Warum Carbon?
Ausgangspunkt ist ein Vergleich am Unterrohr: Ein Aluminium-Down-Tube wiegt etwa 500 Gramm, ein vergleichbares Carbonrohr rund 300 Gramm – also rund 200 Gramm Unterschied. Trotzdem ist Gewicht nicht das Hauptziel. Carbon eröffnet vor allem zusätzliche Freiheitsgrade bei der Auslegung: Steifigkeit kann gezielter beeinflusst und Material dort eingesetzt werden, wo es strukturell sinnvoll ist. Der Fokus liegt damit weniger auf Minimalgewicht, sondern auf Funktion, Dauerhaltbarkeit und Vielseitigkeit.
Nachhaltigkeit & Embodied Energy
Auch das Thema Nachhaltigkeit wird differenziert betrachtet. In Gesprächen mit Compotech, dem Hersteller der Carbonrohre, zeigt sich:
- Carbon-Produktionsabfälle sind verwertbar und nachgefragt.
- Das Rohrwickelverfahren erzeugt sehr wenig Verschnitt.
- Die Carbonrohre werden in der EU gefertigt.
- Beim Vergleich der Embodied Energy zeigte sich bereits zuvor: Aluminium und Carbon liegen näher beieinander als oft angenommen – abhängig von Recyclingquote, Transportwegen und Nutzungsdauer.
Warum Kleben?
Carbon kann nicht geschweißt werden, mechanische Verbindungen bringen eigene Nachteile mit sich. Strukturelles Kleben bietet theoretisch Vorteile wie gleichmäßige Lastverteilung, elektrische Trennung von Carbon und Aluminium sowie Schutz vor Feuchtigkeit – funktioniert aber nur als sauber abgestimmtes Gesamysystem.
Die Aluminium-Lugs bestehen aus 6000er-Serie Aluminium, unter anderem wegen des geringeren Korrosionsrisikos in einer Mischbauweise. Alle Klebeflächen bleiben bewusst RAW, um die Langzeithaftung nicht zu beeinträchtigen.
Prozess & offene Fragen
Der gezeigte Prozess ist ein Work in Progress: Reinigung mit Alkohol, mechanische Vorbereitung, zeitnahes Fügen. Im Fokus stehen zudem zwei Klebstoffe: 3M DP420 und DP490. Ermüdungsverhalten, Temperaturbereich und Verarbeitungssicherheit werden gegeneinander abgewogen. Klar ist: Fahrräder können realistisch Temperaturen von 80–90 °C erreichen – und genau dort ändern Materialien ihr Verhalten.
Fazit
Das zentrale Fazit der Episode ist bewusst nüchtern: Der Rahmen wird nach aktuellem Stand vermutlich nicht leichter, könnte aber besser und vielseitiger werden. Es geht nicht darum, Carbon gegen Aluminium auszuspielen, sondern um ein System mit mehr Entwicklungsfreiheit und Optionen über mehrere Iterationen hinweg.
Ausblick
In Episode 6 wird es konkret: Kavenz besucht Compotech und zeigt den Weg der Carbonrohre von CAD über CAM bis zur CNC-Fertigung – und wie viel der Theorie sich in der Praxis bewähren muss.
Was sagt ihr zur neusten Episode von Kavenz?
Hier findest du die spannendsten Mountainbike-Videos – und das sind die letzten fünf Bike-Videos:
- MTB Frame Development – Episode 12: Kompletter Aufbau & erste Ausfahrt
- Level-Up Folge 2: MTB-Fahrwerk richtig einstellen – Profi-Tipps mit Jasper Jauch
- Das kann niemand kaufen: Jesse Melamed über sein extra kleines Canyon Strive
- MTB Frame Development – Episode 11: Erstes vollständig verklebtes Frontdreieck
- Beyond the Ridge: Die Suche nach dem besten MTB-Trail Norwegens
Forumsgold #1: Die besten 5 IBC Forums-Threads der Woche
Cape Epic 2025 – 6. Etappe
MTB Frame Development – Episode 12: Kompletter Aufbau & erste Ausfahrt
Cape Epic 2025 – 4. Etappe

55 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumWürde mich halt interessieren ob das wirklich gemacht wird oder auch dieses Carbon in der Realität Ocean- oder Landfill wird.
Wäre ja eine tolle Entwicklung wenn das hier anders Laufen würde!
Das Thema unterschiedliche Wickelungen etc. zu realisieren um zB. den Flex zu steuern ist ja schön und gut und ein Vorteil gegenüber einem einfachen Alurohr, aber eben nichts was man nicht auch anders bewerkstelligen könnte und es meines Erachtens rechtfertigen würde, damit "endgültigen" Müll in einem Hobby zu schaffen, dass auf diese darunter leidende Natur angewiesen ist.
! Und nein- ich behaupte nicht ein Heiliger zu sein!
Den Plastikmüll mit kleingeschredderten Kohlenstofffasern will kaum einer haben, weil die Fasern zu kurz sind. Da können keine Gewebe für neue CFK-Teile draus gemacht werden.
Das hört sich alles immer ganz toll an, bei genauerer Betrachtung ist und bleibt es faserverstärkter Plastikmüll.
Wie immer ein interessantes Video und Ansätze.
Zu der E Sache kann ich nix sagen, würde mich aber freuen, wenn Kavenz dieses Thema den Zahlreichen Mitbewerbern überlassen könnte. Gefallen tut mir der Muffen/Plaste Style schon, müsste ich wählen, würde ich wohl zur günstigeren Variante greifen, sowie hätte ich Angst vor Knarzen, oder sonst welchen Altersbedingten Begleiterscheinungen bei der Klebetechnik. Versuche meine Rahmen aber auch immer möglichst lange zu fahren, was bei Kavenz durch die vielen Updates ja super funktioniert.
Getriebe ist seit mittlerweile schon bald Jahrzenten 😉 Traum vieler feuchter Träume. Jedoch wurde in meinem Umfeld die häufige Schwärmerei allzu oft von der Realität (und schlussendlich einer Kettenschaltung/(oder wenigstens einer Kette) abgelöst. Wirkungsgrad, Preis, Gewicht, alles wird besser. Aber wenn mal was ist, würde halt nur ein Ersatzgetriebe in der Werkzeugkiste, oder erweiterte, Polytechnische Kenntnisse etwas bringen, um zeitnah der Gerät wieder nutzen zu können.
Bezüglich Recyclings der Plasterohre könnte ich mir aber gut vorstellen das bei der CZ/D Symbiose was Ordentliches bei rauskommt.
Mal schauen wo die Reise hingeht.
Ich würde mich freuen wenn ich mir als nächsten Rahmen wieder ein Kavenz leisten könnte/möchte
✌️
Zum Thema Knarzen habe ich bei der Verschraubung ums Tretlager erheblich mehr bedenken, als bei der Klebeverbindung zwischen Muffe und Rohren. Die Überlappung und damit die Klebefläche scheint sehr groß zu sein.
Mein Cannondale Raven ll Rahmen ist mittlerweile über 25 Jahre alt und noch nicht zu Staub zerfallen, trotz erheblicher Startschwierigkeiten. Wird aber natürlich nicht mehr so stark gefordert. Alu ist, von der Dauerfestigkeit in der Theorie eher schlecht. Trotzdem funktionieren die Rahmen auch über längere Zeit, wenn das Material bei der Verarbeitung richtig behandelt wurde. Mit CFK und Verklebung ist es genauso.
Mal sehen wie die endgültige Version aussieht, aber ein bisschen an gefixt bin ich schon, den Tretlager Bereich darf man halt nicht so oft reinigen, dann ist es optisch nicht so schlimm 😬
Wir laden dich ein, jeden Artikel bei uns im Forum zu kommentieren und diskutieren. Schau dir die bisherige Diskussion an oder kommentiere einfach im folgenden Formular: