfreundlichen oder gar flowigen Alternativen.

Die Seegrube am Start des wohl bekanntesten Singletrails Tirols.
# Die Seegrube am Start des wohl bekanntesten Singletrails Tirols.

Lanser Kopf: Ein langes Elend, mehr schlecht als recht?

Wer den Leidensweg der Mountainbiker in Innsbruck mitverfolgt hat, weiß auch von der Situation am Paschberg, auch bekannt als Lanserkopf. Einst eine lässige Geschichte um entspannt ein paar Runden mit dem Bus shutteln zu gehen. Leider aber schon wieder Vergangenheit. Ein Verbot beschränkt die Nutzung des öffentlichen Busses auf Bikes ohne Doppelbrücke, Stahlfederdämpfer und Fahrer ohne Fullface-Helm. Diese Umsetzung dieser teilweise unausgereiften Regelung hängt jedoch stark vom Ermessen des jeweiligen Busfahrers der Linie Y ab. Gibt es andere Gründe, können sie auch über die oben genannten Kriterien hinweg eine Mitnahme von Mountainbikern verweigern. Die geplante offizielle Strecke am besagten Hausberg gibt es immer noch nicht. Die Mountainbike Initiative Tirol, kurz MIT, ist zwar sehr engagiert, doch die Gesellschaft zieht einfach nicht mit. Einige Grundstücksbesitzer stellen sich quer. Es gibt also einige engstirnige Bremser in der Sportstadt Innsbruck, die die Entwicklung des Sports effektiv auflaufen lassen.

Die Sportstadt Innsbruck: In Wahrheit eine engstirnige, konservative Rentner- und Touristenstadt?

Höchst illegal und doch so schön: die Trails am Lanser Kopf
# Höchst illegal und doch so schön: die Trails am Lanser Kopf

Neue Fahrverbote: Typisch, verbieten geht leicht, erlauben nur schwer.

Liegt es an uns? Den dreckigen, unsensiblen und martialisch anmutenden Actionsportlern?

Stellt man die Frage auf diese Weise, wäre die Antwort leicht zu geben und die neuen Fahrverbotsschilder in den Innsbrucker Wäldern gut nachzuvollziehen. So leicht ist es jedoch nicht, ganz und gar nicht. Schon lange ist sich die große Mehrheit der Biker der prekären Situation bewusst: Man bremst auf Schritttempo, grüßt freundlich lässt genügend Platz, immer mehr verzichten sogar zunehmend auf Sicherheit und fahren zugunsten des freundlicheren Erscheinungsbildes mit Halbschale statt mit Fullface-Helm. Was Mountainbiker (zumindest in meinem Umfeld) nicht alles machen, um die Situation zu entschärfen. Und wie ist das Feedback? Nicht zufriedenstellend auf jeden Fall.

Gibt es noch immer so viele schwarze Schafe?Entweder gibt noch zu viele schwarze Schafe in den eigenen Reihen, die uns durch Ihr Verhalten in den Rücken fallen oder aber der Sport ist in den Köpfen des Durchschnittstirolers, vor allem aber in denen der Entscheidungsträger, noch nicht angekommen. Es scheint einfach nicht verstanden werden zu wollen, worum es da geht: Stichwort Natur- und Sportbegeisterung auch für Jugendliche, ehrlicher Spaß und Flow ganz ohne Rauschmittel.

Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass geplante offizielle Strecken oft durch eine Vielzahl von privaten Grundstücken verlaufen würden. Eine, wie im Fall Paschberg in Innsbruck, ernst zu nehmende Hürde bei der Umsetzung. Fakt ist: Den mittlerweile Massen an Downhillern und Enduro-Fahrern wird keine vernünftige Grundlage für Ihren Sport und ein möglichst konfliktarmes Miteinander gewährt.

Spaß mit dem Mountainbike kann man in Innsbruck nahezu überall haben, doch es ist nirgends legal.
# Spaß mit dem Mountainbike kann man in Innsbruck nahezu überall haben, doch es ist nirgends legal.

Für die Zukunft: Potenzial voll erkennen und nutzen

Das Potenzial, das im Großraum Innsbruck schlummert, ist gewaltig. Würde man in Frankreich, oder sei es nur in anderen Teilen Österreichs, wo der Sport längst ein akzeptierter Breitensport ist, einen Vortrag über unsere Topografie wie auch die gegebene Seilbahn-Infrastruktur halten, würde man sicher auf breiter Linie ausgelacht werden, für die ungenutzten Chancen und die verschenkten Tourismuseinnahmen. Klar, einige Beispiele neu gebauter Bikeparks gibt es mittlerweile auch in Tirol, mit teilweise stark schwankender Qualität: So brüsten sich Lermoos, Steinach oder Kirchberg mit vermeintlicher Mountainbike-Freundlichkeit, bieten jedoch alles andere als gut gepflegten Trail-Spaß. Einzig Serfaus-Fiss-Ladis scheint das Potenzial derzeit zu erkennen und dementsprechend clever zu nutzen. Eins haben sie jedoch alle gemein, sie sind allesamt Neuerscheinungen der letzten Jahre. Zu ihnen reihen sich bike-freundliche Gebiete, die sich durch einzelne Trails dem Mountainbike-Tourismus nicht verschließen möchten. Zum Beispiel Ischgl, Sölden oder Nauders. Doch es scheint, als ob das Potenzial der Sportart bisher nur von sehr wenigen Entscheidungsträgern verstanden wurde.

Stattdessen wird der Raum so knapp gehalten!Wenn man bedenkt, welcher Unsinn teilweise in der Bergwelt Einzug hält  – denn man muss die touristisch erschlossenen Berge ja auch für den Nachwuchs der zahlungswilligen Stammgäste attraktiv halten, dann ist es umso trauriger, dass ein erstzunehmender Sport der für Jung und Alt gleichermaßen Spaß bedeutet keinen Platz in dieser Szenerie zu haben scheint. Statt den Downhill World Cup auf einer überwiegend unbeliebten Bike Park-Strecke in Leogang auszutragen, wäre beispielsweise der Patscherkopfel am Rande der Sportstadt Innsbruck mit ihrem riesigen Einzugsgebiet eine prädestinierte Ausgrabungsstätte für solch ein Event der Superlative. Stattdessen wird der Raum so knapp gehalten, dass man als Sportler sehr schnell kriminalisiert wird.

Die Nordkette gilt als Eventstätte Nr.1 für sportliche Wettbewerbe in Innsbruck.
# Die Nordkette gilt als Eventstätte Nr.1 für sportliche Wettbewerbe in Innsbruck. - Ob Nordkette DH.Pro oder Nordkette Quartett, wenn eine Veranstaltung rund ums Thema Mountainbiken in Innsbruck ausgetragen werden soll, führt an der Nordkette kein Weg vorbei.

Fazit

Für den Innsbrucker Biker ist als Alternative zur bestehenden Nordkette eine weitere Strecke am Paschberg geplant, die wohl kurz vor der Umsetzung stehen soll. Allerdings nur, wenn die letzten Unterschriften der entsprechenden Grundstückseigentümer auf Papier gebracht werden können.

Doch es scheint als könne der Widerstand bald durchbrochen werden. Für die Optimisten unter uns stünde zum Beispiel die Patscherkofelbahn, welche ab Oktober in den Besitz der Stadt übergeht,  als Hoffungsträger bereit. Am Patscherkofel hätte man ein vielversprechendes Gelände. Wenn man wollte, könnte man dort mit Sicherheit alle Interessen unter einen Hut bringen. Doch was auch passiert, schnell wird es nicht gehen, soviel ist gewiss!

Wir lieben Innsburck - das MTB-News-Team!
# Wir lieben Innsburck - das MTB-News-Team!

 

  1. benutzerbild

    zeroracer

    dabei seit 08/2013

    Ich schätze mal das sind primär die Krankenversicherungen die versuchen in so einem Fall sich die Kohle vom Wegeigentümer wieder zurückzuholen.
    Mag sein, dürfte aber dem geklagten Wegeigentümer recht egal sein wer's letztendlich war. Denke das Problem ist im Moment die Rechtslage rund um die Haftung!?
    Muss aber auch dazusagen, dass in meiner Region zwar überall Verbotstafeln stehen, ich aber noch nie Probleme hatte. Und scheint hier nicht nur mir so zu gehen, denn es ist sehr viel los! Auch auf den Trails...
    Kann die Meinung mancher hier nicht teilen, es wird besser! Siehe Ischgl, Nauders, Serfaus, Fiss und viele mehr in Tirol!
    War man vor ein paar Jahren noch ein Spinner, ist's in diesen Regionen jetzt ganz normal auf den Trails zu fahren!
  2. benutzerbild

    flip_65

    dabei seit 01/2011

    Bzgl. Naturfreunde: http://noe.orf.at/news/stories/2664254/
    die können also auch anders ...
    Aus dem Link von @roliK (danke dafür, btw):

    "Jetzt will SPÖ-Landtags- und frühere EU-Abgeordnete Karin Scheele mit den Naturfreunden einen neuen Anlauf starten. „Rechtlich redet man sich auf nicht geklärte Haftungssituationen aus“, sagte Scheele am Donnerstag bei einer Pressekonferenz, „das ist aus meiner Sicht aber kein Argument, denn es gibt Lösungen, zum Beispiel eine Änderung des Forstgesetzes.“"
  3. benutzerbild

    grdi

    dabei seit 12/2009

    - Mountainbiker sind naturverbundene, erholungsuchende Freizeitsportler und keine "schwarzen Schafe"
    - Haftungsfrage ist bei momentaner rechtlicher Lage in Österreich dem Mountainbiker gegenüber nicht relevant.
    • Mountainbiken ist verboten, außer ausdrücklich erlaubt.
    • Forststrassen sind mit Fahrverbotstafel gekennzeichnet > somit Haftung nur bei Vorsatz (also drahtspannen und so weiter)
    • Forststrassen sind nicht mit Fahrverbot gekennzeichnet (Ausnahme) >> Haftung nur bei grober Fahrlässigkeit
    • Wege sind laut Recht ohnehin für jeden erkennbar das man da nicht fahren darf > somit Haftung nur bei Vorsatz
    Also das ist die Haftung. Trotzdem kann jeder jeden klagen. Ausgang im Fall von Mountainbiker aber klar.​
    Optimale Lösung auch für Österreich wäre die bayrische: "das Befahren von geeigneten Wegen mit dem Krankenstuhl und Fahrrad" ist erlaubt.
    Somit entscheidet der Ausübende ob der Weg für ihn geeignet ist. Ergo >> keine Haftung.

    Anbei Broschüre über Haftung:
  4. benutzerbild

    marx.

    dabei seit 02/2007

    Die Strecke scheint auch nicht so explizit Verboten zu sein wie die restlichen Abfahrten vom Lanzer Kopf. Zumindest stehen keine Verbotsschilder. Da es auch offensichtlich eine Bike Strecke ist trügt die Stadt wohl beide Augen zu.

    glaub das dürfte daran liegen, dass die auch nie so hoch frequentiert war. Eben weil man selbst nach der Bahnfahrt nochmal hochkurbeln bzw. hochschieben musste.

    Und leider gabs halt echt viele Vollidioten. Zuviele. Von Colaflaschen im Gebüsch, die nie wieder abgeholt wurden, bis zu leuten, die einfach mal an Wanderern mit unangeleinten Hunden mit 40 km/h vorbei Pflügen (davon gibts sogar ein Youtube Video... die Deppen) hab ich alles gesehen.

    Ich hab da oben auch nie Probleme gehabt. Auch nicht mit Fullface. Wenn wer kommt runter auf Schrittempo oder notfalls ganz anhalten, ein freundliches Servus und bisher hat noch jeder lächelnd zurück gegrüßt.

    Aber dann erleb ich wieder sowas: mein neuer Mitbewohner (der sich mein Bike geliehen hat) erzählt mir, dass er angepöbelt wurde. Nach meinem nachfragen kam dann heraus, dass er halt wie ein Depp an den Leuten vorbei geheizt ist. Hinweis meinerseits, dass das nicht okay sei: "Ach die sollen sich nicht so anstellen, können mir doch eh nix". Keinerlei Einsicht.

    Fazit: Sobald der jetzt im Herbst sein eigenes Enduro Bike bestellt, fährt da oben der nächste Depp rum.... Ich kann also nicht behaupten, dass ich die nicht Biker dort nicht verstehen könnte. Die Idioten sind nicht soooooo in der Minderheit, wie viele sich das immer einreden.
  5. benutzerbild

    Tyrolens

    dabei seit 03/2003

    Die Idiotie aggregiert sich gerne. smilie

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